13/12/2019

Webperlen: Paywalls, Warteschleifen und Wissenschaftskommunikation

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Paywall: Schluss mit kostenlos
  • Ein Blogger und die Crowd wollen SHIFT-Magazin aufs Papier bringen
  • Warteschleifen ab Juni kostenfrei
  • “Extremnutzer”
  • Amazon, Google, Facebook, eBay und Apple aus Nutzersicht
  • Mittelstand zögert bei Social Media und der Cloud
  • Facebook löscht sexistische Einträge nach Protesten
  • Infografik: Facebook ist sooooo riesig!
  • Ein paar Überlegungen zum Google Penguin 2.0 Update
  • Wissenschaft ohne Faszination?

Springer stürmt vor und ernet Lob ausgerechnet von einem Linken: Die Ankündigung des Springer Konzerns, nach der WELT auch die BILD mit einer Paywall zu versehen (wir berichteten hier im Blog) erhielt jetzt Lob von ziemlich unerwarteter Stelle. Jakob Augstein, Sohn des Spiegel-Begründers Rudolf Augstein und Verleger der linken Zeitung “Freitag”, wünscht Springer viel Erfolg mit der Paywall:

Aber Vorstandschef Mathias Döpfner hat so konsequent auf das Netz und die digitalen Erlöse gesetzt wie kein anderer. Und kein anderer hatte das Geld für diese Strategie. [...] Ganz gleich, was man sonst von dem Haus halten mag, beim Bezahlmodell muss man ihm Glück wünschen. Der Erfolg von Springer wird der Erfolg des ganzen deutschen Journalismus sein. Und das gilt umgekehrt auch für seine Niederlage.

Den entgegengesetzten Weg will jetzt ein Daniel Höly gehen – ein Blogger und die Crowd wollen SHIFT-Magazin aufs Papier bringen:

Er ist vom Fach, studierter Online-Journalist und im Netz zuhause. Trotzdem treibt es den 26-jährigen Bonner Daniel Höly jetzt in den Print-Sektor. Er möchte einen Traum verwirklichen und ein 120 Seiten starkes, quartalsweise erscheinendes Magazin auf die Beine stellen, das insbesondere Leser ansprechen soll, die täglich viel Zeit im Internet verbringen. Ein Widerspruch? Nicht für Daniel. Ich habe mich mit ihm über sein Projekt SHIFT unterhalten und konnte einige exklusive Details und Inhalte bereits im Vorfeld zu Tage bringen. Es folgt das Interview, gespickt mit exklusiven Previews.

Zukünftig werden sie zwar immer noch gewaltig an den Nerven zehren, aber zumindest nicht mehr an dem Geldbeutel. Ab Juni sind Warteschleifen endlich kostenfrei:

Telefonische Warteschleifen in Service-Hotlines sind ab 1.Juni 2013 grundsätzlich kostenfrei. Verstößt der Anbieter gegen die Vorgaben, so entfällt sein Entgeltanspruch künftig ganz und der Anruf ist für den Verbraucher kostenfrei. Zudem drohen dem Anbieter hohe Bußgelder. Auf diese Änderungen weist der Hightech-Verband BITKOM hin.

Neusprech.org hat den Streit um die Netzneutralität und die Volumenbegrenzung der Telekom zum Anlass genommen, den Begriff des “Extremnutzers” zu hinterfragen:

Das aus dem Lateinischen entlehnte Adjektiv extrem bedeutet ‚äußerst‘ und ist ein Superlativ, also die höchste Steigerungsform. Die wird hier hyperbolisch, also übertreibend verwendet, denn gemeint ist lediglich eine Nutzung über das durchschnittliche Maß hinaus.

Ausnahme Facebook: In der W3B-Studie wurden deutsche Internet-Nutzer nach ihrer Meinung über die Technlogie-Riesen Amazon, Google, Facebook, eBay und Apple befragt – und trotz der (vermeintlichen) Skandale der Vergangenheit fällt das Urteil doch sehr positiv aus:

Das Ergebnis: Die Internet-Nutzer, die zu diesem Thema eine klare Position beziehen, sind in der deutlichen Mehrheit. Dabei zeigen sie gegenüber den einzelnen Unternehmen differenzierte Einstellungen. Nur wenige haben sich keine Meinung gebildet oder weisen eine neutrale Haltung auf.

