17/12/2018

Qualitätsjournalismus als Vorbild fürs Content Marketing?

2013 war das Geschrei in Amerika groß. Jeff Bezos, Gründer von Amazon und mehrfacher Milliardär, hatte die altehrwürdige Zeitung “Washington Post” für 250 Millionen Dollar übernommen. Das Problem: Washington Post war mal eine wirklich wichtige Zeitung in Amerika, ihre Sternstunden hatte sie in der Watergate-Affäre gehabt, in deren Folge Washington-Post-Reporter Bob Woodward und Carl Bernstein 1973 den Pulitzer-Preis bekamen. Die Washington Post war daher eine Institution, die zwar sehr schwer mit der Umstellung aufs neue Medienzeitalter zu kämpfen hatte, aber immer noch für guten Journalismus stand.

WaPo-Online

Die Online-Ausgabe der Washington Post

Mit der Übernahme der Washington Post durch Jeff Bezos verbanden sich vornehmlich zwei Befürchtungen, die für die enorm negative Presse bei der Übernahme verantwortlich waren. Zum einen hatten die Beobachter Angst, dass die Washington Post nur zu einem Spielzeug von einem gelangweilten Milliardär verkommt, der diese, sobald sie ihn langweilt, auch wieder verscheuert – und das mit dem entsprechenden Substanzverlust. Zum anderen wurde befürchtet, dass Jeff Bezos mit der Washington Post auf Teufel komm raus Geld verdienen will und diese durch schlechte, aber reißerische Bildstrecken oder Listicles und anderem Clickbaiting verramscht. Kurz: Der Milliardär würde schon dafür sorgen, dass die Zeitung nicht mehr für Qualitätsjournalismus stehen würde, sondern für Online-Ramsch.

Komischerweise geschah aber das Gegenteil. Statt die Washington Post zu verramschen, investierte Bezos in guten Journalismus. Statt Journalisten zu entlassen, stellte er zusätzliche Reporter und Programmierer für die Webseite und die Apps ein, und das mit ziemlichem Erfolg. Mittlerweile gehört die Washington Post zu den meistgelesenen Online-Nachrichtenportalen der Welt. Das Erfolgsgeheimnis dahinter lautet Technik (Datenanalyse!) und Qualitätsjournalismus. Mittlerweile heimst die Zeitung dafür jede Menge Lob ein, vom Ramsch-Modell ist keine Rede mehr, stattdessen werden ihre guten journalistischen Inhalte gelobt.

Und die Washington Post ist beileibe keine Ausnahme. War vor wenigen Jahren noch der Siegeszug von Seiten wie BuzzFeed ausgemacht, dreht sich mittlerweile das Blatt. Die New York Times verdient online so viel Geld, dass sie endlich die Verluste im Print-Geschäft ausgleichen kann, der englische Guardian erreicht eine weltweite Leserschaft und das Wirtschaftsblatt Economist mausert sich nicht trotz, sondern wegen seiner qualitativ hochwertigen Beiträge zu einem der führenden Online-Medien. Und das zeigt sich auch in Deutschland, so zeigte sich etwa der Zeit-Online-Chefredakteur Jochen Wegner selbst etwas erstaunt, dass ausgerechnet die langen und ausführlichen Artikel so viel Traffic verursachen.

Offensichtlich setzt sich auch Online mittlerweile die Qualität durch – eine Entwicklung, die vielleicht sogar noch dadurch beschleunigt wird, dass Facebook gezielt gegen Clickbaiting vorgehen will.

Hochwertiges Content Marketing

Wenn der Trend bei Online-Nachrichtenportalen so aussieht, dass Qualitätsjournalismus sich durchsetzt, sollte das dann nicht auch den Content-Marketing-Verantwortlichen in Unternehmen, PR-Agenturen und Marketing-Agenturen zu denken geben? Sollten die Verantwortlichen für die Kommunikation sich dann nicht auch die Washington Post oder die New York Times zum Vorbild nehmen?

