07/12/2019

Social Media-Management: Im Haus, aber mit externem Backup?

Kein Vergleich mehr mit der Situation von vor fünf Jahren: Betrachtet man den Umgang und die Nutzung von Unternehmen mit Social Media (bzw. dem Web 2.0), dann fällt auf, dass sich einiges getan hat. Zumindest hier in Hamburg gehört die Nutzung von Xing, Twitter, Facebook und Co. für die meisten Unternehmen bereits wie selbstverständlich zur Kommunikations- bzw. Human Resources-Strategie. Dabei kann man nach Ansicht von Görs Communications verschiedene Phasen unterscheiden, die häufig in folgender Reihenfolge ablaufen:

1. Abwarten

Für die Verantwortlichen im Unternehmen ist Social Media ein Thema, aber man schreckt doch noch vor der Nutzung zurück. Die Gründe hiefür sind vielfältig. Man scheut den Ressourcenaufwand, hat Angst, Fehler zu machen, weiß nicht, wie man die Zielgruppe über soziale Medien erreichen soll, sieht sich in der klassischen Werbung bzw. der klassischen PR besser aufgestellt oder man schiebt die Entscheidung einfach immer weiter auf. Aufgrund der Kosten-Nutzen-Analyse sind Unternehmen, die Konsumgüter (oder entsprechende Dienstleistungen) verkaufen in der Regel deutlich früher in den sozialen Netzwerken präsent als Unternehmen, die im B2B-Bereich tätig sind.

2. Die Stunde der Social Media-Berater

Das Unternehmen entschließt sich, Social Media zu nutzen. Während Xing recht früh von den Personalern (und später auch vom Vertrieb) im Betrieb genutzt wurde, greifen viele Unternehmen bei ihren ersten Schritten im Web 2.0 häufig auf Externe zurück. Beauftragt werden je nach Budget Freie oder ganze Agenturen, die für das Unternehmen die ersten Schritte bei Facebook & Co. machen. Meist beschränkt man sich dabei auch auf ein oder zwei relevante Plattformen, alle anderen werden zunächst außer Acht gelassen.

3. Das können wir selbst

Bei der dritten Phase, bei der die Social Media-Aktivitäten zurück in das eigene Haus geholt werden, laufen zwei Entwicklungen zusammen: Zum einen steigt die Bedeutung von Social Media innerhalb der gesamten Unternehmenskommunikation, zum anderen ist die erste Scheu überwunden, Social Media kommt einem nicht mehr wie Rocket Science vor. Wahlweise wird die Aufgabe von der Marketing- oder der PR-Abteilung übernommen, nicht wenige Unternehmen stellen zudem für diesen Zweck Social Media-Berater ein, die sich ausschließlich um die sozialen Netzwerke kümmern können/sollen.

4. Von der Masse erschlagen

Vielen Unternehmen reicht es nicht, “nur” auf ausgewählten Social Media-Plattformen präsent zu sein, man will möglichst viele Plattformen bespielen. LinkedIn, Tumblr, YouTube, Google+, RebelMouse, Storify, MySpace, Instagram, Pinterest lassen grüßen. Und ein eigenes Blog soll natürlich auch noch her. Im Idealfall schafft man es sogar, dass alle Kanäle gut orchestriert agieren, man verlinkt von einer Plattform auf die andere, bindet die Elemente untereinander ein und nutzt die Stärken und Schwächen individuell aus.

Der Grund für die Masse an Social Media-Kanälen ist neben dem Acting in Concert leicht erklärt: Zum einen erreicht man mehr Leute, zum anderen ist Social Media ein schnelllebiges Geschäft. Nicht wenige Unternehmen haben sehr viel Aufwand in die StudiVZ-Netzwerke oder MySpace gesteckt und dort auch jede Menge Follower akquiriert, die jedoch jetzt nur noch den Wert von Karteileichen haben. Niemand kann heute sagen, welches Netzwerk in fünf Jahren noch bedeutend ist, deshalb versucht man, überall präsent zu sein – und den Kontakt mit dem Zielpublikum auf möglichst vielen Plattformen zu halten. Außerdem baut sich ein Netzwerk auch deutlich schneller auf, wenn man schon mehrere tausend Follower auf Twitter hat.

