17/12/2018

BuzzFeed als der Schrecken deutscher Medien?

Wirft man einen Blick auf den im Herbst des vergangenen Jahres gestarteten deutschen Ableger von BuzzFeed, so kann man sich nicht wirklich vorstellen, dass die Seite jemals auch nur annährend so viel Traffic wie die bekannten deutschen Nachrichtenseiten generiert. Die Themen wirken wie ein Teenager-Potpourri, von “11 Anrufe, bei denen Du aufgelegt hättest, Domian aber dran blieb” über “Können wir Nutella am Geschmack erkennen?” und “9 Dinge, für die Domians Hirsch jetzt Zeit hat” bis zu “20 Sprüche, auf die Single-Frauen keine Lust mehr haben”. Dazu ist die Seite alles andere als optisch ansprechend, ein Design-Student würde vermutlich die Krise kriegen.

BuzzFeed Deutschland Screenshot

BuzzFeed Deutschland Screenshot

Surft man zwei, drei Minuten auf dem deutschen Ableger von BuzzFeed, verändert sich der Eindruck kaum, noch immer erscheint die Webseite wie ein unbedeutender Teenager-Klamauk, von dem es tausende im Netz gibt. Wer jetzt also meint, dass das deutsche BuzzFeed ein Nischendasein führen wird, hat dafür gute Gründe – liegt aber leider komplett falsch. Und dafür gibt es einen entscheidenden Grund, nämlich den überragenden Erfolg von BuzzFeed in Amerika.

Warum das englische BuzzFeed so erfolgreich ist

BuzzFeed beschäftigt mittlerweile deutlich mehr als 500 Mitarbeiter und ist eine der meistbesuchten Seiten in den USA. Die Traffic-Zahlen sind sogar so hoch, dass BuzzFeed die altehrwürdige New York Times hinter sich lässt, eine Zeitung, die trotz ihres Alters massiv ins Internet investiert hat (und für deutsche Nachrichtenseiten nicht zuletzt wegen ihrer intelligenten Paywall noch immer Vorbild ist).

Wer jetzt meint, dass Journalismus und Teenager-Trash nicht vergleichbar sei, der liegt ebenfalls falsch. Das amerikanische BuzzFeed ist zwar mit ähnlichen Beiträgen wie in Deutschland – also hauptsächlich kurzweilige Listicles – gestartet, hat aber mittlerweile auch eine Politik- und Wirtschaftsredaktion aufgebaut, die durchaus ernst genommen wird. Was auch daran liegen könnte, dass BuzzFeed (renommierte) Journalisten mit hohen Gehältern locken kann – die wiederum aus den überdurchschnittlich hohen Werbeeinnahmen relativ locker finanziert werden können. Mit dem Geschäftsmodell konnte BuzzFeed im letzten Jahr mehr als 100 Millionen Dollar Umsatz erzielen, der Wert des Unternehmens dürfte mittlerweile bei mehr als einer Milliarde Euro liegen.

Die Startseite ist nebensächlich

Dabei sieht die internationale/englische Startseite ähnlich “billig” wie die deutsche BuzzFeed-Startseite aus – und das war auch nie anders. Was jedoch BuzzFeed jedoch wenig juckt, denn der Traffic wird nur zu sehr geringen Teilen über die Startseite generiert. Sprich: BuzzFeed setzt gar nicht darauf, dass jemand www.buzzfeed.com oder gar www.buzzfeed.com/?country=de in seinen Browser eingibt und danach die Seite Stück für Stück durchgeht. Natürlich nimmt man diesen Traffic auch mit – mehr aber auch nicht.

Google/SEO ist nebensächlich

Ähnliches gilt für Google bzw. SEO. Natürlich nimmt BuzzFeed den Traffic von Google mit, in Sachen SEO dürfte auch etwas (sic!) getan werden, aber der Fokus liegt auch hier nicht. Während viele amerikanische und deutsche Seiten sehr viel Wert auf gutes Onpage-SEO legen, wird dieser Aspekt von BuzzFeed vernachlässigt. Ganz praktisch: Im Zweifelsfall entscheidet sich BuzzFeed etwa bei den Überschriften für die, die richtig Lust auf den Artikel machen – und eben nicht für die Überschriften, die sich aus Sicht der Suchmaschinenoptimierung (etwa wegen den verwendeten Keywords) gut machen.

