18/07/2019

Webperlen: Abmahnrisiko bei Preisangaben, Twitter und BBC sowie das Geschäftsmodell als Schreiber

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Abmahnrisiko bei Preisangaben: Social Media Postings, Tweets und Onlinebanner
  • Twitter und BBC machen gemeinsame Sache: #bbctrending
  • Wer fürs Schreiben bezahlt werden will, sollte es nicht umsonst tun
  • Facebook und Google+: Wer sie vergleicht, hat’s nicht verstanden
  • Google deutet auf Welle von Kirchenaustritten hin
  • Vom Buch zum Byte – die Geschichte der E-Books

Abmahn-Fallen, wohin man schaut: Die Rechtsanwaltskanzlei Schwenke erklärt, worauf man bei Social Media Postings, die Preisangaben enthalten, achten sollte:

Haben Sie sich schon mal gefragt, warum Angebote in Onlineanzeigen, Facebook-Postings oder Tweets selten konkrete Preise enthalten? Der Grund liegt darin, dass die Werbung mit Preisen automatisch eine Vielzahl an komplizerten Informationspflichten mit sich bringt.

Ach ja, da sehen ARD und ZDF wohl mal wieder etwas alt aus. Twitter und BBC machen gemeinsame Sache:

Die BBC ist bekannt dafür, schnell neue Trends zu erkennen und sie für sich zu nutzen. So scheint die angekündigte Partnerschaft von Twitter und BBC nur konsequent. Unter dem Hashtag #bbctrending wird die BBC in Zukunft kurze Video-Clips exklusiv für Twitter produzieren.

Journalismus ist Journalismus, und PR ist PR. Auf netzfeuilleton.de wird erklärt, warum Blogger und Journalisten, die vom Schreiben leben wollen, nicht bei Projekten wie der Huffington Post mitmachen sollten, bei denen für das Schreiben nichts bezahlt wird:

Wer fürs Schreiben bezahlt werden will, sollte es nicht umsonst tun. Das klingt nach einer Binsenweisheit, lohnt sich aber in diesen Zeiten zu wiederholen. Der Start der Huffington Post in Deutschland hat diese Diskussion neu entfacht und treibt aktuell den Streit, ob Blogger für diese schreiben dürfen, ohne dafür entlohnt zu werden.

Die ewigen Vergleich zwischen Facebook und Google+ nerven nicht nur, sie ergeben häufig auch keinen Sinn, wie Björn Tantau auf t3n unter “Facebook und Google+: Wer sie vergleicht, hat’s nicht verstanden” (via) erklärt:

Welches Netzwerk ist besser: Facebook oder Google+? Und welches Netzwerk eignet sich für welche Zwecke? Björn Tantau geht den Fragen nach und zeigt: Eigentlich lassen sich die beiden gar nicht miteinander vergleichen. Oder doch?

Alleswisser Google, sogar in Religionsangelegenheiten: Laut “Google deutet auf Welle von Kirchenaustritten hin” sind die Suchanfragen nach dem Begriff “Kirchenaustritt” in die Höhe geschnellt, was vor allem für die katholische Kirche nichts gutes bedeuten wird:

Denn die Suche nach “Kirchenaustritt” ist im Angesicht der Affäre um den Limburger Bischoff Franz-Peter Tebartz van Elst massiv nach oben geschossen: Laut Google Trends hat sich das Suchvolumen seit der ersten Oktoberwoche verfünffacht.

Und, zum Abschluss der Webschau in diesem Blog, ein Hinweis auf einen Artikel, der vor allem e-Book-Freunde interessieren dürfte:

Es war ein weiter Weg vom Buch zum Byte, doch die heutigen E-Books sind noch nicht das Ende. Die dritte Phase der E-Book-Evolution beginnt bereits.