Im Haus, aber mit externem Backup?

Die Social Media-Kanäle im Haus, statt von Externen betreuen zu lassen, hat einen großen Vorteil: Man ist schlichtweg näher dran. Man weiß, was für Themen gerade heiß laufen, Abstimmungsprozesse lassen sich auf dem kurzen Dienstweg erledigen. Als Nachteil wird dagegen häufig dreierlei genannt: Zum Ersten ist man vom Arbeitsaufwand überrascht. Nicht wenige denken, dass “ein, zwei Facebookposts doch nebenher” gemacht sind – was aber nur stimmt, wenn man an private Einträge (“Das Eis schmeckt hier voll lecker, einself!”) denkt. Müssen aber mehrere Kanäle (sinnvoll!) bespielt werden, dann summiert sich der Aufwand unter’m Strich aber doch ganz schön, statt es “nebenher” zu erledigen, ist es eine Vollzeitbeschäftigung geworden, die wahlweise von einem Mitarbeiter der PR- oder der Marketingabteilung erledigt wird.

Zum Zweiten steigt natürlich die Betriebsblindheit, ein gewisser Tunnelblick stellt sich ein. Unternehmen stellen deutlich schneller auf Autopilot als Agenturen, der Blick von außen fehlt. Dabei sollten Social Media Berater eigentlich beraten, und nicht zu einer bestimmten Phase sämtliche Social Media-Aktivitäten übernehmen. Dazu kommt, drittens, dass die Social Media-Aktivitäten im Unternehmen (Konzerne ausgenommen) häufig auf einer Schulter ruhen. Ist der Mitarbeiter krank, fällt die Aktivität aus. Ist er im Urlaub, gibt es Post, die vorher terminiert wurden, Interaktivität findet also nicht mehr statt. Gehen dem Mitarbeiter die Ideen aus, bleibt der Social Media-Auftritt entsprechend blass.

Angesichts der jeweiligen Vor- und Nachteile von internen und externen Lösungen dürfte eine Kombination in den meisten Fällen am sinnvollsten sein. Die Social Media-Aktivitäten finden primär im Unternehmen statt, aber mit Unterstützung von außen. Zum einen als Backup, falls der zuständige Mitarbeiter oder die zuständigen Mitarbeiter ausfallen, zum anderen aber auch als Ideen-Lieferant. Der Social Media Berater wäre wieder das, was seine “Berufsbezeichnung” eigentlich aussagt, er berät und greift unterstützend ein.

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

(Marken-)Namen auf den Online-Plattformen sichern: NameChk

Für die meisten Organisationen ist es mittlerweile relativ normal, im Web 2.0 aktiv zu sein. Je nach Ausrichtung/Zielgruppe sind dabei viele Unternehmen und gemeinnützige Organisationen auf Facebook, Twitter, Xing, LinkedIn oder Google+ vertreten. Bei manchen kommt noch Flickr, Instagram, Pinterest oder tumblr hinzu, aber dann ist meist auch Schluss. Es gibt zwar viele weitere Dienste, die man theoretisch nutzen könnte, aber meist konzentriert man sich auf die Kanäle, bei denen die Reichweite am höchsten ist, statt auf viel zu vielen Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen.

Insbesondere für kleinere Unternehmen mit einem begrenzten Marketing- und PR-Etat ergibt dieses Vorgehen auch Sinn. Facebook kommt etwa in Deutschland auf mehr als 20 Millionen Nutzer, eine potenzielle Reichweite, für die etliche kleinere Dienste bespielt werden müssten. Da die Manpower begrenzt ist, ist es sinnvoll, lieber mehr Zeit in Facebook zu investieren, als die anderen Kanäle mit deutlich weniger Reichweite doch eher lieblos zu pflegen.

