06/12/2016

Webperlen: Neuland-Häme, Echtzeit-Journalismus und die abnehmende Wichtigkeit von Links bei Google

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Die Häme über Merkels “Neuland”
  • Echtzeit-Journalismus beim Obama-Besuch
  • Acht Kurzporträts: So sehen Blogger aus
  • Google stuft die Wichtigkeit von Links herunter
  • Wie wichtig sind Links?
  • Die Website verliert an Bedeutung – es lebe der Artikel
  • Update Facebook Seitenstatistiken
  • Google, Microsoft und Facebook zahlen für Datentraffic
  • Christian Ude hält Wort

Der amerikanische Präsident war in Berlin zu Gast, und im Netz ist vor allem ein einziger Satz (bzw. ein Wort) Thema, Merkels ”Das Internet ist für uns alle Neuland.” Natürlich eroberte der Hashtag #Neuland sofort die Trending Topics bei Twitter, “So witzelt das Netz über #Neuland” wird bei Storify die Top-Story. Neben Witzen, die im Kern fast alle auf “Digital Native” vs. “Internetausdrucker” hinausliefen, gab und gibt es aber auch diverse ernstgemeinte Beiträge, die (aus Merkels Perspektive) fast alle negativ ausfielen. Das Spektrum reicht von “Warum #Neuland gefährliches Neusprech der Kanzlerin ist” über “Warum Merkels Neuland-Spruch gefährlich dämlich ist” bis hin zu “Der kleine Spruch “Das Internet ist für uns Neuland” rechtfertigt ein weiteres Massensterben von Bürgerrechten im Netz“. Die digitale Avantgarde fühlt sich übergangen, man stellt das Vorhandensein von Grips infrage, stellt Merkel als Maschinenstürmerin dar und findet es alles andere als lustig. Vereinzelt wird Merkel sogar verteidigt, etwa unter “#Neuland: die Arroganz der Digital Natives“. Die Debatte tobte (und tobt) so sehr, dass sogar der Regierungssprecher sich genötigt sah, die Worte der Kanzlerin auf Twitter zu erklären:

Seibert

Der vielleicht beste, weil sachlichste Beitrag zum Thema findet sich jedoch auf dem Blog Basic Thinking, wo es unter “Das Internet bleibt #Neuland: Warum Merkel gar nicht so Unrecht hat” heißt:

Denn Friedemann Karig hat völlig Recht: Die Internetlandschaft verändert sich rasend schnell, sodass sich selbst vermeintliche Experten kaum trauen, einen Blick in die Glaskugel zu werfen. Und dabei gibt es so viele Felder, bei denen man Orakel spielen könnte: An der Datenschutzreform werkelt die EU schon seit gut drei Jahren herum – „ihr Realisierungszeitpunkt“ ist laut Wikipedia dennoch „nicht absehbar“.

Während sich die sozialen Medien auf Neuland stürzten, tickerten die etablierten Medien, was das Zeug hielt. Dass es dabei zum Teil auch ziemlich banal zuging, war zu erwarten, aber teilweise wurden Belanglosigkeiten aufgeblasen, wie man es sonst nur von königlichen Hochzeiten kannte. Die FAZ, nicht gerade als Leitmedium des Livetickers bekannt, hat unter der Überschrift “Echtzeit-Journalismus beim Obama-Besuch – Auf der Damentoilette wurde ein Ring gefunden” eine schöne Abrechnung mit den Belanglosigkeiten im Ticker geschrieben:

Wenn Journalisten solche Dinge für erwähnenswert halten, dann ist es offensichtlich, dass sie ihre Aufgabe, die vor allem im Filtern und Werten besteht, nur noch am Rande wahrnehmen. Sie können auch gar nicht mehr anders, jeden Moment muss sich ja die nächste Banalität ereignen: ein Auto, das vorfährt, ein Windstoß, der ein Kleid oder eine Frisur in Unordnung bringt, ein Gesichtszug, der für einen Moment entgleitet, der Bissen Spargel, der nun allen Ernstes verzehrt wird – das muss alles haarklein berichtet werden, im Netz ist ja Platz genug.