»Überrascht hat uns die vorwiegend positive Einstellung der Internet-Nutzer gegenüber der Vormachtstellung der führenden Internet-Unternehmen«, so Holger Maaß von Fittkau & Maaß Consulting. Allein Facebook stellt eine Ausnahme dar.

Und noch eine weitere Studie, die einmal mehr zeigt, dass der Mittelstand bei Social Media und der Cloud zögert:

Branchenübergreifend haben mittelständische Firmen hierzulande bei Online-Anwendungen großen Nachholbedarf. Die Themen Cloud Computing, Online-Handel und Social Media werden teilweise noch immer recht stiefmütterlich behandelt. Jedoch ist der Digitalisierungsgrad nicht unbedingt von der Branche, sondern viel mehr von der Größe des Unternehmens abhängig. Je größer der mittelständische Betrieb, um so größer ist auch der Nutzungsgrad der digitalisierten Funktionen.

Abgesehen vom Arbeitsaufwand alles andere als eine einfache Frage. Wo fängt Zensur an, wo bietet man frauenverachtenden Positionen eine Plattform? Facebook löscht sexistische Einträge nach Protesten:

In einem Statement hat Facebook mitgeteilt, zukünftig auch Seiten zu löschen, deren Inhalte explizit frauenfeindlich seien: “Wir müssen uns an dieser Stelle verbessern – und das werden wir auch tun”, heißt es in dem Schreiben weiter. Außerdem kündigt Facebook an, den Rat der Aktivistinnen einzuholen.
Der Protest der Aktivistinnen hat zu großer Resonanz bei sozialen Netzwerken geführt. Weltweit haben Medien von der Huffington Post bis hin zur Financial Times über die Kritik an Facebook berichtet.

Angesichts der Größe von Facebook dürfte dies alles andere als leicht werden:

Phänomenale Facebook Zahlen und Statistiken anschaulich visualisiert! Das soziale Netzwerk Facebook ist wirklich unglaublich groß geworden – Zahlen auf die Twitter und vermutlich ein wenig neidisch sein dürften. Zwar sind die eigentlichen Statistiken nicht wirklich neu – dafür jetzt direkt von Facebook in mehreren entsprechenden Infografiken sehr schön visualisiert!

Die dazugehörige Infografik findet sich unter “Facebook ist sooooo riesig!

Penguin

Und im tagSEOblog werden ein paar Überlegungen zum Google Penguin 2.0 Update angestellt:

Zum ersten mal wurde eines meiner Projekte von einem Google-Update gebeutelt, und interessanterweise ist es die Domain Brille-kaufen.org. Man kann das als Glücksfall bezeichnen, denn so kann ich mal anhand eines konkreten Projektes über die Ursachen und Maßnahmen nachdenken und berichten.

Und zum Abschluss der Webschau ein etwas sperriges Thema, das angesichts des Mangels an (Jung)Wissenschaftlern jedoch nicht gerade unwichtig ist. In “Wissenschaft ohne Faszination?” macht sich Markus Pössel auf den SciLogs Gedanken, warum Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation nur wenige potenzielle Wissenschaftler fasziniert:

Die EU ist da keinen Deut besser. Oder vielleicht ist das ein allgemeineres Phänomen, wenn die Wissenschaftskommunikation nicht von den Wissenschaftlern selbst kommt, sondern von generischen PR-Fachleuten entwickelt wird? Jedenfalls ist auch die aktuelle Kampagne “Science. It’s a Girl Thing”, zu deutsch “Wissenschaft ist Mädchensache!”, ganz der Nützlichkeit verhaftet.

Wir erinnern uns: Das ist die Kampagne, deren Auftaktvideo Mädchen für Wissenschaft hatte begeistern wollen, weil man da ultracool Stöckelschuhe und Erlenmeyerkolben kombinieren und herausfinden kann wie Lippenstift und Puder eigentlich funktionieren.

