06/12/2019

Delicious & Co.: Social Bookmarks am Ende?

Noch vor ein paar Jahren waren sie schwer angesagt: Social-Bookmarking-Dienste. Auf Diensten wie Delicious (damals noch nach der URL “del.icio.us” genannt) oder dem deutschprachigen Mister Wong hat man seine Lesezeichen bzw. Bookmarks gespeichert. Zum einen, um – daher das “Social” – die Bookmarks mit Gleichgesinnten zu teilen, zum anderen, um auf die Lesezeichen von verschiedenen Computern aus zurückgreifen zu können.

Synchronisierung der Lesezeichen bzw. Bookmarks

Nur zur Erinnerung, es gab mal eine Zeit, bei der man nicht wie selbstverständlich das Internet mittels Smartphones oder Tablets mit sich trug. Man saß bei der Arbeit – oder in der Uni – vor einem Rechner, man saß abends vor “dem PC” oder dem Laptop. Da man mehrere Rechner nutze, war es sinnvoll, dass man die Lesezeichen nicht lokal speicherte, sondern im Netz, um über andere Rechner auf die Lesezeichen zugreifen zu können. Also die Lesezeichen zu synchronisieren. Dazu kam, dass man die Lesezeichen bei Delicious & Co. mit Hashtags versehen konnte, was es einem auf ermöglichte, bei 1000+ Lesezeichen den Überblick zu behalten.

Links sharen

Zweiter Grund, warum Bookmark-Dienste so populär wurden, dass es schließlich gut 200 verschiedene Dienste (von denen vielleicht 10 eine größere Nutzermasse erreichten) gab, was das Sharen – also das Teilen – der Links. Hat man sich bei Delicious eingeloggt, sah man sofort, was für Lesezeichen gerade populär waren – und was für Links “Freunde” gespeichert haben. Auf diese Weise tauschte man sich über spannende Webseiten und Artikel aus.

Das derzeitige Layout von Delicious - wenig einladend.

Das derzeitige Layout von Delicious – wenig einladend.

Vom Boom zum Elend

Wie gesagt, Social Bookmarks waren irgendwann so “angesagt”, dass ständig neue Dienste hinzukamen. Alle wollten ein Stück vom Kuchen – also den Nutzern – abbekommen. Das hat natürlich die SEO-Dienstleister auf den Plan gerufen, die die Bookmarking-Dienste genutzt haben, um die Seite zu pushen. Wurden – und werden – die Links auf die zu pushende Webseite Stück für Stück (also so, dass es “organisch” aussah) auf den Diensten erstellt, stieg die Seite im Google-Ranking. Da dies von den Betreibern der Bookmarking-Dienste nicht gewollt war, setzen diese auf abschreckende Maßnahmen wir etwa Captchas, die jedoch auch die Benutzbarkeit für “normale” User einschränken. Wer will schließlich (oftmals verzweifelt) verschwommene Buchstaben und Ziffern entziffern, nur, um einen einzigen Bookmark zu setzen?

Als deutlich schlimmer für die Dienste als die SEO-Leute erwiesen sich jedoch Twitter, Facebook & Co. Mit dem Siegeszug dieser Dienste sahen Social-Bookmarking-Dienste plötzlich ganz als aus – wer heutzutage “seine” Links teilen will, macht dies über Facebook, Twitter, Xing und was es da noch so alles gibt.

Dazu kam, dass mit dem Aufkommen der Smartphones und Tablets das Synchronisieren der Bookmarks so elementar wurde, dass die Funktion wie selbstverständlich von diesen bzw. von den Browsern übernommen wurde. Wer etwa ein Android-Smartphone in Kombination mit Chrome nutzt, für den sorgt Google dafür, dass bei allen genutzten Chrome-Versionen – also auf dem PC, dem Laptop, dem Smartphone, dem Tablet, dem Rechner auf der Arbeit etc. – die Bookmarks synchronisiert werden. Wozu dann noch einen externen Anbieter nutzen, bei dem man womöglich sogar noch Captchas eingeben muss?

Social Bookmarks: Was bleibt

Mittlerweile ist es so, dass die Social Bookmarks aufgrund dieser Entwicklung ein Nischendasein fristen. Viele populäre Dienste wie Mr. Wong haben die Funktion ganz eingestellt, manche wie Delicious halten sich noch irgendwie über Wasser, aber die Kleinen gehen ganz vom Netz. Gab es in Deutschland mal mehr als 100 verschiedene Anbieter, sind jetzt noch zwei Dutzend übrig – Tendenz fallend.

