21/11/2019

Ortsbezogene Werbung statt Branchenbucheintrag und Schweinebauchwerbung?

Bis vor ein, zwei Jahren entzündeten sich fast alle Debatten über den Siegeszug des Internets und die veränderte Mediennutzung noch hauptsächlich am “Zeitungssterben”, es wurde fast immer nur über die Auswirkungen auf Zeitungen und Zeitschriften diskutiert. Mittlerweile jedoch wird immer deutlicher, dass das ständig verfügbare Internet auch alle anderen Medien umkrempelt. Zu den beliebtesten Schlagwörtern gehört jetzt auch in Deutschland der “Second Screen”, also das Surfen auf dem Smartphone, dem Tablet oder Laptop während des Fernsehens. Die Zahlen sprechen dabei eine eindeutige Sprache, laut einer aktuellen Studie ist das Multitasking deutlich verbreiteter, als man zunächst annehmen würde:

Mehr als die Hälfte tut es beim Fernsehen: Knapp 56 Prozent der Deutschen haben während des abendlichen TV-Konsums ein zweites Gerät laufen. Führend ist hierbei das Notebook (52 Prozent), gefolgt von Smartphone (37 Prozent) und Desktop (29 Prozent).

Die Mehrheit der Deutschen kann also auch während des Fernsehens nicht die Hand vom Internet lassen, gefragt danach, was genau sie dabei machen, wurden folgende Tätigkeiten angegeben:

Fast die Hälfte der Befragten (49 Prozent) nutzt den Second Screen, um nebenher im Internet zu surfen, 47,7 Prozent lesen und schreiben Mails, 35,6 Prozent nutzen soziale Netzwerke.

Nun kann man sich lange Gedanken machen, wie sich das Fernsehverhalten dadurch ändert, entscheidend ist jedoch ein anderer Punkt. Die 56 Prozent zeigen mehr als eindrucksvoll, wie das Internet – in welcher Form auch immer – den Alltag dominiert. Der klassische “Fernsehabend”, bei dem die ganze Familie im Wohnzimmer gebannt auf den Fernseher starrt, stirbt aus. Vorbei sind die Zeiten, in denen sogar die Wohnzimmereinrichtung auf den Fernseher ausgerichtet war, in denen die Tagesschau pünktlich um 20:00 Uhr wie selbstverständlich den Abend einläutet. Stattdessen ist man jetzt immer online, ständig vernetzt.

Das Telefonbuch hat ausgedient

Wenn jeder das Internet – egal, ob auf dem Tablet, Smartphone oder Laptop – eh zur Hand hat, was passiert dann wohl, wenn der Fernseher seinen Geist aufgibt? Früher war die Sache einfach: Entweder hatte man “seinen Fernsehtechniker” (meist auch noch von dem Laden, von dem der Fernseher wie sämtliche Vorgängergeräte stammte), oder man blätterte im örtlichen Telefon/Branchenbuch, um einen Reparaturservice ausfindig zu machen. Schließlich stand ja auch in jedem Haushalt ein Telefontisch, auf dem neben dem Telefon auch ein Notizzettel und die Telefonbücher lagen.

Der ehemals als nützlich empfundene Telefontisch ist aber Vergangenheit, im Zeitalter der Smartphones geht niemand mehr zum Telefontisch, niemand blättert in Telefonbüchern. Stattdessen wird in den sozialen Netzwerken nachgefragt, wer einen guten Reparateur kennt (“Mist, jetzt ist der Fernseher abgeschmiert. Irgendwer mit einem guten Reparaturtipp? THX”), oder es wird “eben gegoogelt”. Ist der Fernseher etwa in Hamburg defekt, dann wird bei Google etwa “Reparatur Fernseher Hamburg” eingegeben. Oder, Hamburg ist schließlich groß, niemand macht gerne unnötig weite Wege, “Hamburg St. Georg Reparatur Fernseher”. Dann wird eventuell noch kurz geschaut, wie die besten Treffer bei Bewertungsportalen wie Qype abgeschnitten haben – und man hat seinen Reparaturdienst.

