07/12/2019

Webperlen: Analoge Piraten, Smart TV, GovData und ein Elefanten-Baby

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Twitter ist für mich gestorben
  • Internet-Nutzung auf dem Smart TV
  • Space Night wird mit Musik unter CC-Lizenz fortgesetzt
  • Bund startet GovData
  • Sascha Lobo über den “Shitstorm”
  • Netz-Humor zum Pferdefleischskandal
  • Ein Baby-Elefant im Ozean

Ausgerechnet in der konservativen FAZ erklärt ein mittelmäßig bekannter Berliner Pirat (Christopher Lauer), warum er in Zukunft nicht mehr aktiv Twitter benutzen will:

Überhaupt: In was für ein Menschen- und Gesellschaftsbild lasse ich mich durch die Nutzung von Twitter eigentlich pressen? Ist es ein Wert, unbedarft jeden Gedanken, der vermeintlich in 140 Zeichen passt, in die Welt zu blasen? Soll jeder immer alles kommentieren? [...]

Am Ende summieren sich bei mir verlorene Zeit und Nerven, sozialer Stress und zerfaserte Kommunikation sowie mediale Super-GAUs zu verlorener Produktivität. Nicht ich bestimme meinen Alltag, mein Alltag wird von Twitter zumindest mitbestimmt. Dem gegenüber steht für mich ein Mehrwert, der genau zu messen und äußerst beschränkt ist.

Natürlich erntet er dafür eine gewisse Häme, interessant ist aber vor allem, wie sich der Artikel im Netz verbreitet, laut Rivva sieht es derzeit so aus:

Rivva

Die Zahl der Tweets übersteigt die Likes und Shares sehr deutlich, was erstaunt, da es in Deutschland wesentlich mehr Facebook- als Twitter-Nutzer gibt (generell gilt: Facebook hat die Masse, Twitter die Multiplikatoren). Offensichtlich fühlen sich die Facebook-Nutzer nicht von dem Thema angesprochen, während es bei Twitter die fleißig Runde macht – soziale Netzwerke waren bekanntlich schon immer für ihren Hang zur Selbstreferentialität bekannt. Den ganzen Text von dem Berliner Piraten findet man in der Faz unter “Twitter ist für mich gestorben“.

Trotz des Trends zum “Second Screen” setzen sich internetfähige Fernseher in Deutschland partout nicht durch. Oder, um genauer zu sein, die Geräte setzen sich dank geringem Aufpreis durch, nur niemand nutzt die Internet-Funktion. Mehr als die Hälfte der Besitzer der sogenannten “Smart TVs” nutzt die Internet-Funktion nie, der Rest nur sehr verhalten:

Die wenigen Personen, die mit dem Smart TV online gehen, tun dies in den seltensten Fällen, um im Internet zu surfen bzw. Web-Inhalte und -Anwendungen zu nutzen. Nur 14 % der Smart TVs wurden im letzten halben Jahr eingesetzt, um damit per Browser durchs Web zu surfen. Und lediglich 4 % dienten als Plattform, um soziale Netzwerke wie Facebook zu nutzen.

Die Studienergebnisse findet man unter: “Internet-Nutzung auf dem Smart TV: Kein Durchbruch in Sicht“.

Der ewige Streit um die GEMA-Gebühren fordert (neben den frustrierten YouTube-Nutzern) doch kein weiteres Opfer. Eigentlich sollte die bei Nerds als “Kultsendung” gefeierte Space Night eingestellt werden, da die Sendung bisher mit Musik unterlegt war, für die die GEMA so viel Geld verlangte, dass der Bayrische Rundfunk (BR) die Sendung einstellen wollte. Jetzt hat sich jedoch offenbar eine Lösung gefunden, wie Heise berichtet, wird die Space Night mit Musik unter CC-Lizenz fortgesetzt:

Der Bayerische Rundfunk (BR) will seine beliebte Sendereihe Space Night offenbar mit Musik unter Creative-Commons-Lizenz fortsetzen. Wie der Blogger Tobias Schwarz unter Berufung auf den BR meldet, will der Sender zunächst alte Folgen mit der freien Musik vertonen, ab Herbst könnten dann neue Folgen mit CC-Untermalung produziert werden. Die BR-Website nennt den 25. Februar als Termin für weitere Ausstrahlungen.