Ein kleiner, aber feiner Einblick in das Blogger-Universum. Spiegel Online hat acht Kurzportraits über unterschiedliche Blogger-Persönlichkeiten aus den unterschiedlichen Themengebieten zusammengestellt:

Im Netz zu Hause: Acht deutsche Blogger haben uns verraten, was sie antreibt, wie viel Zeit sie investieren und wie sie mit fiesen Kommentaren umgehen. Manche haben internationale Trends gesetzt, viele im Netz Freunde gewonnen – und einer kann vom Bloggen gut leben.

Und immer wieder die Google-Algorithmen. Basierte das Google-Ranking früher vor allem auf Links, nimmt die Bedeutung ständig ab, jetzt ist es wohl mal wieder soweit, Google stuft die Wichtigkeit von Links herunter:

Wie Barry Schwartz in seinem soeben auf searchengineland.com veröffentlichten Artikel `Google Changes Ranking Advice´ zeigt, hat Google auf der WMT-Hilfeseite zum Thema `Ranking´ eine kleine aber feine Änderung vorgenommen. Wurde bis vor Kurzem dort noch erklärt, dass man das Ranking einer Webseite explizit auch durch Links von anderen Seiten steigern kann, wurde entsprechende Passage nun geändert.

Eine gute (und ausführliche) Antwort auf diesen Artikel findet sich zudem hier, unter anderem heißt es dort:

Google weiß selbst am besten, wie viele einzelne Faktoren in den Suchergebnissen berücksichtigt werden. Daher fällt hier auf, wie ähnlich sich doch Google und die SEO-Agenturen am Ende wieder einmal sind: beide benutzen den Konjunktiv, um sich sowohl rechtlich als auch empfehlungstechnisch abzusichern. Es kann wohl niemand ganz genau sagen, wie man unter die Top 3 der Suchergebnisse kommt.

Ein paar intelligente Überlegungen unter “Die Website verliert an Bedeutung – es lebe der Artikel” darüber, wie Webseiten-Betreiber darauf reagieren sollen, dass sich das Surf-Verhalten insofern geändert hat, als dass immer mehr User via Social Media auf einzelnen Artikeln, und eben nicht der Startseite landen:

Tatsächlich wird seit einiger Zeit schon der langsame Tod der Homepage diskutiert – weil es immer mehr Nebeneingänge zum Content statt des einen zentralen Portals gibt, durch das alle kommen. Wer zum Beispiel einer Artikelempfehlung auf Facebook folgt, ist schon mitten drin im Angebot und nimmt die schöne Homepage gar nicht wahr. Die einfache Schlussfolgerung:
This makes it more important than ever for websites to treat every page as if it’s the homepage.

Werbetreibende und Social Media Manager wird es freuen, mit dem Update der Facebook Seitenstatistiken werden die Statistiken endlich aussagekräftiger:

Die Insights haben nicht nur genauere Informationen, sondern sie werden auch übersichtlicher aufbereitet. Durch eine stärkere Gewichtung von Klicks, zeigt Facebook Marken auch auf, dass nicht nur Kommentare, Gefällt mir angaben und Shares den EdgeRank beeinflussen. Jeder Klick, sei es auf einen Link, oder ein Foto, hat Auswirkungen auf den EdgeRank.

Kein gutes Zeichen für die Netzneutralität: Wie Golem.de berichtet, zahlen Google, Microsoft und Facebook bereits für Datentraffic:

Google, Microsoft und Facebook zahlen in den USA an Telekommunikationsbetreiber für die bevorzugte Durchleitung von Daten. Das berichtet das Wall Street Journal aus informierten Kreisen. Die Zahlungen sind jedoch nicht besonders hoch.

Und zum Abschluss der Webschau ein Hinweis auf ein sehr schönes und vor allem witziges Tumblr. Auf Ude Holding Things macht man sich auf äußerst kreative Weise über das vollkommen missglückte Wahlplakat von Christian Ude lustig.

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