18/06/2019

Webperlen: AdBlocker wirkungslos, PR, Hamburg, Drosselkom und Facebook-Algorithmen

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • AdBlocker ab heute wirkungslos: Publisher gehen in die Offensive
  • PR übernimmt den Journalismus
  • Twitter: HVV-Fake bringt Hamburg zum Lachen
  • Gericht stoppt Drosselpläne der Telekom
  • Die App für die Berghain Schlange
  • Offline! Start-ups, die 2013 bereits gescheitert sind
  • Hoffnung für Text-Profis: Google versteht jetzt (vielleicht) auch Journalismus
  • Das wichtigste Foto für die Biologie des 20. Jahrhunderts
  • To-Do-Software: 10 Tools, um Aufgaben zu verwalten
  • Event, Event, die Kindheit brennt
  • Homöostasis
  • Soziale Netzwerke: Facebook weiß, ob die Partnerschaft hält

Das ewige Hickhack zwischen den Nachrichtenseiten und den Programmierern von Werbeblockern geht in die nächste Runde. Wie Online Marketing.de berichtet, sind AdBlocker ab heute auf bestimmten Portalen wirkungslos, die Publisher gehen in die Offensive (via):

Wer die Webseite von PC Games, PC Games Hardware oder buffed mit einem AdBlocker betritt, wird sich wundern. Auf diesen Seiten sind AdBlocker wirkungslos, die Werbeanzeigen werden regulär ausgespielt. [...]
Ein deutsches Startup, welches zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genannt werden soll, steckt hinter der Technologie.

Welchen Einfluss hat PR auf die Berichterstattung? Laut dem Onlinemagazin “politropolis” einen sehr enormen, PR übernimmt geradezu den Journalismus, was sich nicht zuletzt am Verhältnis der Journalisten zu den PR-Fachleuten (in USA) zeigen würde:

Im Jahr 1980 gab es etwa 0,45 PR-Arbeitnehmer pro 100.000 Einwohner im Vergleich zu 0,36 Journalisten. Im Jahr 2008 gab es 0,90 PR-Leute pro 100.000 im Vergleich zu 0,25 Journalisten. Das ist ein Verhältnis von mehr als drei-zu-eins. Und dabei ist PR gegenüber dem Journalismus erheblich besser ausgestattet und besser finanziert.

Wir wünschen allen Fahrgästen viel Erfolg beim Heimweg. So ein Herbstspaziergang ist was feines“: Während so mancher über den Sturm in Hamburg verzweifelte, hatte man auf Twitter jede Menge Spaß. Ganz vorne: Ein Account, der sich als Hamburger Verkehrsbetrieb ausgab und richtig schön zynische Tweets verfasste:

Wer so schlau war, sich über Twitter zu informieren, stolperte früher oder später über den Account @hvvhamburg – und hatte damit einen lustigen Abend. Jedenfalls sobald er verstanden hatte, dass hier nicht die echte Hamburger Hochbahn twitterte.

Das “sobald er verstanden hatte” galt offenbar nicht für gewisse Politiker, wie Renate Künast von den Grünen unter Beweis gestellt hat:

KünastHumor

Ein Sieg für den Verbraucherschutz – und natürlich vor allem für die “Heavy User”. Das Kölner Landgericht hat die Drosselpläne der Telekom – im Netz als #Drosselkom verspottet – gestoppt:

Die Deutsche Telekom darf nach einer Entscheidung des Kölner Landgerichts die Surfgeschwindigkeit bei Pauschaltarifen nicht einschränken. Eine entsprechende Vertragsklausel erklärte das Kölner Landgericht am Mittwoch für unzulässig.

“There is an app for everything”, selbst für die Schlange des Berliner Szene-Clubs Berghain (via). Am Nullpunkt der Start-Up Kultur kommste immer rein:

Ihr mögt es nicht glauben, aber beim Techcrunch Hackathon in Berlin wurde ernsthaft eine App gebastelt, deren Versprechen ist: mit mir kommst du ins Berghain.

Aus der Traum, zum Unternehmertum gehört zwangsläufig auch immer das Scheitern. Eine Binsenwahrheit, die jedoch für Start-ups umso mehr zutrifft, deutsche-startups.de (via) berichtet über Start-ups, die 2013 bereits gescheitert sind:

Leider sind auch in den ersten neun Monaten dieses Jahr wieder etliche deutsche Start-ups und Online-Projekte für immer von der digitalen Bildfläche verschwunden. Zuletzt segneten unter anderem der Berliner Fotodienst 7moments, das noch junge Hotel-Start-up Hipaway und MyDryclean.de, ein Lieferdienst für Textilreinigungen, das Zeitliche.

