21/10/2019

Webperlen: Übernahmegerüchte, Werben statt nerven und die Zukunft der Zeitungen

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Berichte über Milliarden-Deal: Yahoo interessiert sich für Tumblr
  • Werben statt nerven
  • Apropos Adblocker: (Wie lange) geht’s noch?
  • Zeitungen müssen promiskuitiv werden – beim Geldverdienen
  • Twitter bringt Toolkit für das “Internet der Dinge”
  • BGH: Dürfen Youtube-Videos ohne Erlaubnis der Urheber in Webseiten eingebunden werden?
  • Boris Beckers Bestes „Bb hat heute zahnschmerzen …autsch !“

Das Übernahmekarussell nimmt in der Digitalwirtschaft wieder Fahrt auf, wie SPIEGEL ONLINE berichtet, hat es Yahoo auf Tumblr abgesehen, der Preis für die Blogplattform ist jedoch alles andere als gering:

Das Interesse an Tumblr sei in letzter Zeit aber sehr viel größer geworden. Der Grund: Tumblr wird teurer. Nach Angaben von “AllThingsD” wird der Wert des Unternehmens, das nach eigenen Angaben mehr als 100 Millionen Blogs eine Heimat bietet, derzeit auf eine Milliarde Dollar geschätzt. Zum reinen Wert des Bloggernetzwerks von 800 Millionen Dollar kommen noch einmal 125 Millionen Dollar aus einer großen Finanzierungsrunde hinzu.

Die Debatte um die Anti-Adblock-Kampagne der Verlage ebbt nicht ab, wird sogar – zum mindest in Teilen – produktiv. Beim Berliner Tagesspiegel äußert sich jetzt Markus Hesselmann, Redaktionsleiter Online, in einem lesenswerten Kommentar:

Und so hatte der Appell einiger deutscher Online-Portale, doch bitte auf Adblocker zu verzichten, doch noch etwas Gutes. Denn er ist Anlass für diese aktuelle Debatte. Ansonsten halte ich persönlich wenig von solchen Bittgängen. Statt mit Appellen sollten wir unseren Leserinnen und Lesern lieber mit Angeboten kommen. Wir könnten ihnen zum Beispiel unsere Inhalte mit weniger Werbung oder womöglich sogar werbefrei nahe bringen, wenn sie im Gegenzug bereit sind, sich selbst an der Finanzierung zu beteiligen.

Deutlich gereizter, aber auch mit einen guten Argumenten meldet sich Frank Patalong zum selben Thema zu Wort. Patalong, der seit Jahren für SPIEGEL ONLINE schreibt, platzt bei Apropos Adblocker: (Wie lange) geht’s noch? regelrecht der Kragen:

Forderungen, Werbung unauffälliger zu machen, sind übrigens schlicht bescheuert. Wer so etwas fordert, hat nicht begriffen, worum es bei Werbung geht. Natürlich muss die auffallen, sonst wirkt sie nicht. Und wenn sie nicht wirkt, taugt sie auch nicht als Refinanzierungsbasis für kostenlose Angebote. “Gezieltere”, “personalisierte” Werbung einzufordern ist dann noch der ultimative Blödsinn. Wünschen wir uns wirklich noch mehr Profilierung unser Persönlichkeiten, mehr Schnüffelei, mehr Eindringen in unsere Daten, den Verkauf dieser Daten? Geht’s noch? Ich will das nicht.

Einen Brandbrief aus ganz anderer Richtung hat dagegen Jan Lerch geschrieben. Unter der provokativen Überschrift “Zeitungen müssen promiskuitiv werden – beim Geldverdienen” beklagt Lerch die Eindimensionalität und die Einfallslosigkeit der Nachrichtenportale:

Zum Thema Geldverdienen höre ich in den letzten Jahren immer Werbung und Paid Content, Paid Content und Werbung. Dabei sind zwei Dinge offensichtlich: Klassische Werbung im Netz spielt nur einen Bruchteil dessen ein, was Print gebracht hat, und Paid Content funktioniert vielleicht bei der “New York Times”. Ansonsten gilt: Menschen bezahlen im Netz nur für Inhalte, die sie unbedingt brauchen und anderweitig nicht bekommen können. Darum verdient das “Wall Street Journal” ebenfalls Geld. Menschen lassen sich ihr Portemonnaie auch emotional öffnen, deswegen könnte eine Bezahlapp für den Heimatverein funktionieren. Aber Geld für General Interest? Vergessen Sie es.