Webperlen: Twittern im Gerichtssaal, Verbraucherschützer vs. Telekom und die Sache mit den 82 Prozent

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Ist das Twittern im Gerichtssaal erlaubt
  • Verbraucherschützer mahnen Telekom ab
  • Hessische Verbraucherschutzministerin fordert Rückgaberecht für Apps
  • Nur Apple und Samsung machen mit Smartphones Gewinn
  • Mobile Payment tut sich schwer
  • Jedes fünfte Unternehmen hat keine Homepage

Twitter_NSU

Nach dem ewigen Hin und Her um die Akkreditierungen ging gestern der NSU-Prozess in den ersten Verhandlungstag – und auf Twitter wurde im Sekundentakt berichtet. Stellt sich nur die Frage, ob das Twittern im Gerichtssaal überhaupt erlaubt ist. Ja, ist es, und das Recht lässt sich auch nur schwer einschränken, meint Martin W. Huff, Rechtsanwalt und Lehrbeauftrager für Medienrecht an der Fachhochschule Köln:

Das Recht, aus dem Gerichtssaal Meldungen zu schreiben, ist Teil der Öffentlichkeit des Gerichtsverfahrens. Auch und gerade Journalisten dürfen sich dabei auf ihre Informationsfreiheit aus Art. 5 GG stützen, denn das rasche Verbreiten von Meldungen gehört heute zum medialen Alltag. Gründe, diese Freiheit einzuschränken, wären nur in ganz engen Grenzen möglich.

Mehr unter “Twittern aus dem Gerichtssaal kann nicht einfach verboten werden“.

Apropos Gericht, die Tempo-Drosselung der Telekom hat jetzt auch ein rechtliches Nachspiel:

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat die Deutsche Telekom wegen der Drosselungs-Klausel in neuen DSL-Verträgen abgemahnt. Das teilte der gemeinnützige Verein am heutigen Montag mit. Die Verbraucherschützer verlangen, dass die seit dem 2. Mai geltenden Klauseln wieder aus den DSL-Verträgen gestrichen werden. Sie ermöglichen es der Telekom, die Geschwindigkeit des Internetzugangs auf 384 kBit/s zu drosseln, wenn ein bestimmtes monatliches Datenvolumen erreicht wurde.

Mehr auf “heise” unter “Flatrate-Kappung: Verbraucherschützer mahnen Telekom ab“.

Zunächst denkt man, dass die hessischen Verbraucherschützer wohl zu viel Zeit haben, aber dann ergibt es doch (etwas) Sinn. Die Hessische Verbraucherschutzministerin fordert Rückgaberecht für Apps:

Gekauft ist gekauft gilt für Apps bisher und sollte sich eine App als Fehlkauf erweisen, können Kunden nur auf die Kulanz des App-Store-Betreibers hoffen. Die hessische Verbraucherschutzministerin fordert die Bundesregierung nun auf, sich für ein Rückgaberecht einzusetzen.

Was für Kleidung gilt, sollte auch für digitale Güter gelten. Zumindest sollen Konsumenten die Möglichkeit bekommen, die Ware zu begutachten. Dies könnte auch in Form einer Demoversion von Software, Apps oder Musik (!) geschehen.

Von den Apps zu den Smartphones: Wie eine Studie gezeigt hat, verdienen allein Apple und Samsung mit den Smartphones Geld:

Der Studie zufolge entfielen auf Apple 57 Prozent aller Branchengewinne. Samsung war zwischen Januar und März für die restlichen 43 Prozent verantwortlich. Im vierten Quartal 2012 lag Apples Anteil noch bei 72 Prozent, was darauf hindeutet, dass Samsung den Abstand zum iPhone-Hersteller auch bei der Profitabilität verkürzt hat. Canaccord erwartet, dass Samsungs Anteil im zweiten Quartal weiter ansteigen wird.

Mehr unter “Nur Apple und Samsung machen mit Smartphones Gewinn“.

Ein generelles Problem, den Smartphone-Markt zu monetarisieren, besteht in den bisher eher als unzureichend oder unsicher wahrgenommenen Bezahlsystemen:

Fast die Hälfte der Smartphone-Besitzer über 14 Jahre (49 Prozent) nutzt ihr mobiles Endgerät stets und überall. Das sagt eine Studie von TNS Infratest und dem Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW), Nur beim Bezahlen bleibt das Handy stecken.

Mehr unter: “Mobile Payment tut sich schwer“.

