21/09/2019

Webperlen: Startups, Roboter in der Schule, Betahaus und Facebook im Wahlkampf

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Wie Unternehmen Startups fördern und selbst davon profitieren
  • Roboter in der Schule
  • Im Neuland: Die Buchverlage und Creative Commons
  • Betahaus: Es fehlen noch 14.115 Euro für eine Rettung
  • So wählt das Netz: Die erstaunliche Aufholjagd der SPD
  • Facebook im Wahlkampf – total überschätzt
  • 100 Facebook Marketing Case Studies
  • GIFs tanzen lassen: GIF Dance Party

Das beste Geschäft ist immer das, bei dem beide Seiten gleichermaßen profitieren: Auf “Netzwertig.com” (via) wird über Accelerator-Programme und davon, wie Unternehmen Startups fördern und selbst davon profitieren berichtet:

Y Combinator ist seit 2005 die Mutter aller Accelerator-Programme und zudem mit seinem Portfolio eines der erfolgreichsten weltweit. Bisher haben mehr als 500 Unternehmen das Programm durchlaufen, unter anderem AirBnB und DropBox. TechStars hat immerhin schon 168 Startups hervorgebracht, von denen noch 90 Prozent im Geschäft sind, darunter SendGrid und Orbotix.

Die Zukunft macht (zum Glück!) auch nicht vor der Schule halt. Im “Küchenradio” (via) gibt es einen hörenswerten Podcast zum Thema Roboter in der Schule:

Anja Tempelhoff ist Berlins erste ROBERTA-Lehrerin: Sie unterrichtet Robotik – vor allem für Mädchen.
Roberta ist ein vom Fraunhofer Institut entwickeltes Unterrichtsprogramm mit dem Ziel, mehr Mädchen für Informatik und Robotik zu begeistern (Jungs dürfen auch mitmachen). Technische Basis ist “Mindstorms”, das leicht zu programmierende Roboter-Set von LEGO.

Und ein weiterer spannender Beitrag zum Thema Urheberrecht: “iRights.info” geht der Frage nach, wie die Buchverlage mit Creative Commons umgehen:

Bei vielen Buchverlagen herrschen noch immer Vorurteile über Creative-Commons-Lizenzen. Es raube Einnahmen, alles müsse dann verschenkt werden. Ausnahmen sind selten. Dirk von Gehlen über seine Erfahrungen mit dem neuen Buch „Eine neue Version ist verfügbar”.

Mensch, Kreativszene in Hamburg, da muss doch mehr gehen! Beim Betahaus fehlen noch 14.115 Euro für eine Rettung:

Ende Juni verkündete das Betahaus, es habe einen Insolvenzantrag gestellt. Seitdem hat sich einiges getan. Ein Plan für die Zukunft des Betahauses steht; doch weiterhin fehlt Geld. Wie Gesellschafter Lars Brücher in seinem privaten Blog schreibt, bleiben noch wenige Tage, um 14.115 Euro zusammen zu bekommen – für eine Mietkaution.

Deutschlands älteste Partei und das Internet, offensichtlich kein Widerspruch. Wie die WirtschaftsWoche berichtet, gibt es bei den Twitter-Followern und Facebook-Fans eine erstaunliche Aufholjagd der SPD:

Denn zumindest bei Twitter und Facebook haben die Sozialdemokraten in den vergangenen vier Wochen deutlich aufgeholt. Als die WirtschaftsWoche mit dem Tool “So-wählt-das-Netz” am 22. Juli mit der Social-Media-Auswertung begann, lag die SPD nur bei zehn Prozent. Inzwischen hat sie sich kontinuierlich gesteigert und lag in dieser Woche mit 36 Prozent deutlich vorn.

340.000 Fans: Die Facebook-Seite zu Angela Merkel.

340.000 Fans: Die Facebook-Seite zu Angela Merkel.

Stellt sich nur die Frage, ob sich das auch auszahlt. DIE WELT meint “Facebook im Wahlkampf – total überschätzt“, wobei ein wichtiges Argument außer Acht gelassen wird, nämlich das Kosten-Nutzen-Verhältnis, was bei Social Media generell sehr gut ist. Trotzdem wirft der Artikel ein paar interessante Gedanken auf:

Nach wie vor sind die klassischen Medien, also Fernsehen, Zeitungen und Radio, die beliebtesten Kanäle bei Bürgern, die sich politisch informieren wollen. So gaben 70 Prozent der Teilnehmer an, dass sie von Parteien oder Politikern übers Fernsehen angesprochen werden möchten, dicht gefolgt von Zeitungen (65 Prozent) und Radio (54 Prozent).