Deutlich innovativer zeigt sich dagegen Twitter, der Kurznachrichtendienst will das Toolkit für das “Internet der Dinge” herausbringen:

Warum sollen nur Computer, Smartphones und Tablet-Rechner Kurznachrichten versenden? Eine Kuckucksuhr zum Beispiel könnte ebenfalls Tweets ins Netz schicken – findet jedenfalls Twitter. Der Online-Dienst demonstriert nun anhand einer zwitschernden Standuhr ein Toolkit, mit dem beliebige Objekte Teil des sozialen Netzwerks werden können, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.

Eine ungeklärte Rechtslage mehr, als gäbe es davon im Urheberrecht nicht schon genug. Das BGH hat sich jetzt über die Rechtslage beim Einbetten von Youtube-Videos ohne Erlaubnis der Urheber geäußert:

Das Framing fremder Videos soll künftig als Urheberrechtsverletzung eingestuft werden. Das wünscht sich der Bundesgerichtshof (BGH), der die Frage an diesem Donnerstag aber nicht selbst entschied. Er legte den Fall vielmehr dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg vor, damit dieser eine EU-einheitliche Entscheidung treffen kann.

Mehr bei der taz unter “BGH-Beschluss zum Framing: Der Streit geht auf die höhere Ebene

Und zum Abschluss mal wieder etwas (unfreiwillig) witziges: Die FAZ hat sich die Mühe gemacht, die “besten” Tweets von Boris Becker zu sammeln, unter „Bb hat heute zahnschmerzen …autsch !“ findet man u.a. folgende Stilblüte des Mannes, der vermutlich besser beim Tennis geblieben wäre:

10. Dezember 2012 (zum Friedensnobelpreis für die EU): „Grosser Bewunderer von Angela Merkel! Ich bin sehr stolz und werde Patriot, als Sie Friedensnobelpreis gewonnen hat !!!“

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

Webperlen: German Angst, das Marktvolumen von Amazon und Microsofts Neugier

Heute in der Webschau von Görs Communications:

  • Anti-AdblockPlus-Kampagne ging nach hinten los
  • Die German Angst vor Dauerüberwachung ist wieder da
  • Datenbrillen finden schon vor Markteinführung Interesse
  • Soziale Netzwerke in Deutschland weiterhin unbeliebter als im Rest von Europa
  • Leistungsschutzrecht tritt am 01.08.2013 in Kraft
  • Google+ erhält ein neues Layout
  • Amazon kontrolliert drei Viertel des Online-Buchhandels
  • Microsoft liest bei Skype-Nachrichten mit

Zunächst ein Nachtrag zu unseren Blogbeiträgen über die Anti-Adblock-Kampagne der Verlage. Auf BASIC thinking findet sich unter der etwas irritierenden Überschrift “Anti-AdblockPlus-Kampagne ging nach hinten los” ein guter Artikel, der das Dilemma der Verlage ohne den sonst gerne üblichen Schaum vor’m Mund beleuchtet:

Allerdings könnte man darüber nachdenken, ob unter der Schirmherrschaft des Online-Vermarkterkreises im Bundesverband der Digitalen Wirtschaft bestimmte Werbeprofile definiert werden. Manche User wollen überhaupt keine Werbung, manche nur Text-Ads, andere können Display-Ads noch verschmerzen. Wenn der User bei der Installation von AdblockPlus gefragt wird, mit welchem Profil er surfen möchte, könnten alle davon profitieren. Eine Garantie darauf gibt es allerdings nicht.

Deutlich polemischer dagegen ist ein Artikel auf The European, der sich mit der hiesigen (Un)Sitte beschäftigt, erst einmal nur die Risiken, und nicht die Chancen zu sehen. Unter “Von wegen Glassholes: Die German Angst vor Dauerüberwachung ist wieder da” schreibt der Autor Gunnar Sohn:

Führte das Street-View-Projekt von Google zu höchst bizarren Abwehrkämpfen von Hausfassaden, Gartenzwergen im Vorgarten und Verpixelungs-Initiativen zur Unkenntlichmachung von Jägerzäunen, wird die Brillenvariante zu einem noch größeren Sturm der Empörung beitragen: Schlagzeilen wie „Stasi-Brille belästigt Otto Normalverbraucher“ oder „Spionage-Spielzeug für Stalker und Spanner“ sind vorprogrammiert.

