18/08/2019

Webperlen: Fremde E-Mails veröffentlichen, Sobooks, Amazon und der Büroverkauf der FDP

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Darf man fremde E-Mails im Netz veröffentlichen?
  • Wie wir mal aus Versehen für “Wetten, dass..?” gearbeitet haben
  • „Eine bessere Tiefe der Interaktion direkt im Buch”
  • So erfinden Sascha Lobo & Co. den Buchclub neu
  • Amazon zwang Diaperscom mit automatisiertem Preisdumping in die Knie
  • Telefax und Ventilatoren – Büroverkauf der FDP
  • SEO: Google-Patent berechnet den Schwafel-Score einer Website
  • Deutschland ein digitaler Bildungs-Unfall?
  • Banksy-Meisterwerke zum Schleuderpreis

Alles gar nicht so einfach: Thomas Stadler wirft auf “Internet-Law” die Frage auf, ob es erlaubt ist, fremde E-Mails im Netz zu veröffentlichen:

Diese Frage lässt sich nicht ohne weiteres mit ja oder nein beantworten. Die Veröffentlichung von Individualkommunikation ist weder grundsätzlich verboten noch generell erlaubt.
Rechtlich stellt sich primär die Frage, ob die Veröffentlichung einer E-Mail das allgemeine Persönlichkeitsrecht des Verfassers der E-Mail verletzt.

Weniger Hemmungen, sich bei anderen einfach zu bedienen, hat offenbar das ZDF (via) gehabt und sich für Wetten dass… einfach mal bei einem Blog bedient:

Aber noch schöner, liebe “Wetten, dass..?”-Redaktion, wäre es, wenn Ihr beim nächsten Mal Eure Quellen nennt. Oder wenn Ihr einfach kurz fragt, bevor Ihr Euch an unserer Arbeit bedient.

Was kann Sobooks, das neue Buchportal von Sascha Lobo und Christoph Kappes? Einen ersten Eindruck gewinnt man durch ein Interview (via) mit Christoph Kappes, in dem dieser „eine bessere Tiefe der Interaktion direkt im Buch” verspricht:

Zudem ist uns das „social reading“ besonders wichtig. Zwar bietet Soundcloud auch die Interaktion direkt in jedem Song, doch die Optionen sind dort gering, so bleibt es bei einer Mikro-Interaktion. Bei uns ist das Kommentieren und Diskutieren ein zentrales Element, und wir verknüpfen es mit den sozialen Netzwerken.

Einen zweiten Einblick verschafft der Buchreport (via), unter „So erfinden Sascha Lobo & Co. den Buchclub neu” werden die wichtigsten Fakten zusammengestellt:

Über zwei Jahre dauerte die Vorbereitungszeit des Portals, das heute von Sascha Lobo, Christoph Kappes, Oliver Wagner (Product Officer) und Oliver Köster (Technologie-Chef) entwickelt wird. Laut Kappes liegt das bisherige Investitionsvolumen im sechsstelligen Bereich, nehme man das Arbeitsvolumen hinzu, sei die Summe siebenstellig.

Bleibt nur die Frage, was der Platzhisch Amazon dazu sagt, falls das Projekt jemals das Nischendasein verlässt. Angeblich geht der US-Konzern alles andere als zimperlich mit der Konkurrenz um, unter „Amazon zwang Diaperscom mit automatisiertem Preisdumping in die Knie” (via) erfährt man, dass Amazon wohl automatisierte Rabattschlachten veranstaltet (und natürlich aufgrund der Größe gewinnt):

Amazon hat eine Abteilung, die “Competitive Intelligence”, die konkurrierende Unternehmen beobachtet und dafür massenhaft Produkte bei diesen bestellt. [...] Zu diesem gehörte über Algorithmen automatisch an die Preise von Diapers.com angepasste Amazon-Preise, die jene ersteren unterboten.

Das Ende der FDP kommt äußerst profan daher. Der Verkauf von Telefax und Ventilatoren (via) dürfte so ziemlich die letzte Amtshandlung der ehemals stolzen Partei sein:

Schluss aus Ende, wer den Schaden hat braucht für den Spott nicht zu sorgen. Nachdem sich Die Partei schonmal die Büroräume der FDP ansahen muss jetzt auch der Kram den keiner mehr will raus. Was bleibt übrig bei so einem Auszug?! Die Antwort gibt Birgit Homburger. In einer Rundmail an SPD- und CDU/CSU-Kollegen verscherbelt sie ihre Büro-Habseligkeiten.

Schluss mit total sinnlosen Texten, bei denen es um Keywords und sonst nichts geht. Ein Google-Patent berechnet jetzt den Schwafel-Score einer Website (via):

Der Ruf nach qualitativ hochwertigem Content wird in SEO-Kreisen seit Jahren immer lauter. Artikel über Suchmaschinenoptimierung, die ohne das Buzzword „Contentmarketing” auskommen, sind 2013 gar nicht mehr vorstellbar. Jetzt wurde Google ein Patent genehmigt, in dem die Methode zur Bestimmung eines „Gibberish Scores”, also dem Anteil an minderwertigem Content an einem Text, beschrieben wird.

Vor ein paar Tagen hat die Schlagzeile, dass Deutschland bei der PIAAC-Studie der OECD (dem sogenannten “Pisa für Erwachsene”), eher mittelmäßig abgeschitten hat, für einige Schlagzeilen gesorgt. Was vielen Medien jedoch entgeangen ist, ist das ganz schlechte Abschneiden in den Digitalkompetenzen, was die Frage aufwirft, ob Deutschland ein digitaler Bildungs-Unfall ist?

