16/07/2018

Webperlen: Startups, Roboter in der Schule, Betahaus und Facebook im Wahlkampf

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Wie Unternehmen Startups fördern und selbst davon profitieren
  • Roboter in der Schule
  • Im Neuland: Die Buchverlage und Creative Commons
  • Betahaus: Es fehlen noch 14.115 Euro für eine Rettung
  • So wählt das Netz: Die erstaunliche Aufholjagd der SPD
  • Facebook im Wahlkampf – total überschätzt
  • 100 Facebook Marketing Case Studies
  • GIFs tanzen lassen: GIF Dance Party

Das beste Geschäft ist immer das, bei dem beide Seiten gleichermaßen profitieren: Auf “Netzwertig.com” (via) wird über Accelerator-Programme und davon, wie Unternehmen Startups fördern und selbst davon profitieren berichtet:

Y Combinator ist seit 2005 die Mutter aller Accelerator-Programme und zudem mit seinem Portfolio eines der erfolgreichsten weltweit. Bisher haben mehr als 500 Unternehmen das Programm durchlaufen, unter anderem AirBnB und DropBox. TechStars hat immerhin schon 168 Startups hervorgebracht, von denen noch 90 Prozent im Geschäft sind, darunter SendGrid und Orbotix.

Die Zukunft macht (zum Glück!) auch nicht vor der Schule halt. Im “Küchenradio” (via) gibt es einen hörenswerten Podcast zum Thema Roboter in der Schule:

Anja Tempelhoff ist Berlins erste ROBERTA-Lehrerin: Sie unterrichtet Robotik – vor allem für Mädchen.
Roberta ist ein vom Fraunhofer Institut entwickeltes Unterrichtsprogramm mit dem Ziel, mehr Mädchen für Informatik und Robotik zu begeistern (Jungs dürfen auch mitmachen). Technische Basis ist “Mindstorms”, das leicht zu programmierende Roboter-Set von LEGO.

Und ein weiterer spannender Beitrag zum Thema Urheberrecht: “iRights.info” geht der Frage nach, wie die Buchverlage mit Creative Commons umgehen:

Bei vielen Buchverlagen herrschen noch immer Vorurteile über Creative-Commons-Lizenzen. Es raube Einnahmen, alles müsse dann verschenkt werden. Ausnahmen sind selten. Dirk von Gehlen über seine Erfahrungen mit dem neuen Buch „Eine neue Version ist verfügbar”.

Mensch, Kreativszene in Hamburg, da muss doch mehr gehen! Beim Betahaus fehlen noch 14.115 Euro für eine Rettung:

Ende Juni verkündete das Betahaus, es habe einen Insolvenzantrag gestellt. Seitdem hat sich einiges getan. Ein Plan für die Zukunft des Betahauses steht; doch weiterhin fehlt Geld. Wie Gesellschafter Lars Brücher in seinem privaten Blog schreibt, bleiben noch wenige Tage, um 14.115 Euro zusammen zu bekommen – für eine Mietkaution.

Deutschlands älteste Partei und das Internet, offensichtlich kein Widerspruch. Wie die WirtschaftsWoche berichtet, gibt es bei den Twitter-Followern und Facebook-Fans eine erstaunliche Aufholjagd der SPD:

Denn zumindest bei Twitter und Facebook haben die Sozialdemokraten in den vergangenen vier Wochen deutlich aufgeholt. Als die WirtschaftsWoche mit dem Tool “So-wählt-das-Netz” am 22. Juli mit der Social-Media-Auswertung begann, lag die SPD nur bei zehn Prozent. Inzwischen hat sie sich kontinuierlich gesteigert und lag in dieser Woche mit 36 Prozent deutlich vorn.

340.000 Fans: Die Facebook-Seite zu Angela Merkel.

340.000 Fans: Die Facebook-Seite zu Angela Merkel.

Stellt sich nur die Frage, ob sich das auch auszahlt. DIE WELT meint “Facebook im Wahlkampf – total überschätzt“, wobei ein wichtiges Argument außer Acht gelassen wird, nämlich das Kosten-Nutzen-Verhältnis, was bei Social Media generell sehr gut ist. Trotzdem wirft der Artikel ein paar interessante Gedanken auf:

Nach wie vor sind die klassischen Medien, also Fernsehen, Zeitungen und Radio, die beliebtesten Kanäle bei Bürgern, die sich politisch informieren wollen. So gaben 70 Prozent der Teilnehmer an, dass sie von Parteien oder Politikern übers Fernsehen angesprochen werden möchten, dicht gefolgt von Zeitungen (65 Prozent) und Radio (54 Prozent).

