23/10/2019

Webperlen: Nikolaus Blome, warum Twitter immer stabiler wird und Print mit Zukunft

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • “Bild”-Vize wird “Spiegel”-Vize: Wolfgang Büchner holt Nikolaus Blome
  • Mimimi mit Memes: Rechtliche Probleme mit viralen Witzen im Netz
  • OER-Studie: Urheberrecht ist keine Hürde für mehr offene Bildungsmaterialien
  • So deaktiviert man jede Werbung auf YouTube
  • Essl-Kurator Hoffer über eine von Facebook-Fans kuratierte Ausstellung
  • New Tweets per second record, and how!
  • Twitter und Politik – eine erfolgreiche Koalition
  • Wie gedruckte Magazine auch in Zukunft erfolgreich sein können

Der Personalumbau beim Hamburger Nachrichtenmagazin Spiegel geht weiter: Wie der Mediendienst kressreport berichtet, hat der designierte Chefredakteur Wolfgang Büchner jetzt Nikolaus Blome von der Bildzeitung an Land gezogen:

Nach mittlerweile offiziell bestätigten kress-Infos verlässt Blome die Boulevardzeitung und wird im Dezember stellvertretender “Spiegel”-Chefredakteur sowie Leiter des Hauptstadtbüros.

Für den spektakulären Transfer dürfte Wolfgang Büchner verantwortlich sein, der designierte Chefredakteur des Nachrichtenmagazins.

Dass das Urheberrecht auch in den sozialen Netzwerken gilt, sollte eigentlich bekannt sein. Dass das auch für Memes gilt, ist vielen Deutschen jedoch nicht bewusst, t3n erklärt daher in “Mimimi mit Memes: Rechtliche Probleme mit viralen Witzen im Netz” die Rechtslage:

Während man in den 90ern noch einen Raab benötigte, um Kurioses in Massenphänomene zu verwandeln, werden in Zeiten von Social Media unfreiwillige Stars durch Meme gekürt. Welche rechtlichen Fallstricke dabei auftauchen können, skizziert Markus Kompa.

Dafür stellt das Urheberrecht jetzt keine Hürde für mehr offene Bildungsmaterialien dar:

Offene Lehr- und Lernmaterialien können schon jetzt auf der Basis des geltenden Urheberrechts umgesetzt werden, neue gesetzliche Regelungen sind für diesen Zweck nicht nötig. Das ist eines der Ergebnisse der Studie „Open Educational Resources (OER), Open Content und Urheberrecht”. Till Kreutzer von iRights.Law hat sie im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erstellt.

Auf der gleichen Internetseite – also t3n – wird zudem erklärt, wie man YouTube erfolgreich von jeglicher Werbung befreit:

Wer kennt das nicht? Man findet einen vielversprechenden Link zu einem Video, klickt auf Play und bekommt zuerst einmal Werbung auf YouTube präsentiert. Mit Hilfe eines einfachen Kniffs, kann man aber derzeit alle Werbung auf YouTube deaktivieren.

Das soziale Medien jedoch nicht nur für Memes und lustige Videos taugen, stellt das Essl Museums bei Wien unter Beweis. In Monopol, dem Magazin für Kunst und Leben, ist jetzt ein Interview mit dem Essl-Kurator Hoffer erschienen, in der er u.a. über eine von Facebook-Fans kuratierte Ausstellung berichtet:

Welches Konzept steht hinter der Ausstellung “Like It”?
Aus einem Pool von 100 Arbeiten aus insgesamt 7000 Sammlungswerken wird zehn Tage lang gevotet. Da 7000 Stücke zu viel gewesen wären, haben wir gesagt: Werke von Künstlern unter 40 Jahren, die in den letzten Jahren eingekauft worden sind. Am Schluss werden die Favoriten der Facebook-Fans im Essl Museum ausgestellt.

Kann man sich auf die Kunstexpertise eines Facebook-Fans verlassen?
Nein. Das ist ein Wagnis.

twitterzh

Früher gehörte er zu Twitter einfach dazu, der sogenannte “fail whale”, den man immer dann sah, wenn Twitter gerade abgestürzt war. Heute dagegen funktioniert Twitter erstaunlich stabil, und das trotz ständig neuer Rekorde, warum dem so ist, erklärt Twitter in dem Blogeintrag “New Tweets per second record, and how!“:

After that experience, we determined we needed to step back. We then determined we needed to re-architect the site to support the continued growth of Twitter and to keep it running smoothly. Since then we’ve worked hard to make sure that the service is resilient to the world’s impulses. We’re now able to withstand events like Castle in the Sky viewings, the Super Bowl, and the global New Year’s Eve celebration.