Noch erschreckender ist für mich aber das Ergebnis im Bereich der digitalen Problemlösungskompetenz, also der Fähigkeit, den Computer zu nutzen: Gerade mal 7% der Deutschen verfügen über eine hohe Kompetenz in diesem Bereich. 45% verfügen nur über geringe Kenntnisse. 11,6% haben in diesem Bereich gar keine Erfahrung.

Banksy

Augen auf beim Schnäppchenkauf! In New York hat Banksy jetzt Teile seiner Werke verkauft – für den unfassbaren Preis von gerade mal 60 US-Dollar:

Dem (fast) an­ony­men Stree­tart-Künst­ler Bank­sy schei­nen die Ideen wirk­lich nie aus­zu­ge­hen. Ges­tern ver­scher­be­le er seine Meis­ter­wer­ke, die ins­ge­samt über 200.000 Dol­lar wert ge­we­sen wären, für 60 Dol­lar pro Stück auf einem un­schein­ba­ren Stand im Cen­tral Park.

Twitterbarometer & Co.: Was bringen Meinungsermittlungen in sozialen Netzwerken?

 

So Sascha Lobo heute auf Twitter, als er sein neues Nebenprojekt (in Kooperation mit buzzrank.de) vorstellte. Beim Twitterbarometer handelt es sich um einen kostenlosen Dienst, der Tweets in Echtzeit auswertet. Gemessen wird die Verwendung von parteibezogenen, positiven oder negativen Hashtags wie #CDU- oder #SPD+. Also den Hashtags der Parteien, die mit einem Plus oder Minus versehen sind.

Der 90 Tage-Trend. Screenshot http://twitterbarometer.de/

Der 90 Tage-Trend. Screenshot http://twitterbarometer.de/

Das Vorgehen mit “+” und “-” hinter den Hashtags der Parteien ist einigermaßen praktikabel, da es ein ähnliches Tool (an dem ebenfalls Sascha Lobo beteiligt war) bereits 2009 gab, und es sich seitdem auf Twitter eingebürgert hat, ein “+” oder “-” hinter den Hashtags der Parteien zu setzen. Nicht zuletzt deshalb, weil man bei 140 Zeichen froh ist, wenn man durch ein einziges Zeichen seine Meinung ausdrücken kann. Deshalb dürften auch sehr viele Twitter-User, die nichts vom Twitterbarometer gehört haben, ihre Parteien-Hashtags mit “+” Oder “-” versehen, es werden also sehr viele Tweets erfasst, beileibe nicht nur von einer kleinen Minderheit, die zufällig von dem Tool gehört hat.

Was Twitterbarometer & Co. nicht leisten können

Was Twitterbarometer sicher nicht leisten kann, ist eine halbwegs tragbare Prognose für die Bundestagswahl abzugeben. Der Grund hierfür ist denkbar simpel, das Gleiche gilt auch für alle anderen Dienste, die Meinungen in sozialen Netzwerken ermitteln: Die Nutzer von sozialen Netzwerken sind einfach nicht repräsentativ. Twitter-Nutzer z.B. sind jünger als der Bevölkerungsdurchschnitt und dazu auch noch gebildeter. Facebook dagegen dürfte die Bevölkerung deutlich besser abbilden, aber selbst bei dem Massennetzwerk schlechthin dürfte noch eine starke Verzerrung festzustellen sein.

Dazu kommt dann noch im Fall von Twitterbarometer, dass der Dienst nicht unterscheidet, ob ein einzelner Twitter-User (der bei der Bundestagswahl nur eine Stimme hat) hunderte Tweets mit entsprechendem Hashtag absetzt, oder ob hunderte User (die jeweils eine Stimme bei der Bundestagswahl haben) jeweils einen Hashtag mit dem entsprechenden Hashtag absetzen. Durch eine kleine, sehr aktive Gruppe kann das Ergebnis also leicht verzerrt werden, zudem gibt es Gruppierungen wie die Piraten, die Twitter als Medium der politischen Kommunikation ansehen (und dementsprechend viel über Parteipolitik twittern), während diese Neigung bei den Anhängern der anderen Parteien vermutlich nicht so ausgeprägt ist.

Wohl gemerkt, das was über Twitterbarometer gesagt wurde, gilt für fast alle Meinungsermittlungen (und auch Umfragen) in den sozialen Netzwerken, ohne Repräsentativität ist die Aussagekraft der Daten immer limitiert.

Was Twitterbarometer & Co. leisten können

Auch ohne Repräsentativität sollte man Dienste wie Twitterbarometer jedoch nicht als reine, eher nutzlose Spielerei abtun. Sie ermöglichen einen guten ersten Eindruck, wie bestimmte Ereignisse bewertet werden, und das zeitnah. Kein Umfrageinstitut dieser Welt kann (jedenfalls nicht mit den derzeitigen Budgets) Stimmungen im Halbstundentakt abfragen, tägliche Umfragen sind da schon das höchste der Gefühle.

Dagegen können Twitterbarometer & Co. sogar zeigen (Stichwort Second Screen), wie die “Netzgemeinde” etwa auf beliebte Talkshows reagiert, und welche Argumente von welchen Politikern besonders gut verfangen. Zudem kann man sehr schnell sehen, welche Themen gerade heiß laufen, wer sich im Netz durchsetzt und auch, wer am besten im Netz mobilisieren kann.

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

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