17/07/2019

Twitterverzeichnisse

Was ist eigentlich aus den ganzen Twitterverzeichnissen geworden? 2008/2009, als Twitter zum Massenphänomen geworden ist, schossen die Twitterverzeichnisse wie Pilze aus den Boden. Getreu dem Motto “finden und gefunden werden” gab es deutsch- und englischsprachige Webseiten, auf denen Twitter-Accounts aufgelistet wurden. In den seltensten Fällen wurden die Accounts von den Webseitenbetreibern manuell eingepflegt, stattdessen wurden die Daten entweder automatisch gezogen, oder man gab den Usern die Möglichkeit, sich und seine Interessensgebiete selbst einzutragen.

Und die Möglichkeit, sich in den Verzeichnissen einzutragen, wurde fleißig genutzt. Zum einen natürlich, weil die Einträge (zumindest in der Basisversion) kostenlos waren, zum anderen natürlich, weil man sich davon neue Follower erhoffte. Und “man” meint in diesem Falle beides, private Nutzer, wie auch kommerzielle Accounts, die von Marketing- oder PR-Beratern betreut wurden. Der Grund hierfür ist denkbar simpel, selbst Privatnutzer, die angeblich “nur für sich selbst” twittern, freuen sich über jeden Follower, bei kommerziellen Accounts gilt dies natürlich noch stärker.

Twopcharts-Auflistung der Top-Twitter-Accounts in Hamburg

Twopcharts-Auflistung der Top-Twitter-Accounts in Hamburg

Aber man konnte die Twitterverzeichnisse nicht nur passiv nutzen, um besser gefunden zu werden, man konnte sie auch nach interessanten Accounts “abgrasen”, denen man dann selbst folgte. Und zwar aufgelistet nach Orten, Interessen, Popularität und anderen Kriterien. Das Problem war nur, dass die meisten User sich zwar gerne eintrugen, aber kaum einer die Verzeichnisse genutzt hat, um neue User zu finden, was schon rein mathematisch dazu führte, dass die Ausbeute (also die Zahl der Follower, die einem durch die Twitterverzeichnisse folgen) eher mäßig war.

Dass die meisten User sich nur eingetragen haben, und dann die Seite nie mehr benutzten, wirkte sich natürlich auch negativ auf die Werbeeinnahmen der Webseitenbetreiber aus. Kurz, das Geschäft mit den Twitterverzeichnissen entwickelte sich nicht ganz so rosig, wie ursprünglich gedacht wurde.

Dann kamen die Twitter-Listen

Was den Twitterverzeichnissen zusätzlich zusetzte, war die Einführung der Listen-Funktion durch Twitter. Jetzt konnte auf einmal jeder Twitter-Nutzer eigene Listen zusammenstellen, denen jeder durch einen einzigen Klick folgen konnte. Die Nachrichtenagentur dpa hatte etwa eine Liste mit sämtlichen Journalisten zusammengestellt, die vom NSU-Prozess berichten. Eine Funktion, die nicht nur praktischer (ein einziger Klick!) als die Twitterverzeichnisse, sondern auch schneller und besser, weil kuratiert, ist.

Lohnen sich die Twitterverzeichnisse noch?

Als Folge dieser Entwicklung sind immer mehr Twitterverzeichnisse aus dem Netz verschwunden, es gab eine Konzentration auf ein paar Anbieter, wobei hier vor allem wefollow, twiends und Twopcharts zu nennen wären. Während Twopcharts die User automatisch erfasst, muss man sich bei wefollow und twiends selbst eintragen. Die Twitterverzeichnisse haben auch noch einen gewissen Nutzen, man kann dort tatsächlich noch User zu seinen Themengebieten finden. Im Gegensatz zu den Twitter-Listen erfährt man auch gleich, wie influential die einzelnen Nutzer sind, was aus PR- und Marketingsicht ja nicht gerade unwichtig ist.

Lohnt sich noch das Eintragen in die Twitterverzeichnisse? Eine Frage, die man mehr mit einem Ja, als mit einem Nein beantworten muss. Einerseits darf man von den Twitterverzeichnissen nicht allzu viele neue, interessante Follower erwarten, andererseits ist es aber noch immer kostenlos, und der Arbeitsaufwand ist minimal. Also überwiegen unter dem Strich die Vorteile, man darf nur nicht zu viel erwarten.

