08/12/2019

DSGVO und Presseverteiler bzw. PR-Verteiler

Ein wichtiger Hinweis vorweg: Wir, die PR-Agentur Görs Communications betreiben keine Rechtsberatung und haften auch nicht für die Informationen zum Thema. Bestehen bei der Umsetzung der DSGVO Zweifel, sollte unbedingt ein Rechtsanwalt aufgesucht und befragt werden.

Die Datenschutz-Grundverordnung DSGVO (für: General Data Protection Regulation) hat bei vielen Unternehmen schon für enorme Unsicherheit und in vielen Fällen auch für erheblichen Arbeitsaufwand gesorgt. Davon ist die PR-Branche (bzw. die Kommunikationsabteilungen in den Unternehmen) natürlich nicht ausgenommen. Ganz im Gegenteil, gerade bei der Kommunikation werden unzählige Daten generiert, die für eine vernünftige PR- und Marketing-Arbeit häufig unverzichtbar sind, die die Verantwortlichen aber spätestens mit der Einführung der DSGVO aber vor datenschutzrechtliche Herausforderungen stellen. Dabei ist eines der größten Probleme der Graubereich, bei denen keine wirkliche Sicherheit darüber besteht, was erlaubt ist und was nicht. Und das zeigt sich exemplarisch an den Presseverteilern, wie wir hier in diesem neuen Beitrag im Blog von Görs Communications erläutern.

Presseverteiler sind unverzichtbar

Presseverteiler sind ein elementarer Bestandteil der Presse- und PR-Arbeit, ohne den praktisch keine PR-Agentur auskommt. Und das für mehrere Zwecke, zunächst einmal natürlich für das Versenden von Pressemitteilungen. Dann aber auch, um Einladungen für Pressekonferenzen oder Hintergrundgespräche zu verschicken; selbst für das Anbieten von exklusiven redaktionellen Inhalten benötigt man die Presseverteiler, um die richtigen Ansprechpartner ausfindig zu machen. Kurz, ohne gut gepflegte Presseverteiler wird die Arbeit von PR-Agenturen (aber auch die von den Kommunikationsabteilungen und -verantwortlichen der Unternehmen) enorm erschwert.

Aber ist es in den Zeiten der DSGVO noch legal, sich entsprechende Verteiler mit Redaktions- und Journalistenkontakten zusammenzustellen? Die Antwort lautet, wie so oft, es ist kompliziert. Ob ein Presseverteiler der DSGVO gerecht wird, hängt nämlich von mehreren Faktoren ab, darunter die Art der gesammelten Daten und den Einsatzgebieten des Verteilers.

Redaktionsadressen sind harmlos

Wo von vornherein Entwarnung gegeben werden kann, sind Redaktionsadressen wie redaktion@FachmagazinXY.de, newsdeck@FachmagazinXY.de oder info@FachmagazinXY.de, die von vielen Zeitungen oder Zeitungen als Kontaktadresse angegeben werden. Der Grund: Die DSGVO stellt im Kern Regeln zur Verarbeitung personenbezogener Daten auf, es sollen also natürliche Personen vor Datenmissbrauch geschützt werden, nicht ganze Unternehmen.

Presseverteiler, die ausschließlich aus Redaktionsadressen bestehen, können also auch im Zeitalter der DSGVO problemlos verwendet werden – gerade dann, wenn die Redaktionsadressen auch noch öffentlich von den Zeitschriften und Zeitungen publiziert werden. Einzige Ausnahme: Wenn eine Redaktion (etwa nach dem Versand einer Pressemitteilung) darum bittet, vom Verteiler genommen zu werden, dann sollte man das auch tun. Aber das gebietet eigentlich ja auch schon die Höflichkeit – und zu guter PR-Arbeit gehört schließlich ja auch immer, dass man keine Zeitungen oder Zeitschriften verärgert.

