19/09/2019

Webperlen: Aufmerksamkeit für Organspende erzeugen, Blogparade über Blogparaden und eierlegende Wollmilch-PR

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Mit #catchthekidney Schaffung von Aufmerksamkeit für das Thema Organspende
  • Blogparade über Blogparaden: Die besten Tipps #Auswertung
  • I Forgot My Phone
  • “Fünf Journalisten/innen über ihre Arbeit im Internet” – Eine Mini-Doku über Journalismus im digitalen Wandel
  • Funktioniert Crowdfunding? Eine erste Bilanz
  • Der digitale Newsroom: eierlegende Wollmilch-PR

O tempora, o mores: Dass Blogs und Social Media eigentlich nur eine reine Zeitverschwendung sind, die allenfalls zum Tauschen von Katzenbildern nützlich sind, ist mittlerweile fester Bestandteil des kulturkritischen Lamentos. Dabei können diese wirklich sinnvolle Dinge leisten, wie Lars Fischer bewies, der mit #catchthekidney für die Schaffung von Aufmerksamkeit für das Thema Organspende sorgte:

Es fing ganz undramatisch an, indem Lars über seine geplante Nierentransplantation genauso twitterte, wie über das übliche, also über Wacken, Wissenschaft, Bier und Seegurkenpenisse. Und dann bekam das Ganze plötzlich ein Eigenleben, das in einer unfreiwilligen Kampagne endete, an deren Ende etliche davon überzeugt waren, sich endlich einen Spenderausweis zuzulegen.

Ergeben Blogparaden Sinn? Ja, auf jeden Fall, wenn man diese Auswertung über die Blogparade über Blogparaden zugrunde legt:

In einem Punkt sind sich die meisten Teilnehmer einig: Blogparaden bedeuten zwar viel Arbeit, lohnen sich allerdings. Wenn Veranstalter den Schwerpunkt auf das Thema und den daraus resultierenden Mehrwert – und nicht auf Sichtbarkeit und Werbewirkung – legen, kann eine Blogparade eine Bereicherung für alle Beteiligten sein.

Der ewige Wegbegleiter Smartphone: Wie stark die Alleskönner mittlerweile den Alltag dominieren, bringt der Blogbeitrag “I Forgot My Phone” (via) und ein kurzes YouTube-Video auf den Punkt:

Ich interagiere zwar mit vielen Menschen, doch diese stecken zumeist in einem kleinen Smartphone. Auch wenn ich im realen Leben unter Menschen bin, greife ich oft zum Smartphone “um mal eben kurz zu checken, was so los ist”.

Und ein weiterer spannender Beitrag (via) zum Thema Medienwandel, eine Mini-Doku über Journalismus im digitalen Wandel zeigt auf kurze, zum Teil amüsante Art und Weise auf, dass schlichte Schwarz-Weiß-Malerei nicht angebracht ist:

Dass der Journalismus dem digitalen Wandel nicht hilflos gegenüber steht, zeigt die Mini-Doku “Fünf Journalisten/innen über ihre Arbeit im Internet” von Jonathan Schmitt und Mario Chavarria. Zu Wort kommen Carolin Neumann, Daniel Bröckerhoff, Martin Giesler, Tilo Jung und Thomas Wiegold, die allesamt von ihrem Tun berichten und erklären, welche Rolle das Social Web dabei für sie spielt.

NDR Info startet zudem eine neue Serie über die Zukunft des Journalismus. Als Auftakt wurde eine erste Bilanz gezogen, ob Crowdfunding funktioniert:

Der freie NDR Fernsehjournalist und Eins-Plus-Moderator Daniel Bröckerhoff kritisiert, dass viele Journalisten ihre Crowdfunding-Projekte zu niedrig veranschlagen und etwa keine Honorare einrechnen.

Und zum Abschluss der Webschau in diesem Blog ein verwandtes Thema: Was wird eigentlich von einem digitalen Newsroom in Zeiten des digitalen Wandels erwartet? Offensichtlich sehr viel, denn er soll so etwas wie “eierlegende Wollmilch-PR” sein:

PR-News sollten in Suchmaschinen auffindbar, auf Social-Media-Plattformen teilbar und auf mobilen Geräten verfügbar sein. Der Newsroom sollte also ohne Zugangshürden daher kommen. Denn passwortgeschützte Pressebereiche sperren Google und interessierte Leser aus.

