22/08/2019

Webperlen: Neuland-Häme, Echtzeit-Journalismus und die abnehmende Wichtigkeit von Links bei Google

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Die Häme über Merkels “Neuland”
  • Echtzeit-Journalismus beim Obama-Besuch
  • Acht Kurzporträts: So sehen Blogger aus
  • Google stuft die Wichtigkeit von Links herunter
  • Wie wichtig sind Links?
  • Die Website verliert an Bedeutung – es lebe der Artikel
  • Update Facebook Seitenstatistiken
  • Google, Microsoft und Facebook zahlen für Datentraffic
  • Christian Ude hält Wort

Der amerikanische Präsident war in Berlin zu Gast, und im Netz ist vor allem ein einziger Satz (bzw. ein Wort) Thema, Merkels ”Das Internet ist für uns alle Neuland.” Natürlich eroberte der Hashtag #Neuland sofort die Trending Topics bei Twitter, “So witzelt das Netz über #Neuland” wird bei Storify die Top-Story. Neben Witzen, die im Kern fast alle auf “Digital Native” vs. “Internetausdrucker” hinausliefen, gab und gibt es aber auch diverse ernstgemeinte Beiträge, die (aus Merkels Perspektive) fast alle negativ ausfielen. Das Spektrum reicht von “Warum #Neuland gefährliches Neusprech der Kanzlerin ist” über “Warum Merkels Neuland-Spruch gefährlich dämlich ist” bis hin zu “Der kleine Spruch “Das Internet ist für uns Neuland” rechtfertigt ein weiteres Massensterben von Bürgerrechten im Netz“. Die digitale Avantgarde fühlt sich übergangen, man stellt das Vorhandensein von Grips infrage, stellt Merkel als Maschinenstürmerin dar und findet es alles andere als lustig. Vereinzelt wird Merkel sogar verteidigt, etwa unter “#Neuland: die Arroganz der Digital Natives“. Die Debatte tobte (und tobt) so sehr, dass sogar der Regierungssprecher sich genötigt sah, die Worte der Kanzlerin auf Twitter zu erklären:

Seibert

Der vielleicht beste, weil sachlichste Beitrag zum Thema findet sich jedoch auf dem Blog Basic Thinking, wo es unter “Das Internet bleibt #Neuland: Warum Merkel gar nicht so Unrecht hat” heißt:

Denn Friedemann Karig hat völlig Recht: Die Internetlandschaft verändert sich rasend schnell, sodass sich selbst vermeintliche Experten kaum trauen, einen Blick in die Glaskugel zu werfen. Und dabei gibt es so viele Felder, bei denen man Orakel spielen könnte: An der Datenschutzreform werkelt die EU schon seit gut drei Jahren herum – „ihr Realisierungszeitpunkt“ ist laut Wikipedia dennoch „nicht absehbar“.

Während sich die sozialen Medien auf Neuland stürzten, tickerten die etablierten Medien, was das Zeug hielt. Dass es dabei zum Teil auch ziemlich banal zuging, war zu erwarten, aber teilweise wurden Belanglosigkeiten aufgeblasen, wie man es sonst nur von königlichen Hochzeiten kannte. Die FAZ, nicht gerade als Leitmedium des Livetickers bekannt, hat unter der Überschrift “Echtzeit-Journalismus beim Obama-Besuch – Auf der Damentoilette wurde ein Ring gefunden” eine schöne Abrechnung mit den Belanglosigkeiten im Ticker geschrieben:

Wenn Journalisten solche Dinge für erwähnenswert halten, dann ist es offensichtlich, dass sie ihre Aufgabe, die vor allem im Filtern und Werten besteht, nur noch am Rande wahrnehmen. Sie können auch gar nicht mehr anders, jeden Moment muss sich ja die nächste Banalität ereignen: ein Auto, das vorfährt, ein Windstoß, der ein Kleid oder eine Frisur in Unordnung bringt, ein Gesichtszug, der für einen Moment entgleitet, der Bissen Spargel, der nun allen Ernstes verzehrt wird – das muss alles haarklein berichtet werden, im Netz ist ja Platz genug.

Ein kleiner, aber feiner Einblick in das Blogger-Universum. Spiegel Online hat acht Kurzportraits über unterschiedliche Blogger-Persönlichkeiten aus den unterschiedlichen Themengebieten zusammengestellt:

Im Netz zu Hause: Acht deutsche Blogger haben uns verraten, was sie antreibt, wie viel Zeit sie investieren und wie sie mit fiesen Kommentaren umgehen. Manche haben internationale Trends gesetzt, viele im Netz Freunde gewonnen – und einer kann vom Bloggen gut leben.