Unternehmen, die erst noch im Web 2.0 tätig werden wollen, sollten sich daher zuerst fragen, auf welchen Plattformen sie ihre Zielgruppe am ehesten erreichen können – und die Plattformen in der engeren Auswahl dann ausprobieren; am besten mit dem Trial-and-Error-Verfahren.

Doch dieses Konzentrieren auf die wichtigsten Kanäle muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass man die anderen Plattformen im Netz vollkommen ignoriert. Selbst wenn man auf einer Plattform nicht vertreten ist, heißt das nicht, dass dort nicht über einen “geredet” wird, ein gutes Social-Media-Monitoring von größeren Organisationen sollte daher immer so viele Kanäle wie möglich umfassen.

Wobei wir auch das “nicht vertreten sein” bei Görs Communications in Zweifel ziehen würden. Dass man Kanäle nicht bespielt, muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass man dort nicht vertreten ist. Es gibt im Internet zwar abertausende Plattformen, aber wenn man nur die relevanten betrachtet, kommt man vielleicht auf 60 oder 70 Dienste, die eventuell für einen interessant sind. Das ist immer noch ein große Zahl, sicherlich zu viele Dienste, um sie auch tatsächlich zu bespielen, aber die Zahl ist immer noch überschaubar genug, um sich zumindest seinen Namen bzw. Markennamen auf ihnen zu sichern.

Mit NameChk den eigenen (Marken-)Namen sichern

NameChk

Suche auf NameChk nach dem Begriff “Markenname”

Die einfachste Möglichkeit, zu prüfen, ob der eigene Name bzw. der eigene Markenname auf den wichtigsten Social-Media-Plattformen (im weitesten Sinne) noch frei ist, ist www.namechk.com. Bei dem kostenlosen Dienst gibt man einfach den Namen oder den Begriff ein, nach dem man die wichtigsten Plattformen durchsuchen will, und der Dienst zeigt einem, wo der Name bzw. Begriff noch frei ist. Da sämtliche Dienste zumindest in der Basis-Funktion kostenlos sind, kann man sich hiernach dort mit geringem Arbeitsaufwand unter dem gewünschten Namen registrieren und sich diesen auf diese Weise sichern.

Das gibt einem die Möglichkeit, innerhalb von verhältnismäßig kurzer Zeit den Namen auf allen relevanten Plattformen zu sichern – so nicht jemand anderes schneller war.

Wozu den Namen sichern?
Neben dem geringen Arbeitsaufwand gibt es natürlich handfeste Gründe, warum man sich den Namen auf so vielen Plattformen wie möglich sichern sollte. Zuallererst verhindert man hiermit, dass mit dem eigenen Namen Schindluder betrieben wird. Es gibt im Internet genug “Witzbolde”, die liebend gerne Unternehmen oder Promis durch den Dreck ziehen, indem sie so tun, als wären sie der Promi oder das Unternehmen. Oder jemand meldet sich unter ihrem Namen an, weil er nicht weiß, dass das ein Unternehmensname ist – und hinterlässt dann Einträge, die mehr als nur peinlich sind.

Außerdem weiß man im Internet nie, welche Plattformen in den nächsten zwei oder drei Jahren populär werden. Vor drei Jahren waren MySpace und StudiVZ noch eine große Nummer, jetzt ist Twitter gerade schwer angesagt. Und da empfiehlt es sich vorzusorgen, lieber jetzt auf allen Plattformen den Namen sichern, als später in die Röhre zu schauen.

Außerdem werden viele dieser Plattformen von Google hoch eingestuft, erstellt man dort ein Profil, kann man häufig auch die URL zur eigenen Webseite angeben – ideal, um das Suchmaschinenranking der eigenen Webseite zu verbessern. Man sorgt also nicht nur vor, sondern erzielt sofort handfeste Ergebnisse, und das mit einem doch bescheidenen Arbeitsaufwand.