Oder der Fernseher wird gar nicht repariert, denn kaum hat man bei Google “Reparatur Fernseher Hamburg” eingegeben, schon erscheint verlockende Werbung (“Internetfähiger LCD-Fernseher, Bildschirmdiagonale 50 Zoll, 3D-Technologie ohne Brille, keine Anzahlung, nur 24 Monatsraten à 24 Euro”) vom nächstgelegenen Elektrohändler. Oder in den sozialen Netzwerken weist jemand auf den Fernseher hin, den er vor einer Woche selbst gekauft hat (“Reparieren? Lohnt doch heutzutage kaum noch. Habe mir letzte Woche ein Schnäppchen mit 55 Zoll geschossen, kann ich nur empfehlen!”).

Und der Vorgang betrifft beileibe nicht nur einen defekten Fernseher, sondern fast alle Bereiche. Die Moderatorin im Fernsehen trug ein chices Oberteil? In den sozialen Netzwerken nachfragen, von welchem Hersteller das ist, nächstbesten Händler googeln. In dem chicen, neuen Oberteil kommt man sich leicht übergewichtig vor? Im Internet die Erfahrungsberichte über nahgelegene Fitnessstudios überfliegen. Im Fitnessstudio einen netten Mann kennengelernt? Gleich mal im Hamburger Dating-Forum nach dem romantischsten Restaurant mit Elbblick fragen.

Streuverluste minimieren

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, vermutlich sogar bis zum endgültigen Ende, bei dem dann von den Angehörigen nach “Beerdigungsinstitut Hamburg St. Georg” gesucht wird. Wer jedoch nicht in der Liste auftaucht, ist das Unternehmen, das für zwar für klassische Branchenbucheinträge und alle möglichen Werbemaßnahmen in Telefonbüchern sehr viel Geld ausgegeben hat, aber im Internet praktisch nicht präsent ist.

Gleiches gilt für Firmen, die auf Anzeigenbeilagen in den regionalen Zeitungen setzen, aber ebenfalls das Internet links liegen lassen. Diese als “Schweinebauchwerbung in der Totholzpresse” verschriene Anzeigenform fliegt schlimmstenfalls vom Briefkasten ins Altpapier, wird bestenfalls von den potenziellen Käufern überflogen – aber zu welchem Zeitpunkt? Wie hoch ist die Chance, dass die Schweinbauchwerbung mit den neuen Fernsehern genau in dem Moment auf dem Wohnzimmertisch liegt, wenn der Fernseher kaputt geht, selbst wenn jede Woche eine neue Anzeigenbeilage finanziert wird?

Die Streuverluste sind einfach enorm, ein Problem, das es im Internet natürlich auch gibt – aber es lässt sich deutlich effektiver minimieren. Unternehmen kommen heutzutage einfach nicht mehr um das Internet herum, sie müssen eine digitale Werbestrategie entwickeln. Es geht nicht darum, auf klassische Werbung vollkommen zu verzichten, ein guter Werbemix ist noch immer das A und O im Marketing, aber Werbetreibende müssen Antworten auf zentrale Fragen finden. Um bei dem Beispiel mit dem Fernseher zu bleiben: Ein Fernsehhändler in St. Georg muss es schaffen, dass Leute, die nach “Hamburg Fernseher St. Georg” suchen, bei ihm auf der Homepage landen. Und da ist deutlich mehr als reine Suchmaschinenoptimierung (SEO) gefragt: Von Location-Based Advertising über Social Media, Digital Relations, Online-PR, SEO, SEM, SMM, SMO bis hin zu SEO-PR.

Hört sich furchtbar kompliziert und nach Fachchinesisch an, ist es aber nicht unbedingt. Im Blog wird Görs Communications in Zukunft einige der wichtigsten Maßnahmen erläutern. Wichtig ist vor allem, dass auch kleine und mittlere Firmen sich mit zentralen Problemen im Web auseinandersetzen. Was ist etwa, wenn man gar nicht mitbekommt, dass das eigene Unternehmen auf den Bewertungsportalen schlecht abschneidet? Was bringen einem tausende von Seitenaufrufe, wenn diese jedoch aus Süddeutschland stammen, man aber nur in Hamburg verkauft? Und wie erreiche ich meine Zielgruppe mit möglichst geringem Streuverlust, ohne als Spammer etc. wahrgenommen zu werden?