Genutzt werden diese Dienste hauptsächlich nur noch für SEO-Zwecke, der normale Privatnutzer ignoriert die Dienste normalerweise. Ein Zustand, der sich wohl auch nicht mehr groß ändern wird. Social Bookmarks werden sich in ihrer Nische behaupten, aber ohne jemals wieder populär zu werden – warum auch, wenn Bookmarks bereits automatisch synchronisiert werden und es Facebook gibt?

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

PR für E-Commerce

In dem letzten Beitrag hier im Blog haben wir uns mit der Frage auseinandergesetzt, was PR für die Suchmaschinenoptimierung bzw. SEO leisten kann. Dabei kamen wir zu dem Fazit, dass sich im Zeitalter des Internets die einzelnen Bereiche der Kommunikation nicht mehr trennscharf voneinander trennen lassen, in der Praxis lassen sich die besten Gewinne (bzw. die besten Kosten-Nutzen-Verhältnisse) erzielen, wenn die einzelnen Maßnahmen möglichst eng miteinander verschränkt werden. Das Stichwort für die PR lautet hierbei Crossmedia, durch das Bespielen der klassischen Printmedien und der digitalen Welt lassen sich enorme Synergieeffekte erzielen.

Für PR-Agenturen, die noch aus dem klassischen Print-Bereich kommen, bedeutet dies, dass sie sich den Digital Relations zuwenden müssen, um überleben zu können – ein einfaches “weiter so” auf bewährten Pfaden gibt es nicht. Und auch die Unternehmen, denen es bisher reichte, in den klassischen Printmedien mit PR-Beiträgen und Werbung vertreten zu sein, müssen sich zwangsläufig auf die Wandlung in der Mediennutzung umstellen, auch für sie ist ein “weiter, so, das haben wir bisher immer so gemacht” alles andere als zielführend.

E-Commerce: Die “Digital Natives” unter den Unternehmen

Gänzlich anders stellt sich die Situation dar, wenn man die ganzen E-Commerce-Unternehmen betrachtet, die mittlerweile auch in Deutschland wie Pilze aus dem Boden sprießen. Die Unternehmen sind im Internet “zu Hause”, die meisten beherrschen Online-Marketing (bzw. “Web-Marketing” oder “Internet-Marketing”), Suchmaschinenoptimierung (SEO) und Suchmaschinenwerbung (SEA) wie aus dem Effeff. Dabei zeigen sich durchaus Parallelen zum Generationenkonflikt zwischen den “Digital Natives” der jungen Generation und der älteren Generation, die sich von den “Internetbewohnern” Ausrücke wie “Internetausdrucker” oder “Totholzleser” anhören muss.

Kaum etwas ist bei Google so umkämpft wie Suchbegriffe wie "E-Commcerce günstigster Anbieter"

Kaum etwas ist bei Google so umkämpft wie Suchbegriffe wie “E-Commcerce günstigster Anbieter”

Unternehmen, die im Internet gestartet sind, haben einfach ein ganz anderes Verhältnis zum Internet, als Unternehmen, die sich nur aus der Not heraus dem digitalen Wandel öffnen. Deshalb stellt sich hier natürlich die Frage, ob – und was – PR für E-Commerce-Unternehmen leisten kann. Und ob es überhaupt sinnvoll ist, für E-Commerce-Unternehmen auf PR-Agenturen zu setzen, da sie sich doch selbst im Internet so gut auskennen.

Crossmedia ist Trumpf

Die Antwort hierauf lautet ja, und zwar vor allem aus einem Grund: Wie anfangs dargelegt wurde, lassen sich die höchsten Synergieeffekte durch Crossmedia-Strategien erzielen. Das heißt, eine PR-Agentur, die sich nur auf die digitale Welt oder auf das klassische Print-Gewerbe konzentriert, verschenkt enorme Potenziale.

Natürlich muss sich Kommunikation dem digitalen Wandel öffnen – gleiches gilt aber auch andersherum: Nur, weil man im Internet zu Hause ist, heißt das noch lange nicht, dass man sich es leisten kann, die “reale Welt” zu vernachlässigen. Gute Kommunikation muss immer ein möglichst optimales Kosten-Nutzen-Verhältnis erzielen, und da ist Crossmedia naturgemäß unschlagbar.