Webperlen: PR Hamburg, Hotspot-City, Fake-Accounts bei Tumblr, Sprachpanscher und Sprachpinscher

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Beste PR-Foto wird in Hamburg ausgezeichnet
  • Hamburg wird “Hotspot-City”
  • Ausgehende Links schaden nicht!
  • Tumblr: Massives Problem mit Fake-Accounts?
  • Wir sind die 0,01 Prozent: Die Second-Screen-Twitter-Blase
  • Big business outsources innovation to startups
  • Sprachpanscher und Sprachpinscher
  • All The Great Mad Men Era Volkswagen Ads

Ein weiterer Event in der (heimlichen?) PR-Hauptstadt Hamburg, im November wird das PR-Foto des Jahres 2013 ausgezeichnet:

Die nominierten Fotos für das beste PR-Bild des Jahres 2013 bieten ein breites Spektrum an Themen und ungewöhnlichen Szenen, von der Hamburger Hochbahn bis Mercedes-Benz, von Umweltschützern bis zu politischen NGOs. Auch Sie können mit darüber abstimmen, welches Bild als das PR-Foto des Jahres gelten soll.

Auch sonst ist Hamburg mal wieder spitze, die Hansestadt Hamburg wird “Hotspot-City”:

Tolle Nachricht für alle Internetsurfer in Hamburg. Die Telekom hat heute angekündigt, dass Hamburg zur “Hotspot-City” werden soll. Ab sofort wird man in Hamburg eine Stunde kostenlos surfen können und die Telekom will die Hotspots weiter ausbauen. Hamburg wird laut Telekom-Angaben als erste deutsche Stadt großflächig mit WLAN-Technologie ausgerüstet.

Trotz aller Dementis von Google hält sich noch immer in Deutschland das Gerücht, dass ausgehende Links auf andere Seiten (also das, was wir von Görs Communications nicht nur in der Webschau und im Blog ständig machen) dem Google Ranking schaden. Da das Gerücht dazu führt, dass immer weniger verlinkt wird – was ursprünglich eine Stärke der Blogosphäre war – empfehlen wir den Artikel “Ausgehende Links schaden nicht“:

Solange man nicht sinnlos auf Spamseiten verlinkt, kann gar nicht passieren. Wenn der Inhalt der Seite gut ist, und der Link für die User Sinn ergibt, ist alles in bester Ordnung. Wer also unsicher ist, ob es schaden könnte, auf andere Seiten zu verlinken, dem sei gesagt: man verliert nichts, wenn man auf andere verlinkt.

Tumblr hat offenbar doch weniger aktive Nutzer, als allgemein angenommen wird, anscheinend gibt es sogar ein massives Problem mit Fake-Accounts (via):

Denn neben Querelen mit Porno-Inhalten kämpft Tumblr hinter den Kulissen mit einem massiven Problem: Fake-Profile. Bis zu 90 Prozent der Blogs könnten inaktiv sein, und mit Hilfe des neuen Eigentümers Yahoo werden diese gefälschten Accounts still und heimlich nach und nach gelöscht, wie ich in Erfahrung gebracht habe.

Dass Social Media unter Umständen auch von den Medien etwas überschätzt werden kann, gibt Ole Reißmann (via) in dem Blogbeitrag “Wir sind die 0,01 Prozent: Die Second-Screen-Twitter-Blase” zu bedenken, in dem er das ständige Verweisen auf Twitter während des Kanzlerduells hinterfragt:

Nun jubelt Twitter selbst, dass es zum #tvduell rund 173.000 Tweets gab. [...] Und wie viele stecken hinter den 173.000 Tweets? Nur mal angenommen, ein paar eifrige Nutzer haben das #tvduell kommentiert und alle paar Minuten einen Tweet geschrieben. Vielleicht 25 in 90 Minuten. Dann reichen schon rund 7000 Twitter-Nutzer aus, um auf 173.000 zu kommen.

Animierte Gifs zum Kanzlerduell gibt es übrigens hier (via).