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache
Dass der anfangs erwähnte “Second Screen” nur eine Erscheinung des tiefgreifenden Medienwandels ist, untermauern die Zahlen zur digitalen Nutzung in Deutschland: Knapp 80 Prozent der Haushalte haben einen modernen Breitbandanschluss, knapp drei Viertel aller Internetnutzer in Deutschland sind in mindestens einem sozialen Online-Netzwerk angemeldet und knapp 40 Prozent aller Deutschen besitzen ein Smartphone – Tendenz steigend.

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

Webperlen: Second Screen, Techblogger und die Frage, ob man die Blogstatistik veröffentlicht

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Fernsehen mit “Second Screen”
  • Deutsche Techblogger sind besser als ihr Ruf
  • Die Techniktrends der Ifa 2013
  • Europas Presse zum deutschen Wahlkampf
  • Die Kriege der Zukunft werden auf Twitter geführt
  • Blogstatistik – sollte man seine Daten veröffentlichen?

Der Trend zum Second Screen setzt sich weiter fort. Wie die SZ heute berichtet, ist ein Bildschirm einfach nicht genug:

Viele Zuschauer sind vom Fernsehprogramm offensichtlich so gelangweilt, dass sie lieber zum Smartphone oder Tablet greifen, um E-Mails zu schreiben oder einzukaufen. Die Aufmerksamkeit verlagert sich ins Netz, für den Fernsehbildschirm geht sie verloren. Dass die Inhalte der öffentlich-rechtlichen Sender, die größtenteils immer noch ein Programm für Zuschauer jenseits der 50 machen, jüngere Internetnutzer nicht zum Einschalten verführt, ist kaum verwunderlich.

Von wegen zweitrangig: Jürgen Vielmeier nimmt sich die IFA zum Anlass, um über die deutschen Techblogger zu schreiben, die deutlich besser als Ihr Ruf sind.

Noch während einer Konferenz posten Techblogger aus Deutschland die ersten Informationen eines Live-Events. Teams teilen sich auf, wenn mehrere Präsentationen zeitgleich stattfinden. Manche halten Kontakte zu Pressestellen oder Offiziellen eines Herstellers, um sich mit Vorabinformationen versorgen zu lassen. Nur Minuten nach einer Konferenz findet man die ersten Eindrücke (Hands-ons) eines Geräts online, in guter Bild- und Tonqualität.

Die aktuellen Trends auf der IFA stellt der Berliner Tagesspiegel vor:

Smarte Uhren fürs Handgelenk, Ultra HD fürs Wohnzimmer und Retrotechnik für Auge und Ohr. Wir stellen die Techniktrends der Ifa vor.

Ein Blick von außen hilft bekanntlich gegen Betriebsblindheit, deshalb sei an dieser Stelle auf die Zusammenstellung der europäischen Presse zum deutschen Wahlkampf verwiesen:

Das TV-Duell hat die Bundestagswahl in den Fokus der europäischen Presse gerückt. Das Urteil: Der Personenkult um Angela Merkel überdeckt die Inhalte. Der “Guardian” nennt das “Merkiavellismus”, “El País” analysiert den Neid der SPD auf die Hände der Kanzlerin.

Die Kriege der Zukunft werden auf Twitter geführt” ist zwar eine sehr martialische Überschrift, aber der Artikel enthält einige interessante Gedanken:

Debattieren, dementieren und informieren: Für Polens Außenminister Radoslaw Sikorski sind soziale Netzwerke die Zukunft der Diplomatie. Warschau setzt auf Botschaften mit 140 Zeichen.

Und zum Abschluss ein paar Gedanken, die sich wohl schon jeder gemacht hat, der ein Blog sein eigen nennt. Blogstatistik – sollte man seine Daten veröffentlichen?

Ich kenne viele Blogs und Webseiten wo über die Besucherzahlen nicht offen gesprochen wird. Der Grund? Viele haben Angst davor und halten es für nicht seriös. Sie glauben, dass ihnen die Veröffentlichung schaden könnte. Hat der Wettbewerber mit seiner Website mehr Zugriffe, dann rückt das ggf. meine Seite in ein schlechtes Licht.

