5. December 2020

Twitter stampft Tweetdeck zusammen

tweetdeck

„Our sincere apologies“: In der Nacht vom 4. auf den 5. März hat Twitter auf dem Tweetdeck-Blog bekannt gegeben, dass es für TweetDeck zukünftig nur noch eine Web-Version geben wird, die mobilen Versionen für iOS und Android werden ebenso eingestellt wie die Desktop-Anwendung.

Obwohl Twitter schon länger eine Entwicklungsmüdigkeit („considering Twitter’s lack of pushing out updates for the three versions over the past year„) unterstellt wurde, kommt der Schritt doch etwas überraschend. Als Grund für den Schritt gibt Twitter das veränderte Nutzerverhalten an, laut dem Kurznachrichtendienst würden Nutzer für mobile Anwendungen zunehmend TweetDeck verschmähen und stattdessen auf die eigentliche Twitter-App zurückgreifen. Ähnliches gilt für die Desktop-Anwendung, die angeblich auch immer unpopulärer wird, während die Tweetdeck-Web-Anwendung gefragter denn je ist.

Daher will Twitter sich bei Tweetdeck ganz auf die Web-Version konzentrieren, und das sogar mit stärkerem Einsatz, das Entwicklerteam wurde bereits verdoppelt und Twitter befindet sich weiterhin auf der Suche nach zusätzlichen Mitarbeitern. Das hört sich zunächst auch alles überzeugend an, aber die Nutzer, deren Vorlieben man angeblich nur folgt, sehen das dann doch etwas anders. Bei Basic Thinking drückt man sich noch diplomatisch aus und schreibt „Vermutlich will man sich so die Entwicklungskosten für ein paar tausend User sparen, wohl wissend, dass man nicht alle mit der neuen Lösung zufrieden stellen kann„, anderswo wird in Bezug auf die unzufriedenen Nutzern geschrieben, dass die Wellen hochschlagen, und das auch berechtigt, da sich „die Auswahl der Tools, mit welchen man individuell Twitter nutzen kann„, weiter reduzieren.

Und genau da liegt das eigentliche Problem: Twitter reduziert nicht nur das TweetDeck-Angebot massiv, sondern verabschiedet sich immer mehr von der Ursprungsidee, eine offene Plattform zu sein, der österreichische Standard schreibt:

Dies ist nur einer der vielen Schritte, die Twitter im Umgang mit Dritt-App-Anbietern im Moment fährt. Im August gab der Microblogging-Dienst bekannt, die API für Drittanbieter massiv einzuschränken, um mehr Kontrolle zu erhalten. Beispielsweise kann ein Twitter-Client maximal 100.000 User Tokens nutzen, sodass nach dieser Anzahl an Usern Schluss ist. Für weitere User ist eine offizielle Erlaubnis von Twitter notwendig. Vorinstallierte Twitter-Clients auf Smartphones müssen ebenfalls von Twitter abgesegnet werden, sofern es sich nicht um die hauseigene Version handelt. Twitter will damit das bloße Nachbauen der „Twitter-Experience“ verhindern. Dienste wie Storify oder Favstar hingegen seien erwünscht.

In Amerika dagegen drückt man sich nicht ganz so zurückhaltend aus, man bezeichnet Twitter dort u.a. als The Control Freak. Funktionieren werden die alten TweetDeck-Apps spätestens ab Mai nicht mehr, die Nutzer müssen sich also vorher nach Alternativen umsehen. Die Süddeutsche Zeitung etwa legt ihren Lesern Alternativen wie Tweetbot (iOS), Falcon Pro oder Carbon (beide Android) nahe, auf Caschys Blog wird folgende Empfehlung ausgesprochen:

Was bleibt den Benutzern? Da Tweetdeck nun Geschichte ist, könnte man zu den offiziellen Twitter-Apps auf iPhone, Android, Windows und Mac OS X greifen – sofern man mag. Alternativen? Unter iOS sicherlich Tweetbot, unter Android Carbon und Falcon Pro, Mac OS X hat ebenfalls Tweetbot zur Auswahl, Windows-Benutzer können einen Blick auf Janetter werfen.

Vom Desktop aus kann man natürlich weiterhin die TweetDeck-Web-Version nutzen, die sich in den vergangenen Monaten enorm verbessert hat – mit der Einschränkung, dass Twitter angekündigt hat, die Facebook-Implementation ganz zu streichen.

 

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

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