Görs Communications auf Rebelmouse

Görs Communications auf Rebelmouse

Warum selbst innovativ sein, wenn man auch in Startups wie RebelMouse investieren kann? Big business outsources innovation to startups:

In recent months, investments in local companies by corporations were among the most significant overall, including a $20 million investment led by Cox Media Group and Samsung Ventures in ad-tech company Collective, and a $10.25 million series A round in social media company RebelMouse by investors that include Softbank Capital, an affiliate of Japanese telecom giant Softbank. Early in the summer, Chinese Internet giant Tencent helped bankroll $150 million for e-commerce site Fab.

Eine schöne Replik (via) auf die Sprach-Puristen vom Verein Deutsche Sprache e.V. findet sich unter “Sprachpanscher und Sprachpinscher“:

Warum Menschen, die keine Ahnung von Sprache haben, sich ausgerechnet zu einem Verein zusammenschließen, dem es um Sprache gehen soll, werde ich wohl nie verstehen. Aber wenn ich so einen Verein hätte, würde ich es genau wie der Verein Deutsche Sprache machen, und mich darauf beschränken, anderer Leute Sprachgebrauch zu kritisieren. Denn die sind dann vielleicht so beschäftigt damit, sich gegen die Kritik zu verwahren, dass sie gar nicht nachfragen, worauf diese sich eigentlich gründet.

Und zum Abschluss der Webschau was für das Auge, eine Bilderstrecke mit 50 faszinierenden Werbemotiven von Volkswagen: All The Great Mad Men Era Volkswagen Ads.

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

Webperlen: Neuland-Häme, Echtzeit-Journalismus und die abnehmende Wichtigkeit von Links bei Google

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Die Häme über Merkels “Neuland”
  • Echtzeit-Journalismus beim Obama-Besuch
  • Acht Kurzporträts: So sehen Blogger aus
  • Google stuft die Wichtigkeit von Links herunter
  • Wie wichtig sind Links?
  • Die Website verliert an Bedeutung – es lebe der Artikel
  • Update Facebook Seitenstatistiken
  • Google, Microsoft und Facebook zahlen für Datentraffic
  • Christian Ude hält Wort

Der amerikanische Präsident war in Berlin zu Gast, und im Netz ist vor allem ein einziger Satz (bzw. ein Wort) Thema, Merkels ”Das Internet ist für uns alle Neuland.” Natürlich eroberte der Hashtag #Neuland sofort die Trending Topics bei Twitter, “So witzelt das Netz über #Neuland” wird bei Storify die Top-Story. Neben Witzen, die im Kern fast alle auf “Digital Native” vs. “Internetausdrucker” hinausliefen, gab und gibt es aber auch diverse ernstgemeinte Beiträge, die (aus Merkels Perspektive) fast alle negativ ausfielen. Das Spektrum reicht von “Warum #Neuland gefährliches Neusprech der Kanzlerin ist” über “Warum Merkels Neuland-Spruch gefährlich dämlich ist” bis hin zu “Der kleine Spruch “Das Internet ist für uns Neuland” rechtfertigt ein weiteres Massensterben von Bürgerrechten im Netz“. Die digitale Avantgarde fühlt sich übergangen, man stellt das Vorhandensein von Grips infrage, stellt Merkel als Maschinenstürmerin dar und findet es alles andere als lustig. Vereinzelt wird Merkel sogar verteidigt, etwa unter “#Neuland: die Arroganz der Digital Natives“. Die Debatte tobte (und tobt) so sehr, dass sogar der Regierungssprecher sich genötigt sah, die Worte der Kanzlerin auf Twitter zu erklären:

Seibert

Der vielleicht beste, weil sachlichste Beitrag zum Thema findet sich jedoch auf dem Blog Basic Thinking, wo es unter “Das Internet bleibt #Neuland: Warum Merkel gar nicht so Unrecht hat” heißt:

Denn Friedemann Karig hat völlig Recht: Die Internetlandschaft verändert sich rasend schnell, sodass sich selbst vermeintliche Experten kaum trauen, einen Blick in die Glaskugel zu werfen. Und dabei gibt es so viele Felder, bei denen man Orakel spielen könnte: An der Datenschutzreform werkelt die EU schon seit gut drei Jahren herum – „ihr Realisierungszeitpunkt“ ist laut Wikipedia dennoch „nicht absehbar“.