Der deutsche Ableger von Twitter startet derweil eine Discover-Page und einen extra Account zur Bundestagswahl:

Damit Ihr keine Informationen rund um die Bundestagswahl 2013 verpasst und immer auf dem Laufenden seid, haben wir einige Extras für Euch zusammengestellt. Einen Überblick zur Bundestagswahl 2013 auf Twitter findet ihr auf unserer extra eingerichteten Discover-Page
Hier findet Ihr die wichtigsten Accounts aller Bundestagsparteien und Verlinkungen zu Kandidaten und und Abgeordnetenlisten. Außerdem bietet die Discover Page einen Überblick der Akteure aus TV, Print und Online. Zudem starten wir extra zur Wahl einen neuen Twitter-Account: @twitter_politik. Auf diesem Account werden Best-Practice-Beispiele sowie Hinweise zu interessanten Aktionen und Entwicklungen rund um die Wahl kommuniziert.

Und zum Abschluss der Webschau wieder ein Debattenbeitrag zur Zukunft des Journalismus im Medienwandel, Luca Caracciolo zeigt auf, wie gedruckte Magazine auch in Zukunft erfolgreich sein können:

Print lebt und wird auch in Zukunft ein Medium sein, das mit journalistischen Inhalten bedruckt wird. Die Branche verändert sich aufgrund des Webs stark, klar. Traditionsreiche Publikationen und Verlage geraten ins Wanken, müssen sich neu aufstellen. Aber deshalb die Print-Branche für tot zu erklären, ist Unsinn.

 

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

Twitterbarometer & Co.: Was bringen Meinungsermittlungen in sozialen Netzwerken?

 

So Sascha Lobo heute auf Twitter, als er sein neues Nebenprojekt (in Kooperation mit buzzrank.de) vorstellte. Beim Twitterbarometer handelt es sich um einen kostenlosen Dienst, der Tweets in Echtzeit auswertet. Gemessen wird die Verwendung von parteibezogenen, positiven oder negativen Hashtags wie #CDU- oder #SPD+. Also den Hashtags der Parteien, die mit einem Plus oder Minus versehen sind.

Der 90 Tage-Trend. Screenshot http://twitterbarometer.de/

Der 90 Tage-Trend. Screenshot http://twitterbarometer.de/

Das Vorgehen mit “+” und “-” hinter den Hashtags der Parteien ist einigermaßen praktikabel, da es ein ähnliches Tool (an dem ebenfalls Sascha Lobo beteiligt war) bereits 2009 gab, und es sich seitdem auf Twitter eingebürgert hat, ein “+” oder “-” hinter den Hashtags der Parteien zu setzen. Nicht zuletzt deshalb, weil man bei 140 Zeichen froh ist, wenn man durch ein einziges Zeichen seine Meinung ausdrücken kann. Deshalb dürften auch sehr viele Twitter-User, die nichts vom Twitterbarometer gehört haben, ihre Parteien-Hashtags mit “+” Oder “-” versehen, es werden also sehr viele Tweets erfasst, beileibe nicht nur von einer kleinen Minderheit, die zufällig von dem Tool gehört hat.

Was Twitterbarometer & Co. nicht leisten können

Was Twitterbarometer sicher nicht leisten kann, ist eine halbwegs tragbare Prognose für die Bundestagswahl abzugeben. Der Grund hierfür ist denkbar simpel, das Gleiche gilt auch für alle anderen Dienste, die Meinungen in sozialen Netzwerken ermitteln: Die Nutzer von sozialen Netzwerken sind einfach nicht repräsentativ. Twitter-Nutzer z.B. sind jünger als der Bevölkerungsdurchschnitt und dazu auch noch gebildeter. Facebook dagegen dürfte die Bevölkerung deutlich besser abbilden, aber selbst bei dem Massennetzwerk schlechthin dürfte noch eine starke Verzerrung festzustellen sein.

