16/07/2019

Stimmen zum Leistungsschutzrecht

Nach dem ganzen Hin und Her hat der Bundestag am heutigen Freitag über das Leistungsschutzrecht für Presseverleger abgestimmt – und zwar wie angekündigt mit den erst jüngst eingebrachten Änderungen der Regierungskoalition. Trotz einigen Abweichlern aus den eigenen Reihen hat der Bundestag mit 293 zu 243 Stimmen (und drei Enthaltungen) dem Gesetzentwurf zugestimmt.

Als eine der wenigen Bundestgsdebatten überhaupt schaffte es das #lsr sogar in die Trending Topics bei Twitter, nicht wenige Politiker nutzten den Kurznachrichtendienst, um ihre Meinung zum Leistungsschutzrecht unter’s (potenzielle) Wahlvolk zu bringen, einzelne Politiker twitterten sogar ihre Stimmabgabe:

Twitternde Politiker

Vollkommen durch ist das Gesetz jedoch trotz der Zustimmung des Bundestages noch nicht, offen ist, ob der Bundesrat noch Einspruch erheben wird. Die Einschätzungen zum Leistungsschutzrecht gehen naturgemäß auseinander, während Vertreter der Regierungsparteien aus dem Gesetz eine Stärkung der deutschen Presselandschaft ableiten, hagelt es von der Opposition Kritik – bis hin zu dem Vorwurf, dass die Meinungsfreiheit im Internet künftig massiv eingeschränkt wird.

Stimmen zum Leistungsschutzrecht:
Da die Debatte um das Gesetz äußerst kontrovers geführt wird und selbst Formulierungen wie “einzelne Wörter oder Textausschnitte” unterschiedlich interpretiert werden, haben wir hier im Blog von Görs Communications Einschätzungen und Urteile von Politikern, Medien und Bloggern gesammelt:

Tatsächlich wird dieses Gesetz am Ende des Tages dazu führen, dass die großen Verlage gestärkt werden, die kleinen geschwächt.

Konstantin von Notz, netzpolitische Sprecher der Grünen

Ein Leistungsschutzrecht wird installiert, das Verlagen die Möglichkeit gibt, für die Verwendung ihrer Texte im Internet Lizenzgebühren zu verlangen. Es ist ein Verwertungsrecht, wie man es aus der Musikbranche kennt. Es wurde von Verlagen massiv gefordert, zugleich aber massiv bekämpft von einer breiten Lobby von Verbänden und Unternehmen. Dabei hat sich vor allem der Internetkonzern Google hervorgetan [...]. Aus der „Lex Google“ ist eine „Lex Garnix“ geworden, das darf sich die PR-Abteilung des Konzerns durchaus als Erfolg anrechnen.

FAZ

Wir stehen dazu, dass ein freies Internet einen verbindlichen Rechtsrahmen braucht.

Unionsfraktionsvize Günter Krings

Unabhängige Rechtsexperten vertraten nach der Anpassung des Gesetzentwurfs und dem Ausschkluss “kleinster Textausschnitte” bereits die Ansicht, dass mit dem neuen Text des Gesetzesentwurfs Google für seine Snippets keine Lizenz von den Presseverlagen mehr erwerben müsse. Grundsätzlich bleibt es nebulös, was nach den Anpassungen mit dem Gesetz zum Leistungsschutzrecht überhaupt noch erreicht werden soll: Denn die Übernahme ganzer Texte etwa oder beispielsweise der Umfang von Zitaten werden bereits durch das Urheberrecht geregelt.

heise online

Unklar ist damit, ob Googles Angebote von dem Gesetz überhaupt erfasst wären.

golem.de

First rule in any democracy: Respect and protect the Parliament, its members and its decisions, whether you like them or not.

Wolfgang Blau, Chefredakteur Zeit.de

Mit dem Beschluss zum Leistungsschutzrecht für Presseverlage hat der Deutsche Bundestag heute eine Rechtslücke geschlossen. Auch wenn der verabschiedete Text nicht alle Vorstellungen der Verleger berücksichtigt, ist das neue Leistungsschutzrecht für Presseverlage ein wichtiges Element eines fairen Rechtsrahmens für die digitale Welt.

BDZV: Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger e.V.

Allerdings, eine Hoffnung gibt es noch: Am 3. Mai wird der Gesetzentwurf im Bundesrat verhandelt, wie Union und FDP am Donnerstag sagten. Dort könnte er dann noch immer sterben.

Zeit.de

Das Gesetz lässt sich meiner Auffassung nach nicht begründen. Frei erreichbare Inhalte müssen auch weiterhin im Internet frei verlinkbar sein, auch mit einer kurzen Beschreibung. Ein Restaurantführer zahlt auch nicht dafür, dass er Restaurants empfehlen darf. Es ist nicht Aufgabe des Gesetzgebers überkommene Geschäftsmodelle staatlich zu schützen, oder gar neue zu entwickeln. Es ist vielmehr Aufgabe in einem solchen Fall die Möglichkeit für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle zu eröffnen. Das wird mit diesem Gesetz nicht erreicht.

