19/11/2019

Webperlen: Startups, Roboter in der Schule, Betahaus und Facebook im Wahlkampf

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Wie Unternehmen Startups fördern und selbst davon profitieren
  • Roboter in der Schule
  • Im Neuland: Die Buchverlage und Creative Commons
  • Betahaus: Es fehlen noch 14.115 Euro für eine Rettung
  • So wählt das Netz: Die erstaunliche Aufholjagd der SPD
  • Facebook im Wahlkampf – total überschätzt
  • 100 Facebook Marketing Case Studies
  • GIFs tanzen lassen: GIF Dance Party

Das beste Geschäft ist immer das, bei dem beide Seiten gleichermaßen profitieren: Auf “Netzwertig.com” (via) wird über Accelerator-Programme und davon, wie Unternehmen Startups fördern und selbst davon profitieren berichtet:

Y Combinator ist seit 2005 die Mutter aller Accelerator-Programme und zudem mit seinem Portfolio eines der erfolgreichsten weltweit. Bisher haben mehr als 500 Unternehmen das Programm durchlaufen, unter anderem AirBnB und DropBox. TechStars hat immerhin schon 168 Startups hervorgebracht, von denen noch 90 Prozent im Geschäft sind, darunter SendGrid und Orbotix.

Die Zukunft macht (zum Glück!) auch nicht vor der Schule halt. Im “Küchenradio” (via) gibt es einen hörenswerten Podcast zum Thema Roboter in der Schule:

Anja Tempelhoff ist Berlins erste ROBERTA-Lehrerin: Sie unterrichtet Robotik – vor allem für Mädchen.
Roberta ist ein vom Fraunhofer Institut entwickeltes Unterrichtsprogramm mit dem Ziel, mehr Mädchen für Informatik und Robotik zu begeistern (Jungs dürfen auch mitmachen). Technische Basis ist “Mindstorms”, das leicht zu programmierende Roboter-Set von LEGO.

Und ein weiterer spannender Beitrag zum Thema Urheberrecht: “iRights.info” geht der Frage nach, wie die Buchverlage mit Creative Commons umgehen:

Bei vielen Buchverlagen herrschen noch immer Vorurteile über Creative-Commons-Lizenzen. Es raube Einnahmen, alles müsse dann verschenkt werden. Ausnahmen sind selten. Dirk von Gehlen über seine Erfahrungen mit dem neuen Buch „Eine neue Version ist verfügbar”.

Mensch, Kreativszene in Hamburg, da muss doch mehr gehen! Beim Betahaus fehlen noch 14.115 Euro für eine Rettung:

Ende Juni verkündete das Betahaus, es habe einen Insolvenzantrag gestellt. Seitdem hat sich einiges getan. Ein Plan für die Zukunft des Betahauses steht; doch weiterhin fehlt Geld. Wie Gesellschafter Lars Brücher in seinem privaten Blog schreibt, bleiben noch wenige Tage, um 14.115 Euro zusammen zu bekommen – für eine Mietkaution.

Deutschlands älteste Partei und das Internet, offensichtlich kein Widerspruch. Wie die WirtschaftsWoche berichtet, gibt es bei den Twitter-Followern und Facebook-Fans eine erstaunliche Aufholjagd der SPD:

Denn zumindest bei Twitter und Facebook haben die Sozialdemokraten in den vergangenen vier Wochen deutlich aufgeholt. Als die WirtschaftsWoche mit dem Tool “So-wählt-das-Netz” am 22. Juli mit der Social-Media-Auswertung begann, lag die SPD nur bei zehn Prozent. Inzwischen hat sie sich kontinuierlich gesteigert und lag in dieser Woche mit 36 Prozent deutlich vorn.

340.000 Fans: Die Facebook-Seite zu Angela Merkel.

340.000 Fans: Die Facebook-Seite zu Angela Merkel.

Stellt sich nur die Frage, ob sich das auch auszahlt. DIE WELT meint “Facebook im Wahlkampf – total überschätzt“, wobei ein wichtiges Argument außer Acht gelassen wird, nämlich das Kosten-Nutzen-Verhältnis, was bei Social Media generell sehr gut ist. Trotzdem wirft der Artikel ein paar interessante Gedanken auf:

Nach wie vor sind die klassischen Medien, also Fernsehen, Zeitungen und Radio, die beliebtesten Kanäle bei Bürgern, die sich politisch informieren wollen. So gaben 70 Prozent der Teilnehmer an, dass sie von Parteien oder Politikern übers Fernsehen angesprochen werden möchten, dicht gefolgt von Zeitungen (65 Prozent) und Radio (54 Prozent).

Die sozialen Medien wie Facebook oder Twitter liegen deutlich dahinter: Auf diesen digitalen Wegen wollen nur 19 Prozent der Bevölkerung informiert werden.