Die sozialen Medien wie Facebook oder Twitter liegen deutlich dahinter: Auf diesen digitalen Wegen wollen nur 19 Prozent der Bevölkerung informiert werden.

Apropos Facebook: Thomas Hutter hat 100 Facebook Marketing Case Studies zusammengestellt:

Bei der Recherche für einen Vortrag rund Facebook Ads an der SuisseEMEX habe ich diverse Case Studies zusammengesammelt, heruntergeladen und auf scribd.com nach Themen/Branchen sortiert publiziert. Insgesamt kommen 107 unterschiedliche Facebook Marketing Case Studies auf meinem scribd.com Account zusammen.

Und zum Abschluss der Webschau hier im Blog ein Link (via), der absolut nutzlos ist – aber dafür herrlich zum Zeitverplempern geeignet ist. Das Kraftfuttermischwerk lässt die GIFs tanzen:

Riesenseite, auf der man interaktiv einen Dancefloor mit GIFs befüllen kann, die dann alle gemeinsam am Tanzen sind. Man kann sogar die Musik auswählen. Mein Tag ist somit verplant, auf sowas hat das Internet seit mindestens 37 Jahren gewartet. Nee, anders, genau für sowas wurde das Internet erfunden. Let’s have a GIF Dance Party!

 

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Webperlen: Das Betahaus in Hamburg, Länge von Webvideos und 10 Hochzeitsfotos abseits der Norm

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Warum Hamburg das Betahaus braucht
  • 30 schmutzige Berliner-Startup-Fakten
  • Wie lange darf es denn sein? – Über die Länge von Webvideos …
  • Einbrecher 2.0: Ich weiß, wo Du wohnst!
  • Reisegadget: Weltkarte zum Rubbeln für weit gereiste Angeber
  • Apple untersucht iPhone-Todesfall
  • Steinbrücks absurder Wahlkampf
  • 10 Hochzeitsfotos abseits der Norm

Seit das Betahaus in Hamburg – der einzig größere Co-Working-Place in der Stadt – vor kurzem Insolvenz anmelden musste, fürchtet so mancher, dass die digitale Bohème Hamburg künftig den Rücken kehren wird, da die Hansestadt immer weiter gegenüber dem ewig gehypten Berlin zurückfällt. Ein ziemlich guter Appell, warum Hamburgs Kreativwirtschaft auf das Fortbestehen des Betahauses angewiesen ist, findet sich auf Digital Media Women unter “Warum Hamburg das Betahaus braucht“:

Also: Zeit in die Hände zu spucken und den Standort selbst zu sichern. Ihr Googles und Facebooks, ihr XINGs, Qypes, Bigpoints, Innogames, Goodgames von Hamburg: Jetzt zeigt Berlin doch mal, dass es arm und unsexy ist und dass in Hamburg das Geld verdient wird. Greift euch den Think Tank/Nextmedia, die Kreativgesellschaft und Hamburg@Work, reißt euch zusammen, schließt euch zusammen und hängt euch bei einem neuen Digital Hub aus Betahaus und Internetinsel richtig mit rein. Es wird sich auszahlen.

Wo wir schon bei Hamburg vs. Berlin sind: Die Gründerszene hat 30 schmutzige Berliner-Startup-Fakten gesammelt:

Berliner Startups…

1. …speaken gerne in fancy Anglizismen, weil sie zu lazy zum Nachdenken sind und ihre Language als sozialen Code nutzen. Sie haben kein Büro, sondern ein Office, machen keine Anrufe, sondern Calls und sammeln auch kein Geld ein, sondern betreiben Fundraising. Darüber hinaus zählen diese Begriffe zu ihrem Standard-Repertoire und das zu den verbalen Eigenarten.

YouTube

Allenthalben wird moniert, dass das Internet die Aufmerksamkeitsspanne abgesenkt hat – und das wohl auch mit einer gewissen Berechtigung. Stefanie Aßmann wirft auf ihrem Blog die Frage auf, wie lange ein Webvideo denn sein darf:

Ich habe nur für mich festgestellt, dass ich bis zu einer Länge von etwa 15 Minuten, mir ein Webvideo in den meisten Fällen bis zum Ende anschaue. Alles was länger dauert, muss mich inhaltlich überzeugen, quasi bei Laune halten, sonst springe ich ab. Dann lese ich lieber einen Hintergrundbericht zum Thema.