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

Google Maps und Location Based Advertising (LBA)

MAps

Gestern hat Google auf der jährlichen Internetkonferenz I/O die neuen Dienste des Suchmaschinenkonzerns vorgestellt. Im Gegensatz zu früheren Jahren wurde keine bahnbrechende Entwicklung verkündet, sondern hauptsächlich kleinere, interessante Dienste und Überarbeitungen.

Unter anderem nimmt Google sich jetzt ein Beispiel an Last.fm, Pandora und Spotify und bietet einen eigenen Musikstreamingdienst an, für den die Nutzer (erstmalig in der Google-Geschichte) auch Geld zahlen sollen, bisher hat der Konzern fast ausschließlich von den Werbeeinnahmen gelebt. Google+, das soziale Netzwerk von Google, dessen Erfolg bisher unter den Erwartungen bleibt, wurde optisch aufgemotzt und mit ein paar neuen Funktionen wie etwa einem Messenger versehen. Außerdem wurde die Verzahnung mit anderen Diensten wie beispielsweise Google Maps weiter verbessert.

An Google Maps selbst hat Google enorme Verbesserungen vorgenommen – scheinbar sieht der Konzern in diesem Dienst ein entscheidendes Zukunftsfeld, laut der WELT ist der Dienst sogar vollkommen umgekrempelt worden:

Der Dienst wird komplett umgekrempelt, um dem Nutzer künftig eine auf seine persönlichen Bedürfnisse angepasste Karte anzuzeigen. Wer nach einem indischen Restaurant sucht, bekommt alle indischen Restaurants in der Gegend samt ihren Bewertungen angezeigt. Wer nach Starbucks sucht, könnte automatisch einen passenden Kaffee-Gutschein bekommen – der wird dann direkt in die digitale Geldbörse “Wallet des Mobiltelefons eingefügt.

Der Dienst wird damit längst nicht mehr so statisch, sondern deutlich interaktiver und individueller werden, wenn man das rastante Smartphone-Wachstum berücksichtigt, dann kann man auch sehr gut nachvollziehen, warum Google so viel Zeit und Geld in das Projekt investiert. Der Konzern selbst spricht sogar von einem “weiteren Schritt auf dem Weg zur nächsten Generation von Karten”:

Und während ihr es benutzt, lernt das neue Google Maps laufend dazu. Wenn ihr beim Suchen in Google eure Lieblingsplätze markiert und Erfahrungsberichte schreibt, erhaltet ihr intelligentere Empfehlungen für Orte, die euch auch gefallen könnten, wie beispielsweise Restaurants in der Nähe. Anders ausgedrückt: Je mehr ihr Maps nutzt, desto persönlicher werden die Karten für euch.

Unser Streben nach der perfekten Karte wird nie beendet sein. Aber wir freuen uns über diesen weiteren Schritt auf dem Weg zur nächsten Generation von Karten.

Die Frage für PR-, Werbung- und Marketingfachleute dürfte dabei zunächst einmal wichtig sein, wie sich das Verhalten der Nutzer durch das verbesserte Google Maps ändern wird. Wird der Dienst in Zukunft nur zum reinen Navigieren benutzt, oder auch, um das passende Cafe zu finden? Oder auch, um den passenden Einkaufsladen oder Dienstleister zu finden? Wie stark macht der Nutzer sein Konsumverhalten von Google Maps abhängig und welche Möglichkeiten gibt es für Location Based Advertising (LBA), also der ortsbezogenen Werbung?

Insgesamt dürfte das ein ziemlich starkes Zukunftsfeld für die gesamte Digital Relations-Branche werden. Wie schafft man es, dass die Nutzer von Google Maps zu einem finden, ohne auf plumpe Manipulationen wie etwa gefakte Kommentare/Nutzerempfehlungen zu setzen? Und welche Möglichkeiten bieten sich an, um gezielt Werbung auf den mobilen Endgeräten zu schalten, bei der der Streuverlust nurminimal ist und das Budget im vertretbaren Rahmen bleibt?

Fragen, auf die eine Antwort gefunden werden muss – schließlich ist die Zukunft nicht nur digital, sondern auch mobil.