Apropos Facebook: Thomas Hutter hat 100 Facebook Marketing Case Studies zusammengestellt:

Bei der Recherche für einen Vortrag rund Facebook Ads an der SuisseEMEX habe ich diverse Case Studies zusammengesammelt, heruntergeladen und auf scribd.com nach Themen/Branchen sortiert publiziert. Insgesamt kommen 107 unterschiedliche Facebook Marketing Case Studies auf meinem scribd.com Account zusammen.

Und zum Abschluss der Webschau hier im Blog ein Link (via), der absolut nutzlos ist – aber dafür herrlich zum Zeitverplempern geeignet ist. Das Kraftfuttermischwerk lässt die GIFs tanzen:

Riesenseite, auf der man interaktiv einen Dancefloor mit GIFs befüllen kann, die dann alle gemeinsam am Tanzen sind. Man kann sogar die Musik auswählen. Mein Tag ist somit verplant, auf sowas hat das Internet seit mindestens 37 Jahren gewartet. Nee, anders, genau für sowas wurde das Internet erfunden. Let’s have a GIF Dance Party!

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

Twitterbarometer & Co.: Was bringen Meinungsermittlungen in sozialen Netzwerken?

 

So Sascha Lobo heute auf Twitter, als er sein neues Nebenprojekt (in Kooperation mit buzzrank.de) vorstellte. Beim Twitterbarometer handelt es sich um einen kostenlosen Dienst, der Tweets in Echtzeit auswertet. Gemessen wird die Verwendung von parteibezogenen, positiven oder negativen Hashtags wie #CDU- oder #SPD+. Also den Hashtags der Parteien, die mit einem Plus oder Minus versehen sind.

Der 90 Tage-Trend. Screenshot http://twitterbarometer.de/

Der 90 Tage-Trend. Screenshot http://twitterbarometer.de/

Das Vorgehen mit “+” und “-” hinter den Hashtags der Parteien ist einigermaßen praktikabel, da es ein ähnliches Tool (an dem ebenfalls Sascha Lobo beteiligt war) bereits 2009 gab, und es sich seitdem auf Twitter eingebürgert hat, ein “+” oder “-” hinter den Hashtags der Parteien zu setzen. Nicht zuletzt deshalb, weil man bei 140 Zeichen froh ist, wenn man durch ein einziges Zeichen seine Meinung ausdrücken kann. Deshalb dürften auch sehr viele Twitter-User, die nichts vom Twitterbarometer gehört haben, ihre Parteien-Hashtags mit “+” Oder “-” versehen, es werden also sehr viele Tweets erfasst, beileibe nicht nur von einer kleinen Minderheit, die zufällig von dem Tool gehört hat.

Was Twitterbarometer & Co. nicht leisten können

Was Twitterbarometer sicher nicht leisten kann, ist eine halbwegs tragbare Prognose für die Bundestagswahl abzugeben. Der Grund hierfür ist denkbar simpel, das Gleiche gilt auch für alle anderen Dienste, die Meinungen in sozialen Netzwerken ermitteln: Die Nutzer von sozialen Netzwerken sind einfach nicht repräsentativ. Twitter-Nutzer z.B. sind jünger als der Bevölkerungsdurchschnitt und dazu auch noch gebildeter. Facebook dagegen dürfte die Bevölkerung deutlich besser abbilden, aber selbst bei dem Massennetzwerk schlechthin dürfte noch eine starke Verzerrung festzustellen sein.

Dazu kommt dann noch im Fall von Twitterbarometer, dass der Dienst nicht unterscheidet, ob ein einzelner Twitter-User (der bei der Bundestagswahl nur eine Stimme hat) hunderte Tweets mit entsprechendem Hashtag absetzt, oder ob hunderte User (die jeweils eine Stimme bei der Bundestagswahl haben) jeweils einen Hashtag mit dem entsprechenden Hashtag absetzen. Durch eine kleine, sehr aktive Gruppe kann das Ergebnis also leicht verzerrt werden, zudem gibt es Gruppierungen wie die Piraten, die Twitter als Medium der politischen Kommunikation ansehen (und dementsprechend viel über Parteipolitik twittern), während diese Neigung bei den Anhängern der anderen Parteien vermutlich nicht so ausgeprägt ist.

Wohl gemerkt, das was über Twitterbarometer gesagt wurde, gilt für fast alle Meinungsermittlungen (und auch Umfragen) in den sozialen Netzwerken, ohne Repräsentativität ist die Aussagekraft der Daten immer limitiert.

Was Twitterbarometer & Co. leisten können

Auch ohne Repräsentativität sollte man Dienste wie Twitterbarometer jedoch nicht als reine, eher nutzlose Spielerei abtun. Sie ermöglichen einen guten ersten Eindruck, wie bestimmte Ereignisse bewertet werden, und das zeitnah. Kein Umfrageinstitut dieser Welt kann (jedenfalls nicht mit den derzeitigen Budgets) Stimmungen im Halbstundentakt abfragen, tägliche Umfragen sind da schon das höchste der Gefühle.