Jimmy Schulz

Jetzt ist es also passiert. CDU, CSU und FDP haben in willfähriger Hörigkeit gegenüber den Lobbyisten der Verlagsindustrie ein rechtliches Monster namens Leistungsschutzrecht beschlossen, dass für jeden, der Texte im Internet veröffentlicht eine rechtliche Gefahr bedeutet.

Thomas Knüwer

Die schwarz-gelbe Mehrheit hat im Bundestag das entkernte Leistungsschutzrecht beschlossen. Doch es bleibt unverständlich, warum die Regierung dieses Gesetz trotz seiner offensichtlichen Schwächen durchgesetzt hat.

SZ

Bis zum Dienstag zur Fassung aus dem Rechtsausschuss hatte ich noch befürchtet, ein weiteres meiner sieben digitalen Leben stünde auf dem Spiel oder dass gar all die sechs Jahre Arbeit für die Katz gewesen sein könnten. Mit dem heute vom Bundestag verabschiedeten Gesetzestext jedoch werde ich wohl leben können resp. müssen.

Rivva und das Leistungsschutzrecht

 

 

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Webperlen: Klout-Alternativen, Google(+), Lumia 520 & 720 und der E-Book-Markt

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Neuer Influencer-Score: 8 Klout-Alternativen
  • Koalition will Google-Steuer durchs Parlament peitschen
  • Google+: 7 Tipps, um die Kreise besser zu verwalten
  • Android: Google ist besorgt über die Dominanz von Samsung
  • Nokia stellt Lumia 520 und 720 vor
  • Anita Zielina wechselt als Managing Editor Online zum Stern
  • Neue Mega-Allianz im deutschen E-Book-Markt?
  • Catcontent, Geburtstagsausgabe

Ein Online-Dienst, um den selbst die bildungsbürgerliche ZEIT nicht herum kommt: Klout. Im vergangen Jahr hat die Hamburger Wochenzeitung den Dienst ausführlich beschrieben, für Klout-Unkundige noch immer ein guter Einstieg ins Thema:

Wenn Matthias Mehner nach neuen Kollegen sucht, bedient er sich nackter Zahlen. Das an sich ist noch nicht ungewöhnlich: Die Abiturnote, der Intelligenzquotient oder die Punktzahl im Test eines Assessment-Centers bilden schon lange ein engmaschiges Netz, mit dem Personaljäger aus dem Strom der Bewerber nur die lohnende Beute zur näheren Betrachtung herausfischen. Bloß wissen viele der potenziellen Kandidaten gar nicht, dass sie längst nach einem neuen Kriterium bewertet werden. Einem, das Leute wie Mehner ohne ihr Zutun einsehen können: »Alles ab 40 ist okay«, sagt er. Mit 35 hätten Bewerber vielleicht noch eine Chance, ab 60 habe man den Job dagegen so gut wie sicher. »Dann hat eine Meinung im Internet richtig Gewicht«, sagt Mehner.

»Klout-Score« heißt die Größe, die in der Onlinewelt inzwischen zum Standard gehört und gerade in Mehners Branche eine immer größere Bedeutung gewinnt.

Den ganzen Artikel findet man auf ZEIT ONLINE unter “Klout-Score – Der gläserne Bewerber“.

Aber Klout war von Anfang an alles andere als unumstritten. Zum einen bekamen Datenschützer arge Bauchschmerzen, wenn sie daran dachten, dass Klout auch die Daten von Nutzern erfasst, die bei dem Dienst nicht angemeldet sind, zum anderen ist die Klout-Score extrem intransparent und häufig nicht nachzuvollziehen. Christian Mueller von der Karriere Bibel hat sich deshalb die Mühe gemacht, acht Alternativen zu Klout vorzustellen:

Bei unserer Auswahl haben wir uns bewusst auf – zumindest in der Basis-Version – kostenlose Angebote konzentriert. Die vorgestellten Dienste ermöglichen – wie der Klout-Score – den Vergleich verschiedener Accounts und Personen. Auf kostenpflichtige Lösungen und reine Monitoring-Tools haben wir bewusst verzichtet.

Und zwar sind dies Booshaka, How Sociable, Peerindex, Trustcloud, Tweet Grader, Tweetreach, Tweet Level und Twitter Score. Die Aufstellung samt Vor- und Nachteilen findet sich unter “Neuer Influencer-Score: 8 Klout-Alternativen“.

Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Ende ohne Schrecken? Schon am Freitag soll der Bundestag das umstrittene Leistungsschutzrecht absegnen, SPIEGEL ONLINE weiß folgendes zu berichten:

Der entsprechende Tagesordnungspunkt wurde am Nachmittag auf die Agenda der laufenden Sitzungswoche gehievt. Demnach werden die Abgeordneten am Freitagmorgen um 9 Uhr den Gesetzentwurf final beraten und darüber abstimmen.
Der Termin kommt überraschend, da selbst Vertreter der schwarz-gelben Regierungskoalition zuletzt erhebliche Bedenken gegen die geplante Google-Steuer angemeldet hatten.