Und immer wieder die Google-Algorithmen. Basierte das Google-Ranking früher vor allem auf Links, nimmt die Bedeutung ständig ab, jetzt ist es wohl mal wieder soweit, Google stuft die Wichtigkeit von Links herunter:

Wie Barry Schwartz in seinem soeben auf searchengineland.com veröffentlichten Artikel `Google Changes Ranking Advice´ zeigt, hat Google auf der WMT-Hilfeseite zum Thema `Ranking´ eine kleine aber feine Änderung vorgenommen. Wurde bis vor Kurzem dort noch erklärt, dass man das Ranking einer Webseite explizit auch durch Links von anderen Seiten steigern kann, wurde entsprechende Passage nun geändert.

Eine gute (und ausführliche) Antwort auf diesen Artikel findet sich zudem hier, unter anderem heißt es dort:

Google weiß selbst am besten, wie viele einzelne Faktoren in den Suchergebnissen berücksichtigt werden. Daher fällt hier auf, wie ähnlich sich doch Google und die SEO-Agenturen am Ende wieder einmal sind: beide benutzen den Konjunktiv, um sich sowohl rechtlich als auch empfehlungstechnisch abzusichern. Es kann wohl niemand ganz genau sagen, wie man unter die Top 3 der Suchergebnisse kommt.

Ein paar intelligente Überlegungen unter “Die Website verliert an Bedeutung – es lebe der Artikel” darüber, wie Webseiten-Betreiber darauf reagieren sollen, dass sich das Surf-Verhalten insofern geändert hat, als dass immer mehr User via Social Media auf einzelnen Artikeln, und eben nicht der Startseite landen:

Tatsächlich wird seit einiger Zeit schon der langsame Tod der Homepage diskutiert – weil es immer mehr Nebeneingänge zum Content statt des einen zentralen Portals gibt, durch das alle kommen. Wer zum Beispiel einer Artikelempfehlung auf Facebook folgt, ist schon mitten drin im Angebot und nimmt die schöne Homepage gar nicht wahr. Die einfache Schlussfolgerung:
This makes it more important than ever for websites to treat every page as if it’s the homepage.

Werbetreibende und Social Media Manager wird es freuen, mit dem Update der Facebook Seitenstatistiken werden die Statistiken endlich aussagekräftiger:

Die Insights haben nicht nur genauere Informationen, sondern sie werden auch übersichtlicher aufbereitet. Durch eine stärkere Gewichtung von Klicks, zeigt Facebook Marken auch auf, dass nicht nur Kommentare, Gefällt mir angaben und Shares den EdgeRank beeinflussen. Jeder Klick, sei es auf einen Link, oder ein Foto, hat Auswirkungen auf den EdgeRank.

Kein gutes Zeichen für die Netzneutralität: Wie Golem.de berichtet, zahlen Google, Microsoft und Facebook bereits für Datentraffic:

Google, Microsoft und Facebook zahlen in den USA an Telekommunikationsbetreiber für die bevorzugte Durchleitung von Daten. Das berichtet das Wall Street Journal aus informierten Kreisen. Die Zahlungen sind jedoch nicht besonders hoch.

Und zum Abschluss der Webschau ein Hinweis auf ein sehr schönes und vor allem witziges Tumblr. Auf Ude Holding Things macht man sich auf äußerst kreative Weise über das vollkommen missglückte Wahlplakat von Christian Ude lustig.

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

Webperlen: Blogs, Content und eine umstrittene Werbeaktion

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Warum sollte ich als Wissenschaftler/in bloggen?
  • Nutzer wollen Online-Videos – “Text-only”-Zeiten sind vorbei
  • Erfolgreicher Journalismus hängt nicht am Papier
  • Jede Zeitung braucht einen Nerd vom Dienst!
  • Das Fußball-Radio 90elf wird eingestampft
  • Von Love Brand vs. Tütensuppe bis Relevanz vor Reichweite
  • This is how I work
  • Bundestags-ePetition für den Erhalt der Netzneutralität gestartet
  • Sächsische Imagekampagne – Teurer Spaß ohne Spaß
  • Das Märchen vom guten Content
  • Video: Kleiner Fußballer ganz groß

In Amerika ist es gang und gäbe, selbst Nobelpreisträger wie Paul Krugman bloggen, aber in Deutschland machen Wissenschaftler noch einen großen Bogen um die Blogosphäre. Warum es dennoch für Wissenschaftler 10 gute Gründe gibt, mit dem Bloggen zu starten, führt das Redaktionsblatt auf:

Wir Menschen benötigen für unsere Arbeit einen Sinn. Die Sinnhaftigkeit erzeugt in uns die Energie, die wir benötigen, Aufgaben zuverlässig und mit einer positiven Stimmung anzugehen. Genauso ist es mit dem Bloggen. Worin liegt hier der Sinn? Der befürchtete Zeitaufwand – denn die Artikel fallen nicht fertig vom Himmel – muss sich für uns lohnen. Dieser Artikel möchte aufzeigen, welchen Sinn bloggen haben kann und auch welchen Nutzen ein Blogger aus seiner Tätigkeit ziehen kann.