Print schafft Vertrauen

Ein riesen Vorteil, den auch die beste Suchmaschinenoptimierung nicht egalisieren kann, besteht darin, dass Print – oder andere “klassische Medien” wie Fernsehen oder Hörfunk” Vertrauen stiftet. Berichtet die Tageszeitung positiv über ein Unternehmen, bleibt in den Köpfen des Lesers hängen, dass das Unternehmen vertrauenswürdig ist. Und Deutsche sind – im Gegensatz zu den Amerikanern – sehr vorsichtige Menschen, was das Shoppen im Internet betrifft. Selbst wenn sie auf ein günstiges Angebot stoßen, schlagen sie nicht zu, da sie dem Anbieter nicht ohne Weiteres Vertrauen. Wer gibt schließlich schon einem Internetunternehmen die eigene Kreditkartennummer, wenn er noch nie vorher etwas von dem Unternehmen gehört hat?

Deshalb “beackert” eine erfolgreiche PR für E-Commerce-Unternehmen beide Schienen: In der klassischen Kommunikation wird dafür gesorgt, dass die Bekanntheit (und damit das Vertrauen) des Unternehmens gesteigert wird, durch Digital Relations, Social Media und Suchmaschinenoptimierung wird dafür gesorgt, dass die Leute schließlich auch zur Webseite gelangen. Und das alles crossmedial, also unter bestem Kosten-Nutzen-Verhältnis.

E-Commerce-Unternehmen haben häufig eine ganz andere SEO-Strategie als PR-Agenturen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die PR-Agenturen damit in diesem Bereich überflüssig sind, vielmehr stellen sie eine gute Ergänzung zum vorhandene Link-Mix dar. Im Idealfall wird der Linkaufbau so betrieben, dass der Link-Mix möglichst breit gestreut ist, tausende Links aus einer Ecke helfen einem bei Google & Co. nicht wirklich weiter. Generiert ein Unternehmen etwa ausschließlich Links aus den Presseportalen, dann hat die Suchmaschinenoptimierung eine Schlagseite, die negativ auf das Ranking einzahlt. Umgekehrt gilt jedoch auch, dass ein Link-Mix, der noch keine hochwertigen Links aus den Presseportalen enthält, durch Links aus eben dieser Quelle stark aufgewertet wird.

Gleiches gilt für die “Social Shares” via Twitter, Facebook, Google+, Instagram, Pinterest, Delicious, RebelMouse, Storify usw., auch hier kommt es darauf an, ein möglichst ausgewogenes Verhältnis zu gewinnen, welches zudem auch noch natürlich bzw. organisch aussehen sollte. Aber neben digitaler Pressearbeit und Social Media hat PR noch deutlich mehr zu bieten, mit denen die bisherigen SEO-Maßnahmen und das Online-Marketing wunderbar ergänzt werden können. Beispielsweise können über Blogger Relations hochwertige Links (& Traffic!) geschaffen werden, wenn man sich der Fallstricke bewusst ist. E-Commerce-Unternehmen sollten sich daher fragen, wo ihre Stärken in der (Online-)Kommunikation liegen – und wo die Schwächen liegen. Werden die klassischen Medien beackert? Ist man in den Online-Presseportalen präsent? Gibt es eine Social-Media-Strategie und wird diese auch sinnvoll und kostengünstig umgesetzt? Hält man die Verbindung zu wichtigen Multiplikatoren im digitalen Raum wie etwa den Bloggern? Wenn nicht, dann sollte die Kommunikationsstrategie überarbeitet werden – oder man sucht den Kontakt zu einer PR-Agentur.

Sinn und Unsinn von Hashtags

Gemunkelt wurde es schon länger, nun ist es auch offiziell bestätigt worden: Facebook führt jetzt (endlich) auch die Hashtags ein. Dann soll es wie bei Twitter, Instagram und neuerdings auch Flickr möglich sein, mit einem Klick auf den Hashtag sich sämtliche Beiträge anzeigen zu lassen, die mit dem entsprechenden Hashtag gekennzeichnet sind. Nach Angaben von Facebook ist das nur eine der vielen Maßnahmen, die das soziale Netzwerk plant, um die Kommunikation innerhalb der Community zu stärken.

Bisher war es so, dass Twitter, obwohl mit deutlich wenigern Nutzern, bei aktuellen Themen immer die Nase vorne hatte, da man dort (nicht nur, aber auch aufgrund der Hashtags) viel eher und leichter die News zu einem bestimmten Thema als bei Facebook erfuhr. Bei Facebook sind die Nutzer immer deutlich stärker an “ihre” Timeline gebunden gewesen, während Twitter deutlich stärker wie ein offener Nachrichtenstrom funktioniert.

