23/07/2016

Webperlen: Paywalls, Warteschleifen und Wissenschaftskommunikation

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Paywall: Schluss mit kostenlos
  • Ein Blogger und die Crowd wollen SHIFT-Magazin aufs Papier bringen
  • Warteschleifen ab Juni kostenfrei
  • “Extremnutzer”
  • Amazon, Google, Facebook, eBay und Apple aus Nutzersicht
  • Mittelstand zögert bei Social Media und der Cloud
  • Facebook löscht sexistische Einträge nach Protesten
  • Infografik: Facebook ist sooooo riesig!
  • Ein paar Überlegungen zum Google Penguin 2.0 Update
  • Wissenschaft ohne Faszination?

Springer stürmt vor und ernet Lob ausgerechnet von einem Linken: Die Ankündigung des Springer Konzerns, nach der WELT auch die BILD mit einer Paywall zu versehen (wir berichteten hier im Blog) erhielt jetzt Lob von ziemlich unerwarteter Stelle. Jakob Augstein, Sohn des Spiegel-Begründers Rudolf Augstein und Verleger der linken Zeitung “Freitag”, wünscht Springer viel Erfolg mit der Paywall:

Aber Vorstandschef Mathias Döpfner hat so konsequent auf das Netz und die digitalen Erlöse gesetzt wie kein anderer. Und kein anderer hatte das Geld für diese Strategie. [...] Ganz gleich, was man sonst von dem Haus halten mag, beim Bezahlmodell muss man ihm Glück wünschen. Der Erfolg von Springer wird der Erfolg des ganzen deutschen Journalismus sein. Und das gilt umgekehrt auch für seine Niederlage.

Den entgegengesetzten Weg will jetzt ein Daniel Höly gehen – ein Blogger und die Crowd wollen SHIFT-Magazin aufs Papier bringen:

Er ist vom Fach, studierter Online-Journalist und im Netz zuhause. Trotzdem treibt es den 26-jährigen Bonner Daniel Höly jetzt in den Print-Sektor. Er möchte einen Traum verwirklichen und ein 120 Seiten starkes, quartalsweise erscheinendes Magazin auf die Beine stellen, das insbesondere Leser ansprechen soll, die täglich viel Zeit im Internet verbringen. Ein Widerspruch? Nicht für Daniel. Ich habe mich mit ihm über sein Projekt SHIFT unterhalten und konnte einige exklusive Details und Inhalte bereits im Vorfeld zu Tage bringen. Es folgt das Interview, gespickt mit exklusiven Previews.

Zukünftig werden sie zwar immer noch gewaltig an den Nerven zehren, aber zumindest nicht mehr an dem Geldbeutel. Ab Juni sind Warteschleifen endlich kostenfrei:

Telefonische Warteschleifen in Service-Hotlines sind ab 1.Juni 2013 grundsätzlich kostenfrei. Verstößt der Anbieter gegen die Vorgaben, so entfällt sein Entgeltanspruch künftig ganz und der Anruf ist für den Verbraucher kostenfrei. Zudem drohen dem Anbieter hohe Bußgelder. Auf diese Änderungen weist der Hightech-Verband BITKOM hin.

Neusprech.org hat den Streit um die Netzneutralität und die Volumenbegrenzung der Telekom zum Anlass genommen, den Begriff des “Extremnutzers” zu hinterfragen:

Das aus dem Lateinischen entlehnte Adjektiv extrem bedeutet ‚äußerst‘ und ist ein Superlativ, also die höchste Steigerungsform. Die wird hier hyperbolisch, also übertreibend verwendet, denn gemeint ist lediglich eine Nutzung über das durchschnittliche Maß hinaus.

Ausnahme Facebook: In der W3B-Studie wurden deutsche Internet-Nutzer nach ihrer Meinung über die Technlogie-Riesen Amazon, Google, Facebook, eBay und Apple befragt – und trotz der (vermeintlichen) Skandale der Vergangenheit fällt das Urteil doch sehr positiv aus:

Das Ergebnis: Die Internet-Nutzer, die zu diesem Thema eine klare Position beziehen, sind in der deutlichen Mehrheit. Dabei zeigen sie gegenüber den einzelnen Unternehmen differenzierte Einstellungen. Nur wenige haben sich keine Meinung gebildet oder weisen eine neutrale Haltung auf.