Diese Redaktionsadressen sind übrigens in der Regel auch besser als ihr Ruf. Viele PR-Leute schwören auf persönliche Kontakte – die natürlich wichtig sind -, was aber nicht zwangsweise bedeutet, dass Redaktionsadressen wie redaktion@FachmagazinXY.de, newsdeck@FachmagazinXY.de oder info@FachmagazinXY.de wertlos sind. Und das liegt an der Arbeitsweise in den Redaktionen, die zunehmend von Newsrooms und Newsdesks geprägt werden, bei denen die eingehenden Pressemitteilungen zentral gesichtet und dann (wenn Relevanz in ihnen gesehen wird) den jeweiligen Journalisten je nach Themengebiet und Schicht weitergeleitet werden. Und deshalb kann eine Redaktionsadresse häufig sinnvoller als die Adresse von einem Journalisten sein, schließlich arbeitet dieser nicht 24 Stunden um die Uhr und ist womöglich auch schon mehr als genug mit anderen Themen beschäftigt.

Apropos persönlicher Kontakt: Angeblich gibt es immer noch PR-Berater, die einer versendeten Pressemitteilung hinterhertelefonieren, um mehr Veröffentlichungen zu erzielen. In Zeiten der Newsrooms ergibt das jedoch nicht nur wenig Sinn, sondern es fällt regelrecht negativ auf – diese PR-Berater stören die Journalisten schlichtweg bei der Arbeit. So kann man sich (und damit auch die Unternehmen, für die man arbeitet) richtig schön schlecht machen.

Grenzbereich ungefragte Journalisten

Was durchaus noch möglich ist, sich aber dem Grenzbereich annähert, sind Presseverteiler, auf denen ohne explizite Zustimmung einzelne Journalisten aufgeführt sind. Aber nur dann, wenn a) der Journalist die Daten (E-Mailadresse, Telefonnummer etc.) zum Zwecke der Kontaktaufnahme veröffentlicht hat – etwa auf der Autorenseite des Mediums, für das er schreibt. Und b) bei der Kontaktaufnahme (etwa dem Versenden einer Pressemitteilung) ein “berechtigtes Interesse” für beide Seiten besteht. Sprich, es gibt gute Gründe dafür, dass die Mitteilung für den Journalisten auch relevant ist. Wird das Zusenden hingegen als Werbung wahrgenommen, fällt das “berechtigte Interesse” weg, in dem Fall könnte man sich tatsächlich eine Klage einhandeln. Zudem c) sollten sich die Daten auf das notwendige Minimum beschränken. Geburtstage, Familienstand etc. haben in keiner Datenbank was verloren, selbst wenn es dafür vermeintlich gute Gründe (Geburtstagsanschreiben etc.) gibt. Zudem d) muss man der Bitte nach einer Löschung aus dem Verteiler unverzüglich nachkommen, zudem hat der erfasste Journalist das Recht, Auskunft über die Speicherart seiner Daten zu erfragen.

Was hingegen jenseits des Grenzbereichs ist, sind Journalistenadressen, die man sich selbst erschlichen hat. Viele Journalisten stellen ihre Kontaktdaten nicht ins Internet, mit etwas Geschick ist es aber immer in der Regel möglich, die Adressen zu kriegen. Etwa dadurch, dass man sich die Systematik der E-Mail-Adressen der Zeitungen anschaut und dann die jeweils gesuchte E-Mail-Adresse danach selbst zusammenbaut (häufig: Vorname.Name@ZeitungXY.de). Hat man sich so einen Presseverteiler zusammengestellt, wird es mit der DSGVO Zeit, den Presseverteiler zu löschen – und zwar überall, also auch auf alten Sicherungsfestplatten.