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

Webperlen: Leistungsschutzrecht, Zukunft des Journalismus und ein Social Media Watchblog

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Leistungsschutzrecht: Freie Fahrt für Google!
  • Leistungsschutzrecht: Ein Grauen für alle, die ins Netz schreiben
  • Leistungsschutzrecht: Google gewinnt, freie Journalisten verlieren
  • Mediatopia: Ein Projekt entsteht
  • Zeitungssterben: Die FAZ greift zu
  • Springer übernimmt TunedIn
  • Grabber sichern sich Domains von Versicherungen
  • Social Media Watchblog – ein neues Watchblog für Social Media und Big Data
  • US-Botschaft nutzt Storify

Das Netzthema der Woche ist definitiv das Leistungsschutzrecht, das am Freitag durch den Bundestag gehen soll – in welcher Form, ist noch immer offen, da das Gesetz offenbar mt so heißer Nadel gestrickt wurde, dass Änderungen noch in letzter Minute (“Streit über Leistungsschutzrecht bis zum Schluss“) eingebracht werden. Außerdem formiert sich nicht nur von den obligatorischen “Netzaktivisten” Widerstand, sondern auch von potenziell betroffenen Berufsgruppen wie etwa dem Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten.

Von der letzten Änderung dürfte vor allem Google profitieren, die Regierungskoalition hat folgenden Änderungsantrag eingebracht, der für glückliche Gesichter beim Suchmaschinenkonzern sorgen wird:

(1) Der Hersteller eines Presseerzeugnisses (Presseverleger) hat das ausschließliche Recht, das Presseerzeugnis oder Teile hiervon zu gewerblichen Zwecken öffentlich zugänglich zu machen, es sei denn, es handelt sich um einzelne Wörter oder kleinste Textausschnitte. Ist das Presseerzeugnis in einem Unternehmen hergestellt worden, so gilt der Inhaber des Unternehmens als Hersteller.

Warum der erste Satz so einen großen Unterschied für Google gegenüber der Ursprungsfassung sein wird, wird beim Telemedicus erklärt: Freie Fahrt für Google! Im Gegensatz zum Suchmaschinenkonzern ist damit aber für “normale” Internetnutzer die Kuh noch nicht vom Eis, Udo Vetter sieht in “Ein Grauen für alle, die ins Netz schreiben” Tor und Tür für eine neue Abmahnwelle geöffnet:

Alle Hinweise in den Gesetzesentwürfen, dass die Regeln nicht für Menschen gelten sollen, die privat ins Internet schreiben, werden bald vergessen sein. Oder schon von Anfang an keinen interessieren. Die Abmahnungen, welche Anwälte im Auftrag der Verlage wegen angeblicher Copyright-Verletzungen verfassen, werden jedenfalls ebenso überzeugend und bedrohlich klingen wie Post von Filesharing-Kanzleien.

Der Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten wirft hingegen die Frage auf, wer überhaupt von dem Gesetz profitieren wird, die freien Journalistinnen und Journalisten (also die eigentlichen Urheber) jedenfalls nicht, unter “Google gewinnt, freie Journalisten verlieren” ruft der Verband dazu auf, das Gesetz in der derzeitigen Form nicht zu verabschieden:

“Wir haben schon zu viele Rechte an unserer Arbeit verloren.” Freischreiber e. V. – Berufsverband der freie Journalistinnen und Journalisten fordert die Mitgllieder des Deutschen Bundestags auf, gegen das Leistungschutzrecht zu stimmen.

Apropos Journalisten: Mit dem E-Book-Projekt “Mediatopia” wollen die Medialab-Stipendiaten Philipp Löwe und Mark Heywinkel nichts weniger erreichen, als den “Journalismus von morgen zu beschreiben”:

Mit unserem Projekt “Mediatopia” wollen wir, die Medialab-Stipendiaten Philipp Löwe und Mark Heywinkel, eine neue Anlaufstelle und Informationsquelle für Journalisten von morgen schaffen. In dem multimedialen E-Book sollen Berufsbilder und Einstiegsmöglichkeiten in die Branche aus einer jungen Perspektive lebens- und praxisnah geschildert werden.