Immer wieder tauchen im Netz Behauptungen auf, dass Einbrecher gezielt Facebook und Twitter durchsuchen, um leerstehende Wohnungen ausfindig zu machen. Das ZDF-Blog “Hyperland” hat sich jetzt die Mühe gemacht, der Behauptung nachzugehen, unter “Einbrecher 2.0: Ich weiß, wo Du wohnst!” erfährt man beispielsweise:

“Bloß nicht den Briefkasten überquellen lassen”, “Am besten eine Zeitschaltuhr nutzen”, “Lasst die Rollos oben”. Pünktlich zur Urlaubssaison kriechen sie wieder hervor, die guten alten Ratschläge, die verhindern sollen, dass das Haus leer steht, wenn man von der Reise zurückkommt. Seit ein paar Jahren kommen zusätzlich noch die Verhaltensregeln für Social Media dazu – die sind durchaus sinnvoll, aber ebenso mit Vorsicht zu genießen.

Für Reiselustige (bzw. für Reise-Angeber) hat DIE WELT eine Weltkarte ausgemacht, bei der man die besuchten Länder freirubbeln kann – die Weltkarte zum Rubbeln für weit gereiste Angeber:

Ein Souvenir zum Aufhängen für all diejenigen, die gern verreisen: Zuerst ist diese Wandkarte im Format von 58,2 x 81,9 Zentimeter nichts weiter als ein riesiges Rubbellos in den Farben Gold und Weiß. Doch das ändert sich nach jeder Reise. Dann wird ein neu besuchtes Land mit einer Münze sorgfältig freigekratzt.

Die Probleme im Hause Apple scheinen sich zu häufen, jetzt kam es in China sogar zu einem Todesfall, eine junge Frau starb, als sie mit ihrem iPhone telefonieren wollte, das sich noch am Netzteil befand. Apple untersucht iPhone-Todesfall:

Laut einem Bericht der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua behaupten die Angehörigen der jungen Frau, sie sei ums Leben gekommen, als sie versucht habe, einen Anruf zu beantworten, während der Akku ihres iPhones geladen wurde. Ein Beamter des Büros für öffentliche Sicherheit erklärte am Montag, dass eine erste „grundlegende Untersuchung“ ergeben habe, dass die Frau durch einen Stromschlag gestorben sei.

Wie ein Unfall mutet derzeit auch der Wahlkampf der SPD an. Obwohl die Regierung jede Menge Steilvorlagen liefert, gelingt es der Partei nicht, auch nur irgendwie aufzuholen. In der “Post von Horn” wird das gesamte Elend unter der bezeichnenden Überschrift “Steinbrücks absurder Wahlkampf” (via) analysiert:

Steinbrücks Wahlkampf wird zunehmend absurd. Immer stärker widerspricht er der Rationalität und Lebenserfahrung, mit der normale Menschen ihren Alltag ordnen. Der Zuschauer kann nur noch staunen: Die SPD mag nicht aufhören, sich zu täuschen. Neuer Höhepunkt des Selbstbetrugs durch Selbstsuggestion: Steinbrück glaubt, die SPD könne fünf Millionen ehemalige Wähler zurückgewinnen.

Und zum Abschluss der Webschau wieder etwas Witziges: Christian Brandes hat die wohl 10 peinlichsten Hochzeitsfotos zusammengestellt:

Zwei Menschen, ein Tag, Fehler werden nicht entschuldigt. Es ist nicht zuletzt die fehlende Reproduzierbarkeit, die das Event Hochzeit so besonders macht. Jedes Foto ist ein so genanntes Once In A Lifetime Picture. Umso wichtiger ist das Gelingen der Schüsse. Oder anders herum: Umso schwerer wiegen Schüsse, die daneben gehen.

Die Fotos findet man unter “10 Hochzeitsfotos abseits der Norm“.

 

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Twitterbarometer & Co.: Was bringen Meinungsermittlungen in sozialen Netzwerken?

 

So Sascha Lobo heute auf Twitter, als er sein neues Nebenprojekt (in Kooperation mit buzzrank.de) vorstellte. Beim Twitterbarometer handelt es sich um einen kostenlosen Dienst, der Tweets in Echtzeit auswertet. Gemessen wird die Verwendung von parteibezogenen, positiven oder negativen Hashtags wie #CDU- oder #SPD+. Also den Hashtags der Parteien, die mit einem Plus oder Minus versehen sind.