Ebenfalls auf SPIEGEL ONLINE kommentiert Sascha Lobo das Leistungsschutzrecht, sein Urteil fällt eher vernichtend aus: Die Eigentorheit der Verlage.

Trotz steigender Nutzerzahlen erfreut sich Google+ in Deutschland noch immer nicht annährend der Beliebtheit von Twitter und Facebook. Manchmal hat man sogar das Gefühl, dass sich da nur Social Media-Berater und Karteileichen herumtreiben. Einer der Gründe hierfür mag sein, dass viele Funktionen trotz der Schlichtheit des Google+-Designs nicht bekannt sind, als äußerst nützlich dürften sich diese 7 Tipps, um die Kreise besser zu verwalten erweisen:

Im Netz finden sich zahlreiche Tipps und Tricks zur besseren Verwaltung von Google+ Kreisen. Doch unabhängig davon welchem Grundkonzept ihr folgt: Diese sieben Tipps sorgen in eurem Google+ Stream für Übersichtlichkeit. Sie vermitteln die absoluten Grundlagen und helfen trotz kontinuierlich wachsender Einkreisungen auf Google+ den Überblick zu behalten.

Apropos Google: Der Siegeszug vom eigenen Smartphone-Betriebssystem Android verursacht dem Suchmaschinenkonzern offenbar Bauchschmerzen. Genauer: Der Siegeszug der Smartpones von Samsung, Google fürchtet mittlerweile die Marktmarkt des Smartphoneherstellers:

Die Koreaner haben mittlerweile einen Marktanteil von 40% am weltweiten Smartphone-Markt und auch wenn die Konkurrenz (HTC, Sony) derzeit wie Phoenix aus der Asche aufzuerstehen scheint, zeichnet sich ein Ende dieses Trends derzeit nicht ab. Googles Android-Betriebssystem wird dadurch zunehmend abhängig von Samsung – und das will Google um jeden Preis verhindern.

Mehr unter Android: Google ist besorgt über die Dominanz von Samsung. Derweil stellt Nokia Lumia 520 und 720 vor, um im viel zu lang vernachlässigten Smartphone-Markt längst verlorenen Boden wiedergutzumachen:

Als neues Einstiegsmodell fungiert ab sofort das Lumia 520 zum Endpreis von 199 Euro. In die Mittelklasse schiebt Nokia zudem das Lumia 720 für 379 Euro. Anders als das – von Jürgen nicht ganz zu Unrecht einst als Totgeburt bezeichnete – Lumia 610 ist das ab dem zweiten Quartal erhältliche Lumia 520 aber keine Ansammlung von Komponenten, die man noch irgendwo in einer dunklen Ecke im Lager gefunden hat.

So Christian Wolf auf BASIC thinking unter der Überschrift Nokia stellt Lumia 520 und 720 vor – einmal überfällig, einmal überflüssig.

Online Kompetenz aus dem Ausland: Wie der österreichische Standard meldet, verliert die Zeitung die stellvertretende Chefredakteurin von DER STANDARD und derStandard.at, Anita Zielina, an den Spiegel:

Anita Zielina, stellvertretende Chefredakteurin von DER STANDARD und derStandard.at, zieht es an den Hamburger Baumwall. Die 32-Jährige wird beim “Stern” Managing Editor für den Bereich Online. Zielina soll als “herausragende Onlinestrategin” den Online-Auftritt weiterentwickeln, erklärt Chefredakteur Dominik Wichmann.

Ein Umbruch steht vermutlich auch in der E-Book-Branche an. Statt Amazon immer nur hinterherzurennen, wollen Thalia, Weltbild/Hugendubel, die Deutsche Telekom sowie Bertelsmann offenbar eine Kooperation im E-Book-Bereich vorstellen:

Am kommenden Freitag (01. März) sitzen in der Hauptstadt-Repräsentanz der Deutschen Telekom drei Männer und zwei Frau an einem Tisch, die sich gewöhnlich im harten Wettbewerb zueinander befinden. Thalia-Chef Michael Busch, Weltbild-Chef Carel Halff und Hugendubel-Chefin Nina Hugendubel (beide DBH), Club-Bertelsmann-Programmchefin Anita Offel-Grohmann und Thomas Kiessling, CIO der deutschen Telekom, wollen den eingeladenen Journalisten „aktuelle Neuigkeiten” im Bereich digitales Lesen präsentieren.

Mehr unter: Neue Mega-Allianz im deutschen E-Book-Markt?

Außerdem wird der Catcontent des Tages von Johnny Cash (26. Februar 1932 – 12. September 2003) präsentiert:

 

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

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