Das E-Book soll aus etwa zwanzig Porträts bestehen, in denen wir junge Köpfe aus dem Journalismus vorstellen, die mit einem innovativen Zugang die journalistische Berichterstattung neu definieren.

Mehr über das doch sehr ambitionierte Vorhaben erfährt man unter: “Mediatopia: Ein Projekt entsteht“. Das derzeit prominenteste Opfer des Zeitungssterbens ist die Frankfurter Rundschau (FR), die zukünftig in extrem abgespeckter Form bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) unterkommen wird. In der taz weist man im Kommentar “Die FAZ greift zu” darauf hin, dass der Niedergang der FR mehrere Gründe hat, vor allem aber, dass man den Wandel verschlafen und an der Qualität gespart hat:

Immer mehr Leser sparen sich deshalb ihre gedruckte Zeitung. Nur zögerlich und sehr spät begannen die Verlage nach neuen Erlösmodellen im Digitalen zu forschen. Entschlossenheit zeigen sie nur beim Sparen an redaktionellen Inhalten. Dass die Auflagenverluste nicht nur mit dem bösen Internet und den dummen jungen Leuten zutun haben könnten, sondern auch mit rapide gesunkener Qualität und Vielfalt, wird in der Branche gerne verdrängt.

Den veränderten Medienkonsum hat Springer durchaus auf dem Schirm, wie deutsche startups unter “Springer übernimmt TunedIn” berichtet, übernimmt der Verlag jetzt auch einen Second Screen-Spezialisten:

Schon wieder Springer! Das Medienhaus Springer, zuletzt als Großinvestor von Project A, als Geldgeber der noch jungen Start-up Eventreihe hy! Berlin und mit dem Start des Axel Springer Plug and Play Accelerators im Gespräch, übernimmt das junge Berliner Start-up TunedIn (www.gettuned.in) und steigt damit im großen Stil in den Second Screen-Markt ein.

Die URL-Grabber haben mal wieder zugschlagen, unter den Opfern befinden sich prominente deutsche Versicherungskonzerne, auf Heise (“Grabber sichern sich Domains von Versicherungen“) erfährt man:

Am heutigen Mittwoch gelang es Grabbern, sich gleich mehrere de-Domains von großen deutschen Versicherungen unter den Nagel zu reißen. So sind die Unternehmens-Domains provinzial.de, vbk.de, urv.de und ukv.de nun auf den Namen Alexander Schubert registriert, der laut DeNIC-Whois im lettischen Riga wohnt. Schubert hat ein größeres Portfolio attraktiver Domain-Namen, bei denen keine Inhalte hinterlegt sind.

Außerdem gibt es eine weiteres Watchblog, diesmal zum Thema Social Media. Über Sinn und Unsinn dieses Projekts geben die Urheber Auskunft (via):

Das Blog beschäftigt sich streng monothematisch mit Big Data und Social Media Unternehmen wie Facebook, Twitter, Instagram und Co. Das Blog guckt sich aber auch genau an, wie es um Unternehmen und Parteien bestellt ist, die Social Media für sich nutzen. Welche Fans sind echt, welche gekauft? Das Blog soll definitiv kein Marketing-Geschmäckle haben wie andere Portale, die zwar gern die neuesten Datenschutzeinstellungen benennen, aber sie auch gleichzeitig bejubeln, weil sie als Dienstleister damit Geld verdienen, Facebook-Kampagnen und Co. zu kreieren.

Mehr unter: Social Media Watchblog – ein neues Watchblog für Social Media und Big Data.

Außenminister Kerry und Bundeskanzlerin Merkel. Von der US-Botschaft (usabotschaftberlin) unter Creative Commons auf Flickr eingestellt.

Außenminister Kerry und Bundeskanzlerin Merkel. Von der US-Botschaft (usabotschaftberlin) unter Creative Commons auf Flickr eingestellt.

Das obige Bild von John Kerry und Angela Merkel wurde von der amerikanischen Botschaft in Berlin unter der Benutzung der Creative Commons-Lizenz auf Flickr eingestellt. Durchaus bemerkenswert, dass eine Botschaft Flickr zur Verbreitung des Bildmaterials nutzt, aber bekanntlich ist Amerika Deutschland ja in so manchen (Internet-)Dingen immer etwas voraus.