Was für Content verlangt der durchschnittliche Internetuser? Im Auftrag der Nachrichtenagentur AP befragten GfK und Deloitte jeweils 1.500 Probanden in UK, Spanien und Deutschland über ihre Mediengewohnheiten. Das Ergebnis fiel recht eindeutig aus, Nutzer wollen Online-Videos – “Text-only”-Zeiten sind vorbei:

Besonders beliebt sind Videos bei Besitzern von Smartphones und Tablets: 77 Prozent der deutschen Tablet-Nutzer schauen Online-Videos. Je mehr iPhone, iPad & Co. also eine Rolle in unserem Leben übernehmen, desto relevanter wird es, Content in Form von Videos bereit zu stellen, der auf mobilen Geräten verfügbar ist.

“Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann dürfte diese Entwicklung bekannt sein, nach seinem Jahr im Silicon Valley hat er sich einiges vorgenommen, um Deutschlands meistgelesene Boulevardzeitung fit für das digitale Zeitalter zu machen. Im Handelsblatt-Interview „Erfolgreicher Journalismus hängt nicht am Papier“ äußert er sich über seine Pläne:

„Bild“ steht der größte Umbau seit Jahrzehnten bevor. Chefredakteur Kai Diekmann will das publizistische Flaggschiff des Medienkonzerns Axel Springer den digitalen Herausforderungen journalistisch und personell anpassen. „Wir müssen alle journalistischen Herangehensweisen, Konzepte, Überzeugungen und Vorstellungen überprüfen“, sagte der 48-Jährige dem Handelsblatt. „Erfolgreicher Journalismus hängt zum Glück nicht am Papier. Die Zeitung heute ist ein sehr wichtiger Teil einer Marke, die sich neu erfinden muss, weil sich die alten Konzepte und Gewohnheiten ändern”, sagte Diekmann.

Apropos Zeitung der Zukunft: Das Medienmagazin fordert, dass jede Redaktion braucht einen Nerd vom Dienst braucht!

Jeder Redaktion braucht einen Nerd vom Dienst (NvD) – das zeigt eindrucksvoll ein Zeitungartikel des Münchener Merkurs. Von der Netzgemeinde gibt es viel Häme für einen Faux-pas, den sich die Zeitung geleistet hat. Dahinter steckt aber ein wirkliches Problem. Wir haben da einen Lösungsvorschlag.

Alles andere als eine gute Nachricht für Fußballfans, das Fußball-Radio 90elf wird eingestampft:

Es ist ein bitterer Abschied: Regiocast Digital hat sich dazu entschlossen, das Fußball-Radio 90elf zum Ende der Bundesliga-Saison einzustellen. Die Geschäftsführung des 90elf-Veranstalters teilte diese Entscheidung den Mitarbeitern am Dienstag auf einer Betriebsversammlung mit. Der Sender hatte kürzlich überraschend die Verwertungsrechte für Web und Mobile, die auch die 90-minütige Berichterstattung über jedes Einzelspiel ermöglichen, an den Konkurrenten Sport1 verloren.

90elf_Zwei

90elf: Noch wird auf der Webseite die Smartphone-App beworben.

Ein guter Rückblick auf den Digital Media & Marketing Summit 2013 in Hamburg findet sich im “Wissensucher”-Blog unter der Überschrift “Von Love Brand vs. Tütensuppe bis Relevanz vor Reichweite [#d2m13]“:

Im Bereich der digitalen Kommunikation und des Social Media Marketings passiert aktuell sehr viel. Neue Buzzwords poppen schneller auf, als die alten verblassen. Das mag den einen oder anderen stören, aber ändern lässt sich das vermutlich nicht mehr. Worum es bei all den neuen digitalen Säuen genau geht, war Gegenstand einer aus meiner Sicht sehr interessanten Veranstaltung: Geschätzt 120 Social Medianer trafen sich in Hamburg zum Digital Media & Marketing Summit 2013.

Dazu gibt es noch an anderer Stelle eine passende Grafik: This is how I work.