Der 90 Tage-Trend. Screenshot http://twitterbarometer.de/

Der 90 Tage-Trend. Screenshot http://twitterbarometer.de/

Das Vorgehen mit “+” und “-” hinter den Hashtags der Parteien ist einigermaßen praktikabel, da es ein ähnliches Tool (an dem ebenfalls Sascha Lobo beteiligt war) bereits 2009 gab, und es sich seitdem auf Twitter eingebürgert hat, ein “+” oder “-” hinter den Hashtags der Parteien zu setzen. Nicht zuletzt deshalb, weil man bei 140 Zeichen froh ist, wenn man durch ein einziges Zeichen seine Meinung ausdrücken kann. Deshalb dürften auch sehr viele Twitter-User, die nichts vom Twitterbarometer gehört haben, ihre Parteien-Hashtags mit “+” Oder “-” versehen, es werden also sehr viele Tweets erfasst, beileibe nicht nur von einer kleinen Minderheit, die zufällig von dem Tool gehört hat.

Was Twitterbarometer & Co. nicht leisten können

Was Twitterbarometer sicher nicht leisten kann, ist eine halbwegs tragbare Prognose für die Bundestagswahl abzugeben. Der Grund hierfür ist denkbar simpel, das Gleiche gilt auch für alle anderen Dienste, die Meinungen in sozialen Netzwerken ermitteln: Die Nutzer von sozialen Netzwerken sind einfach nicht repräsentativ. Twitter-Nutzer z.B. sind jünger als der Bevölkerungsdurchschnitt und dazu auch noch gebildeter. Facebook dagegen dürfte die Bevölkerung deutlich besser abbilden, aber selbst bei dem Massennetzwerk schlechthin dürfte noch eine starke Verzerrung festzustellen sein.

Dazu kommt dann noch im Fall von Twitterbarometer, dass der Dienst nicht unterscheidet, ob ein einzelner Twitter-User (der bei der Bundestagswahl nur eine Stimme hat) hunderte Tweets mit entsprechendem Hashtag absetzt, oder ob hunderte User (die jeweils eine Stimme bei der Bundestagswahl haben) jeweils einen Hashtag mit dem entsprechenden Hashtag absetzen. Durch eine kleine, sehr aktive Gruppe kann das Ergebnis also leicht verzerrt werden, zudem gibt es Gruppierungen wie die Piraten, die Twitter als Medium der politischen Kommunikation ansehen (und dementsprechend viel über Parteipolitik twittern), während diese Neigung bei den Anhängern der anderen Parteien vermutlich nicht so ausgeprägt ist.

Wohl gemerkt, das was über Twitterbarometer gesagt wurde, gilt für fast alle Meinungsermittlungen (und auch Umfragen) in den sozialen Netzwerken, ohne Repräsentativität ist die Aussagekraft der Daten immer limitiert.

Was Twitterbarometer & Co. leisten können

Auch ohne Repräsentativität sollte man Dienste wie Twitterbarometer jedoch nicht als reine, eher nutzlose Spielerei abtun. Sie ermöglichen einen guten ersten Eindruck, wie bestimmte Ereignisse bewertet werden, und das zeitnah. Kein Umfrageinstitut dieser Welt kann (jedenfalls nicht mit den derzeitigen Budgets) Stimmungen im Halbstundentakt abfragen, tägliche Umfragen sind da schon das höchste der Gefühle.

Dagegen können Twitterbarometer & Co. sogar zeigen (Stichwort Second Screen), wie die “Netzgemeinde” etwa auf beliebte Talkshows reagiert, und welche Argumente von welchen Politikern besonders gut verfangen. Zudem kann man sehr schnell sehen, welche Themen gerade heiß laufen, wer sich im Netz durchsetzt und auch, wer am besten im Netz mobilisieren kann.

 

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Das Ende vom PeerBlog: Digital Relations Learnings?

Es hat sich bereits am Mittwoch abgezeichnet, jetzt wurden Nägel mit Köpfen gemacht: Das PeerBlog ist definitiv Geschichte. Die Macher hinter dem Blog haben die Reißleine gezogen, aber von einem Mea Culpa kann nicht die Rede sein, stattdessen mussten Hackangriffe als Begündung herhalten (zitiert nach den Ruhrbaronen): “Hinter den Virus- und Trojaner-Attacken steckt die Hacker-Gruppe „T3AM M3DUSA“, die auf Twitter ankündigte, den PeerBlog auf Dauer anzugreifen. Damit bleibt peerblog.de faktisch offline. Wir sehen uns deshalb gezwungen, die Website vom Netz zu nehmen.”