Ein angenehmer Nebeneffekt vom neuen Google-Patent? Dank “Gibberish Scores” könnte zukünftig das Interesse an guten Texten von Text-Profis steigen, wie “Lousy Pennies” (via) unter “Google versteht jetzt (vielleicht) auch Journalismus” ausführt:

Durch diese Entwicklung steigt die Chance, dass Google Webseiten hervorhebt, die nach journalistischen Maßstäben befüllt werden. Werden diese Seiten von Unternehmen erstellt, werden sie Profis für ihre Inhalte benötigen. Kurz: Journalisten und Fachautoren.

Auf ScienceBlogs verlinken wir hier in der Webschau viel zu selten, häufig finden sich dort spannende Themen so aufbereitet, dass auch Laien sie verstehen. Und zum Teil sogar zu Hause nachexperimentieren können, wie etwa bei “Das wichtigste Foto für die Biologie des 20. Jahrhunderts“:

Man muss die Mechanismen der Röntgenkristallographie nicht im Detail verstehen; aber bewaffnet mit einem Laserpointer und einem Kugelschreiber kann man ganz einfach selbst ein solches Helix-Kreuz erzeugen, damit ein bißchen Wissenschaftsgeschichte rekapitulieren und vielleicht sogar nachempfinden, weshalb es Watson so sehr inspirierte.

Immer alles schön der Reihe nach abarbeiten! t3n (via) stellt (ausführlich!) 10 Tools, um Aufgaben zu verwalten, vor:

Spätestens, seit David Allen seine Getting-Things-Done-Methode vorgestellt hat, sind To-Do-Listen in aller Munde. Und so gibt es im Bereich der To-Do-Software inzwischen etliche Apps, die dabei helfen sollen, solche Listen schnell und effizient abzuarbeiten. Wir haben zehn davon getestet und zeigen euch, welche Vor- und Nachteile sie haben.

Ein wunderschön zu lesender Rant! Unter Event, Event, die Kindheit brennt (via) zieht die Autorin gegen die “Ritualdiktatur” von Schulen zu Felde:

Ich würde sogar noch weiter gehen und von “Ritualdiktatur” sprechen. Moderne Grundschulkinder können keinen Schritt mehr machen ohne das zugehörige Lied, die zugehörige Geste, das zugehörige Sprüchlein. Wo früher “trenne nie st, denn es tut ihm weh” einen gewissen inhaltlichen Bezug hatte, müssen heute Pausenlieder gesungen werden, und selbst der Toilettengang wird musikalisch eingeläutet.

Und gleich noch ein weiterer, gelungener Rant: Matthias Bauer zieht unter “Homöostasis” (via) gegen die ganzen schwachsinnigen Gesundheitstipps zu Felde:

Leider kann ich nicht so oft und so laut „Bullshit!“ schreien, wie ich gerne möchte und wie all diesen Themen angemessen wäre. Die Supermärkte und Bücherregale, die Fernsehprogramme und nicht zuletzt das Internet sind voller Selbsthilfe-Tipps, Lebensratgebern, Expertenmeinungen, und einfachen Schritt-für-Schritt-Anleitungen für irgendwelche Erfolge.

Und zum Abschluss der Webschau in diesem Blog noch ein Beitrag über Facebook. Genauer: Über die Möglichkeiten der Facebook-Algorithmen. Facebook weiß, ob die Partnerschaft hält:

Freundschaft, Partner, Clique: Bei Facebook läuft alles zusammen. Das soziale Netzwerk kann sogar vorhersagen, ob die Beziehung hält – ein neuer Algorithmus macht es möglich.

