23/10/2019

Webperlen: Twittern im Gerichtssaal, Verbraucherschützer vs. Telekom und die Sache mit den 82 Prozent

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Ist das Twittern im Gerichtssaal erlaubt
  • Verbraucherschützer mahnen Telekom ab
  • Hessische Verbraucherschutzministerin fordert Rückgaberecht für Apps
  • Nur Apple und Samsung machen mit Smartphones Gewinn
  • Mobile Payment tut sich schwer
  • Jedes fünfte Unternehmen hat keine Homepage

Twitter_NSU

Nach dem ewigen Hin und Her um die Akkreditierungen ging gestern der NSU-Prozess in den ersten Verhandlungstag – und auf Twitter wurde im Sekundentakt berichtet. Stellt sich nur die Frage, ob das Twittern im Gerichtssaal überhaupt erlaubt ist. Ja, ist es, und das Recht lässt sich auch nur schwer einschränken, meint Martin W. Huff, Rechtsanwalt und Lehrbeauftrager für Medienrecht an der Fachhochschule Köln:

Das Recht, aus dem Gerichtssaal Meldungen zu schreiben, ist Teil der Öffentlichkeit des Gerichtsverfahrens. Auch und gerade Journalisten dürfen sich dabei auf ihre Informationsfreiheit aus Art. 5 GG stützen, denn das rasche Verbreiten von Meldungen gehört heute zum medialen Alltag. Gründe, diese Freiheit einzuschränken, wären nur in ganz engen Grenzen möglich.

Mehr unter “Twittern aus dem Gerichtssaal kann nicht einfach verboten werden“.

Apropos Gericht, die Tempo-Drosselung der Telekom hat jetzt auch ein rechtliches Nachspiel:

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat die Deutsche Telekom wegen der Drosselungs-Klausel in neuen DSL-Verträgen abgemahnt. Das teilte der gemeinnützige Verein am heutigen Montag mit. Die Verbraucherschützer verlangen, dass die seit dem 2. Mai geltenden Klauseln wieder aus den DSL-Verträgen gestrichen werden. Sie ermöglichen es der Telekom, die Geschwindigkeit des Internetzugangs auf 384 kBit/s zu drosseln, wenn ein bestimmtes monatliches Datenvolumen erreicht wurde.

Mehr auf “heise” unter “Flatrate-Kappung: Verbraucherschützer mahnen Telekom ab“.

Zunächst denkt man, dass die hessischen Verbraucherschützer wohl zu viel Zeit haben, aber dann ergibt es doch (etwas) Sinn. Die Hessische Verbraucherschutzministerin fordert Rückgaberecht für Apps:

Gekauft ist gekauft gilt für Apps bisher und sollte sich eine App als Fehlkauf erweisen, können Kunden nur auf die Kulanz des App-Store-Betreibers hoffen. Die hessische Verbraucherschutzministerin fordert die Bundesregierung nun auf, sich für ein Rückgaberecht einzusetzen.

Was für Kleidung gilt, sollte auch für digitale Güter gelten. Zumindest sollen Konsumenten die Möglichkeit bekommen, die Ware zu begutachten. Dies könnte auch in Form einer Demoversion von Software, Apps oder Musik (!) geschehen.

Von den Apps zu den Smartphones: Wie eine Studie gezeigt hat, verdienen allein Apple und Samsung mit den Smartphones Geld:

Der Studie zufolge entfielen auf Apple 57 Prozent aller Branchengewinne. Samsung war zwischen Januar und März für die restlichen 43 Prozent verantwortlich. Im vierten Quartal 2012 lag Apples Anteil noch bei 72 Prozent, was darauf hindeutet, dass Samsung den Abstand zum iPhone-Hersteller auch bei der Profitabilität verkürzt hat. Canaccord erwartet, dass Samsungs Anteil im zweiten Quartal weiter ansteigen wird.

Mehr unter “Nur Apple und Samsung machen mit Smartphones Gewinn“.

Ein generelles Problem, den Smartphone-Markt zu monetarisieren, besteht in den bisher eher als unzureichend oder unsicher wahrgenommenen Bezahlsystemen:

Fast die Hälfte der Smartphone-Besitzer über 14 Jahre (49 Prozent) nutzt ihr mobiles Endgerät stets und überall. Das sagt eine Studie von TNS Infratest und dem Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW), Nur beim Bezahlen bleibt das Handy stecken.

Mehr unter: “Mobile Payment tut sich schwer“.