Die sozialen Medien wie Facebook oder Twitter liegen deutlich dahinter: Auf diesen digitalen Wegen wollen nur 19 Prozent der Bevölkerung informiert werden.

Apropos Facebook: Thomas Hutter hat 100 Facebook Marketing Case Studies zusammengestellt:

Bei der Recherche für einen Vortrag rund Facebook Ads an der SuisseEMEX habe ich diverse Case Studies zusammengesammelt, heruntergeladen und auf scribd.com nach Themen/Branchen sortiert publiziert. Insgesamt kommen 107 unterschiedliche Facebook Marketing Case Studies auf meinem scribd.com Account zusammen.

Und zum Abschluss der Webschau hier im Blog ein Link (via), der absolut nutzlos ist – aber dafür herrlich zum Zeitverplempern geeignet ist. Das Kraftfuttermischwerk lässt die GIFs tanzen:

Riesenseite, auf der man interaktiv einen Dancefloor mit GIFs befüllen kann, die dann alle gemeinsam am Tanzen sind. Man kann sogar die Musik auswählen. Mein Tag ist somit verplant, auf sowas hat das Internet seit mindestens 37 Jahren gewartet. Nee, anders, genau für sowas wurde das Internet erfunden. Let’s have a GIF Dance Party!

Webperlen: Nikolaus Blome, warum Twitter immer stabiler wird und Print mit Zukunft

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • “Bild”-Vize wird “Spiegel”-Vize: Wolfgang Büchner holt Nikolaus Blome
  • Mimimi mit Memes: Rechtliche Probleme mit viralen Witzen im Netz
  • OER-Studie: Urheberrecht ist keine Hürde für mehr offene Bildungsmaterialien
  • So deaktiviert man jede Werbung auf YouTube
  • Essl-Kurator Hoffer über eine von Facebook-Fans kuratierte Ausstellung
  • New Tweets per second record, and how!
  • Twitter und Politik – eine erfolgreiche Koalition
  • Wie gedruckte Magazine auch in Zukunft erfolgreich sein können

Der Personalumbau beim Hamburger Nachrichtenmagazin Spiegel geht weiter: Wie der Mediendienst kressreport berichtet, hat der designierte Chefredakteur Wolfgang Büchner jetzt Nikolaus Blome von der Bildzeitung an Land gezogen:

Nach mittlerweile offiziell bestätigten kress-Infos verlässt Blome die Boulevardzeitung und wird im Dezember stellvertretender “Spiegel”-Chefredakteur sowie Leiter des Hauptstadtbüros.

Für den spektakulären Transfer dürfte Wolfgang Büchner verantwortlich sein, der designierte Chefredakteur des Nachrichtenmagazins.

Dass das Urheberrecht auch in den sozialen Netzwerken gilt, sollte eigentlich bekannt sein. Dass das auch für Memes gilt, ist vielen Deutschen jedoch nicht bewusst, t3n erklärt daher in “Mimimi mit Memes: Rechtliche Probleme mit viralen Witzen im Netz” die Rechtslage:

Während man in den 90ern noch einen Raab benötigte, um Kurioses in Massenphänomene zu verwandeln, werden in Zeiten von Social Media unfreiwillige Stars durch Meme gekürt. Welche rechtlichen Fallstricke dabei auftauchen können, skizziert Markus Kompa.

Dafür stellt das Urheberrecht jetzt keine Hürde für mehr offene Bildungsmaterialien dar:

Offene Lehr- und Lernmaterialien können schon jetzt auf der Basis des geltenden Urheberrechts umgesetzt werden, neue gesetzliche Regelungen sind für diesen Zweck nicht nötig. Das ist eines der Ergebnisse der Studie „Open Educational Resources (OER), Open Content und Urheberrecht”. Till Kreutzer von iRights.Law hat sie im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erstellt.