Aber interessant ist nicht nur die Nutzung von Flickr, sondern von Storify: Die Botschaft hat zum Kerry-Antrittsbesuch auf Storify ein Story angelegt, auf der die Bilder, Tweets und YouTube-Videos sinnvoll zusammmengeführt werden: >Klick<

 

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

Webperlen: Analoge Piraten, Smart TV, GovData und ein Elefanten-Baby

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Twitter ist für mich gestorben
  • Internet-Nutzung auf dem Smart TV
  • Space Night wird mit Musik unter CC-Lizenz fortgesetzt
  • Bund startet GovData
  • Sascha Lobo über den “Shitstorm”
  • Netz-Humor zum Pferdefleischskandal
  • Ein Baby-Elefant im Ozean

Ausgerechnet in der konservativen FAZ erklärt ein mittelmäßig bekannter Berliner Pirat (Christopher Lauer), warum er in Zukunft nicht mehr aktiv Twitter benutzen will:

Überhaupt: In was für ein Menschen- und Gesellschaftsbild lasse ich mich durch die Nutzung von Twitter eigentlich pressen? Ist es ein Wert, unbedarft jeden Gedanken, der vermeintlich in 140 Zeichen passt, in die Welt zu blasen? Soll jeder immer alles kommentieren? [...]

Am Ende summieren sich bei mir verlorene Zeit und Nerven, sozialer Stress und zerfaserte Kommunikation sowie mediale Super-GAUs zu verlorener Produktivität. Nicht ich bestimme meinen Alltag, mein Alltag wird von Twitter zumindest mitbestimmt. Dem gegenüber steht für mich ein Mehrwert, der genau zu messen und äußerst beschränkt ist.

Natürlich erntet er dafür eine gewisse Häme, interessant ist aber vor allem, wie sich der Artikel im Netz verbreitet, laut Rivva sieht es derzeit so aus:

Rivva

Die Zahl der Tweets übersteigt die Likes und Shares sehr deutlich, was erstaunt, da es in Deutschland wesentlich mehr Facebook- als Twitter-Nutzer gibt (generell gilt: Facebook hat die Masse, Twitter die Multiplikatoren). Offensichtlich fühlen sich die Facebook-Nutzer nicht von dem Thema angesprochen, während es bei Twitter die fleißig Runde macht – soziale Netzwerke waren bekanntlich schon immer für ihren Hang zur Selbstreferentialität bekannt. Den ganzen Text von dem Berliner Piraten findet man in der Faz unter “Twitter ist für mich gestorben“.

Trotz des Trends zum “Second Screen” setzen sich internetfähige Fernseher in Deutschland partout nicht durch. Oder, um genauer zu sein, die Geräte setzen sich dank geringem Aufpreis durch, nur niemand nutzt die Internet-Funktion. Mehr als die Hälfte der Besitzer der sogenannten “Smart TVs” nutzt die Internet-Funktion nie, der Rest nur sehr verhalten:

Die wenigen Personen, die mit dem Smart TV online gehen, tun dies in den seltensten Fällen, um im Internet zu surfen bzw. Web-Inhalte und -Anwendungen zu nutzen. Nur 14 % der Smart TVs wurden im letzten halben Jahr eingesetzt, um damit per Browser durchs Web zu surfen. Und lediglich 4 % dienten als Plattform, um soziale Netzwerke wie Facebook zu nutzen.

Die Studienergebnisse findet man unter: “Internet-Nutzung auf dem Smart TV: Kein Durchbruch in Sicht“.