BuzzFeed und Social Media

Jetzt sollte man sich natürlich fragen, wo der ganze BuzzFeed-Traffic herkommt, wenn Startseite und SEO doch eher stiefmütterlich gehandhabt werden. Die Antwort ist denkbar leicht – Social Media. Wohl keine andere Webseite schafft es, so viel Traffic von Social Media zu generieren wie BuzzFeed. Und das ist auch die eigentliche Geschäftsidee hinter BuzzFeed. Die Inhalte werden so erstellt, dass sie auf den verschiedenen Social-Media-Plattformen die Runde machen.

BuzzFeed fokussiert sich also fast ausschließlich auf Social Media – und das mit Erfolg. Artikel werden nicht aus SEO-Sicht geschrieben, Artikel werden nicht aufgrund ihrer Relevanz oder ihrem Nachrichtenwert geschrieben, sondern vor allem dann, wenn sie sich gut über Facebook, Twitter, Pinterest und all den anderen Social-Media-Plattformen teilen lassen. Und das auch nicht nach Gefühl – etwa nach dem Motto: “Oh, das ist witzig!” – sondern nach gezielter Analyse des bisherigen Erfolgs. BuzzFeed verwendet sehr viel Arbeitsaufwand auf der Analyse der Klickzahlen; wertet ständig aus, welcher Erfolg auf Twitter/Facebook/Pinterest etc. erzielt wurde. Und das vor allem, um künftige Artikel noch besser zu optimieren. Gleiches gilt für die Mitarbeiter bzw. BuzzFeed-Autoren, auch hier dürfte der Arbeitsplatz gesichert sein, wenn “ihre” Artikel oft geteilt werden, sie also das gewisse Etwas haben, um einen viralen Erfolg zu erzielen.

Hinter dem, was auf den ersten Blick wie Teenager-Klamauk aussieht, steckt also eine gezielte Strategie (und sehr viel Arbeit). BuzzFeed weiß aufgrund des eigenen Datenschatzes, was auf Facebook zieht – und was nicht. Und aus dem Grund dürfte die deutsche Version von BuzzFeed auch so mancher deutschen Nachrichtenseite (zu Recht!) Angst machen. BuzzFeed kann dank Social Media eine Reichweiter generieren, von denen andere nur träumen – und das Unternehmen wächst und wächst und wächst. Und wenn sich deutsche Nachrichtenseiten nicht in Konkurrenz zu BuzzFeed sehen (“Katzenbilder, sonst nichts!”), dann sei auch hier auf Amerika verwiesen, wo BuzzFeed Journalisten mit besseren Gehältern (und höherer Reichweite!) abwerben konnte, um anschließend auch “richtige” Nachrichten anzubieten.

Was man aus Content-Marketing-Sicht von BuzzFeed lernen kann

Aus Content-Marketing-Sicht ist an BuzzFeed vor allem das Maßschneidern des Inhalts interessant. Wir haben es schon hier, hier, hier und hier gesagt, der Erfolg von Content Marketing steht und fällt mit dem Erreichen der Zielgruppe. Und da kann niemand BuzzFeed etwas vormachen – der Erfolg bzw. Misserfolg von jedem Artikel wird analysiert, um anschließend noch erfolgreicher auf Twitter, Facebook und Co. zu sein.

Niemand sollte aus unserer Sicht SEO vernachlässigen, eine gute Startseite ist Gold wert, aber BuzzFeed zeigt, dass man auch ohne SEO und tollem Layout eine sehr hohe Reichweite erzielen kann. Grundlage hierfür ist eine gute Content-Marketing-Strategie, die Fokussierung auf die entscheidenden Verbreitungskanäle, Content, der die Zielgruppe (und vor allem diese!) anspricht, eine gute Analyse und sehr viel Gefühl fürs anschließende Optimieren der Inhalte. Ein Erfolgsrezept, das für alle Zielgruppen gilt, von gelangweilten Teenagern bis hin zu den Entscheidern im B2B-Bereich.

 

 

Diesen und weitere Blog-Artikel zu Public Relations (PR), Content, Marketing, Digitalisierung und Kommunikation gibt es im Görs Communications Blog auf https://www.goers-communications.de/pr-werbung-beratung/blog

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