06/12/2016

Webperlen: Leistungsschutzrecht, Zukunft des Journalismus und ein Social Media Watchblog

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Leistungsschutzrecht: Freie Fahrt für Google!
  • Leistungsschutzrecht: Ein Grauen für alle, die ins Netz schreiben
  • Leistungsschutzrecht: Google gewinnt, freie Journalisten verlieren
  • Mediatopia: Ein Projekt entsteht
  • Zeitungssterben: Die FAZ greift zu
  • Springer übernimmt TunedIn
  • Grabber sichern sich Domains von Versicherungen
  • Social Media Watchblog – ein neues Watchblog für Social Media und Big Data
  • US-Botschaft nutzt Storify

Das Netzthema der Woche ist definitiv das Leistungsschutzrecht, das am Freitag durch den Bundestag gehen soll – in welcher Form, ist noch immer offen, da das Gesetz offenbar mt so heißer Nadel gestrickt wurde, dass Änderungen noch in letzter Minute (“Streit über Leistungsschutzrecht bis zum Schluss“) eingebracht werden. Außerdem formiert sich nicht nur von den obligatorischen “Netzaktivisten” Widerstand, sondern auch von potenziell betroffenen Berufsgruppen wie etwa dem Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten.

Von der letzten Änderung dürfte vor allem Google profitieren, die Regierungskoalition hat folgenden Änderungsantrag eingebracht, der für glückliche Gesichter beim Suchmaschinenkonzern sorgen wird:

(1) Der Hersteller eines Presseerzeugnisses (Presseverleger) hat das ausschließliche Recht, das Presseerzeugnis oder Teile hiervon zu gewerblichen Zwecken öffentlich zugänglich zu machen, es sei denn, es handelt sich um einzelne Wörter oder kleinste Textausschnitte. Ist das Presseerzeugnis in einem Unternehmen hergestellt worden, so gilt der Inhaber des Unternehmens als Hersteller.

Warum der erste Satz so einen großen Unterschied für Google gegenüber der Ursprungsfassung sein wird, wird beim Telemedicus erklärt: Freie Fahrt für Google! Im Gegensatz zum Suchmaschinenkonzern ist damit aber für “normale” Internetnutzer die Kuh noch nicht vom Eis, Udo Vetter sieht in “Ein Grauen für alle, die ins Netz schreiben” Tor und Tür für eine neue Abmahnwelle geöffnet:

Alle Hinweise in den Gesetzesentwürfen, dass die Regeln nicht für Menschen gelten sollen, die privat ins Internet schreiben, werden bald vergessen sein. Oder schon von Anfang an keinen interessieren. Die Abmahnungen, welche Anwälte im Auftrag der Verlage wegen angeblicher Copyright-Verletzungen verfassen, werden jedenfalls ebenso überzeugend und bedrohlich klingen wie Post von Filesharing-Kanzleien.

Der Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten wirft hingegen die Frage auf, wer überhaupt von dem Gesetz profitieren wird, die freien Journalistinnen und Journalisten (also die eigentlichen Urheber) jedenfalls nicht, unter “Google gewinnt, freie Journalisten verlieren” ruft der Verband dazu auf, das Gesetz in der derzeitigen Form nicht zu verabschieden:

“Wir haben schon zu viele Rechte an unserer Arbeit verloren.” Freischreiber e. V. – Berufsverband der freie Journalistinnen und Journalisten fordert die Mitgllieder des Deutschen Bundestags auf, gegen das Leistungschutzrecht zu stimmen.

Apropos Journalisten: Mit dem E-Book-Projekt “Mediatopia” wollen die Medialab-Stipendiaten Philipp Löwe und Mark Heywinkel nichts weniger erreichen, als den “Journalismus von morgen zu beschreiben”:

Mit unserem Projekt “Mediatopia” wollen wir, die Medialab-Stipendiaten Philipp Löwe und Mark Heywinkel, eine neue Anlaufstelle und Informationsquelle für Journalisten von morgen schaffen. In dem multimedialen E-Book sollen Berufsbilder und Einstiegsmöglichkeiten in die Branche aus einer jungen Perspektive lebens- und praxisnah geschildert werden.

Das E-Book soll aus etwa zwanzig Porträts bestehen, in denen wir junge Köpfe aus dem Journalismus vorstellen, die mit einem innovativen Zugang die journalistische Berichterstattung neu definieren.