Die Antwort darauf lautet – wie so oft - Jein. Content Marketing hat weder die Ressourcen noch das Ziel, mit wirklich hochwertigen Nachrichtenplattformen wie der New York Times zu konkurrieren. Wer auch immer das machen will, hat wenig bis gar keine Ahnung vom effizienten Einsatz eines beschränkten Budgets. Ersteller von Content-Marketing-Inhalten sollten sich auch niemals für die besseren Journalisten halten, das wäre einfach vermessen. Jedoch – und da können sich die Content-Marketing-Verantwortlichen Zeitungen wie die Washington Post zum Vorbild nehmen – sollte der Trend zu hochwertigen Inhalten auch im Content Marketing berücksichtigt werden.

Gute Inhalte sorgen bei den Online-Nachrichtenmagazinen für nachhaltigen Erfolg. Einfach nur den Klicks mit billigen Inhalten zu generieren, schafft zwar anfangs Traffic, aber wirklicher Erfolg stellt sich damit über längere Zeiträume nicht ein. Eine recht simple Wahrheit, die sich 1-zu-1 auch aufs Content Marketing übertragen lässt. Lieber mit guten und interessanten Inhalten Besucher an sich binden, als die Knickzahlen durch reißerische Überschriften und billigen Massencontent zulasten der wiederkehrenden Besucher (und der Marke!) hochzujagen. Im Zweifel ist Qualität schließlich besser als Billigware, gerade im Journalismus und im Content Marketing.

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

Webperlen: Suff-Fahrt in Hamburg, Urlaubsgrüße 2013 und mit Google Street View den Eiffelturm erklimmen

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Nach Suff-Fahrt ausgerastet: Linken-Politiker bepöbelt Polizisten
  • Urlaubsgrüße 2013: Digital ist Trumpf
  • Mit Google Street View den Eiffelturm erklimmen
  • Recruiting – Bewerbungen aus dem Urlaub
  • Facebook und Twitter: Bei schlechten Witzen kommt die Polizei
  • Das Feiertagslayout – ein Blick in die Zukunft von ZEIT ONLINE
  • Immobilien: In welchen Städten sich der Wohnungskauf lohnt
  • Die fünf Flops der mobilen Welt
  • Wenn soziale Netzwerke Drogen wären (Infografik)

Darüber lacht Hamburg: Ein Politiker der Linkspartei hat dem Alkohol doch ein wenig zu sehr zugesprochen und dnach eine kleine Spritztour hingelegt, wobei er dämlicherweise nicht nur von der Hamburger Polizei erwischt wurde, sondern auch noch die Beamten bepöbelte:

Der Politiker verweigert einen Alco-Test, beleidigt die Beamten, wird aggressiv. Der Politiker kommt in Handschellen zur Wache. Dort soll er einen Polizisten dann angeschrien haben: „Google meinen Namen, du Bauer! Ich sitz in der Bezirksversammlung.“

Die Postkarte war gestern: Wie der Branchenverband BITKOM mitteilt, sind 2013 immer mehr Urlaubsgrüße digital:

Reisende setzen bei ihren Grüßen aus dem Urlaub auf den schnellen elektronischen Weg. Rund zwei Drittel (62 Prozent) der Urlauber wollen Freunde und Verwandte in diesen Sommerferien mit einem Anruf, einer SMS oder über das Internet vom Reiseziel aus grüßen. Bei den Jüngeren von 14 bis 29 Jahren sind es sogar rund drei Viertel (73 Prozent). Das hat eine repräsentative Befragung des Hightech-Verbands BITKOM ergeben.

Für die, die sich keinen Urlaub leisten wollen/können, hat Google drei Online-Ausstellungen über das Wahrzeichen von Paris geschaffen, mit Google Street View kann man jetzt den Eiffelturm erklimmen:

Diese aktuellen Street View-Panoramabilder sowie die beinahe 50 Bilder, Pläne, Stiche und Fotos aus den Archiven erzählen euch mehr über die Entwicklung des Turms. Anhand dieses umfangreichen und illustrativen Materials könnt ihr euch selbst ein Bild von seiner gesellschaftlichen Wirkung im 19. Jahrhundert machen. Einige Archivmaterialien sind sehr selten und besonders wertvoll. Zum Beispiel eine Aufnahme der Stimme Gustave Eiffels von Thomas Edison.