Während sich die sozialen Medien auf Neuland stürzten, tickerten die etablierten Medien, was das Zeug hielt. Dass es dabei zum Teil auch ziemlich banal zuging, war zu erwarten, aber teilweise wurden Belanglosigkeiten aufgeblasen, wie man es sonst nur von königlichen Hochzeiten kannte. Die FAZ, nicht gerade als Leitmedium des Livetickers bekannt, hat unter der Überschrift “Echtzeit-Journalismus beim Obama-Besuch – Auf der Damentoilette wurde ein Ring gefunden” eine schöne Abrechnung mit den Belanglosigkeiten im Ticker geschrieben:

Wenn Journalisten solche Dinge für erwähnenswert halten, dann ist es offensichtlich, dass sie ihre Aufgabe, die vor allem im Filtern und Werten besteht, nur noch am Rande wahrnehmen. Sie können auch gar nicht mehr anders, jeden Moment muss sich ja die nächste Banalität ereignen: ein Auto, das vorfährt, ein Windstoß, der ein Kleid oder eine Frisur in Unordnung bringt, ein Gesichtszug, der für einen Moment entgleitet, der Bissen Spargel, der nun allen Ernstes verzehrt wird – das muss alles haarklein berichtet werden, im Netz ist ja Platz genug.

Ein kleiner, aber feiner Einblick in das Blogger-Universum. Spiegel Online hat acht Kurzportraits über unterschiedliche Blogger-Persönlichkeiten aus den unterschiedlichen Themengebieten zusammengestellt:

Im Netz zu Hause: Acht deutsche Blogger haben uns verraten, was sie antreibt, wie viel Zeit sie investieren und wie sie mit fiesen Kommentaren umgehen. Manche haben internationale Trends gesetzt, viele im Netz Freunde gewonnen – und einer kann vom Bloggen gut leben.

Und immer wieder die Google-Algorithmen. Basierte das Google-Ranking früher vor allem auf Links, nimmt die Bedeutung ständig ab, jetzt ist es wohl mal wieder soweit, Google stuft die Wichtigkeit von Links herunter:

Wie Barry Schwartz in seinem soeben auf searchengineland.com veröffentlichten Artikel `Google Changes Ranking Advice´ zeigt, hat Google auf der WMT-Hilfeseite zum Thema `Ranking´ eine kleine aber feine Änderung vorgenommen. Wurde bis vor Kurzem dort noch erklärt, dass man das Ranking einer Webseite explizit auch durch Links von anderen Seiten steigern kann, wurde entsprechende Passage nun geändert.

Eine gute (und ausführliche) Antwort auf diesen Artikel findet sich zudem hier, unter anderem heißt es dort:

Google weiß selbst am besten, wie viele einzelne Faktoren in den Suchergebnissen berücksichtigt werden. Daher fällt hier auf, wie ähnlich sich doch Google und die SEO-Agenturen am Ende wieder einmal sind: beide benutzen den Konjunktiv, um sich sowohl rechtlich als auch empfehlungstechnisch abzusichern. Es kann wohl niemand ganz genau sagen, wie man unter die Top 3 der Suchergebnisse kommt.

Ein paar intelligente Überlegungen unter “Die Website verliert an Bedeutung – es lebe der Artikel” darüber, wie Webseiten-Betreiber darauf reagieren sollen, dass sich das Surf-Verhalten insofern geändert hat, als dass immer mehr User via Social Media auf einzelnen Artikeln, und eben nicht der Startseite landen:

Tatsächlich wird seit einiger Zeit schon der langsame Tod der Homepage diskutiert – weil es immer mehr Nebeneingänge zum Content statt des einen zentralen Portals gibt, durch das alle kommen. Wer zum Beispiel einer Artikelempfehlung auf Facebook folgt, ist schon mitten drin im Angebot und nimmt die schöne Homepage gar nicht wahr. Die einfache Schlussfolgerung:
This makes it more important than ever for websites to treat every page as if it’s the homepage.