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

Webperlen: Blogs, Content und eine umstrittene Werbeaktion

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Warum sollte ich als Wissenschaftler/in bloggen?
  • Nutzer wollen Online-Videos – “Text-only”-Zeiten sind vorbei
  • Erfolgreicher Journalismus hängt nicht am Papier
  • Jede Zeitung braucht einen Nerd vom Dienst!
  • Das Fußball-Radio 90elf wird eingestampft
  • Von Love Brand vs. Tütensuppe bis Relevanz vor Reichweite
  • This is how I work
  • Bundestags-ePetition für den Erhalt der Netzneutralität gestartet
  • Sächsische Imagekampagne – Teurer Spaß ohne Spaß
  • Das Märchen vom guten Content
  • Video: Kleiner Fußballer ganz groß

In Amerika ist es gang und gäbe, selbst Nobelpreisträger wie Paul Krugman bloggen, aber in Deutschland machen Wissenschaftler noch einen großen Bogen um die Blogosphäre. Warum es dennoch für Wissenschaftler 10 gute Gründe gibt, mit dem Bloggen zu starten, führt das Redaktionsblatt auf:

Wir Menschen benötigen für unsere Arbeit einen Sinn. Die Sinnhaftigkeit erzeugt in uns die Energie, die wir benötigen, Aufgaben zuverlässig und mit einer positiven Stimmung anzugehen. Genauso ist es mit dem Bloggen. Worin liegt hier der Sinn? Der befürchtete Zeitaufwand – denn die Artikel fallen nicht fertig vom Himmel – muss sich für uns lohnen. Dieser Artikel möchte aufzeigen, welchen Sinn bloggen haben kann und auch welchen Nutzen ein Blogger aus seiner Tätigkeit ziehen kann.

Was für Content verlangt der durchschnittliche Internetuser? Im Auftrag der Nachrichtenagentur AP befragten GfK und Deloitte jeweils 1.500 Probanden in UK, Spanien und Deutschland über ihre Mediengewohnheiten. Das Ergebnis fiel recht eindeutig aus, Nutzer wollen Online-Videos – “Text-only”-Zeiten sind vorbei:

Besonders beliebt sind Videos bei Besitzern von Smartphones und Tablets: 77 Prozent der deutschen Tablet-Nutzer schauen Online-Videos. Je mehr iPhone, iPad & Co. also eine Rolle in unserem Leben übernehmen, desto relevanter wird es, Content in Form von Videos bereit zu stellen, der auf mobilen Geräten verfügbar ist.

“Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann dürfte diese Entwicklung bekannt sein, nach seinem Jahr im Silicon Valley hat er sich einiges vorgenommen, um Deutschlands meistgelesene Boulevardzeitung fit für das digitale Zeitalter zu machen. Im Handelsblatt-Interview „Erfolgreicher Journalismus hängt nicht am Papier“ äußert er sich über seine Pläne:

„Bild“ steht der größte Umbau seit Jahrzehnten bevor. Chefredakteur Kai Diekmann will das publizistische Flaggschiff des Medienkonzerns Axel Springer den digitalen Herausforderungen journalistisch und personell anpassen. „Wir müssen alle journalistischen Herangehensweisen, Konzepte, Überzeugungen und Vorstellungen überprüfen“, sagte der 48-Jährige dem Handelsblatt. „Erfolgreicher Journalismus hängt zum Glück nicht am Papier. Die Zeitung heute ist ein sehr wichtiger Teil einer Marke, die sich neu erfinden muss, weil sich die alten Konzepte und Gewohnheiten ändern”, sagte Diekmann.

Apropos Zeitung der Zukunft: Das Medienmagazin fordert, dass jede Redaktion braucht einen Nerd vom Dienst braucht!

Jeder Redaktion braucht einen Nerd vom Dienst (NvD) – das zeigt eindrucksvoll ein Zeitungartikel des Münchener Merkurs. Von der Netzgemeinde gibt es viel Häme für einen Faux-pas, den sich die Zeitung geleistet hat. Dahinter steckt aber ein wirkliches Problem. Wir haben da einen Lösungsvorschlag.