Auf der gleichen Internetseite – also t3n – wird zudem erklärt, wie man YouTube erfolgreich von jeglicher Werbung befreit:

Wer kennt das nicht? Man findet einen vielversprechenden Link zu einem Video, klickt auf Play und bekommt zuerst einmal Werbung auf YouTube präsentiert. Mit Hilfe eines einfachen Kniffs, kann man aber derzeit alle Werbung auf YouTube deaktivieren.

Das soziale Medien jedoch nicht nur für Memes und lustige Videos taugen, stellt das Essl Museums bei Wien unter Beweis. In Monopol, dem Magazin für Kunst und Leben, ist jetzt ein Interview mit dem Essl-Kurator Hoffer erschienen, in der er u.a. über eine von Facebook-Fans kuratierte Ausstellung berichtet:

Welches Konzept steht hinter der Ausstellung “Like It”?
Aus einem Pool von 100 Arbeiten aus insgesamt 7000 Sammlungswerken wird zehn Tage lang gevotet. Da 7000 Stücke zu viel gewesen wären, haben wir gesagt: Werke von Künstlern unter 40 Jahren, die in den letzten Jahren eingekauft worden sind. Am Schluss werden die Favoriten der Facebook-Fans im Essl Museum ausgestellt.

Kann man sich auf die Kunstexpertise eines Facebook-Fans verlassen?
Nein. Das ist ein Wagnis.

twitterzh

Früher gehörte er zu Twitter einfach dazu, der sogenannte “fail whale”, den man immer dann sah, wenn Twitter gerade abgestürzt war. Heute dagegen funktioniert Twitter erstaunlich stabil, und das trotz ständig neuer Rekorde, warum dem so ist, erklärt Twitter in dem Blogeintrag “New Tweets per second record, and how!“:

After that experience, we determined we needed to step back. We then determined we needed to re-architect the site to support the continued growth of Twitter and to keep it running smoothly. Since then we’ve worked hard to make sure that the service is resilient to the world’s impulses. We’re now able to withstand events like Castle in the Sky viewings, the Super Bowl, and the global New Year’s Eve celebration.

Der deutsche Ableger von Twitter startet derweil eine Discover-Page und einen extra Account zur Bundestagswahl:

Damit Ihr keine Informationen rund um die Bundestagswahl 2013 verpasst und immer auf dem Laufenden seid, haben wir einige Extras für Euch zusammengestellt. Einen Überblick zur Bundestagswahl 2013 auf Twitter findet ihr auf unserer extra eingerichteten Discover-Page
Hier findet Ihr die wichtigsten Accounts aller Bundestagsparteien und Verlinkungen zu Kandidaten und und Abgeordnetenlisten. Außerdem bietet die Discover Page einen Überblick der Akteure aus TV, Print und Online. Zudem starten wir extra zur Wahl einen neuen Twitter-Account: @twitter_politik. Auf diesem Account werden Best-Practice-Beispiele sowie Hinweise zu interessanten Aktionen und Entwicklungen rund um die Wahl kommuniziert.

Und zum Abschluss der Webschau wieder ein Debattenbeitrag zur Zukunft des Journalismus im Medienwandel, Luca Caracciolo zeigt auf, wie gedruckte Magazine auch in Zukunft erfolgreich sein können:

Print lebt und wird auch in Zukunft ein Medium sein, das mit journalistischen Inhalten bedruckt wird. Die Branche verändert sich aufgrund des Webs stark, klar. Traditionsreiche Publikationen und Verlage geraten ins Wanken, müssen sich neu aufstellen. Aber deshalb die Print-Branche für tot zu erklären, ist Unsinn.