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

Webperlen: Twittern im Gerichtssaal, Verbraucherschützer vs. Telekom und die Sache mit den 82 Prozent

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Ist das Twittern im Gerichtssaal erlaubt
  • Verbraucherschützer mahnen Telekom ab
  • Hessische Verbraucherschutzministerin fordert Rückgaberecht für Apps
  • Nur Apple und Samsung machen mit Smartphones Gewinn
  • Mobile Payment tut sich schwer
  • Jedes fünfte Unternehmen hat keine Homepage

Twitter_NSU

Nach dem ewigen Hin und Her um die Akkreditierungen ging gestern der NSU-Prozess in den ersten Verhandlungstag – und auf Twitter wurde im Sekundentakt berichtet. Stellt sich nur die Frage, ob das Twittern im Gerichtssaal überhaupt erlaubt ist. Ja, ist es, und das Recht lässt sich auch nur schwer einschränken, meint Martin W. Huff, Rechtsanwalt und Lehrbeauftrager für Medienrecht an der Fachhochschule Köln:

Das Recht, aus dem Gerichtssaal Meldungen zu schreiben, ist Teil der Öffentlichkeit des Gerichtsverfahrens. Auch und gerade Journalisten dürfen sich dabei auf ihre Informationsfreiheit aus Art. 5 GG stützen, denn das rasche Verbreiten von Meldungen gehört heute zum medialen Alltag. Gründe, diese Freiheit einzuschränken, wären nur in ganz engen Grenzen möglich.

Mehr unter “Twittern aus dem Gerichtssaal kann nicht einfach verboten werden“.

Apropos Gericht, die Tempo-Drosselung der Telekom hat jetzt auch ein rechtliches Nachspiel:

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat die Deutsche Telekom wegen der Drosselungs-Klausel in neuen DSL-Verträgen abgemahnt. Das teilte der gemeinnützige Verein am heutigen Montag mit. Die Verbraucherschützer verlangen, dass die seit dem 2. Mai geltenden Klauseln wieder aus den DSL-Verträgen gestrichen werden. Sie ermöglichen es der Telekom, die Geschwindigkeit des Internetzugangs auf 384 kBit/s zu drosseln, wenn ein bestimmtes monatliches Datenvolumen erreicht wurde.

Mehr auf “heise” unter “Flatrate-Kappung: Verbraucherschützer mahnen Telekom ab“.

Zunächst denkt man, dass die hessischen Verbraucherschützer wohl zu viel Zeit haben, aber dann ergibt es doch (etwas) Sinn. Die Hessische Verbraucherschutzministerin fordert Rückgaberecht für Apps:

Gekauft ist gekauft gilt für Apps bisher und sollte sich eine App als Fehlkauf erweisen, können Kunden nur auf die Kulanz des App-Store-Betreibers hoffen. Die hessische Verbraucherschutzministerin fordert die Bundesregierung nun auf, sich für ein Rückgaberecht einzusetzen.

Was für Kleidung gilt, sollte auch für digitale Güter gelten. Zumindest sollen Konsumenten die Möglichkeit bekommen, die Ware zu begutachten. Dies könnte auch in Form einer Demoversion von Software, Apps oder Musik (!) geschehen.

Von den Apps zu den Smartphones: Wie eine Studie gezeigt hat, verdienen allein Apple und Samsung mit den Smartphones Geld:

Der Studie zufolge entfielen auf Apple 57 Prozent aller Branchengewinne. Samsung war zwischen Januar und März für die restlichen 43 Prozent verantwortlich. Im vierten Quartal 2012 lag Apples Anteil noch bei 72 Prozent, was darauf hindeutet, dass Samsung den Abstand zum iPhone-Hersteller auch bei der Profitabilität verkürzt hat. Canaccord erwartet, dass Samsungs Anteil im zweiten Quartal weiter ansteigen wird.

Mehr unter “Nur Apple und Samsung machen mit Smartphones Gewinn“.

Ein generelles Problem, den Smartphone-Markt zu monetarisieren, besteht in den bisher eher als unzureichend oder unsicher wahrgenommenen Bezahlsystemen:

Fast die Hälfte der Smartphone-Besitzer über 14 Jahre (49 Prozent) nutzt ihr mobiles Endgerät stets und überall. Das sagt eine Studie von TNS Infratest und dem Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW), Nur beim Bezahlen bleibt das Handy stecken.

Mehr unter: “Mobile Payment tut sich schwer“.

Um überhaupt im (oder mit dem) Internet Geld zu verdienen, hapert es häufig schon an den einfachsten Dingen – wie z.B. einer eigenen Homepage (und das im Jahre 2013!). Laut Bitkom (via) sind nur 82 Prozent der deutschen Unternehmen im Web mit einem eigenen Auftritt präsent:

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit auf dem 6. Platz. Spitzenreiter sind die skandinavischen Länder Finnland (91 Prozent), Dänemark und Schweden (je 89 Prozent), gefolgt von den Niederlanden und Island (je 84 Prozent). Das teilte der Hightech-Verband BITKOM mit. „Wer auf seine Visitenkarte im Netz verzichtet, verschenkt die Chance, sich seinen Kunden zu präsentierten und vor allem neue Kunden zu gewinnen“, sagt BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf.

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

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