Dagegen können Twitterbarometer & Co. sogar zeigen (Stichwort Second Screen), wie die “Netzgemeinde” etwa auf beliebte Talkshows reagiert, und welche Argumente von welchen Politikern besonders gut verfangen. Zudem kann man sehr schnell sehen, welche Themen gerade heiß laufen, wer sich im Netz durchsetzt und auch, wer am besten im Netz mobilisieren kann.

 

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Internet ist auch nicht alles: Piratenpartei vor dem Absturz?

Wir Piraten konnten bei der Niedersachsenwahl die 5% Hürde nicht nehmen. Damit ist klar: die Wahl ist nicht gewonnen. Verloren ist sie jedoch auch nicht, denn wir waren ja nicht im Parlament!

So die Piraten in einer ihren ersten Stellungnahmen, die unter dem Titel “Niedersachsenwahl – nicht gewonnen, aber auch nicht verloren” erschien. Dass “nicht verloren” nicht mehr als Schönrednerei ist, dürfte jedoch allen Beteiligten klar sein, wenn man sich die Ergebnisse der letzten Wahlen anschaut. In Berlin gab es knapp neun Prozent, in Nordrhein-Westfalen und in Schleswig-Holstein rund acht Prozent und im kleinen Saarland etwas mehr als sieben Prozent, während es in Niedersachsen nur 2,1 Prozent waren. Ein klassischer Absturz also.

Während die Medien über das Debakel mit einiger Häme berichteten (SZ: Quittung für das Chaos, SPON: Piraten erleiden Realitätsschock, DIE WELT: Tschüss, Piratenpartei! So brauchen wir dich nicht), gab der politische Geschäftsführer Johannes Ponader den Medien eine  Mitverantwortung, so sei “Ein Aspekt [...] sicherlich, dass unsere Partei in mehreren Überblicksberichterstattungen der öffentlichen-rechtlichen Sender mit der Begründung ausgeklammert wurde, man berichte nur über im Landtag vertretene Parteien.” Bei der Partei, bei der Medienschelte häufig zum guten Ton gehört, kann der zuletzt mehr als umstrittene Ponader damit vielleicht punkten, aber positive Presse kreiert man so sicher nicht.

Als weiterer Grund, der das schlechte Abschneiden relativieren soll, wurde immer wieder darauf verwiesen, dass Niedersachsen ein ländlich geprägtes Flächenland ist, in dem es aufgrund der dörflichen Strukturen kaum Digital Natives gibt – in städtisch geprägten Ländern würde man generell besser abschneiden. Dass das Argument auf sehr wackeligen Beinen steht, verdeutlicht das vorläufige Endergebnis der niedersächsischen Landeswahlleitung (Screenshot www.aktuelle-wahlen-niedersachsen.de):

Piraten

In keinem einzigen Wahlkreis konnten die Piraten mehr als fünf Prozent erobern, selbst in den Hochburgen Braunschweig-West und Hannover-Linden steht noch eine 3 vor dem Komma, die Piraten haben also selbst in den Städten miserabel abgeschnitten – insgesamt also ein Debakel auf ganzer Linie, für das es Gründe geben muss.

Natürlich haben die ganzen Skandale der “Einzelfail-Partei” im Vorfeld der Wahl nicht gerade zu einem positiven Wahlergebnis beigetragen, die Performance der führenden Piraten war mehr als unterdurchschnittlich, das ewige Hickhack in den Parteigremien hat sicher auch keine Wähler angezogen.

Schwerer dürfte aber auf Dauer die einstige Stärke als “Internetpartei” wiegen. Netzpolitik war und ist das Alleinstellungsmerkmal der Piraten, die sich immer als eine Art “Sprecher” oder gar “Avantgarde” der politisch interessierten “Netzgemeinde” ansahen. Damit konnte die Partei zwar einen Hype – sie waren neu, sie waren modern, sie waren anders als die Etablierten – auslösen, aber auf längere Sicht hat das nicht genügend Substanz. Verweise auf die Grünen, denen angeblich auch ein Thema zur Etablierung reichte, führen in die Irre, denn die Grünen hatten mindestens zwei Themen, nämlich Umweltschutz und Frieden, falls nicht sogar mit der sozialen Gerechtigkeit ein drittes Zentralthema.

Wenn es den Piraten nicht gelingt, in anderen Themenfeldern Fuß zu fassen, wird die 5-Prozent-Hürde auch in allen Ländern unüberwindbar. “Netzpolitik” mag wichtig und spannend sein, aber allein mit dem Widerstand gegen Acta & Co. bindet man keine Wähler an sich. Stattdessen müssen Antworten zur Wirtschaftspolitik, zur Eurokrise, zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr und zu vielen weiteren Brot-und-Butter-Themen her, die von der Partei auch entsprechend vertreten werden können.

Am Ende ist es wie in der Kommunikation: Um das Internet kommt man einfach nicht mehr herum, es ist aber auch nicht alles. Der richtige Mix zwischen Blogs, klassischer Medienarbeit und Mediaschaltungen macht den Unterschied.

 

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