15/11/2018

Lesenswertes: Impressumsfehler und Abmahnungen, Twitter und Bluefin Labs, Zehn-Tage-Regel bei Empörungen und das PeerBlog

Das kann teuer werden: Wie allfacebook.de berichtet, haben professionelle Abmahner vor Gericht einen erneuten Sieg davon getragen. Diesmal sind nicht nur Privatnutzer betroffen, die Abmahnungen wegen Urheberrechtsverletzungen bekommen haben, sondern die Betreiber von Facebook-Fanseiten, worunter fast alle Firmenseiten fallen.

Und zwar geht es um fehlerhafte bzw. unvollständige Impressen. Und das durchaus im großen Stil, laut allfacebook.de wurden nachweislich über 180 Abmahnungen innerhalb einer Woche verschickt:

Dabei berief sich das abmahnende Unternehmen auf das Landgericht Aschaffenburg. Dieses hatte mit dem Urteil vom 19. August 2011 (Az.:2 HK O 54/11) entschieden, dass Facebookseiten ein Impressum benötigen. Zumindest solche, die nicht rein privat sind [...].

Dieses Urteil wurde vom Landgericht Regensburg ohne weitere Ausführungen bestätigt. Die Facebookseite ist ein selbständiger “Kanal”, mit dem entgeltliche Leistungen beworben werden. Punkt.

Weiter wird gewarnt, dass das Beispiel Schule machen könnte, allfacebook.de verweist dabei auch auf missliebe Konkurrenten:

Jedoch ist die Entscheidung zunächst in der Welt und mit ähnlichen Fällen ist zu rechnen. Auch mir wurden schon Abmahngeschäfte mit Impressumsfehlern bei Facebook vorgeschlagen. Dazu kommen in steigender Anzahl “anonyme” Tippgeber die mich (sinnloserweise) bitten, gegen ihre Konkurrenten vorzugehen. Nach dem jetzigen Urteil wird sich diese Tendenz sicher verstärken.

Den ganzen Artikel über den Prozess kann man unter der Überschrift Impressumsfehler auf Fanseiten – Massenabmahner siegen vor Gericht finden.

Wie Twitter gestern bestätigte, hat der Microbloggingdienst aus Amerika die Firma Bluefin Labs übernommen. Im Gespräch sind Summen von 40 bis 80 Millionen Dollar, das wäre dann die teuerste Übernahme in der Geschichte von Twitter. Bluefin Labs ist ein Dienst, der sich auf die Messung von TV-Reichweiten im Social Media-Bereich spezialisiert hat, die Übernahme zielt vermutlich vor allem auf die Erhöhung der Werbeeinnahmen durch gezieltere Werbung.

Das deutsche Wall Street Journal hat bereits im Vorfeld der Übernahme folgende Einschätzung abgegeben:

Darum wird es zumindest zum Teil Aufgabe von Bluefin sein, nach der Übernahme durch Twitter genau diese Deals mit potenziellen Werbekunden unter Dach und Fach zu bringen. Bluefin muss dafür sorgen, dass sowohl die Programmanbieter, aber auch die Marketingabteilungen den Wert des sozialen Netzwerkes erkennen und nicht nur einmal, sondern immer wieder investieren.

Mehr im Wall Street Journal unter: Warum Twitter Bluefin kauft – und warum sich Bluefin kaufen lässt.

In einem lesenswerten Kommentar setzt sich Rainer Stadler mit der Frage auseinander, wie lange ein Thema bei den Medien heiß läuft, seiner Meinung nach wird nach gut 10 Tagen schon die nächste Sau durch das (digitale) Dorf getrieben:

Statistisches zum Aufstieg und Niedergang von Skandalen ist mir nicht bekannt, doch erfahrungsgemäss dürften Empörungswellen nach zehn bis vierzehn Tagen ausklingen. Diese Faustregel scheint auch für die derzeitige Debatte um Sexismus zu gelten. Nach dem Startschuss des «Sterns» am 24. Januar meldeten sich Anfang dieser Woche bloss noch Nachzügler zu Wort.

Den ganzen Kommentar findet man bei der Neuen Züricher Zeitung unter der Überschrift: Die Zehn-Tage-Regel bei Empörungen.

Apropos Empörung: Dass Unternehmen ein Blog finanzieren, das Peer Steinbrück im Wahlkampf unterstützt, löst nicht gerade große Zustimmung im Netz aus. Die Mehrheit hält das Vorgehen nicht für sauber, einzelne Stimmen verteidigen das sogenannte “PeerBlog” jedoch auch. Bei Görs Communications sind wir uns noch unschlüssig, ob das Blog Steinbrück nützen wird, wenn der Start so holprig verläuft, statt hier im Blog eine Meinung einzunehmen, verweisen wir lieber auf die interessantesten Einschätzungen:

“Indiskretion Ehrensache” ist recht klar im Urteil, im Beitrag Das Peerblog: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde vertritt Autor Thomas Knüwer die Meinung, dass die “Freunde” Peer Steinbrück einen Bärendienst erwiesen haben. “Medistus Online News Magazin” beurteilt dies ähnlich, unter Das Peerblog – Wahlkampf nach US-Vorbild ein Schuß in den Ofen? wird vor allem die intransparente Finanzierung bemängelt. Deutlich differnzierter betrachtet Klaus Eck die Causa rund um das PeerBlog, trotz einiger Mängel schreibt er das Projekt unter Viel Lärm um nichts: das Peerblog noch nicht vollkommen ab.

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

Urheberrechtsverletzungen im Internet: Abmahnungen künftig in vernünftigen Dimensionen?