Webperlen: Übernahmegerüchte, Werben statt nerven und die Zukunft der Zeitungen

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Berichte über Milliarden-Deal: Yahoo interessiert sich für Tumblr
  • Werben statt nerven
  • Apropos Adblocker: (Wie lange) geht’s noch?
  • Zeitungen müssen promiskuitiv werden – beim Geldverdienen
  • Twitter bringt Toolkit für das “Internet der Dinge”
  • BGH: Dürfen Youtube-Videos ohne Erlaubnis der Urheber in Webseiten eingebunden werden?
  • Boris Beckers Bestes „Bb hat heute zahnschmerzen …autsch !“

Das Übernahmekarussell nimmt in der Digitalwirtschaft wieder Fahrt auf, wie SPIEGEL ONLINE berichtet, hat es Yahoo auf Tumblr abgesehen, der Preis für die Blogplattform ist jedoch alles andere als gering:

Das Interesse an Tumblr sei in letzter Zeit aber sehr viel größer geworden. Der Grund: Tumblr wird teurer. Nach Angaben von “AllThingsD” wird der Wert des Unternehmens, das nach eigenen Angaben mehr als 100 Millionen Blogs eine Heimat bietet, derzeit auf eine Milliarde Dollar geschätzt. Zum reinen Wert des Bloggernetzwerks von 800 Millionen Dollar kommen noch einmal 125 Millionen Dollar aus einer großen Finanzierungsrunde hinzu.

Die Debatte um die Anti-Adblock-Kampagne der Verlage ebbt nicht ab, wird sogar – zum mindest in Teilen – produktiv. Beim Berliner Tagesspiegel äußert sich jetzt Markus Hesselmann, Redaktionsleiter Online, in einem lesenswerten Kommentar:

Und so hatte der Appell einiger deutscher Online-Portale, doch bitte auf Adblocker zu verzichten, doch noch etwas Gutes. Denn er ist Anlass für diese aktuelle Debatte. Ansonsten halte ich persönlich wenig von solchen Bittgängen. Statt mit Appellen sollten wir unseren Leserinnen und Lesern lieber mit Angeboten kommen. Wir könnten ihnen zum Beispiel unsere Inhalte mit weniger Werbung oder womöglich sogar werbefrei nahe bringen, wenn sie im Gegenzug bereit sind, sich selbst an der Finanzierung zu beteiligen.

Deutlich gereizter, aber auch mit einen guten Argumenten meldet sich Frank Patalong zum selben Thema zu Wort. Patalong, der seit Jahren für SPIEGEL ONLINE schreibt, platzt bei Apropos Adblocker: (Wie lange) geht’s noch? regelrecht der Kragen:

Forderungen, Werbung unauffälliger zu machen, sind übrigens schlicht bescheuert. Wer so etwas fordert, hat nicht begriffen, worum es bei Werbung geht. Natürlich muss die auffallen, sonst wirkt sie nicht. Und wenn sie nicht wirkt, taugt sie auch nicht als Refinanzierungsbasis für kostenlose Angebote. “Gezieltere”, “personalisierte” Werbung einzufordern ist dann noch der ultimative Blödsinn. Wünschen wir uns wirklich noch mehr Profilierung unser Persönlichkeiten, mehr Schnüffelei, mehr Eindringen in unsere Daten, den Verkauf dieser Daten? Geht’s noch? Ich will das nicht.

Einen Brandbrief aus ganz anderer Richtung hat dagegen Jan Lerch geschrieben. Unter der provokativen Überschrift “Zeitungen müssen promiskuitiv werden – beim Geldverdienen” beklagt Lerch die Eindimensionalität und die Einfallslosigkeit der Nachrichtenportale:

Zum Thema Geldverdienen höre ich in den letzten Jahren immer Werbung und Paid Content, Paid Content und Werbung. Dabei sind zwei Dinge offensichtlich: Klassische Werbung im Netz spielt nur einen Bruchteil dessen ein, was Print gebracht hat, und Paid Content funktioniert vielleicht bei der “New York Times”. Ansonsten gilt: Menschen bezahlen im Netz nur für Inhalte, die sie unbedingt brauchen und anderweitig nicht bekommen können. Darum verdient das “Wall Street Journal” ebenfalls Geld. Menschen lassen sich ihr Portemonnaie auch emotional öffnen, deswegen könnte eine Bezahlapp für den Heimatverein funktionieren. Aber Geld für General Interest? Vergessen Sie es.

Deutlich innovativer zeigt sich dagegen Twitter, der Kurznachrichtendienst will das Toolkit für das “Internet der Dinge” herausbringen:

Warum sollen nur Computer, Smartphones und Tablet-Rechner Kurznachrichten versenden? Eine Kuckucksuhr zum Beispiel könnte ebenfalls Tweets ins Netz schicken – findet jedenfalls Twitter. Der Online-Dienst demonstriert nun anhand einer zwitschernden Standuhr ein Toolkit, mit dem beliebige Objekte Teil des sozialen Netzwerks werden können, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.