Dabei besteht durchaus eine Nachfrage nach Google Glass, wie der Branchenverband BITKOM jetzt ermittelt hat, finden die Datenbrillen schon vor der Einführung hierzulande Interesse:

In einer repräsentativen Umfrage des Hightech-Verbands BITKOM äußert jeder fünfte Bundesbürger (20 Prozent) sein Interesse an einem solchen Gerät, das aktuelle Informationen wie E-Mails oder Navigationshinweise direkt ins Sichtfeld einblendet und erlaubt, Fotos und Videos aus dem Blickwinkel des Trägers aufzunehmen. Dabei sind sich knapp 7 Prozent schon jetzt sicher, dass sie eine Datenbrille nutzen werden, rund jeder achte Befragte (13 Prozent) kann es sich vorstellen. Jeder Dritte (35 Prozent) ist hingegen skeptisch und will eher keine Datenbrille tragen, ein weiteres Drittel der Befragten will um die neuen Geräte einen großen Bogen machen (37 Prozent).

Und eine weitere Studie zur Nutzung von Twitter, Facebook & Co. Laut dem Marktforschungshaus eMarketer sind soziale Netzwerke in Deutschland weiterhin unbeliebter als im Rest von Europa:

Demnach loggten sich im vergangenen Jahr nur knapp 36 Prozent aller Online-Nutzer mindestens einmal pro Monat bei sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter ein.

Dagegen ist in Ländern wie den Niederlanden oder Norwegen ist die entsprechende Rate mit 65 Prozent beinahe doppelt so hoch.

Vor Monaten war das Leistungsschutzrecht noch das große Thema im Netz, jetzt interessiert es kaum noch einen, obwohl das Leistungsschutzrecht am 01.08.2013 in Kraft tritt:

Das Urheberrechtsänderungsgesetz durch das ein Leistungsschutzrecht für Presserzeugnisse eingeführt wird, wurde gestern im Bundesgesetzblatt verkündet und tritt am 1. August in Kraft.

Eine Reaktion auf die verhaltene Nutzung? Google+ erhält ein neues Layout:

Google wird auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz I/O am heutigen Mittwoch ein umfangreiches Update fuer sein soziales Netzwerk Google+ vorstellen, welches nicht nur das Layout optimiert, sondern auch eine verbesserte Usability erzeugen soll. Der Hangout Messenger wird dazu noch mit einer neuen Groupchat-Funktion versehen.

Eine beängstigende Marktmacht, laut dem Verband der Versandbuchhändler kontrolliert Amazon drei Viertel des Online-Buchhandels:

Anknüpfend an die buchreport-Schätzung (hier mehr) taxiert der Verband den Buchumsatz von Amazon im vergangenen Jahr auf 1,6 Mrd Euro (Gesamtumsatz von amazon.de: 6,5 Mrd Euro). Dies ergibt laut Verband einen Anteil am gesamten Online-Buchhandel von 74%.

Auch ein anderer Branchenriese macht Schlagzeilen, wenn auch negative. Laut dem Focus liest Microsoft bei Skype-Nachrichten mit:

Wer das Programm Skype von Microsoft zum Chatten nutzt, muss sein Einverständnis geben, dass Microsoft alles lesen darf. Ein Sicherheitsportal hat nun Hinweise, dass der Computerriese diese Erlaubnis auch tatsächlich nutzt.

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Stimmen zur Adblock-Kampagne der Verlage

 

Außer Häme nichts gewesen? Der Aufruf der Nachrichtenseiten an ihre Leser, zukünftig doch bitte auf den Einsatz von Werbe-Blockern zu verzichten, wird zunehmend kritisch beurteilt, die Satire-Zeitschrift Titanic kartet sogar mit Persiflage (“Mach’s – aber mach’s mit Adblocker!”) nach.