Explizite Zustimmung

Will man juristisch auf sauberem Gelände unterwegs sein, holt man sich von jedem Journalisten die Erlaubnis ein, seine Kontaktdaten zu speichern. Der Nachteil: Das Vorgehen ist arbeitsintensiv, zudem sind nicht wenige Journalisten bereits furchtbar genervt von den ganzen Anfragen. Aber dann ist man wenigstens rechtlich abgesichert, am besten, in denen man die Zustimmung auch noch protokolliert – was im Fall von E-Mails ja zum Glück mit einem überschaubaren Arbeitsumfang erledigt werden kann.

Mit der expliziten Zustimmung ist man immer auf der sicheren Seite. Bei allen anderen geschilderten Möglichkeiten bleibt immer noch eine gewisse Unsicherheit, da viele DSGVO-Formulierungen schwammig sind. Wirkliche Sicherheit dürfte es erst geben, nachdem die ersten Agenturen oder Unternehmen wegen ihrem Presseverteiler verklagt wurden und der Streitfall vor Gericht landet. Und damit man selbst nicht zu diesem Präzedenzfall wird, besser vorsichtig mit den Daten agieren.

 

Ein wichtiger Hinweis zum Abschluss: Wir, die PR-Agentur Görs Communications betreiben keine Rechtsberatung und haften auch nicht für die Informationen zum Thema. Bestehen bei der Umsetzung der DSGVO Zweifel, sollte unbedingt ein Rechtsanwalt aufgesucht und befragt werden.

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

Webperlen: Datenschutz bei WhatsApp, Immobilien PR, Hamburg mit neuem CCH-Hotel und Informatik in der Schule

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • WhatsApp-Backup speichert Klartext bei Apple
  • Immobilien PR und Social Media auf der Expo Real
  • Spektakulärer Plan in Hamburg: Zweites Kongresshotel am CCH
  • Reality Check: Informatikdarstellung in der Schule
  • Enterprise-Social-Networks in der Übersicht: Von Stackfield bis Yammer
  • Zinssenkung: Das Leid der Sparer
  • Der Euro begünstigt den deutschen Außenhandel in der Währungsunion
  • Internet-IPOs: Was wäre aus 1.000 Dollar geworden
  • Die Zukunft des Papierverleihs
  • Götz George über Schimanski: “In den Puffs von Duisburg wurden wir gefeiert”

Datenschutz und kein Ende: Offensichtlich nimmt es WhatsApp mit der Sicherheit nicht so genau, zumindest beim Backup-Service. Wie “heise online” jetzt berichtet (via), speichert das WhatsApp-Backup die Nachrichten als Klartext bei Apple:

Dabei sichert die iPhone-App alle Gespräche in Apples iCloud – einschließlich aller Bilder. Das ist zwar ganz praktisch, um die Daten auf einem anderen Gerät wieder herstellen zu können. Allerdings legt WhatsApp die Daten völlig ungesichert im Klartext ab. Das heißt, dass jeder, der sich Zugang zum Apple-Konto des Anwenders verschaffen kann, dort auch dessen gesicherte WhatsApp-Daten abrufen kann.

Annzahl der Tweets pro Tag, die mit dem Hashtag #ExpoReal versehen sind. Die Grafik wurde mit dem Social-Media-Tool "Topsy" (www.topsy.com) erstellt.

Anzahl der Tweets pro Tag, die mit dem Hashtag #ExpoReal versehen sind. Die Grafik wurde mit dem Social-Media-Tool “Topsy” (www.topsy.com) erstellt.

Zu konservativ, zu wenig Interesse an echter Transparenz? Dass Immobilien PR beim digitalen Wandel nicht gerade als Early Adopter fungiert, ist alles andere als überraschend, im Vergleich mit dem klassischen Immobilien Marketing steckt die PR bekanntlich noch immer in den Kinderschuhen. Wie sehr, haben wir in einer Studie ermittelt, in der die Social-Media-Nutzung auf der EXPO REAL 2013 untersucht wurde:

Insgesamt wirken die meisten Social-Media-Aktivitäten der auf der EXPO REAL vertretenen Unternehmen noch wie “lästige Pflichtaufgaben”, die irgendwie „abgewickelt“ werden müssen. Mehr Mut, neue Wege zu gehen, mehr Interaktion und Aktivität würden fast jedem Immobilien-Unternehmen bei der Präsentation in den sozialen Netzwerken weiterbringen.