Werbetreibende und Social Media Manager wird es freuen, mit dem Update der Facebook Seitenstatistiken werden die Statistiken endlich aussagekräftiger:

Die Insights haben nicht nur genauere Informationen, sondern sie werden auch übersichtlicher aufbereitet. Durch eine stärkere Gewichtung von Klicks, zeigt Facebook Marken auch auf, dass nicht nur Kommentare, Gefällt mir angaben und Shares den EdgeRank beeinflussen. Jeder Klick, sei es auf einen Link, oder ein Foto, hat Auswirkungen auf den EdgeRank.

Kein gutes Zeichen für die Netzneutralität: Wie Golem.de berichtet, zahlen Google, Microsoft und Facebook bereits für Datentraffic:

Google, Microsoft und Facebook zahlen in den USA an Telekommunikationsbetreiber für die bevorzugte Durchleitung von Daten. Das berichtet das Wall Street Journal aus informierten Kreisen. Die Zahlungen sind jedoch nicht besonders hoch.

Und zum Abschluss der Webschau ein Hinweis auf ein sehr schönes und vor allem witziges Tumblr. Auf Ude Holding Things macht man sich auf äußerst kreative Weise über das vollkommen missglückte Wahlplakat von Christian Ude lustig.

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

Webperlen: Übernahmegerüchte, Werben statt nerven und die Zukunft der Zeitungen

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Berichte über Milliarden-Deal: Yahoo interessiert sich für Tumblr
  • Werben statt nerven
  • Apropos Adblocker: (Wie lange) geht’s noch?
  • Zeitungen müssen promiskuitiv werden – beim Geldverdienen
  • Twitter bringt Toolkit für das “Internet der Dinge”
  • BGH: Dürfen Youtube-Videos ohne Erlaubnis der Urheber in Webseiten eingebunden werden?
  • Boris Beckers Bestes „Bb hat heute zahnschmerzen …autsch !“

Das Übernahmekarussell nimmt in der Digitalwirtschaft wieder Fahrt auf, wie SPIEGEL ONLINE berichtet, hat es Yahoo auf Tumblr abgesehen, der Preis für die Blogplattform ist jedoch alles andere als gering:

Das Interesse an Tumblr sei in letzter Zeit aber sehr viel größer geworden. Der Grund: Tumblr wird teurer. Nach Angaben von “AllThingsD” wird der Wert des Unternehmens, das nach eigenen Angaben mehr als 100 Millionen Blogs eine Heimat bietet, derzeit auf eine Milliarde Dollar geschätzt. Zum reinen Wert des Bloggernetzwerks von 800 Millionen Dollar kommen noch einmal 125 Millionen Dollar aus einer großen Finanzierungsrunde hinzu.

Die Debatte um die Anti-Adblock-Kampagne der Verlage ebbt nicht ab, wird sogar – zum mindest in Teilen – produktiv. Beim Berliner Tagesspiegel äußert sich jetzt Markus Hesselmann, Redaktionsleiter Online, in einem lesenswerten Kommentar:

Und so hatte der Appell einiger deutscher Online-Portale, doch bitte auf Adblocker zu verzichten, doch noch etwas Gutes. Denn er ist Anlass für diese aktuelle Debatte. Ansonsten halte ich persönlich wenig von solchen Bittgängen. Statt mit Appellen sollten wir unseren Leserinnen und Lesern lieber mit Angeboten kommen. Wir könnten ihnen zum Beispiel unsere Inhalte mit weniger Werbung oder womöglich sogar werbefrei nahe bringen, wenn sie im Gegenzug bereit sind, sich selbst an der Finanzierung zu beteiligen.