Ein (kleiner) Sieg für Transparenz-Aktivisten, ein zukünftiges Arbeitsfeld für Datenjournalisten: Wie die Tagesschau meldet, startet die Bundesregierung jetzt das Daten-Portal “GovData”:

Bevölkerungsdaten, Straßenverzeichnisse, Umweltmesswerte – die deutschen Behörden erheben viele Daten, die auch für Bürger von Interesse sind. Die Erhebung wird mit Steuergeldern finanziert. Aktivisten fordern deshalb seit langem eine Freigabe der Daten. Der Staat kommt dem nun langsam nach – jetzt startete ein Daten-Portal der Bundesregierung.

Zu den Hintergründen (und den Streit um das Online-Projekt) findet man hier, hier und hier informative Artikel, der englische Guardian hat heute (zufällig) gezeigt, wie man staatliche Statistiken sehenswert interaktiv aufbereiten kann: UK child poverty: get the data by parliamentary constituency.

“Ich habe das alles nicht gewollt”: In seiner SPIEGEL ONLINE-Kolumne plädiert Sascha Lobo dafür, den Begriff des “Shitstorms” nicht überzustrapazieren, auch wenn er selbst einen maßgeblichen Anteil an der Verbreitung des Wortes hat:

Recherchen zeigen nämlich, dass ich eine Mitschuld daran trage, dass das Wort Shitstorm in deutschen Medien zum Alltagsbegriff wurde. Inzwischen steht es sogar im Duden. Es gibt zwar eine relativ eindeutige Herkunft, auf Englisch umschreibt “shitstorm” allgemein sehr unangenehme Situationen. Aber die mediengängige Bedeutung im Sinn von Netzempörungssturm existiert so fast nur im deutschsprachigen Raum – aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stammen beinahe alle Google-Suchen nach “Shitstorm” weltweit.

Sascha Lobo: Ich habe das alles nicht gewollt.

Der sogenannte “Pferdefleischskandal” hat in den sozialen Netzwerken weniger einen Shitstorm, als einen Schwall an Pflerdefleisch-Witzen ausgelöst. Mal witzig, mal langweilig, mal nervig, aber doch mit einigen sehr schönen Perlen. Natürlich wurden die Tweets von den Medien zweitverwertet, der Stern teasert “Von Pferdeflüsterern und Fohlenhydraten” mit folgenden Worten an:

Pferd im Döner, in der Lasagne, Raviolis, Tortellonis und im Gulasch: In immer mehr Lebensmitteln wird das Fleisch der majestätischen Vierbeiner entdeckt. Einige Deutsche sind verunsichert, was sie noch essen können – andere nehmen es mit Humor. Eine Auswahl der lustigsten Cartoons und Fotomontagen.

Interessant an der Sammlung im Stern ist dabei gar nicht mal so sehr der Inhalt, als die Form. Statt die ganzen Pferdefleisch-Tweets und -Bilder direkt auf der Stern-Webseite zu implementieren, hat die Redaktion den Umweg über Storify genommen und erst anschließend auf der eigenen Webseite implementiert. Ein so gelungenes Beispiel für die Nutzung von Storify, dass wir in den nächsten Tagen hier auf dem Blog nach der Anleitung für RebelMouse noch eine Anleitung für Storify veröffentlichen werden.

Und zum Abschluss der Webperlen gibt es wieder einen Ausflug in’s Tierreich, bei dem Kraftfuttermischwerk kann der wohl glücklichste Baby-Elefant der Welt bewundert werden: >Klick!<

 

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

Webperlen: Datenjournalismus, Onlinejournalismus, Blogs und Nerdkram

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Fortschritt durch Daten?
  • Warum Online-Journalist inzwischen ein Traumberuf ist
  • Blogbeiträge vs. Fachartikel
  • Blogs, die noch fehlen
  • Beugehaft gegen Onlineredakteur
  • Was es mit Mate und Club-Mate auf sich hat
  • 50 Life Hacks to Simplify your World

Die Trendblogger setzten sich mit den Möglichkeiten und Grenzen des Datenjournalismus auseinander. Interessant ist der Blogpost “Fortschritt durch Daten?” vor allem, da er zeigt, dass Onlinejournalismus weit mehr zu bieten hat, als nur den klassischen Journalismus 1 zu 1 in das Internet zu übertragen:

Die Redaktion sammelt Daten, wertet diese aus und stellt sie dann geographisch dar. Doch verschiedene Zoomfaktoren (die Lupe mal ausgenommen), Verlinkungen oder Bearbeitungsmöglichkeiten (beispielsweise das Eintragen eigener Kreditzinsen) durch den Leser sind in Papierform unmöglich. [...] Die Einbindung des Lesers als Nutzer ist in interaktiven Statistiken noch um ein Vielfaches höher als in simplen Bildergalerien oder Videos, in denen er lediglich über vor und zurück bestimmt.