Wo wir schon beim Thema Immobilien wären: Ein spektakuläres Hotel Projekt zeichnet sich in Hamburg am Congress Center ab, und zwar sind die Vorbereitungen für ein zweites Kongresshotel am CCH anscheinend bereits deutlich fortgeschritten:

Der Senat prüft eine Überbauung der Marseiller Straße mit einem 250-Zimmer-Haus. Die Stadt könnte die Einnahmen in eine Renovierung des Congress Centers stecken.

Dass die Zukunft digital sein wird, dürfte mittlerweile fast jeder verstanden haben. Umso unverständlicher ist es, wenn Schulen bereits beim Bewerben des Informatikunterrichts so ziemlich alles geben, um die Schüler eben davon abzuschrecken. “404 not found” hat (via) die Informatikdarstellung in der Schule einem Reality Check unterzogen:

Wer Freude haben möchte, etwas gemeinsam mit anderen machen möchte, kreativ sein möchte und mal ‘ne Exkursion machen möchte – ab zur Musik! Da hat sogar eine Lehrperson “Willkommen!” unter die Beschreibung geschrieben! Informatik? Hier ist willkommen, wer die “richtige” Denke eh schon mitbringt, sonst kann das mit den abiturrelevanten Prüfungsleistungen ja nichts werden.

Digital ist besser: “t3n” hat (via) eine praktische Übersicht über Enterprise-Social-Networks von Stackfield bis Yammer erstellt:

Für Dienste wie Yammer gibt es viele Namen: „Collaboration-Plattform“ oder „Enterprise-Social-Network“ sind wohl die populärsten Bezeichnungen – der ein oder andere nennt sie auch gerne „Social-Intranet“-Dienste. So unterschiedlich die Bezeichnungen sein können, so eindeutig ist der Sinn und Zweck dieser Services: Enterprise-Social-Networks helfen Teams, die interne Unternehmenskommunikation effektiv abzuwickeln.

Gestern hat die Europäische Zentralbank den Leitzins überraschend auf 0,25 Prozent gesenkt. Eine Entscheidung, die nicht überall Freude ausgelöst hat, laut dem “Handelsblatt” (via) werden vor allem die Sparer leiden:

Mit der erneuten Zinssenkung – die Europäische Zentralbank hat den Leitzins für die Euro-Zone überraschend auf 0,25 Prozent gesenkt – wird es noch schlimmer. Noch nie war dieser Satz so niedrig. Zinsen sind damit so gut wie abgeschafft. Zinssenkungen werden erfahrungsgemäß ziemlich schnell an die Kunden weitergereicht.

Um beim Euro zu bleiben: Laut dem Blog “Wirtschaftliche Freiheit” (via) begünstigt die europäische Währung den deutschen Export-Boom:

Neben der traditionellen Exportstärke Deutschlands aufgrund der Produktion innovativer Investitionsgüter hat der Übergang zu einer einheitlichen Währung im Jahre 1999 dazu geführt, dass die Preiswettbewerbsfähigkeit und die einkommensbedingten Exporte (weiter) gestiegen sind.

Angesichts des Twitter-Börsenganges hat “Deutsche Startups” (via) eine Info-Grafik von “statista” verlinkt, in der der aktuelle Wert eines 1000$-Investments in IPOs ausgewählter Internet-Unternehmen dargestellt wird, unter “Internet-IPOs: Was wäre aus 1.000 Dollar geworden” erfährt man etwa folgendes:

“Doch nicht immer wirft der Hype auch unmittelbar Rendite ab. Anleger die bei Facebooks IPO im letzten Jahr 1.000 US-Dollar investierten haben beispielsweise aktuell noch kaum Gewinn gemacht”, berichtet statista. Wird aber vielleicht noch! Wer etwa beim Amazon-IPO mit 1.000 US-Dollar dabei war, dessen Aktien sind heute rund 239.000 US-Dollar wert.