»Überrascht hat uns die vorwiegend positive Einstellung der Internet-Nutzer gegenüber der Vormachtstellung der führenden Internet-Unternehmen«, so Holger Maaß von Fittkau & Maaß Consulting. Allein Facebook stellt eine Ausnahme dar.

Und noch eine weitere Studie, die einmal mehr zeigt, dass der Mittelstand bei Social Media und der Cloud zögert:

Branchenübergreifend haben mittelständische Firmen hierzulande bei Online-Anwendungen großen Nachholbedarf. Die Themen Cloud Computing, Online-Handel und Social Media werden teilweise noch immer recht stiefmütterlich behandelt. Jedoch ist der Digitalisierungsgrad nicht unbedingt von der Branche, sondern viel mehr von der Größe des Unternehmens abhängig. Je größer der mittelständische Betrieb, um so größer ist auch der Nutzungsgrad der digitalisierten Funktionen.

Abgesehen vom Arbeitsaufwand alles andere als eine einfache Frage. Wo fängt Zensur an, wo bietet man frauenverachtenden Positionen eine Plattform? Facebook löscht sexistische Einträge nach Protesten:

In einem Statement hat Facebook mitgeteilt, zukünftig auch Seiten zu löschen, deren Inhalte explizit frauenfeindlich seien: “Wir müssen uns an dieser Stelle verbessern – und das werden wir auch tun”, heißt es in dem Schreiben weiter. Außerdem kündigt Facebook an, den Rat der Aktivistinnen einzuholen.
Der Protest der Aktivistinnen hat zu großer Resonanz bei sozialen Netzwerken geführt. Weltweit haben Medien von der Huffington Post bis hin zur Financial Times über die Kritik an Facebook berichtet.

Angesichts der Größe von Facebook dürfte dies alles andere als leicht werden:

Phänomenale Facebook Zahlen und Statistiken anschaulich visualisiert! Das soziale Netzwerk Facebook ist wirklich unglaublich groß geworden – Zahlen auf die Twitter und vermutlich ein wenig neidisch sein dürften. Zwar sind die eigentlichen Statistiken nicht wirklich neu – dafür jetzt direkt von Facebook in mehreren entsprechenden Infografiken sehr schön visualisiert!

Die dazugehörige Infografik findet sich unter “Facebook ist sooooo riesig!

Penguin

Und im tagSEOblog werden ein paar Überlegungen zum Google Penguin 2.0 Update angestellt:

Zum ersten mal wurde eines meiner Projekte von einem Google-Update gebeutelt, und interessanterweise ist es die Domain Brille-kaufen.org. Man kann das als Glücksfall bezeichnen, denn so kann ich mal anhand eines konkreten Projektes über die Ursachen und Maßnahmen nachdenken und berichten.

Und zum Abschluss der Webschau ein etwas sperriges Thema, das angesichts des Mangels an (Jung)Wissenschaftlern jedoch nicht gerade unwichtig ist. In “Wissenschaft ohne Faszination?” macht sich Markus Pössel auf den SciLogs Gedanken, warum Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation nur wenige potenzielle Wissenschaftler fasziniert:

Die EU ist da keinen Deut besser. Oder vielleicht ist das ein allgemeineres Phänomen, wenn die Wissenschaftskommunikation nicht von den Wissenschaftlern selbst kommt, sondern von generischen PR-Fachleuten entwickelt wird? Jedenfalls ist auch die aktuelle Kampagne “Science. It’s a Girl Thing”, zu deutsch “Wissenschaft ist Mädchensache!”, ganz der Nützlichkeit verhaftet.

Wir erinnern uns: Das ist die Kampagne, deren Auftaktvideo Mädchen für Wissenschaft hatte begeistern wollen, weil man da ultracool Stöckelschuhe und Erlenmeyerkolben kombinieren und herausfinden kann wie Lippenstift und Puder eigentlich funktionieren.

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