Damit hat man sich eher schlecht als recht aus der Affäre gezogen, was angesichts der bisherigen “Performance” nicht weiter verwundert. Trotzdem sollte man sich fragen, was für Learnings aus der Unterstützer-Aktion gezogen werden können. Zum einen haben die Macher (bzw. Spender, angeblich hat das PeerBlog gut 100.000 Euro gekostet) die politische Kultur in Deutschland vollkommen falsch eingeschätzt. Es bringt nichts, ständig darauf hinzuweisen, dass solche Unterstützer-Blogs in Amerika gang und gäbe sind, wenn selbiges nicht auch für Deutschland gilt. Was dem Wähler in Texas zusagt, kann für den Wähler in Nordrhein-Westfalen eher abschreckend sein – außerdem funktionieren Wortspiele wie Wenn die Peer Group bloggtnicht, wenn der Kandidat Barack Obama heißt.

Außerdem hat man sich vorher offensichtlich keine Gedanken über die Stärken und Schwächen von Peer Steinbrück gemacht, denn sonst hätte man gemerkt, dass die zumindest derzeit größte Schwäche von Steinbrück das leidige Thema Finanzen ist. Also nicht die Staatsfinanzen, sondern seine persönlichen Finanzen. Und genau auf diese Schwäche hat das Blog eingezahlt. Unternehmer, die mal eben 100.000 Euro an der Parteienfinanzierung vorbei für Steinbrück locker machen – das hätte sich die Opposition nicht besser ausdenken können.

Nicht wenige Blogs haben zudem den schlechten (Schreib)Stil im PeerBlog kritisiert, während anderswo vom Bla-Revier geschrieben wird, kritisieren die Blogger auf ZEIT-ONLINE die Großmannssucht:

Es beginnt mit dem Ton. Der ist manchmal ziemlich plump: “Peer fordert zweites Duell – Merkel kneift”. Das könnte auch von der Pressestelle im Willy-Brandt-Haus kommen.

An anderen Stellen ist der Ton überaus großspurig. Kein geringerer als Barack Obama dient den Peer-Bloggern als Vorbild. Wie man gleich im ersten Absatz der Selbstdarstellung erfährt. Und, ja, auch die “arabischen Revolutionen” bezeichnen die Autoren lässig als ihre geistigen Paten. Kleiner geht es kaum.

Naja, das dürfte vermutlich eher Geschmackssache sein, außerdem müssen PR-Agenturen sich auch immer in ein Thema hineinschreiben, auf Anhieb findet vermutlich niemand den zu 100 Prozent richtigen Ton, auch wenn viele Agenturen das behaupten. Beim Berliner Tagesspiegel hingegen wirft man einen Blick auf die generellen Schwächen von Steinbrücks (digitalen) Auftritt, in einem lesenswerten Kommentar schreibt Christian Tretbar:

Steinbrück fehlt noch immer der Zugang zur Netzwelt. Weder er noch seine Mannschaft haben bisher einen Weg für eine angemessene Kommunikation gefunden. Mag sein, dass er im Netz nicht viel zu gewinnen hat – dafür ist es wohl schon zu spät. Aber er kann noch immer eine Menge dort verlieren.

Was vermutlich stimmt. Weder auf Facebook, noch auf Twitter macht Steinbrück eine gute Figur. Sein Twitteraccount, der fast ausschließlich vom Team gepflegt wird, lebt kaum noch, selbst die Tweets, die mit (ts) gekennzeichnet sind und vom “Team Steinbrück” stammen, erscheinen nur noch sporadisch, die letzte digitale Auszeit dauerte vom 28. Januar bis heute:

Twitterpause

Statt wenigstens zu versuchen, noch irgendwie auf die Diskussion um das PeerBlog einzugehen, lässt man sich einfach nicht mehr im Netz blicken. Auch eine Form der Krisenkommunikation, aber sicher nicht die, mit der man im Netz Freunde gewinnt. Da schneidet selbst die Kanzlerin besser ab, die um das Netz schlichtweg einen großen Bogen macht – auch wenn das alles andere als weitsichtig ist.

 

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