Da sich die Piraten derzeit doch eher mit Intrigen, Machtspielchen, Meinungsmache beschäftigen, wird der Protest gegen die Drossel-Pläne der Telekom (siehe hierzu auch diesen Eintrag hier im Blog) von anderen Akteuren getragen. Wie Tobias Gillen auf dem Basic-Thinking-Blog berichtet, gibt es nun auch eine ePetition für den Erhalt der Netzneutralität:

Noch bis zum 18. Juni 2013 kann die Petition mitgezeichnet werden. 50.000 Mitzeichner werden bis dahin benötigt, damit der Fall im Petitionsausschuss diskutiert werden und der Hauptpetent, Johannes Scheller, dort sein Anliegen vortragen kann. In den Kommentaren zur Petition wird schon über die Erfolgschancen diskutiert.

 

Wenig erfolgreich hört sich, zumindest wenn man der alternativen taz glauben kann, eine Werbekampagne des Landes Sachsen an, für die nicht weniger als 32 Millionen Euro (ein Werbe-Budget, von dem so manches Unternehmen nicht einmal träumen kann) ausgegeben werden soll. Teurer Spaß ohne Spaß:

Unter dem Slogan „So geht sächsisch“ setzt der Entwurf auf Negativabgrenzungen. So spielt „Kraft ohne Hannelore“ auf Nordrhein-Westfalen an, „Elbphilharmonie ohne Verstimmung“ auf Hamburg. Das Gemälde der Sixtinischen Madonna wird als „Madonna ohne Skandale“ präsentiert, und das Foto eines Tagebausees bei Leipzig ist als „Baden ohne Württemberg“ untertitelt.

Und als zweitletzte Webperle gibt einen Beitrag vom tagSEOBlog. Unter der Überschrift “Das Märchen vom guten Content” führt Martin Mißfeldt aus, was von Google als “guter Content” gewertet werden kann – und was eben nicht.

Google kann Qualität überhaupt nicht messen. Der Algorithmus wird immer darauf angewiesen sein, unterschiedliche Signal zu messen, zu vergleichen und zu gewichten. Es macht daher aus Seo-Sicht überhaupt keinen Sinn, sich hinter dem Begriff “guter Content” zu verstecken. Stattdessen sollte man besser wieder über die konkreten Signale nachdenken. Was können Signale sein, aus denen Google Qualität ableiten könnte?

Und zum Abschluss ein kleiner, wunderbarer YouTube Clip (via) über einen sehr kleinen Fußballer – und einfach großartigen Fans:

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

Netzneutralität in Gefahr? Stimmen zur Tempo-Drosselung der Telekom

Während die Talkshows von Uli Hoeneß, die Zeitungen vom Götze-Wechsel und natürlich dem 4:0 der Bayern und dem 4:1 der Dortmunder dominiert werden, schreibt sich das halbe Netz die Finger über die neuen Internet-Tarife der Telekom wund. Dabei werden die bisherigen DSL-Tarife des ehemaligen Monopolisten ab Mai durch  vier Varianten abgelöst werden, wobei der Basistarif 16 Mbit/s bei einem Maximalvolumen von 75 GB bietet und die leistungsstärkste Variante 200 Mbit/s bis zu einem maximalen Kontingent von 400 GB. Überschreitet ein Nutzer das Volumen, kann er entweder zusätzliches Volumen hinzubuchen oder er muss mit stark gedrosseltem Tempo durch’s Internet surfen. 384 Kbit/s, um genau zu sein, was eine Temporeduzierung auf 2,4 Prozent (höchstens!) bedeuten würde.

Insgesamt hört sich das nicht wirklich spannend an, aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Dabei ist für viele Kommentatoren im Internet noch gar nicht mal das gedrosselte Tempo (“…langsamer als eine Stechmücke“) oder die Größe der Datenpakete entscheidend, sondern ein kleiner, aber feiner Nebenaspekt. Die Telekom, die die volumenbegrenzten Flatrates als “neue Spielregeln” bezeichnet, hat gleichzeitig angekündigt, dass die eigenen Dienste wie “Entertain” oder die Kooperation mit dem Musikstreamingdienst “Spotify” nicht unter die Drosslung fallen. D.h., dass jemand, der seine 75 GB verbraucht hat, im Schneckentempo unterwegs ist, außer er nutzt Telekom-Dienste oder Telekom-Kooperationen.