Dazu kommt dann noch im Fall von Twitterbarometer, dass der Dienst nicht unterscheidet, ob ein einzelner Twitter-User (der bei der Bundestagswahl nur eine Stimme hat) hunderte Tweets mit entsprechendem Hashtag absetzt, oder ob hunderte User (die jeweils eine Stimme bei der Bundestagswahl haben) jeweils einen Hashtag mit dem entsprechenden Hashtag absetzen. Durch eine kleine, sehr aktive Gruppe kann das Ergebnis also leicht verzerrt werden, zudem gibt es Gruppierungen wie die Piraten, die Twitter als Medium der politischen Kommunikation ansehen (und dementsprechend viel über Parteipolitik twittern), während diese Neigung bei den Anhängern der anderen Parteien vermutlich nicht so ausgeprägt ist.

Wohl gemerkt, das was über Twitterbarometer gesagt wurde, gilt für fast alle Meinungsermittlungen (und auch Umfragen) in den sozialen Netzwerken, ohne Repräsentativität ist die Aussagekraft der Daten immer limitiert.

Was Twitterbarometer & Co. leisten können

Auch ohne Repräsentativität sollte man Dienste wie Twitterbarometer jedoch nicht als reine, eher nutzlose Spielerei abtun. Sie ermöglichen einen guten ersten Eindruck, wie bestimmte Ereignisse bewertet werden, und das zeitnah. Kein Umfrageinstitut dieser Welt kann (jedenfalls nicht mit den derzeitigen Budgets) Stimmungen im Halbstundentakt abfragen, tägliche Umfragen sind da schon das höchste der Gefühle.

Dagegen können Twitterbarometer & Co. sogar zeigen (Stichwort Second Screen), wie die “Netzgemeinde” etwa auf beliebte Talkshows reagiert, und welche Argumente von welchen Politikern besonders gut verfangen. Zudem kann man sehr schnell sehen, welche Themen gerade heiß laufen, wer sich im Netz durchsetzt und auch, wer am besten im Netz mobilisieren kann.

 

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Das Ende vom PeerBlog: Digital Relations Learnings?

Es hat sich bereits am Mittwoch abgezeichnet, jetzt wurden Nägel mit Köpfen gemacht: Das PeerBlog ist definitiv Geschichte. Die Macher hinter dem Blog haben die Reißleine gezogen, aber von einem Mea Culpa kann nicht die Rede sein, stattdessen mussten Hackangriffe als Begündung herhalten (zitiert nach den Ruhrbaronen): “Hinter den Virus- und Trojaner-Attacken steckt die Hacker-Gruppe „T3AM M3DUSA“, die auf Twitter ankündigte, den PeerBlog auf Dauer anzugreifen. Damit bleibt peerblog.de faktisch offline. Wir sehen uns deshalb gezwungen, die Website vom Netz zu nehmen.”

Damit hat man sich eher schlecht als recht aus der Affäre gezogen, was angesichts der bisherigen “Performance” nicht weiter verwundert. Trotzdem sollte man sich fragen, was für Learnings aus der Unterstützer-Aktion gezogen werden können. Zum einen haben die Macher (bzw. Spender, angeblich hat das PeerBlog gut 100.000 Euro gekostet) die politische Kultur in Deutschland vollkommen falsch eingeschätzt. Es bringt nichts, ständig darauf hinzuweisen, dass solche Unterstützer-Blogs in Amerika gang und gäbe sind, wenn selbiges nicht auch für Deutschland gilt. Was dem Wähler in Texas zusagt, kann für den Wähler in Nordrhein-Westfalen eher abschreckend sein – außerdem funktionieren Wortspiele wie Wenn die Peer Group bloggtnicht, wenn der Kandidat Barack Obama heißt.

Außerdem hat man sich vorher offensichtlich keine Gedanken über die Stärken und Schwächen von Peer Steinbrück gemacht, denn sonst hätte man gemerkt, dass die zumindest derzeit größte Schwäche von Steinbrück das leidige Thema Finanzen ist. Also nicht die Staatsfinanzen, sondern seine persönlichen Finanzen. Und genau auf diese Schwäche hat das Blog eingezahlt. Unternehmer, die mal eben 100.000 Euro an der Parteienfinanzierung vorbei für Steinbrück locker machen – das hätte sich die Opposition nicht besser ausdenken können.

Nicht wenige Blogs haben zudem den schlechten (Schreib)Stil im PeerBlog kritisiert, während anderswo vom Bla-Revier geschrieben wird, kritisieren die Blogger auf ZEIT-ONLINE die Großmannssucht:

Es beginnt mit dem Ton. Der ist manchmal ziemlich plump: “Peer fordert zweites Duell – Merkel kneift”. Das könnte auch von der Pressestelle im Willy-Brandt-Haus kommen.