Screenshot Google Street View vom Eifelturm

Und noch ein Urlaubsthema: Laut einer Umfrage denken nicht wenige Arbeitnehmer ausgerechnet im Urlaub darüber nach, den Arbeitgeber zu wechseln. Mehr bei Haufe.de unter “Recruiting – Bewerbungen aus dem Urlaub“:

Urlaubszeit – Entspannungszeit? Nicht allen Arbeitnehmern gelingt es, in den Sommerferien komplett abzuschalten, wie eine kürzlich veröffentlichte Umfrage zeigt. Auch eine neue Studie von Linkedin legt nahe, dass 40 Prozent der Erwerbstätigen ihren Urlaub auch dazu nutzen, um ihre berufliche Zukunft zu planen: So viele Befragte geben an, in der freien Zeit über einen Jobwechsel nachzudenken.

Think before you tweet: DIE ZEIT hat einen lesenswerten Artikel darüber geschrieben, wie in Amerika vermeintlich witzig gemeinte Facebook- und Twitter-Einträge zu Verhaftungen führen. Bei schlechten Witzen kommt die Polizei:

Um Justin Carter auf die Schliche zu kommen, brauchte es keine ausgefeilten technischen Hilfsmittel. Sein angeblicher Plan für ein blutiges Attentat musste nicht erst vom Geheimdienst aufgedeckt werden. Der damals 18-jährige Amerikaner offenbarte ihn im Februar selbst auf einer öffentlichen Facebook-Seite. Bei dem Unfug, den Carter dort schrieb, hätte allerdings jedem Mitleser klar sein müssen, dass sich hier nur ein Teenager in der Wortwahl vergriff. Doch der Scherz wurde missverstanden und brachte Carter für mehrere Monate ins Gefängnis.

Apropos DIE ZEIT: Zum Jubiläum des berühmtesten Radrennens der Welt hat sich der Onlineableger des Hamburger Wochenblattes ein Feiertagslayout einfallen lassen:

Zuvor eine Warnung: Wenn Sie diesem Link auf unser Special 100 Jahre Tour de France folgen, konfrontieren wir Sie mit Online-Journalismus, den Sie von uns noch nicht gewohnt sind. Das Projekt trägt in der Redaktion von ZEIT ONLINE den Codenamen “Feiertagslayout” und hat zwei Dutzend Kollegen zum Teil Wochen beschäftigt: Reporter und Datenjournalisten, Foto-, Video- und Entwicklungsredakteure, Designer und Programmierer.

DIE WELT berichtet derweil unter “Immobilien – In welchen Städten sich der Wohnungskauf lohnt” über eine Untersuchung der Zeitschrift “Finanztest”:

Der historische Niedrigzins und die steigenden Mieten in Großstädten wecken den Wunsch nach der eigenen Wohnung. In manchen Städten können Immobilienkäufer im Vergleich zu Mietern kräftig sparen.

Viel Hype und nichts dahinter: Auf Process finden sich die fünf Flops der mobilen Welt:

Auch im Mobilbereich floppen die ersten Produkte und Geschäftsmodelle. Fünf Trends, die den Erwartungen nicht gerecht wurden, hat der Verband der deutschen Internetwirtschaft (eco) zusammengestellt.

Und zum Abschluss der Webschau wieder einen Hinweis auf nicht ganz ernst gemeinte Infografiken, nämlich wenn soziale Netzwerke Drogen wären:

Wenn die sozialen Netzwerke Drogen wären, welchen wäret ihr dann verfallen? Ich muss sagen, dass die folgende Infografik natürlich mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor gesehen werden sollte, denn natürlich sind Drogen und soziale Netzwerke zwei Dinge, die sich nur sehr schwer miteinander vergleichen lassen (und das obwohl auch soziale Netzwerke durchaus süchtig machen können).

 

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