Was wird aus den Bibliotheken, wenn erst einmal alles jederzeit digital zu haben ist? Kathrin Passig hat in der ZEIT einen spannenden, leicht provokanten Kommentar geschrieben, der im Netz eifrig (etwa hier, hier und hier) diskutiert wird. Und malt sie unter der Überschrift “Die Zukunft des Papierverleihs” eine alles andere als rosige Zukunft für die Bibiotheken an die Wand:

Bibliotheken sind Papiermuseen. Wenn sie sich nicht bald grundsätzlich wandeln, haben sie kaum noch eine Existenzberechtigung. Was sie können, kann das Internet besser.

Und zum Abschluss der Webschau in diesem Blog noch leicht verdaulicher Lesestoff. Auf “Spiegel Online” (via) findet sich ein Interview mit Götz George, in dem dieser in gewohnter Manier kein Blatt vor dem Mund nimmt:

Wir sind Oldies, allerdings noch gut dabei. Als wir eine Szene auf einem Schulhof drehten, wussten die Kids gar nicht, was da los ist. Schimanski? In den Achtzigern war das anders. Wo wir anrückten, wurden wir gefeiert. Sogar in den Puffs von Duisburg.

Webperlen: Liveticker 17. Juni, deutsches Google, twitternde Journalisten und ein Ausnahmezustand in Siegen

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • 17. Juni ’53 –Ticker
  • Journalisten und soziale Medien: Eine irrelevante Studie regt zum Nachdenken an
  • Image Net: So funktioniert Googles Fotoerkennung
  • Google macht ernst – schlechte mobile Website, schlechtes Ranking
  • Reaktion auf US-Spionageskandal: Innenpolitiker fordern ein deutsches Google
  • “Informationsblockierer des Jahres”: Verschlossene Auster für Bundesinnenminister Friedrich
  • Satire: Erdoğan lässt Demonstranten so lange verprügeln, bis sie aufhören, ihn als autoritär zu bezeichnen
  • Macht, Moneten, Marionetten
  • Der Tag, als ich in den Abgrund der deutschen Facebook-Kommentarkultur blickte
  • Ausnahmezustand in Siegen – Eine Stadt sucht einen Falschparker

Wie wäre über den 17. Juni 1953 berichtet worden, wenn es damals schon das Internet gegeben hätte? DIE WELT betreibt eine interessante Geschichtsstunde und hat zum Jahrestag einen Liveticker eingerichtet:

Berlin-Mitte, gegen 13.15 Uhr
Die sowjetischen Truppen und die Volkspolizisten erfahren, dass der Ausnahmezustand verhängt worden ist. Eine offizielle Mitteilung darüber gibt es aber noch nicht. Trotzdem gehen jetzt etwa 3000 Rotarmisten und 10.000 DDR-Uniformierte gewaltsam vor: Sie rollen in die größten Menschenansammlungen hinein.

Blogs wurden mal als “Klowände des Internets” verspottet, dabei leisten sie häufig das, was der schnelllebige Journalismus nicht mehr leisten kann (oder will), nämlich Meldungen nicht nur zu übernehmen, sondern zu hinterfragen. Ein gutes Beispiel ist immer wieder “Netzwertig”, unter dem (provokanten) Titel “Journalisten und soziale Medien: Eine irrelevante Studie regt zum Nachdenken an” wird die angeblich mangelnde Social-Media-Praxis deutscher Journalisten hinterfragt:

Am heutigen Vormittag machte eine Studie zur Nutzung sozialer Medien durch Journalisten die Runde durch die deutschsprachige Netzsphäre. Kein Wunder, skizziert die Überschrift des sie thematisierenden Artikels beim Medienblog paidContent.org doch eine Aversion deutscher Journalisten gegenüber Social Media. Anlass dafür ist eine Statistik aus der sechsten “Oriella Digital Journalism Study” (PDF), in der die Verwendung sozialer Medien durch Journalisten in 14 Ländern gegenübergestellt wird.