Ja, wir wollen das Urheberrecht in seiner Substanz erhalten, wir sind aber auch dafür, Auswüchse einzudämmen und bei den Abmahnungen wieder zu vernünftigen Dimensionen zu kommen.

So die zuständige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger über das “Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken“, das nächste Woche (vermutlich am 6. Februar) durch das Kabinett gewunken werden soll. Dadurch erhofft sich die Bundesregierung, endlich eine Lösung für ein Problem geschaffen zu haben, dass seit Jahren die Netzgemeinde umtreibt, und zwar will man die im Netz als “Abmahnindustrie” verspotteten Abmahnungen von Rechtsanwälten gegen Filesharer auf ein vernünftiges und für alle Seiten erträgliches Maß schrumpfen.

Der Hintergrund ist schnell erklärt: Bei den Tauschbörsen im Internet werden trotz aller bisherigen Maßnahmen weiterhin jede Menge Filme, Serien und Musikstücke kopiert. Viele Nutzer (also Kopierer) sind sich a) nicht bewusst, dass das nicht legal ist oder b) schätzen die Chance, erwischt zu werden, als vernachlässigbar ein. Was für die Musik- und Filmindustrie natürlich ein Ärgernis ist. Um das Treiben zu minimieren, räumen sie bestimmten Rechtsanwaltskanzleien das Recht ein, die Urheberrechtsverletzungen abzumahnen. Soweit, so gut. Das Ganze wuchs sich jedoch zunehmend zu einem Problem aus, als die Rechtsanwaltskanzleien merkten, dass das ein sehr lukrativer Markt ist, wenn man nur die moderne Technik einsetzt und “dreist” vorgeht.

Statt einzelne Nutzer abzumahnen, werden die Tauschbörsen vollautomatisch nach Urheberrechtsverletzungen durchsucht, die Urheberrechtsverletzer bekommen dann eine Abmahnung zugestellt, die ebenfalls zu gut 99% automatisch erstellt ist. Und die hat es meist in sich, neben einer Unterlassungserklärung werden Summen vom Kopierer verlangt, die alles andere als angemessen sind, meist um die 800 Euro für einen einzigen Song. Lässt sich der Kopierer auf einen Rechtsstreit ein, bestand in der Vergangenheit häufig die Möglichkeit, die Summe vor Gericht zu drücken, da 800 Euro für einen Song, der für 99 Cent legal erworben werden kann, jede Relation sprengt.

Jedoch stellt sich die Frage, ob es sich wegen 800 Euro lohnt, den Rechtsstreit vor Gericht auszutragen. Selbst wenn die Summe von 800 auf 100 Euro gesenkt werden können, entstehen immer noch Rechtsanwaltskosten und ein Zeitaufwand, der die Ersparnis nahezu auffrißt. Deshalb haben in der Vergangenheit sehr viele erwischte Kopierer die Zähne zusammengebissen und gezahlt. 800 Euro überweisen, sich ärgern, aber die Sache ist erledigt.

Und das wurde von der sogenannten “Abmahnindustrie” ausgenutzt: Laut einer Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentralen wurden schon etwa 4,3 Millionen Deutsche abgemahnt. Und wenn von den 4,3 Millionen nur jeder dritte die 800 Euro umstandslos überweist, also den Rechtsweg ausschlägt, dann kommt eine verdammt hohe Summe zusammen, ein wirklich lukrativer Markt für umtriebige Rechtsanwälte.

Was bringt das Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken?

Zunächst einmal soll zukünftig ein maximaler Betrag von gut 150 Euro eingefordert werden können – wenn der Nutzer zum ersten Mal eine Urheberrechtsverletzung begeht. Ein Betrag, der wieder einigermaßen in Relation zu der Tat steht und das massenhafte Abmahnen weniger lukrativ macht. Entsprechend jubeln auch schon viele Zeitungen und Blogs auf, die TAZ titelt mit Weniger Kohle für Abmahn-Anwälte, die SZ mit Gesetz zum Verbraucherschutz: Maximal 155 Euro für die erste Abmahnung und der Focus spricht von den neuen Anti-Abzocke-Regeln für Verbraucher.

In vielen Blogs hält sich der Jubel jedoch in Grenzen, dort heißt es etwa Deckelung der Abmahnkosten kommt – ein bisschen vielleicht demnächst… oder das Gesetz wird gleich als Placebo bezeichnet. Wobei die Kritiker an dem Gesetz, um das seit Monaten gerungen wird, ebenfalls gute Argumente haben. So wird das Gesetz explizit nicht auf “gewerbliche” Fälle ausgedehnt, was sich logisch anhört, schließlich soll ja niemand mit Urheberrechtsverletzungen Geld verdienen. Aber in de Vergangenheit wurde etlichen Tauschbörsen-Benutzern bereits ein gewerbsmäßiges Vorgehen vorgeworfen, wenn gleich mehrere Songs anboten wurden – ohne dass ein Cent geflossen ist. Die Grenze müsste also deutlich genauer gezogen werden.

Außerdem ist die Antwort auf das Problem der sogenannten “Störerhaftung” nicht befriedigend, also der Sachverhalt, dass der Inhaber des Internetanschlusses abgemahnt wird, selbst wenn er selbst kein Urheberrechtsvergehen begangen hat, etwa weil sein W-Lan geknackt wurde. Aber noch ist das Gesetz nicht endgültig beschlossen, hier auf dem Blog berichtet Görs Communications weiter, sobald Nägel mit Köpfen gemacht wurden.

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

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