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

Webperlen: Liveticker 17. Juni, deutsches Google, twitternde Journalisten und ein Ausnahmezustand in Siegen

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • 17. Juni ’53 –Ticker
  • Journalisten und soziale Medien: Eine irrelevante Studie regt zum Nachdenken an
  • Image Net: So funktioniert Googles Fotoerkennung
  • Google macht ernst – schlechte mobile Website, schlechtes Ranking
  • Reaktion auf US-Spionageskandal: Innenpolitiker fordern ein deutsches Google
  • “Informationsblockierer des Jahres”: Verschlossene Auster für Bundesinnenminister Friedrich
  • Satire: Erdoğan lässt Demonstranten so lange verprügeln, bis sie aufhören, ihn als autoritär zu bezeichnen
  • Macht, Moneten, Marionetten
  • Der Tag, als ich in den Abgrund der deutschen Facebook-Kommentarkultur blickte
  • Ausnahmezustand in Siegen – Eine Stadt sucht einen Falschparker

Wie wäre über den 17. Juni 1953 berichtet worden, wenn es damals schon das Internet gegeben hätte? DIE WELT betreibt eine interessante Geschichtsstunde und hat zum Jahrestag einen Liveticker eingerichtet:

Berlin-Mitte, gegen 13.15 Uhr
Die sowjetischen Truppen und die Volkspolizisten erfahren, dass der Ausnahmezustand verhängt worden ist. Eine offizielle Mitteilung darüber gibt es aber noch nicht. Trotzdem gehen jetzt etwa 3000 Rotarmisten und 10.000 DDR-Uniformierte gewaltsam vor: Sie rollen in die größten Menschenansammlungen hinein.

Blogs wurden mal als “Klowände des Internets” verspottet, dabei leisten sie häufig das, was der schnelllebige Journalismus nicht mehr leisten kann (oder will), nämlich Meldungen nicht nur zu übernehmen, sondern zu hinterfragen. Ein gutes Beispiel ist immer wieder “Netzwertig”, unter dem (provokanten) Titel “Journalisten und soziale Medien: Eine irrelevante Studie regt zum Nachdenken an” wird die angeblich mangelnde Social-Media-Praxis deutscher Journalisten hinterfragt:

Am heutigen Vormittag machte eine Studie zur Nutzung sozialer Medien durch Journalisten die Runde durch die deutschsprachige Netzsphäre. Kein Wunder, skizziert die Überschrift des sie thematisierenden Artikels beim Medienblog paidContent.org doch eine Aversion deutscher Journalisten gegenüber Social Media. Anlass dafür ist eine Statistik aus der sechsten “Oriella Digital Journalism Study” (PDF), in der die Verwendung sozialer Medien durch Journalisten in 14 Ländern gegenübergestellt wird.

Das Ende der mühsamen Verschlagwortung der Bildarchive? Googles Fotoerkennung Image Net erkennt erstaunlich gut Dinge, die auf den Bildern abgebildet sind. Wie es dazu kam, wird in dem Beitrag Image Net: So funktioniert Googles Fotoerkennung erklärt:

Die Suche nach einfachen Begriffen wie “Beach”, “Food”, “Car” in den eigenen Bildergalerien mag für einen Menschen keine große Herausforderung darstellen, für einen Algorithmus ist es aber eine wahre Meisterleistung – und diese erbringt Googles Fotosuche mittlerweile. Die dahinter stehende Technologie wurde in nur 6 Monaten implementiert.

Und nochmal Google: Beim Ranking der Suchmaschine spielen etliche hundert Kriterien eine Bedeutung, in unterschiedlicher Relevanz. Nun ist noch ein weiteres hinzugekommen, eine schlechte mobile Website führt demnächst auch zu einem schlechteren Ranking:

Webseiten, die eine schlechte mobile Ansicht liefern, werden in Googles Ranking bald nach unten rutschen. Das erklärt der Konzern in einem Blogbeitrag. Man sollte das in Zukunft also unbedingt in die eigenen SEO-Maßnahmen mit einbeziehen. Zu den Fehlern, die Seitenbetreiber vermeiden sollten, gehören unter anderem fehlerhafte Weiterleitungen von der Desktop-Version zu einer irrelevanten mobilen Seite.