Alles andere als eine gute Nachricht für Fußballfans, das Fußball-Radio 90elf wird eingestampft:

Es ist ein bitterer Abschied: Regiocast Digital hat sich dazu entschlossen, das Fußball-Radio 90elf zum Ende der Bundesliga-Saison einzustellen. Die Geschäftsführung des 90elf-Veranstalters teilte diese Entscheidung den Mitarbeitern am Dienstag auf einer Betriebsversammlung mit. Der Sender hatte kürzlich überraschend die Verwertungsrechte für Web und Mobile, die auch die 90-minütige Berichterstattung über jedes Einzelspiel ermöglichen, an den Konkurrenten Sport1 verloren.

90elf_Zwei

90elf: Noch wird auf der Webseite die Smartphone-App beworben.

Ein guter Rückblick auf den Digital Media & Marketing Summit 2013 in Hamburg findet sich im “Wissensucher”-Blog unter der Überschrift “Von Love Brand vs. Tütensuppe bis Relevanz vor Reichweite [#d2m13]“:

Im Bereich der digitalen Kommunikation und des Social Media Marketings passiert aktuell sehr viel. Neue Buzzwords poppen schneller auf, als die alten verblassen. Das mag den einen oder anderen stören, aber ändern lässt sich das vermutlich nicht mehr. Worum es bei all den neuen digitalen Säuen genau geht, war Gegenstand einer aus meiner Sicht sehr interessanten Veranstaltung: Geschätzt 120 Social Medianer trafen sich in Hamburg zum Digital Media & Marketing Summit 2013.

Dazu gibt es noch an anderer Stelle eine passende Grafik: This is how I work.

Da sich die Piraten derzeit doch eher mit Intrigen, Machtspielchen, Meinungsmache beschäftigen, wird der Protest gegen die Drossel-Pläne der Telekom (siehe hierzu auch diesen Eintrag hier im Blog) von anderen Akteuren getragen. Wie Tobias Gillen auf dem Basic-Thinking-Blog berichtet, gibt es nun auch eine ePetition für den Erhalt der Netzneutralität:

Noch bis zum 18. Juni 2013 kann die Petition mitgezeichnet werden. 50.000 Mitzeichner werden bis dahin benötigt, damit der Fall im Petitionsausschuss diskutiert werden und der Hauptpetent, Johannes Scheller, dort sein Anliegen vortragen kann. In den Kommentaren zur Petition wird schon über die Erfolgschancen diskutiert.

 

Wenig erfolgreich hört sich, zumindest wenn man der alternativen taz glauben kann, eine Werbekampagne des Landes Sachsen an, für die nicht weniger als 32 Millionen Euro (ein Werbe-Budget, von dem so manches Unternehmen nicht einmal träumen kann) ausgegeben werden soll. Teurer Spaß ohne Spaß:

Unter dem Slogan „So geht sächsisch“ setzt der Entwurf auf Negativabgrenzungen. So spielt „Kraft ohne Hannelore“ auf Nordrhein-Westfalen an, „Elbphilharmonie ohne Verstimmung“ auf Hamburg. Das Gemälde der Sixtinischen Madonna wird als „Madonna ohne Skandale“ präsentiert, und das Foto eines Tagebausees bei Leipzig ist als „Baden ohne Württemberg“ untertitelt.

Und als zweitletzte Webperle gibt einen Beitrag vom tagSEOBlog. Unter der Überschrift “Das Märchen vom guten Content” führt Martin Mißfeldt aus, was von Google als “guter Content” gewertet werden kann – und was eben nicht.

Google kann Qualität überhaupt nicht messen. Der Algorithmus wird immer darauf angewiesen sein, unterschiedliche Signal zu messen, zu vergleichen und zu gewichten. Es macht daher aus Seo-Sicht überhaupt keinen Sinn, sich hinter dem Begriff “guter Content” zu verstecken. Stattdessen sollte man besser wieder über die konkreten Signale nachdenken. Was können Signale sein, aus denen Google Qualität ableiten könnte?

Und zum Abschluss ein kleiner, wunderbarer YouTube Clip (via) über einen sehr kleinen Fußballer – und einfach großartigen Fans:

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

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