An anderen Stellen ist der Ton überaus großspurig. Kein geringerer als Barack Obama dient den Peer-Bloggern als Vorbild. Wie man gleich im ersten Absatz der Selbstdarstellung erfährt. Und, ja, auch die “arabischen Revolutionen” bezeichnen die Autoren lässig als ihre geistigen Paten. Kleiner geht es kaum.

Naja, das dürfte vermutlich eher Geschmackssache sein, außerdem müssen PR-Agenturen sich auch immer in ein Thema hineinschreiben, auf Anhieb findet vermutlich niemand den zu 100 Prozent richtigen Ton, auch wenn viele Agenturen das behaupten. Beim Berliner Tagesspiegel hingegen wirft man einen Blick auf die generellen Schwächen von Steinbrücks (digitalen) Auftritt, in einem lesenswerten Kommentar schreibt Christian Tretbar:

Steinbrück fehlt noch immer der Zugang zur Netzwelt. Weder er noch seine Mannschaft haben bisher einen Weg für eine angemessene Kommunikation gefunden. Mag sein, dass er im Netz nicht viel zu gewinnen hat – dafür ist es wohl schon zu spät. Aber er kann noch immer eine Menge dort verlieren.

Was vermutlich stimmt. Weder auf Facebook, noch auf Twitter macht Steinbrück eine gute Figur. Sein Twitteraccount, der fast ausschließlich vom Team gepflegt wird, lebt kaum noch, selbst die Tweets, die mit (ts) gekennzeichnet sind und vom “Team Steinbrück” stammen, erscheinen nur noch sporadisch, die letzte digitale Auszeit dauerte vom 28. Januar bis heute:

Twitterpause

Statt wenigstens zu versuchen, noch irgendwie auf die Diskussion um das PeerBlog einzugehen, lässt man sich einfach nicht mehr im Netz blicken. Auch eine Form der Krisenkommunikation, aber sicher nicht die, mit der man im Netz Freunde gewinnt. Da schneidet selbst die Kanzlerin besser ab, die um das Netz schlichtweg einen großen Bogen macht – auch wenn das alles andere als weitsichtig ist.

 

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Lesenswertes: Impressumsfehler und Abmahnungen, Twitter und Bluefin Labs, Zehn-Tage-Regel bei Empörungen und das PeerBlog

Das kann teuer werden: Wie allfacebook.de berichtet, haben professionelle Abmahner vor Gericht einen erneuten Sieg davon getragen. Diesmal sind nicht nur Privatnutzer betroffen, die Abmahnungen wegen Urheberrechtsverletzungen bekommen haben, sondern die Betreiber von Facebook-Fanseiten, worunter fast alle Firmenseiten fallen.

Und zwar geht es um fehlerhafte bzw. unvollständige Impressen. Und das durchaus im großen Stil, laut allfacebook.de wurden nachweislich über 180 Abmahnungen innerhalb einer Woche verschickt:

Dabei berief sich das abmahnende Unternehmen auf das Landgericht Aschaffenburg. Dieses hatte mit dem Urteil vom 19. August 2011 (Az.:2 HK O 54/11) entschieden, dass Facebookseiten ein Impressum benötigen. Zumindest solche, die nicht rein privat sind [...].

Dieses Urteil wurde vom Landgericht Regensburg ohne weitere Ausführungen bestätigt. Die Facebookseite ist ein selbständiger “Kanal”, mit dem entgeltliche Leistungen beworben werden. Punkt.

Weiter wird gewarnt, dass das Beispiel Schule machen könnte, allfacebook.de verweist dabei auch auf missliebe Konkurrenten:

Jedoch ist die Entscheidung zunächst in der Welt und mit ähnlichen Fällen ist zu rechnen. Auch mir wurden schon Abmahngeschäfte mit Impressumsfehlern bei Facebook vorgeschlagen. Dazu kommen in steigender Anzahl “anonyme” Tippgeber die mich (sinnloserweise) bitten, gegen ihre Konkurrenten vorzugehen. Nach dem jetzigen Urteil wird sich diese Tendenz sicher verstärken.

Den ganzen Artikel über den Prozess kann man unter der Überschrift Impressumsfehler auf Fanseiten – Massenabmahner siegen vor Gericht finden.