Deutlich gereizter, aber auch mit einen guten Argumenten meldet sich Frank Patalong zum selben Thema zu Wort. Patalong, der seit Jahren für SPIEGEL ONLINE schreibt, platzt bei Apropos Adblocker: (Wie lange) geht’s noch? regelrecht der Kragen:

Forderungen, Werbung unauffälliger zu machen, sind übrigens schlicht bescheuert. Wer so etwas fordert, hat nicht begriffen, worum es bei Werbung geht. Natürlich muss die auffallen, sonst wirkt sie nicht. Und wenn sie nicht wirkt, taugt sie auch nicht als Refinanzierungsbasis für kostenlose Angebote. “Gezieltere”, “personalisierte” Werbung einzufordern ist dann noch der ultimative Blödsinn. Wünschen wir uns wirklich noch mehr Profilierung unser Persönlichkeiten, mehr Schnüffelei, mehr Eindringen in unsere Daten, den Verkauf dieser Daten? Geht’s noch? Ich will das nicht.

Einen Brandbrief aus ganz anderer Richtung hat dagegen Jan Lerch geschrieben. Unter der provokativen Überschrift “Zeitungen müssen promiskuitiv werden – beim Geldverdienen” beklagt Lerch die Eindimensionalität und die Einfallslosigkeit der Nachrichtenportale:

Zum Thema Geldverdienen höre ich in den letzten Jahren immer Werbung und Paid Content, Paid Content und Werbung. Dabei sind zwei Dinge offensichtlich: Klassische Werbung im Netz spielt nur einen Bruchteil dessen ein, was Print gebracht hat, und Paid Content funktioniert vielleicht bei der “New York Times”. Ansonsten gilt: Menschen bezahlen im Netz nur für Inhalte, die sie unbedingt brauchen und anderweitig nicht bekommen können. Darum verdient das “Wall Street Journal” ebenfalls Geld. Menschen lassen sich ihr Portemonnaie auch emotional öffnen, deswegen könnte eine Bezahlapp für den Heimatverein funktionieren. Aber Geld für General Interest? Vergessen Sie es.

Deutlich innovativer zeigt sich dagegen Twitter, der Kurznachrichtendienst will das Toolkit für das “Internet der Dinge” herausbringen:

Warum sollen nur Computer, Smartphones und Tablet-Rechner Kurznachrichten versenden? Eine Kuckucksuhr zum Beispiel könnte ebenfalls Tweets ins Netz schicken – findet jedenfalls Twitter. Der Online-Dienst demonstriert nun anhand einer zwitschernden Standuhr ein Toolkit, mit dem beliebige Objekte Teil des sozialen Netzwerks werden können, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.

Eine ungeklärte Rechtslage mehr, als gäbe es davon im Urheberrecht nicht schon genug. Das BGH hat sich jetzt über die Rechtslage beim Einbetten von Youtube-Videos ohne Erlaubnis der Urheber geäußert:

Das Framing fremder Videos soll künftig als Urheberrechtsverletzung eingestuft werden. Das wünscht sich der Bundesgerichtshof (BGH), der die Frage an diesem Donnerstag aber nicht selbst entschied. Er legte den Fall vielmehr dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg vor, damit dieser eine EU-einheitliche Entscheidung treffen kann.

Mehr bei der taz unter “BGH-Beschluss zum Framing: Der Streit geht auf die höhere Ebene

Und zum Abschluss mal wieder etwas (unfreiwillig) witziges: Die FAZ hat sich die Mühe gemacht, die “besten” Tweets von Boris Becker zu sammeln, unter „Bb hat heute zahnschmerzen …autsch !“ findet man u.a. folgende Stilblüte des Mannes, der vermutlich besser beim Tennis geblieben wäre:

10. Dezember 2012 (zum Friedensnobelpreis für die EU): „Grosser Bewunderer von Angela Merkel! Ich bin sehr stolz und werde Patriot, als Sie Friedensnobelpreis gewonnen hat !!!“

 

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