06/07/2020

Was wird aus Delicious?

Nachtrag, 2. Oktober 2018: Mittlerweile ist Delicious ganz verschwunden, das Geschäftsmodell zieht in Zeiten von Social Media einfach nicht mehr.

Just when you thought that the site Delicious was dead and gone, it’s back…again.

(TechCrunch)

Totgesagte leben unter Umständen länger: Der Erfolg der nächsten Monate wird aller Wahrscheinlichkeit nach über die Zukunft von Delicious entscheiden. Nachdem sich bei dem Bookmarking-Dienst (zu) lange nichts getan hat, gab es in der letzten Zeit von Delicious wieder ein paar Lebenszeichen – das Unternehmen hat endlich eine neue Browser-Erweiterung und eine App herausgebracht. Außerdem zahlen sich jetzt zwei Neuerungen der jüngeren Zeit aus: Die Stacks, also die thematischen Linklisten, werden von der Community angenommen, zudem führt die erleichterte Anmeldeprozedur über bestehende Twitter- oder Facebookaccounts zu steigenden Nutzerzahlen.

Für Anfang Januar – also spätestens in den nächsten Tagen – hat Delicious schon im vergangenen Jahr ein vollkommen neues Design der Webseite angekündigt (“Big Update Coming to Delicious!”), seitdem kann man sich Screenshots vom neuen Seitenaufbau im Hausblog von Delicious anschauen.

Was an dem neuen Design – abgesehen von der Ähnlichkeit mit dem alten Digg – auffällt: Delicious präsentiert sich deutlich mehr als Community als zuvor, aus einer Plattform, die primär zum Abspeichern von Bookmarks gedacht war, soll sich stärker in Richtung Myspace, Facebook & Co. entwickeln. Angesichts der Konkurrenz sicher ein mutiges Unterfangen, aber Erfolg wäre Delicious auf jeden Fall zu wünschen.

Erfolgreich war Delicious jedenfalls mal: 2003 an den Start gegangen, wurde Delicious schnell zu einem der beliebtesten Dienste bei netzaffinen Nutzern. Der primäre Vorteil, den Delcious bot, war das Speichern der eigenen Bookmarks an einem Ort im Internet, auf den man von allen Rechnern (und Browsern!) der Welt zugreifen konnte – und man die Bookmarks mit Tags verschlagworten konnte, statt wie bisher auf eine starre Ordnerstruktur zurückzugreifen zu müssen.

Die Nutzerzahlen wuchsen schnell, 2006 hatten sich weltweit mehr als eine Millionen User registriert, was damals noch eine hohe Zahl war. Da Delicious sehr schnell eine Netzwerk-Funktion anbot, bei der man sehen konnte, was für Bookmarks die “Freunde” abgespeichert haben, entwickelte sich Delicious in Kombination mit den angebotenen RSS-Feeds zu der Plattform, um interessante Links mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Der Abstieg des ehemaligen Shooting-Stars hatte mehrere Gründe. Zum einen wurde Delicious an Yahoo verkauft, zum anderen wurden wichtige Entwicklungen verschlafen. Yahoo behandelte Delicious eher stiefmütterlich, Delicious konnte daher Twitter, Facebook & Co. relativ wenig entgegen setzen, die Nutzer tauschten zunehmend dort ihre Links untereinander aus. Die Entwicklung zum mobilen Web wurde zudem vollkommen ignoriert, obwohl das einfache Synchronisieren von Links doch eigentlich die Kernkompetenz der Plattform war.

Zur Jahresmitte 2011 hat Yahoo sich dann ganz von Delicious getrennt, neue Eigentümer wurden die ehemaligen YouTube-Gründer Chad Hurley und Steve Chen, die in der ersten Zeit vor allem durch große Ankündigungen auffielen. Bleibt zu hoffen, dass die Ankündigungen jetzt auch endlich umgesetzt werden – Delicious hat schließlich mehr verdient, als als SEO-Spam-Ablage zu enden.

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

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