Und genau diese Besserbehandlung bringt die Netzgemeinde so sehr auf, dass sich jetzt sogar Wirtschaftminister Rösler genötigt sah, den Telekom-Chef Obermann darauf hinzuweisen, dass die zuständigen Behörden das Vorgehen “sehr sorgfälltig beobachten”.  Grund hierfür ist die sogenannte “Netzneutralität“, die bisher dem Datentransfer im Internet zugrunde lag. Wenn die Tarifpläne der Telekom umgesetzt werden, würden nicht mehr alle Datenpakete gleich, sondern je nach Absender ungleich behandelt werden. Es würde eine Art “digitale Diskriminierung” entstehen, wie die Piratenpartei meint. Und dadurch wird ein Dammbruch befürchtet, auch wenn die Konkurrenten der Telekom (bisher) verneinen, auf den Zug aufspringen zu wollen.

Die Diskussion dreht sich also nicht um schnöde Tarifänderungen, sondern um das Prinzip (der Netzneutralität). Und wie immer, wenn es um das Prinzip geht, heizt sich die Diskussion erst richtig auf, einzelne Politiker fordern sogar schon, dass das Netz wieder verstaatlicht wird – es schwirren so viele Links, Artikel und Blogposts und Twittermeldungen durchs Internet, dass so mancher ein paar Meter über das Ziel hinausschießt. Um trotzdem einen Überblick über die Stimmungslage zu bieten, haben wir ein paar Stimmen aus dem Netz gesammelt.

Stimmen zur Tempo-Drosselung und der Netzneutralität

Für die Kunden ergeben sich durch differenzierte Angebote neue Möglichkeiten einen nach den individuellen Bedürfnissen zugeschnittenen Tarif zu finden. [...] Was spricht dagegen dies zuzulassen? Durch eine gesetzlich festgeschriebene Netzneutralität würden Produkt- und Tarifinnovationen verhindert. Ökonomisch betrachtet, ist die Abkehr vom Prinzip einer strikten Netzneutralität also durchaus effizient.

ÖkonomenBlog

Wenn Preisdifferenzierung nicht möglich ist und jeder das Selbe für eine Flatrate gleicher Geschwindigkeit zahlt, dann stauen sich irgendwann die Daten und jeder muss tiefer in die Tasche greifen, egal, ob er das Internet nun zum gelegentlichen Surfen oder zur Dauerübertragung riesiger Datenmengen nutzt.

Blog des Liberalen Instituts

In ihrem Blog titelte die Telekom einmal von “neuen Spielregeln” für das Netz. Aber nicht die Telekom legt die Spielregeln fest und der ominöse Markt regelt sich auch nicht selbst. Der Markt wird von der Politik geregelt und die Telekom macht mit dieser arroganten Überschrift deutlicher denn je, warum eben diese Regulierung nötiger ist denn je.

Die Raummaschine

Die heutige Ankündigung der Deutschen Telekom ist nicht mehr und nicht weniger als ein Offenbarungseid. Seht her, wir haben in all den Jahren verpennt uns neu zu positionieren. Ja im Grunde genommen sind sie nie über die Evolutionsstufe des “wir legen dir einen Internetanschluss” bzw. “hier ist dein Mobilfunkvertrag mit Vielsurfer-Paket” hinausgekommen und erhalten dafür nun die Rechnung.

Mobile Geeks

Der Krieg der Inhalte- und Dienste-Anbieter ist eröffnet. Spotify und die Telekom haben den Anfang gemacht, als Telekom-Mobil-Kunden der über Spotify entstehende Traffic nicht mehr auf ihren Datenverbrauch angerechnet wurde.

Spreeblick

Das schrittweise Aushebeln der Netzneutralität durch die Telekom, erst durch das Bundling mit Spotify, dann durch eine Kooperation mit Evernote, jetzt durch die Veränderung der Tarifstruktur und der Exklusion der IPTV-Inhalte der Telekom, sorgt für eine Ungleichbehandlung der Daten und geht damit zu Lasten der Kunden und der Vielfalt im Netz.

Lummaland

Netzneutralität muss vom Lippenbekenntnis zur gesetzlich festgeschriebenen Garantie werden. Und Internetanbieter müssen an ihre gesamtgesellschaftliche Verantwortung erinnert werden. Notfalls durch Verstaatlichung. Denn sie sind dem Gemeinwohl verpflichtet.

spektrallinie

Was die Telekom macht, ist nur ein Vorstoß. Wenn aber die anderen großen Anbieter nachziehen, ist somit die Netzneutralität ganz entscheidend in Gefahr. Denn dann ist es auch ganz einfach, irgendwann komplett zu bestimmen, welche Medien wir lesen, welche Plattformen wir nutzen und was wir überhaupt im Internet so machen. Ganz wie in China eben.

Gemacht mit Liebe

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

Impressum und Datenschutzerklärung .