Um überhaupt im (oder mit dem) Internet Geld zu verdienen, hapert es häufig schon an den einfachsten Dingen – wie z.B. einer eigenen Homepage (und das im Jahre 2013!). Laut Bitkom (via) sind nur 82 Prozent der deutschen Unternehmen im Web mit einem eigenen Auftritt präsent:

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit auf dem 6. Platz. Spitzenreiter sind die skandinavischen Länder Finnland (91 Prozent), Dänemark und Schweden (je 89 Prozent), gefolgt von den Niederlanden und Island (je 84 Prozent). Das teilte der Hightech-Verband BITKOM mit. „Wer auf seine Visitenkarte im Netz verzichtet, verschenkt die Chance, sich seinen Kunden zu präsentierten und vor allem neue Kunden zu gewinnen“, sagt BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf.

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

Webperlen: Ende von dapd, Spiegel sucht Chefredakteur, Content & Zeitaufwand und Menschen, die wie Tiere essen

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Die letzte dapd-Meldung ist raus
  • Büchner heißer Favorit für Chef-Posten des „Spiegel“
  • Der Medienwandel als interne Revolution
  • Die wichtigsten 100 Köpfe der europäischen Digital-Industrie
  • Wie kuratierte Inhalte das Markenimage schärfen
  • Wie viel Zeit kostet ein Blog?
  • Vom Netz genommen
  • Google führt digitales Testament für Userdaten ein
  • Deutsche Post steigt bei De-Mail aus
  • 99 Fragen an Werner Herzog
  • Video: How Animals Eat Their Food

Totgesagte leben nicht länger, bei der dapd gehen die Lichter endgültig aus, die letzte dapd-Meldung ist raus:

Medien/Nachrichtenagenturen/Ausland/Abschied
»Goodbye, adieu: Die dapd-Auslandsredaktion schließt =
Berlin (dapd). Liebe Kollegen,
die Auslandsredaktion der dapd schließt hiermit und bedankt sich
für die gute und spannende Zusammenarbeit.

Namen, Gerüchte und viel Häme: Die Suche nach einem neuen SPIEGEL-Chefredakteur findet weiter in aller Öffentlichkeit statt. Laut dem Konkurrenzblatt Focus ist Wolfgang Büchner heißer Favorit für Chef-Posten des SPIEGEL:

Büchner ist derzeit Chefredakteur der dpa. Der 46-Jährige führt die Redaktion der größten deutschen Nachrichtenagentur seit Anfang 2010. Für Büchner wäre der Wechsel zum „Spiegel“ die Rückkehr an eine alte Wirkungsstätte. So arbeitete der gebürtige Pfälzer ab dem Jahr 2001 als geschäftsführender Redakteur bei Spiegel Online. Ab Januar 2003 hatte er dort den Posten des Stellvertretenden Chefredakteurs inne.

Den bisher lesenswertesten Kommentar zu der SPIEGEL-Schose rund um die beiden bisherigen Chefredakteure Mathias Müller von Blumencron (Online) und Georg Mascolo (Print) hat Thierry Chervel vom Perlentaucher geschrieben, Chervel weist darauf hin, dass man die Probleme nicht an Personen, sondern an den überlebten Strukturen festmachen sollte:

Der Spiegel mag zu den privaten Medien gehören, die à la longue in Deutschland – trotz allem, und auf schrumpfenden Terrain – eine Überlebenschance haben, aber in der jetzigen Konstruktion wird es nicht funktionieren. Denn dies ist das Symbolische an der Explosion im Spiegel: Die Trennung zwischen Print, TV, Online ist zwar institutionell bombenfest – aber in der Wahrnehmung des Publikums und der Struktur der Öffentlichkeit längst von gestern.

Der ganze Kommentar findet sich unter “Der Medienwandel als interne Revolution“.

Apropos Medienwandel & Revolution: Wer beeinflusst die Digital-Industrie in Deutschland eigentlich am stärksten? t3n hat auch in diesem Jahr eine Liste der wichtigsten 100 Köpfe der europäischen Digital-Industrie aufgestellt, wobei der Fokus besonders auf die Zukunft gerichtet ist:

Wer sind die wichtigsten 100 Köpfe der europäischen Digital-Industrie? Wer beeinflusst diese maßgeblich, wen sollte man in Zukunft unbedingt auf dem Radar haben? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Abstimmung zu den NEXT 100, mit der die Konferenz NEXT Berlin 100 Digitale Influencer kürt. Wir stellen euch die Gewinner vor.