Kritisiert wird insbesondere die Ideenlosigkeit hinter dem Aufruf, statt sich Gedanken zu machen, wie der Onlinejournalismus sich tragen soll, wird der schwarze Peter denjenigen Nutzern zugeschoben, die die Werbung auf der Webseite automatisch ausblenden. Dabei meinen nicht wenige Kommentatoren, dass die Nachrichtenseiten den Einsatz von Adblockern regelrecht befördert haben, da sie immer auffälligere und nervigere Werbung geschaltet haben.

Ein paar Stimmen zur Adblock-Kampagne der Verlage:

Medien-Berater Thomas Koch sieht in der Kampagne der beteiligten Nachrichtenseiten einen “Bumerang”. Er twittert: “Der Witz bei ‘No Ad-Blocker, please’ ist, dass jetzt endlich alle wissen, wie man die bescheuerte Werbung abstellt…” Weiter schreibt er: “Hab ja immer behauptet, Verlage verstehen Print nicht mehr. Jetzt verstehen sie nicht mal mehr das Internetz…”

Auch Ulf Heyden, Leiter Channelmanagement bei Focus Online, bilanziert ein “Eigentor” der Konkurrenz. Auf Google+ schreibt er: “Ein absolutes PR Desaster aus Vermarktungssicht, was da SZ, Spiegel und Zeit angerichtet haben.”

(Meedia)

Nein, Wettrüsten wird das Problem nicht lösen. Denn Adblocker sind nicht das Problem, sie sind nur eine Folge des Problems. Zu diesem zählt auch, dass viele Presseverlage glauben, ihre Probleme mit Aufrufen an Leser lösen zu können statt in den Abwehrreaktionen der Leser ein Indiz für einen tiefergehenden Missstand zu erkennen.

(neunetz.com Wirtschaft im digitalen Zeitalter)

Als SPIEGEL-Leser wird man mit Werbung penetriert. Satte 12 Anzeigen habe ich gezählt: Eine im Header, eine als Störer im Text (absolutes No-Go!), eine rechts neben dem Artikel, fünf in der linken Sidebar und vier unter dem Kommentarfeld. Sieben Anzeigen sind übrigens in animiertem Flash, das Versprechen man würde auf aufdringliche Werbeformen verzichten ist also nicht erfüllt.

(chriszim.com)

Ob das hilft? Warten wir’s ab. Generell aber wäre es weitaus besser, endlich redaktionelle Seiten viel strikter von PR zu trennen, Werbung kenntlicher zu machen und vor allem einen weitaus größeren Teil des Browserfensters mit journalistischen Inhalten zu füllen.
Statt also die Gäste mit merkwürdigen Schuhauszieh- oder Besteckmitbring-Bitten zu verwundern sollte erst mal die Küche stimmen. Dann könnte man reden.

(Thomas Knüwer)

Das Angebot der Verlage ist einfach: Journalistische Inhalte gibt es im Tausch gegen eingeblendete Werbung. Leistung und Gegenleistung. Wem das Verhältnis nicht passt, der kann sich beschweren oder die Angebote eben nicht nutzen. Die viel beschworene Pressevielfalt ermöglicht es immer, sich woanders zu informieren. Kostenlose Selbstbedienung rechtfertigt sie nicht.

(Philipp Sümmermann)

Optimal wäre ja der kontextsensitive Adblocker: Alles, was mit grellen Farben (im Vergleich zur Originalseite) daherkommt, blinkt, schwurbelt und so weiter, wird ausgeblendet. Der Rest bleibt stehen. Was meint Ihr, wenn Ihr dann die geladenen Inhalte protokolliert, wie sich der Markt verändern würde?

(willsagen.de)

Und, liebe Onlinemagazine, Ihr merkt es selbst: wenn ich Eure Artikel erst suchen muss und sie dann noch nicht einmal IN RUHE lesen kann, dann muss ich mir schon irgendwelche flauschigen Sympathiegründe ausdenken, um Euer Onlinemagazin ÜBERHAUPT zu besuchen.