Wie Twitter gestern bestätigte, hat der Microbloggingdienst aus Amerika die Firma Bluefin Labs übernommen. Im Gespräch sind Summen von 40 bis 80 Millionen Dollar, das wäre dann die teuerste Übernahme in der Geschichte von Twitter. Bluefin Labs ist ein Dienst, der sich auf die Messung von TV-Reichweiten im Social Media-Bereich spezialisiert hat, die Übernahme zielt vermutlich vor allem auf die Erhöhung der Werbeeinnahmen durch gezieltere Werbung.

Das deutsche Wall Street Journal hat bereits im Vorfeld der Übernahme folgende Einschätzung abgegeben:

Darum wird es zumindest zum Teil Aufgabe von Bluefin sein, nach der Übernahme durch Twitter genau diese Deals mit potenziellen Werbekunden unter Dach und Fach zu bringen. Bluefin muss dafür sorgen, dass sowohl die Programmanbieter, aber auch die Marketingabteilungen den Wert des sozialen Netzwerkes erkennen und nicht nur einmal, sondern immer wieder investieren.

Mehr im Wall Street Journal unter: Warum Twitter Bluefin kauft – und warum sich Bluefin kaufen lässt.

In einem lesenswerten Kommentar setzt sich Rainer Stadler mit der Frage auseinander, wie lange ein Thema bei den Medien heiß läuft, seiner Meinung nach wird nach gut 10 Tagen schon die nächste Sau durch das (digitale) Dorf getrieben:

Statistisches zum Aufstieg und Niedergang von Skandalen ist mir nicht bekannt, doch erfahrungsgemäss dürften Empörungswellen nach zehn bis vierzehn Tagen ausklingen. Diese Faustregel scheint auch für die derzeitige Debatte um Sexismus zu gelten. Nach dem Startschuss des «Sterns» am 24. Januar meldeten sich Anfang dieser Woche bloss noch Nachzügler zu Wort.

Den ganzen Kommentar findet man bei der Neuen Züricher Zeitung unter der Überschrift: Die Zehn-Tage-Regel bei Empörungen.

Apropos Empörung: Dass Unternehmen ein Blog finanzieren, das Peer Steinbrück im Wahlkampf unterstützt, löst nicht gerade große Zustimmung im Netz aus. Die Mehrheit hält das Vorgehen nicht für sauber, einzelne Stimmen verteidigen das sogenannte “PeerBlog” jedoch auch. Bei Görs Communications sind wir uns noch unschlüssig, ob das Blog Steinbrück nützen wird, wenn der Start so holprig verläuft, statt hier im Blog eine Meinung einzunehmen, verweisen wir lieber auf die interessantesten Einschätzungen:

“Indiskretion Ehrensache” ist recht klar im Urteil, im Beitrag Das Peerblog: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde vertritt Autor Thomas Knüwer die Meinung, dass die “Freunde” Peer Steinbrück einen Bärendienst erwiesen haben. “Medistus Online News Magazin” beurteilt dies ähnlich, unter Das Peerblog – Wahlkampf nach US-Vorbild ein Schuß in den Ofen? wird vor allem die intransparente Finanzierung bemängelt. Deutlich differnzierter betrachtet Klaus Eck die Causa rund um das PeerBlog, trotz einiger Mängel schreibt er das Projekt unter Viel Lärm um nichts: das Peerblog noch nicht vollkommen ab.

 

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Urheberrechtsverletzungen im Internet: Abmahnungen künftig in vernünftigen Dimensionen?

Ja, wir wollen das Urheberrecht in seiner Substanz erhalten, wir sind aber auch dafür, Auswüchse einzudämmen und bei den Abmahnungen wieder zu vernünftigen Dimensionen zu kommen.

So die zuständige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger über das “Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken“, das nächste Woche (vermutlich am 6. Februar) durch das Kabinett gewunken werden soll. Dadurch erhofft sich die Bundesregierung, endlich eine Lösung für ein Problem geschaffen zu haben, dass seit Jahren die Netzgemeinde umtreibt, und zwar will man die im Netz als “Abmahnindustrie” verspotteten Abmahnungen von Rechtsanwälten gegen Filesharer auf ein vernünftiges und für alle Seiten erträgliches Maß schrumpfen.