Das Ende der mühsamen Verschlagwortung der Bildarchive? Googles Fotoerkennung Image Net erkennt erstaunlich gut Dinge, die auf den Bildern abgebildet sind. Wie es dazu kam, wird in dem Beitrag Image Net: So funktioniert Googles Fotoerkennung erklärt:

Die Suche nach einfachen Begriffen wie “Beach”, “Food”, “Car” in den eigenen Bildergalerien mag für einen Menschen keine große Herausforderung darstellen, für einen Algorithmus ist es aber eine wahre Meisterleistung – und diese erbringt Googles Fotosuche mittlerweile. Die dahinter stehende Technologie wurde in nur 6 Monaten implementiert.

Und nochmal Google: Beim Ranking der Suchmaschine spielen etliche hundert Kriterien eine Bedeutung, in unterschiedlicher Relevanz. Nun ist noch ein weiteres hinzugekommen, eine schlechte mobile Website führt demnächst auch zu einem schlechteren Ranking:

Webseiten, die eine schlechte mobile Ansicht liefern, werden in Googles Ranking bald nach unten rutschen. Das erklärt der Konzern in einem Blogbeitrag. Man sollte das in Zukunft also unbedingt in die eigenen SEO-Maßnahmen mit einbeziehen. Zu den Fehlern, die Seitenbetreiber vermeiden sollten, gehören unter anderem fehlerhafte Weiterleitungen von der Desktop-Version zu einer irrelevanten mobilen Seite.

Das können sich vermutlich auch nur Politiker ausdenken. Der Erfolg dürfte in etwa so hoch sein, wie bei De-Mail. Als Reaktion auf den US-Spionageskandal fordern Innenpolitiker jetzt ein deutsches Google:

In einem nationalen Google oder Facebook sieht er die Lösung, „damit die Kommunikation unseres Staates und unserer Unternehmen kein amerikanischer und erst recht kein chinesischer oder russischer Dienst mitlesen kann“. Man müsse dreistellige Millionenbeträge in die Hand nehmen, um die eigene Souveränität im IT-Bereich zu verteidigen und in die deutsche IT-Sicherheit zu investieren, sagte Uhl.

Statt dreistellige Millionenbeträg in ein Behördenprojekt zu versenken, dass niemals mit der Innovationskraft von Silicon Valley mithalten kann, wäre es besser, die Politiker würden sich um Dinge kümmern, die sie selbst ändern können. Etwa mehr Transparenz schaffen, die “Verschlossene Auster”, der Negativpreis für den “Informationsblockierer des Jahres”, geht dieses Jahr an Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich:

Die Journalistenorganisation Netzwerk Recherche würdigt damit die restriktive Haltung von Friedrich in der Auseinandersetzung um Auskunftsrechte von Journalisten bei Bundesbehörden und die Blockadehaltung des Ministeriums beim Informationsfreiheitsgesetz (IFG). Zudem habe Friedrich, der auch Sportminister ist, die Veröffentlichung der Medaillenvorgaben der Sportförderung bei den Olympischen Spielen 2012 gerichtlich zu verhindern versucht, so die Begründung von Netzwerk Recherche.

In einer ganz anderen Liga als Hans-Peter Friedrich spielt Recep Tayyip Erdoğan, die Satire-Webseite “Der Postillon” hat sich jetzt dem brutalen Vorgehen des türkischen Ministerpräsidentens angenommen. Unter der Überschrift “Erdoğan lässt Demonstranten so lange verprügeln, bis sie aufhören, ihn als autoritär zu bezeichnen” heißt es:

Istanbul (dpo) – Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan hat heute damit gedroht, die Demonstranten am Taksim-Platz und im benachbarten Gezi-Park so lange mit allen Mitteln staatlicher Gewalt zu bekämpfen, bis diese aufhören, seinen Regierungsstil als autoritär zu bezeichnen. Auch gegen jene, die behaupten, er sei unnachgiebig, will der AKP-Politiker unnachgiebig vorgehen.

