26/08/2016

Stimmen zur Adblock-Kampagne der Verlage

 

Außer Häme nichts gewesen? Der Aufruf der Nachrichtenseiten an ihre Leser, zukünftig doch bitte auf den Einsatz von Werbe-Blockern zu verzichten, wird zunehmend kritisch beurteilt, die Satire-Zeitschrift Titanic kartet sogar mit Persiflage (“Mach’s – aber mach’s mit Adblocker!”) nach.

Kritisiert wird insbesondere die Ideenlosigkeit hinter dem Aufruf, statt sich Gedanken zu machen, wie der Onlinejournalismus sich tragen soll, wird der schwarze Peter denjenigen Nutzern zugeschoben, die die Werbung auf der Webseite automatisch ausblenden. Dabei meinen nicht wenige Kommentatoren, dass die Nachrichtenseiten den Einsatz von Adblockern regelrecht befördert haben, da sie immer auffälligere und nervigere Werbung geschaltet haben.

Ein paar Stimmen zur Adblock-Kampagne der Verlage:

Medien-Berater Thomas Koch sieht in der Kampagne der beteiligten Nachrichtenseiten einen “Bumerang”. Er twittert: “Der Witz bei ‘No Ad-Blocker, please’ ist, dass jetzt endlich alle wissen, wie man die bescheuerte Werbung abstellt…” Weiter schreibt er: “Hab ja immer behauptet, Verlage verstehen Print nicht mehr. Jetzt verstehen sie nicht mal mehr das Internetz…”

Auch Ulf Heyden, Leiter Channelmanagement bei Focus Online, bilanziert ein “Eigentor” der Konkurrenz. Auf Google+ schreibt er: “Ein absolutes PR Desaster aus Vermarktungssicht, was da SZ, Spiegel und Zeit angerichtet haben.”

(Meedia)

Nein, Wettrüsten wird das Problem nicht lösen. Denn Adblocker sind nicht das Problem, sie sind nur eine Folge des Problems. Zu diesem zählt auch, dass viele Presseverlage glauben, ihre Probleme mit Aufrufen an Leser lösen zu können statt in den Abwehrreaktionen der Leser ein Indiz für einen tiefergehenden Missstand zu erkennen.

(neunetz.com Wirtschaft im digitalen Zeitalter)

Als SPIEGEL-Leser wird man mit Werbung penetriert. Satte 12 Anzeigen habe ich gezählt: Eine im Header, eine als Störer im Text (absolutes No-Go!), eine rechts neben dem Artikel, fünf in der linken Sidebar und vier unter dem Kommentarfeld. Sieben Anzeigen sind übrigens in animiertem Flash, das Versprechen man würde auf aufdringliche Werbeformen verzichten ist also nicht erfüllt.

(chriszim.com)

Ob das hilft? Warten wir’s ab. Generell aber wäre es weitaus besser, endlich redaktionelle Seiten viel strikter von PR zu trennen, Werbung kenntlicher zu machen und vor allem einen weitaus größeren Teil des Browserfensters mit journalistischen Inhalten zu füllen.
Statt also die Gäste mit merkwürdigen Schuhauszieh- oder Besteckmitbring-Bitten zu verwundern sollte erst mal die Küche stimmen. Dann könnte man reden.

(Thomas Knüwer)

Das Angebot der Verlage ist einfach: Journalistische Inhalte gibt es im Tausch gegen eingeblendete Werbung. Leistung und Gegenleistung. Wem das Verhältnis nicht passt, der kann sich beschweren oder die Angebote eben nicht nutzen. Die viel beschworene Pressevielfalt ermöglicht es immer, sich woanders zu informieren. Kostenlose Selbstbedienung rechtfertigt sie nicht.

(Philipp Sümmermann)

Optimal wäre ja der kontextsensitive Adblocker: Alles, was mit grellen Farben (im Vergleich zur Originalseite) daherkommt, blinkt, schwurbelt und so weiter, wird ausgeblendet. Der Rest bleibt stehen. Was meint Ihr, wenn Ihr dann die geladenen Inhalte protokolliert, wie sich der Markt verändern würde?

(willsagen.de)

Und, liebe Onlinemagazine, Ihr merkt es selbst: wenn ich Eure Artikel erst suchen muss und sie dann noch nicht einmal IN RUHE lesen kann, dann muss ich mir schon irgendwelche flauschigen Sympathiegründe ausdenken, um Euer Onlinemagazin ÜBERHAUPT zu besuchen.

(Meike Lobo)

Wir Leser sollten die Verlage ebenfalls nicht mit Füssen treten. Wenn wir uns über etwas lustig machen, dient das nur einer kurzen Befriedigung des Egos. Hat jemand die perfekte Lösung für Verlage zur Hand? Ich glaube einige wären bereit ein paar satte Euros dafür in die Waagschale zu werfen. Mal im ernst, klar sitzen da Redakteure, kostet der Server, etc. Ein Verlag muss eben Geld verdienen.

(fakeblog)

Noch was Lustiges zum Abschluss, liebe Werbetreibende: Nach dem Artikel vom letzten Freitag habe ich doch, entgegen der darin getroffenen Ankündigung, glatt vergessen, den Adblocker einzuschalten (woher sollte ich schon sonst wissen, wie nervig Werbung auf SParGEL Online ist?). Mit Eurer Kampagne habt ihr mich da an was erinnert…

(Konstantin Klein)

Impressum .