Der Hintergrund ist schnell erklärt: Bei den Tauschbörsen im Internet werden trotz aller bisherigen Maßnahmen weiterhin jede Menge Filme, Serien und Musikstücke kopiert. Viele Nutzer (also Kopierer) sind sich a) nicht bewusst, dass das nicht legal ist oder b) schätzen die Chance, erwischt zu werden, als vernachlässigbar ein. Was für die Musik- und Filmindustrie natürlich ein Ärgernis ist. Um das Treiben zu minimieren, räumen sie bestimmten Rechtsanwaltskanzleien das Recht ein, die Urheberrechtsverletzungen abzumahnen. Soweit, so gut. Das Ganze wuchs sich jedoch zunehmend zu einem Problem aus, als die Rechtsanwaltskanzleien merkten, dass das ein sehr lukrativer Markt ist, wenn man nur die moderne Technik einsetzt und “dreist” vorgeht.

Statt einzelne Nutzer abzumahnen, werden die Tauschbörsen vollautomatisch nach Urheberrechtsverletzungen durchsucht, die Urheberrechtsverletzer bekommen dann eine Abmahnung zugestellt, die ebenfalls zu gut 99% automatisch erstellt ist. Und die hat es meist in sich, neben einer Unterlassungserklärung werden Summen vom Kopierer verlangt, die alles andere als angemessen sind, meist um die 800 Euro für einen einzigen Song. Lässt sich der Kopierer auf einen Rechtsstreit ein, bestand in der Vergangenheit häufig die Möglichkeit, die Summe vor Gericht zu drücken, da 800 Euro für einen Song, der für 99 Cent legal erworben werden kann, jede Relation sprengt.

Jedoch stellt sich die Frage, ob es sich wegen 800 Euro lohnt, den Rechtsstreit vor Gericht auszutragen. Selbst wenn die Summe von 800 auf 100 Euro gesenkt werden können, entstehen immer noch Rechtsanwaltskosten und ein Zeitaufwand, der die Ersparnis nahezu auffrißt. Deshalb haben in der Vergangenheit sehr viele erwischte Kopierer die Zähne zusammengebissen und gezahlt. 800 Euro überweisen, sich ärgern, aber die Sache ist erledigt.

Und das wurde von der sogenannten “Abmahnindustrie” ausgenutzt: Laut einer Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentralen wurden schon etwa 4,3 Millionen Deutsche abgemahnt. Und wenn von den 4,3 Millionen nur jeder dritte die 800 Euro umstandslos überweist, also den Rechtsweg ausschlägt, dann kommt eine verdammt hohe Summe zusammen, ein wirklich lukrativer Markt für umtriebige Rechtsanwälte.

Was bringt das Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken?

Zunächst einmal soll zukünftig ein maximaler Betrag von gut 150 Euro eingefordert werden können – wenn der Nutzer zum ersten Mal eine Urheberrechtsverletzung begeht. Ein Betrag, der wieder einigermaßen in Relation zu der Tat steht und das massenhafte Abmahnen weniger lukrativ macht. Entsprechend jubeln auch schon viele Zeitungen und Blogs auf, die TAZ titelt mit Weniger Kohle für Abmahn-Anwälte, die SZ mit Gesetz zum Verbraucherschutz: Maximal 155 Euro für die erste Abmahnung und der Focus spricht von den neuen Anti-Abzocke-Regeln für Verbraucher.

In vielen Blogs hält sich der Jubel jedoch in Grenzen, dort heißt es etwa Deckelung der Abmahnkosten kommt – ein bisschen vielleicht demnächst… oder das Gesetz wird gleich als Placebo bezeichnet. Wobei die Kritiker an dem Gesetz, um das seit Monaten gerungen wird, ebenfalls gute Argumente haben. So wird das Gesetz explizit nicht auf “gewerbliche” Fälle ausgedehnt, was sich logisch anhört, schließlich soll ja niemand mit Urheberrechtsverletzungen Geld verdienen. Aber in de Vergangenheit wurde etlichen Tauschbörsen-Benutzern bereits ein gewerbsmäßiges Vorgehen vorgeworfen, wenn gleich mehrere Songs anboten wurden – ohne dass ein Cent geflossen ist. Die Grenze müsste also deutlich genauer gezogen werden.

Außerdem ist die Antwort auf das Problem der sogenannten “Störerhaftung” nicht befriedigend, also der Sachverhalt, dass der Inhaber des Internetanschlusses abgemahnt wird, selbst wenn er selbst kein Urheberrechtsvergehen begangen hat, etwa weil sein W-Lan geknackt wurde. Aber noch ist das Gesetz nicht endgültig beschlossen, hier auf dem Blog berichtet Görs Communications weiter, sobald Nägel mit Köpfen gemacht wurden.

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

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