Mehr über das doch sehr ambitionierte Vorhaben erfährt man unter: “Mediatopia: Ein Projekt entsteht“. Das derzeit prominenteste Opfer des Zeitungssterbens ist die Frankfurter Rundschau (FR), die zukünftig in extrem abgespeckter Form bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) unterkommen wird. In der taz weist man im Kommentar “Die FAZ greift zu” darauf hin, dass der Niedergang der FR mehrere Gründe hat, vor allem aber, dass man den Wandel verschlafen und an der Qualität gespart hat:

Immer mehr Leser sparen sich deshalb ihre gedruckte Zeitung. Nur zögerlich und sehr spät begannen die Verlage nach neuen Erlösmodellen im Digitalen zu forschen. Entschlossenheit zeigen sie nur beim Sparen an redaktionellen Inhalten. Dass die Auflagenverluste nicht nur mit dem bösen Internet und den dummen jungen Leuten zutun haben könnten, sondern auch mit rapide gesunkener Qualität und Vielfalt, wird in der Branche gerne verdrängt.

Den veränderten Medienkonsum hat Springer durchaus auf dem Schirm, wie deutsche startups unter “Springer übernimmt TunedIn” berichtet, übernimmt der Verlag jetzt auch einen Second Screen-Spezialisten:

Schon wieder Springer! Das Medienhaus Springer, zuletzt als Großinvestor von Project A, als Geldgeber der noch jungen Start-up Eventreihe hy! Berlin und mit dem Start des Axel Springer Plug and Play Accelerators im Gespräch, übernimmt das junge Berliner Start-up TunedIn (www.gettuned.in) und steigt damit im großen Stil in den Second Screen-Markt ein.

Die URL-Grabber haben mal wieder zugschlagen, unter den Opfern befinden sich prominente deutsche Versicherungskonzerne, auf Heise (“Grabber sichern sich Domains von Versicherungen“) erfährt man:

Am heutigen Mittwoch gelang es Grabbern, sich gleich mehrere de-Domains von großen deutschen Versicherungen unter den Nagel zu reißen. So sind die Unternehmens-Domains provinzial.de, vbk.de, urv.de und ukv.de nun auf den Namen Alexander Schubert registriert, der laut DeNIC-Whois im lettischen Riga wohnt. Schubert hat ein größeres Portfolio attraktiver Domain-Namen, bei denen keine Inhalte hinterlegt sind.

Außerdem gibt es eine weiteres Watchblog, diesmal zum Thema Social Media. Über Sinn und Unsinn dieses Projekts geben die Urheber Auskunft (via):

Das Blog beschäftigt sich streng monothematisch mit Big Data und Social Media Unternehmen wie Facebook, Twitter, Instagram und Co. Das Blog guckt sich aber auch genau an, wie es um Unternehmen und Parteien bestellt ist, die Social Media für sich nutzen. Welche Fans sind echt, welche gekauft? Das Blog soll definitiv kein Marketing-Geschmäckle haben wie andere Portale, die zwar gern die neuesten Datenschutzeinstellungen benennen, aber sie auch gleichzeitig bejubeln, weil sie als Dienstleister damit Geld verdienen, Facebook-Kampagnen und Co. zu kreieren.

Mehr unter: Social Media Watchblog – ein neues Watchblog für Social Media und Big Data.

Außenminister Kerry und Bundeskanzlerin Merkel. Von der US-Botschaft (usabotschaftberlin) unter Creative Commons auf Flickr eingestellt.

Außenminister Kerry und Bundeskanzlerin Merkel. Von der US-Botschaft (usabotschaftberlin) unter Creative Commons auf Flickr eingestellt.

Das obige Bild von John Kerry und Angela Merkel wurde von der amerikanischen Botschaft in Berlin unter der Benutzung der Creative Commons-Lizenz auf Flickr eingestellt. Durchaus bemerkenswert, dass eine Botschaft Flickr zur Verbreitung des Bildmaterials nutzt, aber bekanntlich ist Amerika Deutschland ja in so manchen (Internet-)Dingen immer etwas voraus.

Aber interessant ist nicht nur die Nutzung von Flickr, sondern von Storify: Die Botschaft hat zum Kerry-Antrittsbesuch auf Storify ein Story angelegt, auf der die Bilder, Tweets und YouTube-Videos sinnvoll zusammmengeführt werden: >Klick<

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  1. [...] das Leistungsschutzrecht für Presseverleger abgestimmt – und zwar wie angekündigt mit den erst jüngst eingebrachten Änderungen der Regierungskoalition. Trotz einigen Abweichlern aus den eigenen Reihen hat der Bundestag mit [...]

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