Eine ungeklärte Rechtslage mehr, als gäbe es davon im Urheberrecht nicht schon genug. Das BGH hat sich jetzt über die Rechtslage beim Einbetten von Youtube-Videos ohne Erlaubnis der Urheber geäußert:

Das Framing fremder Videos soll künftig als Urheberrechtsverletzung eingestuft werden. Das wünscht sich der Bundesgerichtshof (BGH), der die Frage an diesem Donnerstag aber nicht selbst entschied. Er legte den Fall vielmehr dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg vor, damit dieser eine EU-einheitliche Entscheidung treffen kann.

Mehr bei der taz unter “BGH-Beschluss zum Framing: Der Streit geht auf die höhere Ebene

Und zum Abschluss mal wieder etwas (unfreiwillig) witziges: Die FAZ hat sich die Mühe gemacht, die “besten” Tweets von Boris Becker zu sammeln, unter „Bb hat heute zahnschmerzen …autsch !“ findet man u.a. folgende Stilblüte des Mannes, der vermutlich besser beim Tennis geblieben wäre:

10. Dezember 2012 (zum Friedensnobelpreis für die EU): „Grosser Bewunderer von Angela Merkel! Ich bin sehr stolz und werde Patriot, als Sie Friedensnobelpreis gewonnen hat !!!“

Lesenswertes: Impressumsfehler und Abmahnungen, Twitter und Bluefin Labs, Zehn-Tage-Regel bei Empörungen und das PeerBlog

Das kann teuer werden: Wie allfacebook.de berichtet, haben professionelle Abmahner vor Gericht einen erneuten Sieg davon getragen. Diesmal sind nicht nur Privatnutzer betroffen, die Abmahnungen wegen Urheberrechtsverletzungen bekommen haben, sondern die Betreiber von Facebook-Fanseiten, worunter fast alle Firmenseiten fallen.

Und zwar geht es um fehlerhafte bzw. unvollständige Impressen. Und das durchaus im großen Stil, laut allfacebook.de wurden nachweislich über 180 Abmahnungen innerhalb einer Woche verschickt:

Dabei berief sich das abmahnende Unternehmen auf das Landgericht Aschaffenburg. Dieses hatte mit dem Urteil vom 19. August 2011 (Az.:2 HK O 54/11) entschieden, dass Facebookseiten ein Impressum benötigen. Zumindest solche, die nicht rein privat sind [...].

Dieses Urteil wurde vom Landgericht Regensburg ohne weitere Ausführungen bestätigt. Die Facebookseite ist ein selbständiger “Kanal”, mit dem entgeltliche Leistungen beworben werden. Punkt.

Weiter wird gewarnt, dass das Beispiel Schule machen könnte, allfacebook.de verweist dabei auch auf missliebe Konkurrenten:

Jedoch ist die Entscheidung zunächst in der Welt und mit ähnlichen Fällen ist zu rechnen. Auch mir wurden schon Abmahngeschäfte mit Impressumsfehlern bei Facebook vorgeschlagen. Dazu kommen in steigender Anzahl “anonyme” Tippgeber die mich (sinnloserweise) bitten, gegen ihre Konkurrenten vorzugehen. Nach dem jetzigen Urteil wird sich diese Tendenz sicher verstärken.

Den ganzen Artikel über den Prozess kann man unter der Überschrift Impressumsfehler auf Fanseiten – Massenabmahner siegen vor Gericht finden.

Wie Twitter gestern bestätigte, hat der Microbloggingdienst aus Amerika die Firma Bluefin Labs übernommen. Im Gespräch sind Summen von 40 bis 80 Millionen Dollar, das wäre dann die teuerste Übernahme in der Geschichte von Twitter. Bluefin Labs ist ein Dienst, der sich auf die Messung von TV-Reichweiten im Social Media-Bereich spezialisiert hat, die Übernahme zielt vermutlich vor allem auf die Erhöhung der Werbeeinnahmen durch gezieltere Werbung.