Der ewige Streit um die GEMA-Gebühren fordert (neben den frustrierten YouTube-Nutzern) doch kein weiteres Opfer. Eigentlich sollte die bei Nerds als “Kultsendung” gefeierte Space Night eingestellt werden, da die Sendung bisher mit Musik unterlegt war, für die die GEMA so viel Geld verlangte, dass der Bayrische Rundfunk (BR) die Sendung einstellen wollte. Jetzt hat sich jedoch offenbar eine Lösung gefunden, wie Heise berichtet, wird die Space Night mit Musik unter CC-Lizenz fortgesetzt:

Der Bayerische Rundfunk (BR) will seine beliebte Sendereihe Space Night offenbar mit Musik unter Creative-Commons-Lizenz fortsetzen. Wie der Blogger Tobias Schwarz unter Berufung auf den BR meldet, will der Sender zunächst alte Folgen mit der freien Musik vertonen, ab Herbst könnten dann neue Folgen mit CC-Untermalung produziert werden. Die BR-Website nennt den 25. Februar als Termin für weitere Ausstrahlungen.

Ein (kleiner) Sieg für Transparenz-Aktivisten, ein zukünftiges Arbeitsfeld für Datenjournalisten: Wie die Tagesschau meldet, startet die Bundesregierung jetzt das Daten-Portal “GovData”:

Bevölkerungsdaten, Straßenverzeichnisse, Umweltmesswerte – die deutschen Behörden erheben viele Daten, die auch für Bürger von Interesse sind. Die Erhebung wird mit Steuergeldern finanziert. Aktivisten fordern deshalb seit langem eine Freigabe der Daten. Der Staat kommt dem nun langsam nach – jetzt startete ein Daten-Portal der Bundesregierung.

Zu den Hintergründen (und den Streit um das Online-Projekt) findet man hier, hier und hier informative Artikel, der englische Guardian hat heute (zufällig) gezeigt, wie man staatliche Statistiken sehenswert interaktiv aufbereiten kann: UK child poverty: get the data by parliamentary constituency.

“Ich habe das alles nicht gewollt”: In seiner SPIEGEL ONLINE-Kolumne plädiert Sascha Lobo dafür, den Begriff des “Shitstorms” nicht überzustrapazieren, auch wenn er selbst einen maßgeblichen Anteil an der Verbreitung des Wortes hat:

Recherchen zeigen nämlich, dass ich eine Mitschuld daran trage, dass das Wort Shitstorm in deutschen Medien zum Alltagsbegriff wurde. Inzwischen steht es sogar im Duden. Es gibt zwar eine relativ eindeutige Herkunft, auf Englisch umschreibt “shitstorm” allgemein sehr unangenehme Situationen. Aber die mediengängige Bedeutung im Sinn von Netzempörungssturm existiert so fast nur im deutschsprachigen Raum – aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stammen beinahe alle Google-Suchen nach “Shitstorm” weltweit.

Sascha Lobo: Ich habe das alles nicht gewollt.

Der sogenannte “Pferdefleischskandal” hat in den sozialen Netzwerken weniger einen Shitstorm, als einen Schwall an Pflerdefleisch-Witzen ausgelöst. Mal witzig, mal langweilig, mal nervig, aber doch mit einigen sehr schönen Perlen. Natürlich wurden die Tweets von den Medien zweitverwertet, der Stern teasert “Von Pferdeflüsterern und Fohlenhydraten” mit folgenden Worten an:

Pferd im Döner, in der Lasagne, Raviolis, Tortellonis und im Gulasch: In immer mehr Lebensmitteln wird das Fleisch der majestätischen Vierbeiner entdeckt. Einige Deutsche sind verunsichert, was sie noch essen können – andere nehmen es mit Humor. Eine Auswahl der lustigsten Cartoons und Fotomontagen.

Interessant an der Sammlung im Stern ist dabei gar nicht mal so sehr der Inhalt, als die Form. Statt die ganzen Pferdefleisch-Tweets und -Bilder direkt auf der Stern-Webseite zu implementieren, hat die Redaktion den Umweg über Storify genommen und erst anschließend auf der eigenen Webseite implementiert. Ein so gelungenes Beispiel für die Nutzung von Storify, dass wir in den nächsten Tagen hier auf dem Blog nach der Anleitung für RebelMouse noch eine Anleitung für Storify veröffentlichen werden.

Und zum Abschluss der Webperlen gibt es wieder einen Ausflug in’s Tierreich, bei dem Kraftfuttermischwerk kann der wohl glücklichste Baby-Elefant der Welt bewundert werden: >Klick!<

 

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

Impressum und Datenschutzerklärung .