Webperlen: Twittern im Gerichtssaal, Verbraucherschützer vs. Telekom und die Sache mit den 82 Prozent

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Ist das Twittern im Gerichtssaal erlaubt
  • Verbraucherschützer mahnen Telekom ab
  • Hessische Verbraucherschutzministerin fordert Rückgaberecht für Apps
  • Nur Apple und Samsung machen mit Smartphones Gewinn
  • Mobile Payment tut sich schwer
  • Jedes fünfte Unternehmen hat keine Homepage

Twitter_NSU

Nach dem ewigen Hin und Her um die Akkreditierungen ging gestern der NSU-Prozess in den ersten Verhandlungstag – und auf Twitter wurde im Sekundentakt berichtet. Stellt sich nur die Frage, ob das Twittern im Gerichtssaal überhaupt erlaubt ist. Ja, ist es, und das Recht lässt sich auch nur schwer einschränken, meint Martin W. Huff, Rechtsanwalt und Lehrbeauftrager für Medienrecht an der Fachhochschule Köln:

Das Recht, aus dem Gerichtssaal Meldungen zu schreiben, ist Teil der Öffentlichkeit des Gerichtsverfahrens. Auch und gerade Journalisten dürfen sich dabei auf ihre Informationsfreiheit aus Art. 5 GG stützen, denn das rasche Verbreiten von Meldungen gehört heute zum medialen Alltag. Gründe, diese Freiheit einzuschränken, wären nur in ganz engen Grenzen möglich.

Mehr unter “Twittern aus dem Gerichtssaal kann nicht einfach verboten werden“.

Apropos Gericht, die Tempo-Drosselung der Telekom hat jetzt auch ein rechtliches Nachspiel:

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat die Deutsche Telekom wegen der Drosselungs-Klausel in neuen DSL-Verträgen abgemahnt. Das teilte der gemeinnützige Verein am heutigen Montag mit. Die Verbraucherschützer verlangen, dass die seit dem 2. Mai geltenden Klauseln wieder aus den DSL-Verträgen gestrichen werden. Sie ermöglichen es der Telekom, die Geschwindigkeit des Internetzugangs auf 384 kBit/s zu drosseln, wenn ein bestimmtes monatliches Datenvolumen erreicht wurde.

Mehr auf “heise” unter “Flatrate-Kappung: Verbraucherschützer mahnen Telekom ab“.

Zunächst denkt man, dass die hessischen Verbraucherschützer wohl zu viel Zeit haben, aber dann ergibt es doch (etwas) Sinn. Die Hessische Verbraucherschutzministerin fordert Rückgaberecht für Apps:

Gekauft ist gekauft gilt für Apps bisher und sollte sich eine App als Fehlkauf erweisen, können Kunden nur auf die Kulanz des App-Store-Betreibers hoffen. Die hessische Verbraucherschutzministerin fordert die Bundesregierung nun auf, sich für ein Rückgaberecht einzusetzen.

Was für Kleidung gilt, sollte auch für digitale Güter gelten. Zumindest sollen Konsumenten die Möglichkeit bekommen, die Ware zu begutachten. Dies könnte auch in Form einer Demoversion von Software, Apps oder Musik (!) geschehen.

Von den Apps zu den Smartphones: Wie eine Studie gezeigt hat, verdienen allein Apple und Samsung mit den Smartphones Geld:

Der Studie zufolge entfielen auf Apple 57 Prozent aller Branchengewinne. Samsung war zwischen Januar und März für die restlichen 43 Prozent verantwortlich. Im vierten Quartal 2012 lag Apples Anteil noch bei 72 Prozent, was darauf hindeutet, dass Samsung den Abstand zum iPhone-Hersteller auch bei der Profitabilität verkürzt hat. Canaccord erwartet, dass Samsungs Anteil im zweiten Quartal weiter ansteigen wird.

Mehr unter “Nur Apple und Samsung machen mit Smartphones Gewinn“.

Ein generelles Problem, den Smartphone-Markt zu monetarisieren, besteht in den bisher eher als unzureichend oder unsicher wahrgenommenen Bezahlsystemen:

Fast die Hälfte der Smartphone-Besitzer über 14 Jahre (49 Prozent) nutzt ihr mobiles Endgerät stets und überall. Das sagt eine Studie von TNS Infratest und dem Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW), Nur beim Bezahlen bleibt das Handy stecken.

Mehr unter: “Mobile Payment tut sich schwer“.

Um überhaupt im (oder mit dem) Internet Geld zu verdienen, hapert es häufig schon an den einfachsten Dingen – wie z.B. einer eigenen Homepage (und das im Jahre 2013!). Laut Bitkom (via) sind nur 82 Prozent der deutschen Unternehmen im Web mit einem eigenen Auftritt präsent:

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit auf dem 6. Platz. Spitzenreiter sind die skandinavischen Länder Finnland (91 Prozent), Dänemark und Schweden (je 89 Prozent), gefolgt von den Niederlanden und Island (je 84 Prozent). Das teilte der Hightech-Verband BITKOM mit. „Wer auf seine Visitenkarte im Netz verzichtet, verschenkt die Chance, sich seinen Kunden zu präsentierten und vor allem neue Kunden zu gewinnen“, sagt BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf.