Das deutsche Wall Street Journal hat bereits im Vorfeld der Übernahme folgende Einschätzung abgegeben:

Darum wird es zumindest zum Teil Aufgabe von Bluefin sein, nach der Übernahme durch Twitter genau diese Deals mit potenziellen Werbekunden unter Dach und Fach zu bringen. Bluefin muss dafür sorgen, dass sowohl die Programmanbieter, aber auch die Marketingabteilungen den Wert des sozialen Netzwerkes erkennen und nicht nur einmal, sondern immer wieder investieren.

Mehr im Wall Street Journal unter: Warum Twitter Bluefin kauft – und warum sich Bluefin kaufen lässt.

In einem lesenswerten Kommentar setzt sich Rainer Stadler mit der Frage auseinander, wie lange ein Thema bei den Medien heiß läuft, seiner Meinung nach wird nach gut 10 Tagen schon die nächste Sau durch das (digitale) Dorf getrieben:

Statistisches zum Aufstieg und Niedergang von Skandalen ist mir nicht bekannt, doch erfahrungsgemäss dürften Empörungswellen nach zehn bis vierzehn Tagen ausklingen. Diese Faustregel scheint auch für die derzeitige Debatte um Sexismus zu gelten. Nach dem Startschuss des «Sterns» am 24. Januar meldeten sich Anfang dieser Woche bloss noch Nachzügler zu Wort.

Den ganzen Kommentar findet man bei der Neuen Züricher Zeitung unter der Überschrift: Die Zehn-Tage-Regel bei Empörungen.

Apropos Empörung: Dass Unternehmen ein Blog finanzieren, das Peer Steinbrück im Wahlkampf unterstützt, löst nicht gerade große Zustimmung im Netz aus. Die Mehrheit hält das Vorgehen nicht für sauber, einzelne Stimmen verteidigen das sogenannte “PeerBlog” jedoch auch. Bei Görs Communications sind wir uns noch unschlüssig, ob das Blog Steinbrück nützen wird, wenn der Start so holprig verläuft, statt hier im Blog eine Meinung einzunehmen, verweisen wir lieber auf die interessantesten Einschätzungen:

“Indiskretion Ehrensache” ist recht klar im Urteil, im Beitrag Das Peerblog: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde vertritt Autor Thomas Knüwer die Meinung, dass die “Freunde” Peer Steinbrück einen Bärendienst erwiesen haben. “Medistus Online News Magazin” beurteilt dies ähnlich, unter Das Peerblog – Wahlkampf nach US-Vorbild ein Schuß in den Ofen? wird vor allem die intransparente Finanzierung bemängelt. Deutlich differnzierter betrachtet Klaus Eck die Causa rund um das PeerBlog, trotz einiger Mängel schreibt er das Projekt unter Viel Lärm um nichts: das Peerblog noch nicht vollkommen ab.

Urheberrechtsverletzungen im Internet: Abmahnungen künftig in vernünftigen Dimensionen?

Ja, wir wollen das Urheberrecht in seiner Substanz erhalten, wir sind aber auch dafür, Auswüchse einzudämmen und bei den Abmahnungen wieder zu vernünftigen Dimensionen zu kommen.

So die zuständige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger über das “Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken“, das nächste Woche (vermutlich am 6. Februar) durch das Kabinett gewunken werden soll. Dadurch erhofft sich die Bundesregierung, endlich eine Lösung für ein Problem geschaffen zu haben, dass seit Jahren die Netzgemeinde umtreibt, und zwar will man die im Netz als “Abmahnindustrie” verspotteten Abmahnungen von Rechtsanwälten gegen Filesharer auf ein vernünftiges und für alle Seiten erträgliches Maß schrumpfen.

Der Hintergrund ist schnell erklärt: Bei den Tauschbörsen im Internet werden trotz aller bisherigen Maßnahmen weiterhin jede Menge Filme, Serien und Musikstücke kopiert. Viele Nutzer (also Kopierer) sind sich a) nicht bewusst, dass das nicht legal ist oder b) schätzen die Chance, erwischt zu werden, als vernachlässigbar ein. Was für die Musik- und Filmindustrie natürlich ein Ärgernis ist. Um das Treiben zu minimieren, räumen sie bestimmten Rechtsanwaltskanzleien das Recht ein, die Urheberrechtsverletzungen abzumahnen. Soweit, so gut. Das Ganze wuchs sich jedoch zunehmend zu einem Problem aus, als die Rechtsanwaltskanzleien merkten, dass das ein sehr lukrativer Markt ist, wenn man nur die moderne Technik einsetzt und “dreist” vorgeht.