Wo wir schon beim Thema Onlinejournalismus sind: Die Klagen über den Niedergang des Journalismus hört man in den Zeiten des “Zeitungssterbens” ständig, prekäre Arbeitsverhältnisse würden reguläre Jobs ersetzen, Copy & Paste ersetzt die Recherche. Dass dem nicht unbedingt so ist, schildert ein “Betroffener” im Artikel “Warum Online-Journalist inzwischen ein Traumberuf ist“:

Das Schöne am Journalismus im Netz ist die große Freiheit und Vielfalt, die er bieten kann. Ich bin nicht auf eine Form wie Text oder Ton oder Bild beschränkt. Wer will und kann, probiert und kombiniert. Es gibt keinerlei Beschränkungen dafür, wie lang oder kurz ein Inhalt ist. Gibt es beispielsweise viele gute Bilder, kann man sie alle zeigen. Es existiert in der Regel kein Redaktionsschluss und Inhalte können fließend erweitert und aktualisiert werden, sofern notwendig.

Auch wenn es keine Beschränkung für die Länge gibt, so stellt sich doch häufig die Frage, ob man einen guten Beitrag in einem Artikel veröffentlicht, oder ihn in besser mehrere Teile aufsplittet. Die Blogger von SEO-United betrachten dies – naturgemäß – eher unter SEO-Gesichtspunkten, am Ende des Artikels “Blogbeiträge vs. Fachartikel” fragen die Autoren sogar, ob die Deutschen das Bloggen verlernt haben:

Schaut man sich in der SEO-Szene um, so scheinen viele das eigentliche Bloggen schlichtweg `verlernt´ zu haben! Anstatt wie früher regelmäßig einfach draufloszuschreiben und sich dadurch langfristig zu einer echten Bloginstanz zu entwickeln, wird krampfhaft versucht, sich mit einmaligen Riesenartikeln gegenseitig in Tweets und Likes zu übertrumpfen.

Apropos Blogs: Angeblich gibt es ja Blogs wie Sand am Meer, jedes noch so kleine Nischenthema sei besetzt. Von wegen: Schmalenstroer.net hat eine hübsche Liste von Blogs zusammengestellt, die in der deutschen Blogosphäre noch fehlen – bzw. diese wunderbar ergänzen würden. Besonders gut hat uns bei “Blogs, die noch fehlen” das Wanderblog gefallen:

Das Wanderblog
Der offizielle Twitter-Account von Schweden wechselt jede Woche seinen Besitzer und es darf dann ein neuer Bürger des Landes twittern. Ohne inhaltliche Vorgaben, ohne Zensur, aber mit 67.000 Followern. Warum nicht mal ein Blog gründen, in dem sich jede Woche/jeden Monat eine neue Person austoben darf?

Weniger witzig ist dagegen die Geschichte, über die Thomas Stadler bei Internet-Law berichtet. Und zwar wurde gegen einen Redakteuer Beugehaft angeordnet, da er nicht die Daten einer Nutzerin an die Justiz weitergeben will, gegen die wegen Verleumdung ermittelt wird. Beugehaft gegen Onlineredakteur:

Hintergrund ist eine Strafanzeige einer Therapeutin der Rehaklinik Bad Hamm wegen übler Nachrede durch eine anonyme Bewertung auf Klinikbewertungen.de. Der beanstandete Beitrag wurde von dem Portal bereits 2011 gelöscht, der Portalbetreiber bzw. der zuständige Onlineredakteur verweigern gegenüber Staatsanwaltschaft und Polizei aber die Preisgabe der Nutzerdaten.

ClubMate
Und zum Abschluss noch zwei nerdige Klicks: Ole Reißmann hat in “Was es mit Mate und Club-Mate auf sich hat: Eine Geschichte in 23 Bildern” eine wunderbare Bilderstrecke über das Kult-Getränk zusammengestellt. Noch mehr Nerkram, noch mehr Bilder finden sich auf “50 Life Hacks to Simplify your World“, wo extrem dämliche, extrem überflüssige und ein paar geniale Tipps vorgestellt werden. Lacher garantiert!

 

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

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