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

Webperlen: Grimme Online Award, 50 Milliarden Apps, Pressefinanzierung,”asoziale Netzwerke” und die Telekom

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Grimme Online Award: Nominierte 2013
  • Bald 50 Milliarden Apps von Apple geladen
  • Apple und Samsung wollen dieses Jahr 110 Millionen Tablets verkaufen
  • Pressefinanzierung durch Rundfunkgebühr
  • “Asoziale Netzwerke”: ZDF-Reporter Rethy wehrt sich gegen Internet-Hetze
  • Generation Praktikum
  • Frischer Stoff für die These vom schrumpfenden Suchtraffic
  • Die neuen AGB der Telekom sind da

Heute gibt es hier im Blog die erfreulichen Dinge zuerst: Das Grimme Institut hat die Nominierungen für den Grimme Online Award 2013 bekannt gegeben. Die Nominierungskommission hat dabei erstmals das Kontingent der möglichen Nominierungen voll ausgeschöpft und 28 Nominierte aus rund 1.600 Vorschlägen ausgewählt. Alle Teilnehmer (samt jeweiliger Begründung) finden sich hier auf de Webseite des Grimme Instituts.

Was zu feiern gibt es auch bei Apple:

Der App Store rennt auf einen neuen Meilenstein zu. Bald wurden 50 Milliarden Anwendungen aus Apples Software-Shop für iOS geladen. Aus diesem Anlass startet Apple ein neues Gewinnspiel, erster Preis ist eine App-Store-Karte im Wert von 10.000 Dollar. Aktuell befindet sich der Zähler bei 49,2 Milliarden Downloads.

Das wären pro Erdenbewohner rein rechnerisch sieben Apps – mehr Infos über Apples Meilenstein unter “Bald 50 Milliarden Apps geladen: Apple startet Countdown und Gewinnspiel“.

Ähnlich erfreulich entwickeln sich zudem auch die Tablet-Verkaufszahlen, zusammen wollen Apple und Samsung dieses Jahr 110 Millionen Tablets verkaufen.

Eine staatlich finanzierte Lösung für die Krise des Journalismus? Die FAZ kritisiert den Vorstoß von Nordrhein-Westfalens Medienstaatssekretär Marc Jan Eumann scharf, mit den Rundfunkgebühren eine Journalismus-Stiftung zu finanzieren, da hierdurch die Unabhängigkeit der Presselandschaft gefährdet werden würde:

Die privaten Medienhäuser müssen um der Pluralität der Medienlandschaft willen unter allen Umständen ihre Freiheit wahren. Sie müssen alle auch noch so subtil daherkommenden Versuche abwehren, in den Markt der freien Presse einzugreifen. Mit der Vergabe quasistaatlicher Recherchestipendien und der Finanzierung von Imagekampagnen ist schon eine Steuerungsfunktion verbunden. Denn wer entscheidet, welche Recherchethemen opportun sind? Und wer legt fest, welches Medium es wert ist, eine gebührenfinanzierte Akzeptanzförderung zu bekommen und welches Medium nicht?

Der gesamte Kommentar findet sich unter “Pressefinanzierung durch Rundfunkgebühr: Da muss das Misstrauen wachsen“.

“Bis eben Riesenlust auf den heutigen Fußballabend gehabt”, twitterte jemand vor dem Spiel, “Dann wurde Béla Réthy als Kommentator angekündigt”: Witzige Tweets, außer natürlich für Béla Réthy selbst. Der Fußball-Moderator wird – verdient oder unverdient, das sei hier mal dahingestellt – im Netz mit Häme überzogen, insbesondere, wenn er einen Schnitzer baut. Offensichtlich geht die ganze Häme nicht spurlos an ihm vorbei, der ZDF-Reporter Rethy wehrt sich jetzt gegen die Internet-Hetze (via):

Der mehrfach ausgezeichnete Béla Réthy, seit 1987 fest als Redakteur beim ZDF angestellt, sieht sich solchen Kritiken mittlerweile oft ausgesetzt. “Durch die Existenz der sozialen oder häufig asozialen Netzwerke hat das zugenommen”, sagt er. “Das ist ein neues Hobby, es betrifft alle Kollegen.” Es sei in Deutschland sehr beliebt, anonym Menschen zu beschimpfen.