Alles andere als transparent läuft es auch beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) zu. Das ändern soll jetzt ein Buch, das per Crowdfunding (vor)finanziert werden soll, unter der Überschrift “Macht, Moneten, Marionetten” erfährt man mehr:

Warum Crowdfunding? Warum ausgerechnet der Weinreich?
Ich bin freier Journalist und investiere seit vielen Jahren viel, um das Milliardengeschäft Sport zu beleuchten, ob nun im IOC oder in der FIFA – weil ich davon überzeugt bin, dass Aufklärung die wichtigste journalistische Aufgabe ist.
Auf herkömmlichem Wege ist es mir nicht möglich, ein solches Projekt zu stemmen. Meine Erfahrung: Buchverlage sind zu unflexibel für eine derartige hintergründige Prozessberichterstattung.

Ganz andere Abgründe tun sich jeden Tag bei den Facebook-Kommentaren auf, eine besonders unappetitliche Sammlung wird jetzt auf “120sekunden” präsentiert:

Es gehört seit jeher zum Journalismus, Menschen nach ihrer Meinung zu befragen. Das ist keine Erfindung des Mitmach-Internets. Aber was ich heute bei Facebook gelesen habe, verschlägt mir die Sprache.

Wobei die Kommentar-Schlachten bei Facebook durchaus ein witziges Ende nehmen können, in dem beschaulichen Siegen kam es dadurch zu einem “Ausnahmezustand”, eine Stadt sucht einen Falschparker:

Wer immer schonmal die Faszination von Social Media nachvollziehen wollte, dem empfehlen wir diese Facebook-Massenkonversation, die vielleicht als das größte digitale Happening in die Geschichte Siegens eingehen wird.

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

Webperlen: German Angst, das Marktvolumen von Amazon und Microsofts Neugier

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Anti-AdblockPlus-Kampagne ging nach hinten los
  • Die German Angst vor Dauerüberwachung ist wieder da
  • Datenbrillen finden schon vor Markteinführung Interesse
  • Soziale Netzwerke in Deutschland weiterhin unbeliebter als im Rest von Europa
  • Leistungsschutzrecht tritt am 01.08.2013 in Kraft
  • Google+ erhält ein neues Layout
  • Amazon kontrolliert drei Viertel des Online-Buchhandels
  • Microsoft liest bei Skype-Nachrichten mit

Zunächst ein Nachtrag zu unseren Blogbeiträgen über die Anti-Adblock-Kampagne der Verlage. Auf BASIC thinking findet sich unter der etwas irritierenden Überschrift “Anti-AdblockPlus-Kampagne ging nach hinten los” ein guter Artikel, der das Dilemma der Verlage ohne den sonst gerne üblichen Schaum vor’m Mund beleuchtet:

Allerdings könnte man darüber nachdenken, ob unter der Schirmherrschaft des Online-Vermarkterkreises im Bundesverband der Digitalen Wirtschaft bestimmte Werbeprofile definiert werden. Manche User wollen überhaupt keine Werbung, manche nur Text-Ads, andere können Display-Ads noch verschmerzen. Wenn der User bei der Installation von AdblockPlus gefragt wird, mit welchem Profil er surfen möchte, könnten alle davon profitieren. Eine Garantie darauf gibt es allerdings nicht.