Das können sich vermutlich auch nur Politiker ausdenken. Der Erfolg dürfte in etwa so hoch sein, wie bei De-Mail. Als Reaktion auf den US-Spionageskandal fordern Innenpolitiker jetzt ein deutsches Google:

In einem nationalen Google oder Facebook sieht er die Lösung, „damit die Kommunikation unseres Staates und unserer Unternehmen kein amerikanischer und erst recht kein chinesischer oder russischer Dienst mitlesen kann“. Man müsse dreistellige Millionenbeträge in die Hand nehmen, um die eigene Souveränität im IT-Bereich zu verteidigen und in die deutsche IT-Sicherheit zu investieren, sagte Uhl.

Statt dreistellige Millionenbeträg in ein Behördenprojekt zu versenken, dass niemals mit der Innovationskraft von Silicon Valley mithalten kann, wäre es besser, die Politiker würden sich um Dinge kümmern, die sie selbst ändern können. Etwa mehr Transparenz schaffen, die “Verschlossene Auster”, der Negativpreis für den “Informationsblockierer des Jahres”, geht dieses Jahr an Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich:

Die Journalistenorganisation Netzwerk Recherche würdigt damit die restriktive Haltung von Friedrich in der Auseinandersetzung um Auskunftsrechte von Journalisten bei Bundesbehörden und die Blockadehaltung des Ministeriums beim Informationsfreiheitsgesetz (IFG). Zudem habe Friedrich, der auch Sportminister ist, die Veröffentlichung der Medaillenvorgaben der Sportförderung bei den Olympischen Spielen 2012 gerichtlich zu verhindern versucht, so die Begründung von Netzwerk Recherche.

In einer ganz anderen Liga als Hans-Peter Friedrich spielt Recep Tayyip Erdoğan, die Satire-Webseite “Der Postillon” hat sich jetzt dem brutalen Vorgehen des türkischen Ministerpräsidentens angenommen. Unter der Überschrift “Erdoğan lässt Demonstranten so lange verprügeln, bis sie aufhören, ihn als autoritär zu bezeichnen” heißt es:

Istanbul (dpo) – Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan hat heute damit gedroht, die Demonstranten am Taksim-Platz und im benachbarten Gezi-Park so lange mit allen Mitteln staatlicher Gewalt zu bekämpfen, bis diese aufhören, seinen Regierungsstil als autoritär zu bezeichnen. Auch gegen jene, die behaupten, er sei unnachgiebig, will der AKP-Politiker unnachgiebig vorgehen.

Alles andere als transparent läuft es auch beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) zu. Das ändern soll jetzt ein Buch, das per Crowdfunding (vor)finanziert werden soll, unter der Überschrift “Macht, Moneten, Marionetten” erfährt man mehr:

Warum Crowdfunding? Warum ausgerechnet der Weinreich?
Ich bin freier Journalist und investiere seit vielen Jahren viel, um das Milliardengeschäft Sport zu beleuchten, ob nun im IOC oder in der FIFA – weil ich davon überzeugt bin, dass Aufklärung die wichtigste journalistische Aufgabe ist.
Auf herkömmlichem Wege ist es mir nicht möglich, ein solches Projekt zu stemmen. Meine Erfahrung: Buchverlage sind zu unflexibel für eine derartige hintergründige Prozessberichterstattung.

Ganz andere Abgründe tun sich jeden Tag bei den Facebook-Kommentaren auf, eine besonders unappetitliche Sammlung wird jetzt auf “120sekunden” präsentiert:

Es gehört seit jeher zum Journalismus, Menschen nach ihrer Meinung zu befragen. Das ist keine Erfindung des Mitmach-Internets. Aber was ich heute bei Facebook gelesen habe, verschlägt mir die Sprache.

Wobei die Kommentar-Schlachten bei Facebook durchaus ein witziges Ende nehmen können, in dem beschaulichen Siegen kam es dadurch zu einem “Ausnahmezustand”, eine Stadt sucht einen Falschparker:

Wer immer schonmal die Faszination von Social Media nachvollziehen wollte, dem empfehlen wir diese Facebook-Massenkonversation, die vielleicht als das größte digitale Happening in die Geschichte Siegens eingehen wird.

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

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