Immerhin wird Béla Réthy anständig bezahlt, was man von der Generation Praktikum nicht behaupten kann:

Viele meiner Freunde haben zwei oder mehr unbezahlte Praktika gemacht.
Das ist mittlerweile vollkommen normal. Aber was sie dann erwartet sind nicht selten befristete Arbeitsverträge. Und das jahrelang. Viele meiner Freunde wurden nach der Ausbildung nicht übernommen. Die Arbeitslosigkeit ist gering, aber was sind das für Jobs die uns erwarten? Viele gut ausgebildete junge Leute hangeln sich von einem Zeitvertrag und Honorarjob zum nächsten.

Zahlen, die für alle interessant sind, die im Bereich SEO, Digital Relations oder Social Media arbeiten:

Aber allein die Tatsache, dass Facebook im März 50 Prozent mehr Besucher zu den 200 Publishern senden konnte als Google [...] muss den Suchmaschinengiganten beunruhigen. Es bestätigt zwar die damalige Vermutung der Unternehmensführung, dass Social sich zu einer massiven Konkurrenz im Kampf um die Aufmerksamkeit und Werbebudgets entwickelt, zeigt aber auch, dass gegen diesen Relevanzverlust als Trafficquelle für Medienangebote bisher kein Rezept gefunden wurde.

Mehr darüber, dass Social Media zunehmend die klassische Suchmaschine ersetzt, unter “Analyse von Buzzfeed: Frischer Stoff für die These vom schrumpfenden Suchtraffic“.

Und zum Schluss ein Nachtrag zu den Drosselplänen der Telekom: Der Konzern lässt die Kritik anscheinend an sich abperlen, jetzt sind sogar die offiziellen AGBs der Telekom da:

Basic, Comfort und Comfort Plus: 75 GB, Comfort VDSL, Comfort VDSL, Comfort IP SPeed mit VDSL 50: 200 GB, Comfort IP (Speed) mit Fiber 100: 300 GB, Comfort IP (Speed) mit Fiber 200: 400 GB. Was in den AGB nicht zu finden ist? Start der Drosselung. Laut AGB könnte die Deutsche Telekom ab sofort drosseln.

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

Netzneutralität in Gefahr? Stimmen zur Tempo-Drosselung der Telekom

Während die Talkshows von Uli Hoeneß, die Zeitungen vom Götze-Wechsel und natürlich dem 4:0 der Bayern und dem 4:1 der Dortmunder dominiert werden, schreibt sich das halbe Netz die Finger über die neuen Internet-Tarife der Telekom wund. Dabei werden die bisherigen DSL-Tarife des ehemaligen Monopolisten ab Mai durch  vier Varianten abgelöst werden, wobei der Basistarif 16 Mbit/s bei einem Maximalvolumen von 75 GB bietet und die leistungsstärkste Variante 200 Mbit/s bis zu einem maximalen Kontingent von 400 GB. Überschreitet ein Nutzer das Volumen, kann er entweder zusätzliches Volumen hinzubuchen oder er muss mit stark gedrosseltem Tempo durch’s Internet surfen. 384 Kbit/s, um genau zu sein, was eine Temporeduzierung auf 2,4 Prozent (höchstens!) bedeuten würde.

Insgesamt hört sich das nicht wirklich spannend an, aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Dabei ist für viele Kommentatoren im Internet noch gar nicht mal das gedrosselte Tempo (“…langsamer als eine Stechmücke“) oder die Größe der Datenpakete entscheidend, sondern ein kleiner, aber feiner Nebenaspekt. Die Telekom, die die volumenbegrenzten Flatrates als “neue Spielregeln” bezeichnet, hat gleichzeitig angekündigt, dass die eigenen Dienste wie “Entertain” oder die Kooperation mit dem Musikstreamingdienst “Spotify” nicht unter die Drosslung fallen. D.h., dass jemand, der seine 75 GB verbraucht hat, im Schneckentempo unterwegs ist, außer er nutzt Telekom-Dienste oder Telekom-Kooperationen.