(Meike Lobo)

Wir Leser sollten die Verlage ebenfalls nicht mit Füssen treten. Wenn wir uns über etwas lustig machen, dient das nur einer kurzen Befriedigung des Egos. Hat jemand die perfekte Lösung für Verlage zur Hand? Ich glaube einige wären bereit ein paar satte Euros dafür in die Waagschale zu werfen. Mal im ernst, klar sitzen da Redakteure, kostet der Server, etc. Ein Verlag muss eben Geld verdienen.

(fakeblog)

Noch was Lustiges zum Abschluss, liebe Werbetreibende: Nach dem Artikel vom letzten Freitag habe ich doch, entgegen der darin getroffenen Ankündigung, glatt vergessen, den Adblocker einzuschalten (woher sollte ich schon sonst wissen, wie nervig Werbung auf SParGEL Online ist?). Mit Eurer Kampagne habt ihr mich da an was erinnert…

(Konstantin Klein)

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Adblocker deaktivieren?

AdBlocker

Die obige Meldung hat heute jeder angezeigt bekommen, der SPIEGEL ONLINE über einen Browser aufrief. Doch die Aktion, die die Leser dazu aufzurufen, den Werbeblocker zu deaktivieren, beschränkte sich nicht nur auf Deutschlands führende Nachrichtenseite, sondern betrifft auch Süddeutsche.de, faz.net, golem.de, RP Online, Spiegel Online und Zeit Online. In der dazugehörigen Pressemitteilung heißt es:

Nachrichten-Websites geben heute den Puls der Berichterstattung vor. Schnell, zuverlässig und detailliert halten sie die Öffentlichkeit auf dem Laufenden. Wie alle Medien brauchen auch Onlinedienste eine stabile wirtschaftliche Basis, um hochwertige Inhalte produzieren zu können. Sie finanzieren sich weitgehend über Werbung, deren Erlöse sich über Reichweiten bemessen. Gegenwärtig verwenden jedoch etliche Nutzer Adblocker-Dienste. Dabei handelt es sich um Programme oder Programmzusätze zum Internetbrowser, die bei rund 25 Prozent aller Seitenaufrufe verhindern, dass Werbung ausgeliefert wird.

Diese Werbeanzeigen sind jedoch die wichtigste Einnahmequelle von Nachrichten-Websites. Faz.net, golem.de, RP Online, Spiegel Online, Süddeutsche.de und Zeit Online weisen nun innerhalb einer gemeinsamen Kampagne auf diesen Umstand hin und rufen Ihre Leser mittels Einblendungen auf, die Websites auf die Adblocker-Ausnahmeliste zu setzen.

Legitime Kampagne
Dass es sich dabei um eine legitime Kampagne handelt, dürfte unzweifelhaft feststehen. Die Nachrichtenseiten rufen ihre Nutzer (also diejenigen, die täglich Nachrichten frei Haus geliefert bekommen) dazu auf, doch bitte auf ihren Seiten den Werbeblocker zu deaktivieren – und das auch noch in einem sehr freudlichen Ton, ohne irgendwelche Drohungen auszustoßen. Außerdem spielen die Nachrichtenseiten (bzw. die hinter den Nachrichtenseiten stehenden Verlage) mit offenen Karten.

Der Grund für die Kampagne dürfte mit Sicherheit auch der sein, der von den Machern angegeben wird. Zumindest in der Firefox-Extension schafft es Adblock, fast 100 Prozent der Werbung auszublenden, weshalb das kleine Zusatzprogramm zu den beliebtesten Erweiterungen des Browsers gehört. Besonders beliebt ist die Extension naturgemäß bei den besonders netzaffinen Nutzern und den Vielnutzern (die nicht immer identisch sind), insgesamt liegt der Anteil der Adblock-Benutzer in Deutschland wohl bei 25 Prozent.

Besonders betroffen von den Nutzern, die die Werbung blockieren, ist die techniklastige Seite golem.de, in dem (sehr ausführlichen) Aufruf der News-Seite heißt es:

 

Von unseren Anstrengungen, die Werbung möglichst unaufdringlich zu gestalten, merken viele unserer Nutzer allerdings nichts: Sie benutzen Adblocker. Wie bei anderen Technikseiten ist ihr Anteil bei uns vergleichsweise hoch, denn die Toleranz von technisch versierten Nutzern für Werbung ist besonders gering, ihre Ansprüche an die Qualität sind hoch – und sie wissen, was man gegen die Werbung tun kann.