Außerdem findet sich ebenfalls bei t3n ein interessanter Beitrag rund um das Teilen von Inhalten, unter dem etwas sperrigen Titel “Content Curation is King – Wie kuratierte Inhalte das Markenimage schärfen” schreibt Autor Andreas Weck:

Was Nutzer vom ersten Tag der aufkeimenden Sozialen Netzwerke an längst verstanden haben, ist für manche Unternehmen tatsächlich lange ein No-go gewesen. Es geht im Social Web darum, Inhalte zu teilen, die einem selbst, aber auch der Community, gefallen. Inhalte, die zu einem passen. Mit denen man sich identifizieren kann. Und die man als relevant empfindet.

Dass auch im Social Web Inhalte nicht “mal eben” erstellt sind, führt das Blogwerk vor. Sabine Gysi hat sich dort die Mühe gemacht, auzuschlüsseln, wie viel Zeit ein eigenes Blog in Anspruch nimmt:

Wer denkt, ein Blog sei ein Projekt, unterliegt einem gewaltigen Irrtum. Das Projekt ist bloss die Konzeptions- und Startphase. Danach aber beginnt die Betriebsphase. Die erfordert kontinuierliche Arbeit, und das nicht zu knapp. Unser Rechenbeispiel zeigt’s: 15 Stunden pro Woche. 52 Wochen im Jahr.

Die gesammte Aufstellung findet sich unter “Wie viel Zeit kostet ein Blog?

Probleme, mit denen viele Blogger gerne zu kämpfen hätten: Die großen Nachrichtenseiten in Deutschland gehen zunehmend unter der Flut der Kommentare unter. Da nicht wenige Kommentare Nazi-Propaganda, Spam-Links und strafbare Äußerungen enthalten, investieren die Redaktionen immer mehr Arbeitsaufwand in das Moderieren der Beiträge. Aber wo fängt die Grenze zwischen freier Meinungsäußerung und (nicht strafbarer) Geschmacklosigkeit an? Für den Tagesspiegel stellte sich die Frage nach Thatchers Tod, als nicht wenige Kommentarschreiber in Freudengeheul ausbrachen. Markus Hesselmann, Leiter der Online-Redaktion, schreibt unter “Vom Netz genommen“, wo und wie der Tagesspiegel die Grenzen zieht:

Margaret Thatcher ist tot. Die frühere britische Premierministerin, die Eiserne Lady, war derart umstritten, dass in den Debatten, digital wie analog, die Emotionen nach der Todesnachricht und mit den Nachrufen noch einmal heftig anschwollen. Für mich ein Anlass, einmal grundsätzlicher zur Diskussion zu stellen, was in Debatten zum Tod eines Menschen angemessen wäre und was nicht.

Mit dem Tod setzt man sich auch bei Google auseinander. Genauer: Mit der Frage, wie man mit Nutzerdaten umgehen soll, wenn der Nutzer stirbt. Wie DIE WELT berichtet, führt Google jetzt ein digitales Testament für Nutzerdaten ein:

Google-Nutzer können ab sofort ein digitales Testament anfertigen und darin festlegen, was mit ihren Daten nach dem Tod geschieht. Die neue Funktion nennt sich “Inactive Account Manager”. [...] Die neue Funktion gilt für GMail, YouTube, Picasa, Google Plus und den Datenspeicher Drive – was die wesentlichen Dienste sind, wo umfangreiche Nutzerdaten abgelegt sind.

Weitere Informationen über den neuen Dienst gibt es auch auf dem offiziellen Google Produkt-Blog.

DeMail

Zum Sterben verurteilt? Beim ambitionierten Projekt De-Mail nimmt der Ärger kein Ende, jetzt steigt sogar die Deutsche Post aus. Unter “Streit über Datenschutz: Deutsche Post steigt bei De-Mail aus” berichtet Spiegel Online:

Die Deutsche Post zieht nach Zwist über den Datenschutz Konsequenzen: Sie macht beim rechtssicheren E-Mail-Standard De-Mail schon vor dem Start nicht mehr mit. Der Konzern setzt stattdessen auf seinen ebenfalls digitalen E-Postbrief und will ihn mit neuen Funktionen für Privatkunden attraktiver machen.

Nicht nur für Kino- und Filmfreunde. DIE ZEIT hat 99 Fragen an Werner Herzog gestellt:

In den USA ist Werner Herzog ein Star, in Deutschland fast vergessen. Moritz v. Uslar stellt dem Regisseur, Produzent, Autor und Schauspieler 99 hochkonzentrierte Fragen.

Und zum Abschluss der Webschau noch ein kurzes Video, Görs Communications wünscht allen Lesern ein schönes Wochenende!

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

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