Neben der Stärkung der Kommunikation innerhalb der Facebook-Community spielt aber auch wieder Werbung (bzw. die verbesserte Schaltung von Werbung) eine wichtige Rolle für die Entscheidung von Facebook, Hashtags einzuführen. So schreibt beispielsweise DIE WELT:

Viele der Inhalte, die täglich auf dem Netzwerk geteilt werden, drehten sich um “Marken, Produkte, öffentliche Personen oder lokale Geschäfte”, heißt es auf dem Marketingblog von Facebook. Manager Lindley erwähnte zusätzlich Fernsehserien und Sportereignisse – Gelegenheiten, die auch für Werbekunden interessant sein dürften.

Wie sind Hashtags entstanden?

Zurück gehen die Hashtags auf die gängigen Verschlagwortungen (Tags) bei “normalen” Blogs und anderen Diensten wie etwa Delicious. Dabei stand hier gar nicht mal der Nachrichtenfluss wie bei Twitter, sondern eher die Wiederauffindbarkeit und die Zuordnung im Vordergrund. Getreu dem Motto: Ordnung muss auch im Internet sein. Twitter selbst, damals noch sehr rudimentär, führte die Hashtags 2007 ein. Hashtag deshalb, weil das Doppelkreuz “#” im Englischen “hash” heißt.

Dadurch, dass man jetzt nur noch auf das Wort klicken musste, vor das ein # gesetzt wurde, um sich sämtliche Tweets in Echtzeit anzeigen zu lassen, die ebenfalls mit dem Hashtag versehen sind, erfuhr Twitter einen enormen Bedeutungszuwachs. Passierte irgendwo ein Ereignis, setzte sich in kürzester Zeit ein einheitlicher Hashtag durch, mit dem die Tweets gekennzeichnet wurden. Eigentlich ist das nur eine primitive, aber bequeme Suchfunktion, was der Popularität jedoch keinen Abbruch tat (und tut).

Wobei es jedoch nicht nur Ereignisse oder Themen waren, die mit einem Hashtag gekennzeichnet wurden. Sehr schnell etablierte es sich etwa, dass Konferenzbesucher ihre Tweets mit einem Hashtag versahen, um gefunden zu werden, wie etwa bei der diesjährigen re:publica mit dem Hashtag #re13. Besonders praktisch: Es kam nach relativ kurzer Zeit auch dazu , dass die Veranstalter sogenannte Twitterwalls einrichteten, auf denen dann alle Tweets mit dem entsprechenden Hashtag gezeigt wurden, auch Konferenz-Besucher ohne Twitteraccount bzw. Smartphone konnten dann die dazugehörigen Tweets lesen. Außerdem – Stichwort Second Screen – kennzeichneten die Fernsehschauer die jeweiligen Tweets mit dem Hashtag der Sendung, bestes Beispiel dürfte hierfür der #Tatort am Sonntagabend sein.

Die größte Breitenwirkung hatte in Deutschland vermutlich der Hashtag #Aufschei, mit dem Twitter-Nutzerinnen (und auch -Nutzer) auf die Stern-Geschichte um Rainer Brüderle reagierten, um Sexismus zu thematisieren – seitdem sind Hashtags praktisch in aller Munde.

Hashtags trotz besserer Suchfunktion?

Twitter_Erweiterte_Suche

Doch Twitter blieb nicht so rudimentär wie in 2007. Mittlerweile gibt es die erweiterte Suche, die es ermöglicht, die Tweets deutlich besser einzugrenzen, beispielsweise nach der Region, bestimmten Wortkombinationen oder danach, ob der Tweet einen Link enthält.

Dadurch müsste sich der Hashtag eigentlich erledigt haben – was aber nicht passierte. Und das durchaus aus einer doppelten Bequemlichkeit: Menschen, die sich etwas angewöhnt haben (in diesem Fall den Hashtag) bleiben meist dabei, auch wenn es bessere Alternativen gibt, zum anderen ist ein Hashtag so schon eine verdammt bequeme Sache, man muss nur drauf drücken, statt irgendwelche Wörter in eine Suchmaschine einzugeben.

Praktischer Nutzen des Hashtags
Neben der reinen Suchfunktion haben die Hashtags jedoch auch einen harten, praktischen Nutzen, wenn man mehrere Dienste miteinander verknüpft. So ist es beispielsweise möglich, den Twitteraccount mit dem Delicious-Account zu verbinden, sämtliche getwitterten Links werden dann auch bei Delicious abgelegt, und zwar unter dem entsprechenden Tag, was das Wiederfinden der Links enorm erleichtert.