Deutlich polemischer dagegen ist ein Artikel auf The European, der sich mit der hiesigen (Un)Sitte beschäftigt, erst einmal nur die Risiken, und nicht die Chancen zu sehen. Unter “Von wegen Glassholes: Die German Angst vor Dauerüberwachung ist wieder da” schreibt der Autor Gunnar Sohn:

Führte das Street-View-Projekt von Google zu höchst bizarren Abwehrkämpfen von Hausfassaden, Gartenzwergen im Vorgarten und Verpixelungs-Initiativen zur Unkenntlichmachung von Jägerzäunen, wird die Brillenvariante zu einem noch größeren Sturm der Empörung beitragen: Schlagzeilen wie „Stasi-Brille belästigt Otto Normalverbraucher“ oder „Spionage-Spielzeug für Stalker und Spanner“ sind vorprogrammiert.

Dabei besteht durchaus eine Nachfrage nach Google Glass, wie der Branchenverband BITKOM jetzt ermittelt hat, finden die Datenbrillen schon vor der Einführung hierzulande Interesse:

In einer repräsentativen Umfrage des Hightech-Verbands BITKOM äußert jeder fünfte Bundesbürger (20 Prozent) sein Interesse an einem solchen Gerät, das aktuelle Informationen wie E-Mails oder Navigationshinweise direkt ins Sichtfeld einblendet und erlaubt, Fotos und Videos aus dem Blickwinkel des Trägers aufzunehmen. Dabei sind sich knapp 7 Prozent schon jetzt sicher, dass sie eine Datenbrille nutzen werden, rund jeder achte Befragte (13 Prozent) kann es sich vorstellen. Jeder Dritte (35 Prozent) ist hingegen skeptisch und will eher keine Datenbrille tragen, ein weiteres Drittel der Befragten will um die neuen Geräte einen großen Bogen machen (37 Prozent).

Und eine weitere Studie zur Nutzung von Twitter, Facebook & Co. Laut dem Marktforschungshaus eMarketer sind soziale Netzwerke in Deutschland weiterhin unbeliebter als im Rest von Europa:

Demnach loggten sich im vergangenen Jahr nur knapp 36 Prozent aller Online-Nutzer mindestens einmal pro Monat bei sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter ein.

Dagegen ist in Ländern wie den Niederlanden oder Norwegen ist die entsprechende Rate mit 65 Prozent beinahe doppelt so hoch.

Vor Monaten war das Leistungsschutzrecht noch das große Thema im Netz, jetzt interessiert es kaum noch einen, obwohl das Leistungsschutzrecht am 01.08.2013 in Kraft tritt:

Das Urheberrechtsänderungsgesetz durch das ein Leistungsschutzrecht für Presserzeugnisse eingeführt wird, wurde gestern im Bundesgesetzblatt verkündet und tritt am 1. August in Kraft.

Eine Reaktion auf die verhaltene Nutzung? Google+ erhält ein neues Layout:

Google wird auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz I/O am heutigen Mittwoch ein umfangreiches Update fuer sein soziales Netzwerk Google+ vorstellen, welches nicht nur das Layout optimiert, sondern auch eine verbesserte Usability erzeugen soll. Der Hangout Messenger wird dazu noch mit einer neuen Groupchat-Funktion versehen.

Eine beängstigende Marktmacht, laut dem Verband der Versandbuchhändler kontrolliert Amazon drei Viertel des Online-Buchhandels:

Anknüpfend an die buchreport-Schätzung (hier mehr) taxiert der Verband den Buchumsatz von Amazon im vergangenen Jahr auf 1,6 Mrd Euro (Gesamtumsatz von amazon.de: 6,5 Mrd Euro). Dies ergibt laut Verband einen Anteil am gesamten Online-Buchhandel von 74%.

Auch ein anderer Branchenriese macht Schlagzeilen, wenn auch negative. Laut dem Focus liest Microsoft bei Skype-Nachrichten mit:

Wer das Programm Skype von Microsoft zum Chatten nutzt, muss sein Einverständnis geben, dass Microsoft alles lesen darf. Ein Sicherheitsportal hat nun Hinweise, dass der Computerriese diese Erlaubnis auch tatsächlich nutzt.

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

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