Um überhaupt im (oder mit dem) Internet Geld zu verdienen, hapert es häufig schon an den einfachsten Dingen – wie z.B. einer eigenen Homepage (und das im Jahre 2013!). Laut Bitkom (via) sind nur 82 Prozent der deutschen Unternehmen im Web mit einem eigenen Auftritt präsent:

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit auf dem 6. Platz. Spitzenreiter sind die skandinavischen Länder Finnland (91 Prozent), Dänemark und Schweden (je 89 Prozent), gefolgt von den Niederlanden und Island (je 84 Prozent). Das teilte der Hightech-Verband BITKOM mit. „Wer auf seine Visitenkarte im Netz verzichtet, verschenkt die Chance, sich seinen Kunden zu präsentierten und vor allem neue Kunden zu gewinnen“, sagt BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf.

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

Fremde Marken als Keyword

Ein Urteil, das die Hersteller von No-Name-Produkten und aggressive Wettbewerber auf den Plan rufen wird: Der für das Markenrecht zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat mit dem Urteil Az.: I ZR 217/10 vom 13.12.2012 entschieden, dass Keyword-Advertising mit fremden Markennamen unter bestimmten Bedingungen in Deutschland gestattet ist.

In dem verhandelten Fall hat als Klägerin die Besitzerin der u.a. für Pralinen und Schokolade eingetragenen Marke “MOST” gegen die Inhaberin eines Webshops geklagt. Die Angeklagte, die über ihren Webshop Geschenke, Pralinen und Schokolade vertreibt, hat 2007 bei Google Adwords-Anzeigen geschaltet, u.a. mit den Keywords “most pralinen”. Dies führte dazu, dass Nutzern, die nach “MOST Pralinen” gegoogelt haben, Werbung (“Pralinen/Weine, Pralinen, Feinkost, Präsente/Genießen und schenken!/www.feinkost-geschenke.de.”) für den Webshop der Klägerin angezeigt bekamen – samt Link zu dem Shop. Verkauft hat die Angeklagte Produkte der Marke “MOST” jedoch nicht.

Die Klägerin vertrat die Ansicht, dass durch die Schaltung der Adwords-Anzeige das Recht an ihrer Marke “MOST” verletzt wird, weshalb sie u.a. auf Unterlassung klagte. Die ersten Instanzen haben ihr – also der Klägerin – noch Recht gegeben, der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs jedoch wies die Klage ab und erklärte die Werbeschaltung in der vorliegenden Form für rechtmäßig.

Konkret hat der Bundesgerichtshof geurteilt, dass beim Keyword-Advertising eine Markenverletzung ausgeschlossen ist, wenn die Werbung a) in einem von der Trefferliste eindeutig getrennten und entsprechend gekennzeichneten Werbeblock erscheint und b) die Werbung selbst weder die Marke noch sonst einen Hinweis auf den Markeninhaber oder die unter der Marke angebotenen Produkte enthält.

Was für Folgen hat das Urteil für das Keyword-Advertising?

Postiv festzuhalten bleibt, dass der Bundesgerichtshof jetzt zumindest Rechtssicherheit in einem äußerst umstrittenen Bereich geschaffen hat. Google Adwords-Schaltungen auf fremde Markennamen sind demnach legal, solange der Markenname nicht im Anzeigentext verwendet wird.

BMW könnte jetzt also theoretisch bei Google Werbung auf den Suchbegriff “Mercedes” schalten, darf aber nicht “Mercedes” im Anzeigentext verwenden, ein Slogan wie “Die einzig wahre Premiummarke aus Deutschland” mit Verlinkung auf eine BMW-Seite wäre demnach also legal.

Es ist voraussehbar, dass das Urteil aggressive Wettbewerber auf den Plan rufen wird, die unter Beachtung der Vorgaben des Bundesgerichtshofes in Zukunft Werbung auf den Markennamen ihrer Konkurrenten schalten werden. Als noch unangenehmer dürften sich jedoch Hersteller von No-Name-Produkten erweisen, die im Windschatten der Marke ihre Geschäfte machen, beispielsweise im umkämpften Ersatzteilbereich. Denkbar wäre zum Beispiel, dass ein Ersatzteilhändler auf “Ersatzteile Mercedes” Werbung mit unverfänglichem Text (“Ihr Experte für hochwertige Ersatzteile”) schaltet und anschließend billige No-Name-Produkte verkauft.

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