Dienste wie RebelMouse (zur Anleitung von RebelMouse) filtern und sortieren die Tweets automatisch nach den Hashtags, um sie thematisch zuzuordnen, gleiches gilt auch für Storify (zur Anleitung von Storify). Ähnliches lässt sich auch über das Twitterbarometer sagen, das mittels der mit Plus- bzw. Minuszeichen versehene Partei-Hashtags die politische Stimmungslage auf Twitter auswertet.

Hashtags werden also auch trotz besserer Suchfunktionen mt Sicherheit nicht aussterben, da der praktische Nutzen einfach zu groß ist, auch wenn der Lesefluss zum Teil durch den exzessiven Gebrauch von Hashtags gestört wird.

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

Was wird aus Delicious?

Nachtrag, 2. Oktober 2018: Mittlerweile ist Delicious ganz verschwunden, das Geschäftsmodell zieht in Zeiten von Social Media einfach nicht mehr.

Just when you thought that the site Delicious was dead and gone, it’s back…again.

(TechCrunch)

Totgesagte leben unter Umständen länger: Der Erfolg der nächsten Monate wird aller Wahrscheinlichkeit nach über die Zukunft von Delicious entscheiden. Nachdem sich bei dem Bookmarking-Dienst (zu) lange nichts getan hat, gab es in der letzten Zeit von Delicious wieder ein paar Lebenszeichen – das Unternehmen hat endlich eine neue Browser-Erweiterung und eine App herausgebracht. Außerdem zahlen sich jetzt zwei Neuerungen der jüngeren Zeit aus: Die Stacks, also die thematischen Linklisten, werden von der Community angenommen, zudem führt die erleichterte Anmeldeprozedur über bestehende Twitter- oder Facebookaccounts zu steigenden Nutzerzahlen.

Für Anfang Januar – also spätestens in den nächsten Tagen – hat Delicious schon im vergangenen Jahr ein vollkommen neues Design der Webseite angekündigt (“Big Update Coming to Delicious!”), seitdem kann man sich Screenshots vom neuen Seitenaufbau im Hausblog von Delicious anschauen.

Was an dem neuen Design – abgesehen von der Ähnlichkeit mit dem alten Digg – auffällt: Delicious präsentiert sich deutlich mehr als Community als zuvor, aus einer Plattform, die primär zum Abspeichern von Bookmarks gedacht war, soll sich stärker in Richtung Myspace, Facebook & Co. entwickeln. Angesichts der Konkurrenz sicher ein mutiges Unterfangen, aber Erfolg wäre Delicious auf jeden Fall zu wünschen.

Erfolgreich war Delicious jedenfalls mal: 2003 an den Start gegangen, wurde Delicious schnell zu einem der beliebtesten Dienste bei netzaffinen Nutzern. Der primäre Vorteil, den Delcious bot, war das Speichern der eigenen Bookmarks an einem Ort im Internet, auf den man von allen Rechnern (und Browsern!) der Welt zugreifen konnte – und man die Bookmarks mit Tags verschlagworten konnte, statt wie bisher auf eine starre Ordnerstruktur zurückzugreifen zu müssen.

Die Nutzerzahlen wuchsen schnell, 2006 hatten sich weltweit mehr als eine Millionen User registriert, was damals noch eine hohe Zahl war. Da Delicious sehr schnell eine Netzwerk-Funktion anbot, bei der man sehen konnte, was für Bookmarks die “Freunde” abgespeichert haben, entwickelte sich Delicious in Kombination mit den angebotenen RSS-Feeds zu der Plattform, um interessante Links mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Der Abstieg des ehemaligen Shooting-Stars hatte mehrere Gründe. Zum einen wurde Delicious an Yahoo verkauft, zum anderen wurden wichtige Entwicklungen verschlafen. Yahoo behandelte Delicious eher stiefmütterlich, Delicious konnte daher Twitter, Facebook & Co. relativ wenig entgegen setzen, die Nutzer tauschten zunehmend dort ihre Links untereinander aus. Die Entwicklung zum mobilen Web wurde zudem vollkommen ignoriert, obwohl das einfache Synchronisieren von Links doch eigentlich die Kernkompetenz der Plattform war.

Zur Jahresmitte 2011 hat Yahoo sich dann ganz von Delicious getrennt, neue Eigentümer wurden die ehemaligen YouTube-Gründer Chad Hurley und Steve Chen, die in der ersten Zeit vor allem durch große Ankündigungen auffielen. Bleibt zu hoffen, dass die Ankündigungen jetzt auch endlich umgesetzt werden – Delicious hat schließlich mehr verdient, als als SEO-Spam-Ablage zu enden.

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

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