Schaltet ein Nutzer einen Adblocker ein, sieht er die Werbung auf Webseiten nicht nur nicht mehr, sein Browser lädt sie auch nicht. Da Werbekunden nur bezahlen, wenn ihre Werbung auch ausgeliefert wird, sind vor allem die Websites die Leidtragenden.

Eine Argumentation, die vermutlich jeder nachvollziehen kann – und nicht nur Leute, die mit Journalismus, Werbung, PR etc. ihr Geld verdienen. Zudem bemüht sich golem.de auch noch darum, nur Werbung auf der Seite zu platzieren, die nicht nervig oder aufdringlich ist, was aber wiederum ein Drahtseilakt ist, wie sie selber schreiben.

Springer ist nicht dabei
Wer sich an der Kampagen nicht beteiligt ist Springer. Weder auf BILD, noch auf WELT findet man derzeit ein Pendant zu dem Aufruf. Über die Gründe hierfür kann man nur spekulieren, naheliegend ist jedoch Springers Paid-Content-Strategie. Das Onlineangebot der WELT ist bereits mit einer Paywall versehen, die ab 20 Artikel pro Monat greift – und das kann man durchaus als Testballon für die anderen Webangebote des Verlagsriesen deuten. Offensichtlich sieht Springer die Zukunft des Onlinejournalismus nicht allein in der Werbefinanzierung, sondern in einer Mischfinanzierung, an der sich auch die Nutzer beteiligen, das Werbeblocker-Problem dürfte daher nicht so schwer wie bei anderen Verlagen wiegen.

Wird der Anti-Adblock-Aufruf etwas bringen?
Die Reaktionen auf den Aufruf sind – für Netzverhältnisse – erstaunlich wohlwollend. Sätze wie “Denn der Einsatz von Werbung sorgt letzten Endes dafür, dass wir alle tagtäglich sämtliche Inhalte im Netz kostenlos konsumieren können” oder “Das ist für Menschen, die schnell von Online-Werbung genervt sind, eine praktische Sache, schadet aber langfristig sowohl den Verlagen als auch den Lesern” oder “Aber die Werbung muss sein, damit Webseiten künftig auch kostenfrei bleiben” sind nicht die Ausnahme, es wird jedoch auch (ebenfalls nicht ohne guten Grund) auf Sicherheitslücken hingewiesen – und Werbung, die das Lesen des Aufrufs unmöglich macht.

Trotzdem dürfte der Erfolg eher bescheiden sein, da kaum jemand sein Nutzerverhalten aus reiner “Solidarität” etc. mit den Verlagen ändert. Der Geist ist bekanntlich willig, aber das Fleisch ist schwach, spätestens bei der nächsten nervigen Werbung wird Adblock wieder aktiviert. Schlimmer noch: Gerade die Nutzer, die nicht netzaffin sind, dürften mit der Kampagne zum ersten Mal erfahren, dass man Werbung blockieren kann, was durchaus ein gewisses Potenzial für ein Eigentor hat.

Adblock selbst hat sich auch schon zu Wort gemeldet, das Projekt mahnt dabei vor allem Werbung an, die die Nutzer nicht stört:

 

Wir sind uns vollkommen bewusst, dass Qualitätsjournalismus durch Werbung finanziert wird. Daher haben wir bereits im Jahr 2011 die Acceptable-Ads-Initiative ins Leben gerufen, um einen Kompromiss zwischen Internetnutzern und Verlagen zu finden. Werbung, die unaufdringlich gestaltet ist und von der Adblock Plus Community als „akzeptabel“ zertifiziert wurde, wird in den Standardeinstellungen des Werbeblockers nicht blockiert. Der Demokratiegedanke kommt bei unserer Community zum Tragen: Die Richtlinien für akzeptable Werbung legt diese selbst fest. Diese entscheidet, welche Anzeigen unaufdringlich und informativ sind und den Nutzern von Adblock Plus beim Surfen eingeblendet werden.

Das Fazit der Autoren des Blogs: Netter Versuch der Verlage, der aber am Ende nichts gegen Werbeblocker ausrichten wird.

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

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