Statt einzelne Nutzer abzumahnen, werden die Tauschbörsen vollautomatisch nach Urheberrechtsverletzungen durchsucht, die Urheberrechtsverletzer bekommen dann eine Abmahnung zugestellt, die ebenfalls zu gut 99% automatisch erstellt ist. Und die hat es meist in sich, neben einer Unterlassungserklärung werden Summen vom Kopierer verlangt, die alles andere als angemessen sind, meist um die 800 Euro für einen einzigen Song. Lässt sich der Kopierer auf einen Rechtsstreit ein, bestand in der Vergangenheit häufig die Möglichkeit, die Summe vor Gericht zu drücken, da 800 Euro für einen Song, der für 99 Cent legal erworben werden kann, jede Relation sprengt.

Jedoch stellt sich die Frage, ob es sich wegen 800 Euro lohnt, den Rechtsstreit vor Gericht auszutragen. Selbst wenn die Summe von 800 auf 100 Euro gesenkt werden können, entstehen immer noch Rechtsanwaltskosten und ein Zeitaufwand, der die Ersparnis nahezu auffrißt. Deshalb haben in der Vergangenheit sehr viele erwischte Kopierer die Zähne zusammengebissen und gezahlt. 800 Euro überweisen, sich ärgern, aber die Sache ist erledigt.

Und das wurde von der sogenannten “Abmahnindustrie” ausgenutzt: Laut einer Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentralen wurden schon etwa 4,3 Millionen Deutsche abgemahnt. Und wenn von den 4,3 Millionen nur jeder dritte die 800 Euro umstandslos überweist, also den Rechtsweg ausschlägt, dann kommt eine verdammt hohe Summe zusammen, ein wirklich lukrativer Markt für umtriebige Rechtsanwälte.

Was bringt das Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken?

Zunächst einmal soll zukünftig ein maximaler Betrag von gut 150 Euro eingefordert werden können – wenn der Nutzer zum ersten Mal eine Urheberrechtsverletzung begeht. Ein Betrag, der wieder einigermaßen in Relation zu der Tat steht und das massenhafte Abmahnen weniger lukrativ macht. Entsprechend jubeln auch schon viele Zeitungen und Blogs auf, die TAZ titelt mit Weniger Kohle für Abmahn-Anwälte, die SZ mit Gesetz zum Verbraucherschutz: Maximal 155 Euro für die erste Abmahnung und der Focus spricht von den neuen Anti-Abzocke-Regeln für Verbraucher.

In vielen Blogs hält sich der Jubel jedoch in Grenzen, dort heißt es etwa Deckelung der Abmahnkosten kommt – ein bisschen vielleicht demnächst… oder das Gesetz wird gleich als Placebo bezeichnet. Wobei die Kritiker an dem Gesetz, um das seit Monaten gerungen wird, ebenfalls gute Argumente haben. So wird das Gesetz explizit nicht auf “gewerbliche” Fälle ausgedehnt, was sich logisch anhört, schließlich soll ja niemand mit Urheberrechtsverletzungen Geld verdienen. Aber in de Vergangenheit wurde etlichen Tauschbörsen-Benutzern bereits ein gewerbsmäßiges Vorgehen vorgeworfen, wenn gleich mehrere Songs anboten wurden – ohne dass ein Cent geflossen ist. Die Grenze müsste also deutlich genauer gezogen werden.

Außerdem ist die Antwort auf das Problem der sogenannten “Störerhaftung” nicht befriedigend, also der Sachverhalt, dass der Inhaber des Internetanschlusses abgemahnt wird, selbst wenn er selbst kein Urheberrechtsvergehen begangen hat, etwa weil sein W-Lan geknackt wurde. Aber noch ist das Gesetz nicht endgültig beschlossen, hier auf dem Blog berichtet Görs Communications weiter, sobald Nägel mit Köpfen gemacht wurden.

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