Und genau diese Besserbehandlung bringt die Netzgemeinde so sehr auf, dass sich jetzt sogar Wirtschaftminister Rösler genötigt sah, den Telekom-Chef Obermann darauf hinzuweisen, dass die zuständigen Behörden das Vorgehen “sehr sorgfälltig beobachten”.  Grund hierfür ist die sogenannte “Netzneutralität“, die bisher dem Datentransfer im Internet zugrunde lag. Wenn die Tarifpläne der Telekom umgesetzt werden, würden nicht mehr alle Datenpakete gleich, sondern je nach Absender ungleich behandelt werden. Es würde eine Art “digitale Diskriminierung” entstehen, wie die Piratenpartei meint. Und dadurch wird ein Dammbruch befürchtet, auch wenn die Konkurrenten der Telekom (bisher) verneinen, auf den Zug aufspringen zu wollen.

Die Diskussion dreht sich also nicht um schnöde Tarifänderungen, sondern um das Prinzip (der Netzneutralität). Und wie immer, wenn es um das Prinzip geht, heizt sich die Diskussion erst richtig auf, einzelne Politiker fordern sogar schon, dass das Netz wieder verstaatlicht wird – es schwirren so viele Links, Artikel und Blogposts und Twittermeldungen durchs Internet, dass so mancher ein paar Meter über das Ziel hinausschießt. Um trotzdem einen Überblick über die Stimmungslage zu bieten, haben wir ein paar Stimmen aus dem Netz gesammelt.

Stimmen zur Tempo-Drosselung und der Netzneutralität

Für die Kunden ergeben sich durch differenzierte Angebote neue Möglichkeiten einen nach den individuellen Bedürfnissen zugeschnittenen Tarif zu finden. [...] Was spricht dagegen dies zuzulassen? Durch eine gesetzlich festgeschriebene Netzneutralität würden Produkt- und Tarifinnovationen verhindert. Ökonomisch betrachtet, ist die Abkehr vom Prinzip einer strikten Netzneutralität also durchaus effizient.

ÖkonomenBlog

Wenn Preisdifferenzierung nicht möglich ist und jeder das Selbe für eine Flatrate gleicher Geschwindigkeit zahlt, dann stauen sich irgendwann die Daten und jeder muss tiefer in die Tasche greifen, egal, ob er das Internet nun zum gelegentlichen Surfen oder zur Dauerübertragung riesiger Datenmengen nutzt.

Blog des Liberalen Instituts

In ihrem Blog titelte die Telekom einmal von “neuen Spielregeln” für das Netz. Aber nicht die Telekom legt die Spielregeln fest und der ominöse Markt regelt sich auch nicht selbst. Der Markt wird von der Politik geregelt und die Telekom macht mit dieser arroganten Überschrift deutlicher denn je, warum eben diese Regulierung nötiger ist denn je.

Die Raummaschine

Die heutige Ankündigung der Deutschen Telekom ist nicht mehr und nicht weniger als ein Offenbarungseid. Seht her, wir haben in all den Jahren verpennt uns neu zu positionieren. Ja im Grunde genommen sind sie nie über die Evolutionsstufe des “wir legen dir einen Internetanschluss” bzw. “hier ist dein Mobilfunkvertrag mit Vielsurfer-Paket” hinausgekommen und erhalten dafür nun die Rechnung.

Mobile Geeks

Der Krieg der Inhalte- und Dienste-Anbieter ist eröffnet. Spotify und die Telekom haben den Anfang gemacht, als Telekom-Mobil-Kunden der über Spotify entstehende Traffic nicht mehr auf ihren Datenverbrauch angerechnet wurde.

Spreeblick

Das schrittweise Aushebeln der Netzneutralität durch die Telekom, erst durch das Bundling mit Spotify, dann durch eine Kooperation mit Evernote, jetzt durch die Veränderung der Tarifstruktur und der Exklusion der IPTV-Inhalte der Telekom, sorgt für eine Ungleichbehandlung der Daten und geht damit zu Lasten der Kunden und der Vielfalt im Netz.

Lummaland

Netzneutralität muss vom Lippenbekenntnis zur gesetzlich festgeschriebenen Garantie werden. Und Internetanbieter müssen an ihre gesamtgesellschaftliche Verantwortung erinnert werden. Notfalls durch Verstaatlichung. Denn sie sind dem Gemeinwohl verpflichtet.

spektrallinie

Was die Telekom macht, ist nur ein Vorstoß. Wenn aber die anderen großen Anbieter nachziehen, ist somit die Netzneutralität ganz entscheidend in Gefahr. Denn dann ist es auch ganz einfach, irgendwann komplett zu bestimmen, welche Medien wir lesen, welche Plattformen wir nutzen und was wir überhaupt im Internet so machen. Ganz wie in China eben.

Gemacht mit Liebe

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

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